Anmerkungen zu Kaiser Karl
Zur Biographie
Karl-Franz-Joseph, als Kaiser von Österreich
Karl I., als Apostolischer König von Ungarn Karl IV., wurde
am als ältester Sohn von Erzherzog Otto und Prinzessin
Maria-Josefa von Sachsen in Schloß Persenbeug in Niederösterreich
geboren und starb am im Exil auf der zu Portugal gehörenden
Atlantikinsel Madeira. Begraben daselbst in der Kirche Nossa Senhora
do Monte. Von seiner frommen Mutter gut Katholisch erzogen, begann
er 1905 bei der Kavallerie seine militärische Ausbildung. 1911
vermählte er sich mit Zita von Bourbon-Parma, die ihm 1912 den
ersten Sohn, Otto, schenkte, und mit der ihn lebenslang eine beispielhafte
Ehegemeinschaft verband. Durch den von der politischen Elite Serbiens
inszenierten Mord am Österreichischen Thronfolgerpaar in Sarajewo,
der in Folge die Rückendeckung Rußlands, Frankreichs und Englands
fand, wurde Karl Thronfolger nach Kaiser Franz-Joseph. Mit Ausbruch
des Weltkrieges gewann er erste Einblicke in die Kriegführung.
1916 bewährte sich Karl im Kommando des 20. Armeekorps gegen
Italien. Nach den schweren russischen Einbrüchen des gleichen
Jahres ging Karl demonstrativ an die gefährdete Ostfront.Mit der
weitreichenden Erschöpfung der Mittel der Monarchie in dem ihr
aufgezwungenen Krieg konfrontiert, entwickelte Karl erste Pläne
für einen Kompromißfrieden, um das für Europa so verhängnisvolle
Schlachten zu beenden. Pläne, die Karl auch als Kaiser weiterverfolgen
sollte, die aber alle schließlich an den Machthabern der Entente
scheitern würden. Mit dem Tod Kaiser Franz-Josephs am mußte Karl in schwerster Zeit und unter nahezu aussichtslosen
Verhältnissen den Thron der Monarchie besteigen. Angesichts des
auf Messers Schneide stehenden Kriegsausganges entschied sich
Karl, hierin von seiner politisch begabten Gemahlin Zita unterstützt,
für einen Kurs weitreichenden Kompromisses im Inneren. Damit wird
verständlich: die Einschränkung der politischen Kompetenzen des
Armeeoberkommandos und der Wechsel in seiner Führung, die Karl
begreiflicherweise als Schwäche ausgelegte Amnestie für politische
Verbrechen, seine innenpolitischen Reformpläne und Zugeständnisse.Karls
politisches Hauptanliegen war die Wiederherstellung des Friedens.
Nachdem die aufgrund ihrer enormen materiellen Überlegenheit auf
Sieg setzenden Alliierten das Friedensangebot der Mittelmächte
Ende 1916 zurückgewiesen hatten, ging Karl mutig das Risiko ein,
durch die Vermittlung des auf gegnerischer Seite kämpfenden Bruders
von Kaiserin Zita, Prinz Sixtus von Bourbon-Parma, über Frankreich
nochmals Friedensgespräche herbeizuführen. Diese und alle weiteren
Sondierungen, die Karl noch über Vermittlung des Papstes, des
Königs von Spanien und des Königs von Belgien versuchte, blieben
ergebnislos, da sie von einer maßlosen politischen Führung im
Lager des Gegners vor allem als Schwäche gedeutet und als Instrument
der Destabilisierung der Mittelmächte begriffen wurden. Deshalb
kam es auch 1918 zur ehrlosen und desavouierenden Veröffentlichung
der vertraulichen Friedensbemühungen Karls (mit der Spottbezeichnung
Sixtus-Affäre belegt) durch Frankreichs Ministerpräsidenten
Clemenceau.Der nach der umfassenden Niederlage Rußlands sich schließlich
doch abzeichnende Sieg der Mittelmächte wurde durch das Eingreifen
der Vereinigten Staaten verhindert, die nunmehr ihr ganzes großes
Gewicht zugunsten der Entente entfalteten. Dem mit Herbst 1918
übermächtig gewordenen Druck an den Fronten konnten die bis zur
Erschöpfung streitenden Armeen der Kaisermächte nicht mehr standhalten;
das allmähliche Zusammenbrechen der kämpfenden Truppen kombinierte
sich mit von außen her geschürten inneren Verfallsprozessen. Letzte
politische Stabilisierungsversuche des Kaisers, so sein Völkermanifest
vom Oktober 1918, blieben angesichts ausbrechenden nationalen
Größenwahns und sozialistischer Umsturzagitation wirkungslos.
Mit dem Zerbrechen des Staates und mit drohendem Bürgerkrieg konfrontiert,
entschloß sich Karl nach Vorsprache seiner politischen Berater
zum politischen Opfer der eigenen Person. In seinem Manifest vom
erklärte er seinen Verzicht an den Staatsgeschäften,
durchaus aber nicht seine Abdankung.Die maßgeblich von den Sozialisten
betriebene putschartige Ausrufung der republik anerkannte Karl
nicht, zumal diese ohne Volksabstimmung über die Staatsform zustandegekommen
war. Die Sozialisten erzwangen daraufhin, durch Bedrohung der
Familie des Kaisers, seinen Gang ins Exil. Am verließen
Karl und seine Familie die Heimat; in Feldkirch, vor dem Grenzübertritt,
bekräftigte Karl seine Souveränitätsrechte und protestierte gegen
den Landesverweis. Erste Exilstation wurde die Schweiz. Nach Beratungen
mit Gefolgsleuten aus den alten Kronländern und angesichts der
erfreulichen Tatsache des Scheiterns diverser linksextremer Umsturzversuche
in Mitteleuropa, versuchte Karl im Frühjahr und Herbst 1921 unter
hohem persönlichem Einsatz die Restauration in Ungarn durchzusetzen,
scheiterte jedoch beide Male. Die Siegermächte erzwangen zur Verhinderung
weiterer politischer Schritte des Kaisers eine neuerliche Exilierung;
Verbannungsort wurde die fernab gelegene Atlantikinsel Madeira,
wo Karl schließlich, durch die ärmlichen Lebensverhältnisse, durch
ungünstiges Klima und wohl auch durch seelische Erschöpfung stark
angegriffen, 1922 an der Grippe starb.Nach den historischen Erfahrungen
der Jahrzehnte zwischen 1918 und 2004 muß man sagen, daß eigentlich
sämtliche politischen Vorstellungen des zu seiner Zeit weitreichend
gescheiterten Kaisers in die richtige Richtung wiesen; jene seiner
zahlreichen siegreichen Kontrahenten aber ungeheuerliches blutigstes
Inferno und politischen Niedergang für Europa und seine Völker
bewirkt haben. Selbst die Siegermächte Frankreich und England
hätten, auch nur auf ihre eigensten Interessen bezogen, auf lange
Sicht besser entschieden, hätten sie den von ihnen mitangezettelten
Ersten Weltkrieg nicht bis zur bitteren Neige durchgefochten;
ein Kompromiß 1916 oder 1917 wäre besser gewesen für Europa und
die Welt, als der rechtlose und abgründige Sieg von 1918.
Zur gegenwärtigen Polemik gegen die Seligsprechung des Herrschers
Wir haben es schon 1996/1997 so geschrieben, als damals bereits die
Seligsprechung Kaiser Karls erwogen wurde und erstmals massive Polemiken
losbrachen; und wir wiederholen uns jetzt aus Anlaß des für Herbst 2004
vorgesehenen feierlichen Ereignisses. Die liberalen Medien und die etablierten
politischen Kreise hierzulande mögen Karl I., den vorläufig letzten
Kaiser von Österreich, gar nicht. Erstens war er ein Habsburger, zweitens
ein Katholik, drittens naturgemäß kein Linker. Diverse Zeitgeistmedien
dilettieren in Geschichte und berichten Abfälliges über den Monarchen.
Karl hätte Reich und Ehre der Habsburger verspielt konnte man im Jänner
anläßlich des Bekanntwerdens der Entscheidung des Papstes in der Coverstory
einer berüchtigten hiesigen Linksgazette lesen; er habe (- ein mittlerweile
schon mehrmals in seiner Lächerlichkeit entlarvter Vorwurf) Giftgas
einsetzen lassen; Karls Person umrankten fromme Anekdötchen, da seine
Biographen eher der Kaiser-Karl-Gebetsliga angehörten (und eher nicht
der liberalen Medienmafia), weshalb denn angeblich auch ausgewogenes
Material über den Kurzzeitmonarchen rar sei; es gäbe angeblich nichts
Heroisches an Karls Leben und oft wäre er (ganz unpassend für heutige
Zustände) in die Kirche gegangen, anstatt Entscheidungen zu treffen
und wäre ein schwacher und unsicherer Mann gewesen; er habe überhaupt
eine anachronistische Art der Frömmigkeit zelebriert und schon der
(moralisch fragwürdige und klar kirchenfeindliche) Literat Schnitzler
und auch der Sozialist (und notorische Opportunist und republik-Gründer)
Renner hätten Schlimmes über den Kaiser beziehungsweise seine geistlichen
Berater aufnotiert; ultraprogressistischer Linksklerus und Mainstream-Historiker
werden mit empörten Kommentaren zur Seligsprechung zitiert und schließlich
(sehr enthüllend) wird die Befürchtung geäußert, daß Karls Seligsprechung
ein Zeichen dafür wäre, daß der kämpferische politische Katholizismus
wieder da ist. Dieser Befürchtung gerecht zu werden, soll uns freilich
hohe Verpflichtung sein.
Zum Krieg gegen Italien - Erste Anmerkung
Auf kaum einen der Vorwürfe lohnt es, näher einzugehen; lediglich die
Giftgasgeschichte verdient genauere Betrachtung, weil sich in ihrer
häufig wiederkehrenden denunziatorischen Aufbereitung die ganze Verlogenheit
zur Darstellung bringt, mit der heutzutage an die historischen Fakten
Österreichischer Geschichte herangegangen wird. Grundvoraussetzung moderner
Geschichtsschreibung über Österreich dürfte sein: alles ist schlecht,
was nicht Aufklärung, Revolution, Liberalismus und Sozialismus bedeutet.
Von daher ist es klar, daß es Kaiser Franz-Joseph und nicht den Entente-Mächten
unterstellt wird, den Ersten Weltkrieg angezettelt zu haben, und von
daher ist auch klar, daß Kaiser Karl mit dem Terminus Giftgas moralische
Minderwertigkeit und Kriegsverbrechen zugeordnet werden. Die Katholischen
Monarchen Österreichs also auf einer Stufe mit dem National-Sozialismus;
das Katholische Österreich ein Hort der Bestialität. Diese Botschaften
stecken hinter dem Giftgas-Vorwurf, und aus diesem Grunde findet gerade
dieser Vorwurf so bemühte und beständige Wiederholung.
Es ist völlig richtig, daß bei der Zwölften Isonzoschlacht, der siegreichen
Offensive der Mittelmächte gegen das feindliche Italien im Oktober 1917
also, hochwirksames deutsches Giftgas eingesetzt wurde; eine die Schlacht
mitentscheidende Waffe, mit welcher der Durchbruch durch die überaus
starke italienische Front erzwungen wurde. Enthüllungen über den zynischen
und besessenen Militaristen Karl verwiesen schon in der Sudelkampagne
gegen die Seligsprechung von 1996 ganz zentral auf diesen angeblich
völkerrechtswidrigen Giftgaseinsatz. Lieb und rührend, die Betroffenheit
unserer auch in Zeiten von Sparpaketen und Sozialabbau gut dotierten
Medien-Schickeria über die Verletzung des Völkerrechts im Jahr 1917.
Wann je vernahm man aus diesen Kreisen gleiche Betroffenheit über den
gegenwärtigen Massenmord der Abtreibung (ist wahrscheinlich nicht völkerrechtswidrig)?
Ganz abgesehen davon, daß man sich um das Völkerrecht in Kriegen,
damals wie heute und von allen Seiten, mit ganz wenigen Ausnahmen, nicht
bekümmert, war überhaupt der Kriegseintritt Italiens ein Paradefall
eines Bruches der moralischen Maßstäbe und ging jeglichem Giftgaseinsatz
beider Parteien ja voraus. Italiens militärische Führung betrieb eine
Strategie des Ausblutens ohne Rücksicht auf die eigenen Truppen. Denn
Italien verfügte gegenüber Österreich, bedingt durch die zahlreichen
anderen Gegner der Monarchie, vor allem durch den ungeheuren Kräfteverzehr
der Front gegen Rußland, über eine gewaltige Übermacht an Soldaten und
Material. Hunderttausende und aberhunderttausende tapfere, zumeist Katholische
und vielfach gar nicht kriegsbegeisterte Italiener wurden von ihrer
politischen und militärischen Führung gnadenlos gegen die ebenso tapfer
verteidigten Österreichischen Stellungen gehetzt. Die Übermacht sollte
die Österreicher niederwalzen. Die Hauptangriffsrichtung zielte über
das Tal des Flusses Isonzo nach Triest und Laibach. In elf ungeheuer
blutigen Isonzoschlachten versuchten die italienischen Generäle die
Zertrümmerung der Österreichischen Verteidigung zu erzielen. Der österreichisch-deutsche
Gegenangriff im Oktober 1917 erfolgte gegen diese Übermacht und gegen
ganz außerordentlich starke Stellungen. Der Gegenangriff wurde durchgeführt,
weil er einerseits möglich und andererseits absolut notwendig geworden
war. Die ungeheuren Verluste durch die nahezu pausenlosen italienischen
Angriffe waren nicht mehr zu verkraften; die Monarchie kämpfte längst
schon ums Überleben. Selbstverständlich bediente man sich dabei aller
zur Verfügung stehenden Mittel. Etwas anderes wäre gegenüber den eigenen
Soldaten ein Verbrechen gewesen - und Österreich war es ja, das den
Verteidigungskrieg, und Italien war es, das den Angriffskrieg führte.
Und eine der Hauptwaffen, deren sich die österreichisch-deutschen Schlachtenplaner
bedienten, waren eben die deutschen Kampfgase. Ihr überraschender Einsatz
bedeutete für viele italienische Soldaten den Tod - und für viele K.u.K.
Soldaten das Überleben. Genau das eben ist Krieg. Und selbst wenn Kaiser
Karl auf die österreichisch-deutsche Offensivplanung entscheidenden
Einfluß gehabt hätte, was nicht der Fall war, diese lag nach der Entscheidung
für den Angriff selbstverständlich in Händen der Fachleute, so hätte
er wohl kaum die Möglichkeit gehabt, den Gasangriff zu verbieten. Mit
welchem Argument auch.
Zum Krieg gegen Italien - Zweite Anmerkung
Man läßt in all den gegenwärtigen engagierten Ansudelungen gegen Kaiser
Karl beflissen die Tatsache beiseite, daß es Italien war, das im Jahr
1915 den Krieg gegen Österreich begann. Der Entscheidung zum Krieg gegen
das vertraglich überdies verbündete Österreich waren harte innenpolitische
Kontroversen in Rom vorangegangen, in denen sich die National-Liberalen
gegen die Kriegsgegner und die Päpstliche Politik durchsetzten, die
Italien neutral halten wollten. Die Begründung, mit der sodann eine
liberale und antikirchlich orientierte Regierung die Katholische Bevölkerungsmehrheit
des eigenen Landes gegen das kurz zuvor noch verbündete Katholische
Österreich auf die Schlachtbank schickte, war ziemlich einfach: Heiliger
Egoismus. Mit den (durchaus brauchbaren) Normen des nach dem Zweiten
Weltkrieg amtierenden Nürnberger Kriegsverbrechertribunals gemessen,
wären Italiens damalige politische und militärische Führer schlicht
als Anstifter eines Angriffskrieges und somit als Kriegsverbrecher hinzurichten
gewesen.
Schlußbetrachtung
Man könnte sich bei all dem fragen, was es eigentlich die Linke angeht,
ob die Kirche einen Katholischen Monarchen seligspricht oder nicht?
Der links-liberale Meinungs- und Tugendterror unserer Tage freilich
läßt längst schon den dahinterstehenden gewalttätigsten Totalitarismus
erkennen. Ein Totalitarismus, der auch die Kirche zu instrumentalisieren
und zu vereinnahmen trachtet. Der Habsburger der nicht seliggesprochen
werden darf, korrespondiert mit anderen, die nicht seliggesprochen
werden dürfen (Papst Pius XII. zum Beispiel). Und man vernahm auch
schon Forderungen gänzlich unzuständiger Gremien, wer hingegen seligzusprechen
wäre - die Kirche, auch in diesen Angelegenheiten, soll gehorsame Erfüllungsgehilfin
der herrschenden demokratischen Ideologie werden. Derzeitigen Zuständen
angemessene Heiligsprechungen lassen sich natürlich leicht imaginieren.
Liberalen Beifall erhielten sicher Giordano Bruno, Voltaire, Robespierre,
Marx, Freud, Lenin. Daß Kaiser Karl tatsächlich jenen heroischen Tugendgrad
besessen hat, der eine Seligsprechung rechtfertigt, hat die Kirche bereits
festgestellt. An dem von der Kirche bezeugten Wunder, das auf Fürsprache
des Habsburgers gewährt wurde, zu zweifeln, steht dem Katholiken nicht
an. Gebetserhörungen über Anrufung Kaiser Karls haben wir im engsten
persönlichen Kreis bereits erlebt. Solche Dinge passieren. Vielleicht
bei Katholiken häufiger, als bei Atheisten. Ein Aspekt sei zum Schluß
deutlich hervorgehoben. Karl war ein Katholischer Herrscher und stand
für einen Katholischen und also humanen Gesellschaftsentwurf, den er
versuchte, notgedrungen mit unzulänglichen Mitteln, durch die Katastrophe
des Weltenbrandes hindurch zu erhalten. Das wohl ist der Hauptgrund,
warum gegen seine Seligsprechung Stellung bezogen wird. Und genau das
ist einer der zentralen Punkte, die für diese Seligsprechung zählen.