Die Thesen zur Monarchie |
Quelle: „Die rechtgestellten
Weichen“. Karolinger Verlag 1989, Wien, S. 94 |
| 1. |
Die Vereinheitlichung des politischen und gesellschaftlichen
Elements, hat doch der Monarch, obwohl primär ein gesellschaftliches
Haupt, die Macht, in das staatliche Leben einzugreifen. Als Theodore
Roosevelt Kaiser Franz Joseph fragte, was er denn in diesem fortschrittlichen
20. Jahrhundert als seine wichtigste Aufgabe betrachte, antwortete
ihm der Monarch: „Meine Völker vor ihren Regierungen zu beschützen.“ |
| 2. |
Der Monarch ist kein Parteimann. Er wird von niemandem
gewählt - auch nicht vom bösen Nachbarn, dem man darob zürnen könnte.
Durch den biologischen Prozeß ist er einfach da und ist Zu-Fall
wie die eigenen Eltern. |
| 3. |
Er wird von Kindesbeinen an für seinen Beruf
vorbereitet und ausgebildet. Er ist ein Fachmann: die Koordination
ist sein Metier. Das erste Recht eines Volkes, wie Peter Wolf sagte,
ist gut regiert zu werden. Selfgovernment is better than
good government? Keineswegs, denn in der demokratischen Praxis
gibt es keine Selbstregierung, sondern nur Mehrheitsherrschaft. |
| 4. |
Da er sich die Krone nicht verdient hat, neigt
er auch weniger zum Größenwahn als der erfolgreiche Karrierist.
Der christliche Glaube zeigt ihm oft seine Nichtigkeit (Fußwaschungszeremonie,
Begräbnisformel der Habsburger, siehe aber auch das Zeremoniell
in der Peterskirche bei der Papstinthronisierung.) |
| 5. |
Als weiterer Faktor (neben dem gesellschaftlichen
und politischen) figuriert der religiöse. Die Krönung ist ein Sakramentale.
Die Monarchie ladet zur Perfektion ein - zur geistigen, wie auch
zur seelischen. Die Zahl der heiligen Könige, Kaiser und ihrer Frauen
ist groß. |
| 6. |
Die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen
geistigen Begabung auf erbbiologischer Grundlage ist gegeben. In
den Dynastien, die aus einem Aggregat von auserlesenen Familien
bestehen, werden spezifische Talente erhalten und weitergegeben.
Oft allerdings begegnen wir einer Genialität, die in die Nähe des
Wahnsinns gerät … in der Vergangenheit ein Problem, heute hingegen
von der Medizin durchschaut. Der verrückte Monarch wird heute frühzeitig
von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen. |
| 7. |
Die Monarchie hat einen übernationalen Charakter.
Nicht nur sind meist Mutter, Frau, Schwager und Schwiegerkinder
„Ausländer, sondern die Dynastien selbst in der Regel ausländischen
Ursprungs. So waren im Jahre 1909 nur die souveränen Herrscher von
Serbien und Montenegro lokaler Herkunft.
Die Dynastien sind auch rassisch gemischt und stammen u. a. auch
von Mohammed und Dschinghis Khan ab. Dies als auch ihr übernationaler
Charakter geben ihnen einen doppelten psychologischen Vorteil: die
Chance, andere Völker (und Herrscherfamilien) besser zu verstehen
und auch zum eigenen Volk eine objektive Distanz einzuhalten. |
| 8. |
Die Monarchie ist elastischer als alle anderen
Regierungsarten; sie läßt sich leicht mit den verschiedensten Regierungs-
und Sozialformen kombinieren. So vereinigt die klassische gemischte
Regierungsform elitäre und demokratische Elemente mit einer monarchischen
Spitze. Aber man könnte sich auch ein sozialistisches Königtum vorstellen
und selbst ein kommunistisches Kaiserreich - das wir ja in der Herrschaft
der „Inkas sahen. Tatsächlich ist, wie Treitschke hervorgehoben
hatte, die Monarchie der Proteus unter den Staatsformen. |
| 9. |
Die Monarchie ist eine patriarchale, unter Umständen
aber auch eine patriarchal-matriarchale oder selbst matriarchale
Institution. Hier werden tiefste Gefühle unserer familistischen
Natur angesprochen. Das Herrscherpaar ist zugleich ein Elternpaar.
Zudem ist die Monarchie schon aus diesen Gründen dem Patriotismus,
die Demokratie dem Nationalismus zugeordnet. Die Demokratie steht
für vaterlose Brüderlichkeit, die logisch in Big Brother
ihren Kulminationspunkt findet. |
| 10. |
Die Monarchie ist eine organische Regierungsform,
in der die Vernunft sich mit der Gefühlswelt harmonisch verbinden
kann. In dieser Synthese entsteht Legitimität, die ja nicht ein
rein juridischer Begriff sein kann. Die Monarchie ist keine „ausgedachte,
künstliche, arithmetische Regierungsform, sondern eine im engsten
Sinne des Wortes „natürliche, der menschlichen Natur angemessene.
Der Zeugung und der Geburt stehen die plakatierten Wände und die
Computernächte nach den Wahlschlachten gegenüber. |
| 11. |
Auch das Prinzip des rex sub lege machte die Monarchie
zur arché, nicht zum krátos. Selbst in der Verfallsform
der absoluten Monarchie hatte ein „Autokrat wie Ludwig XIV.
nicht einen Bruchteil der Macht unserer Parlamente. Selbst unter
ihm gab es corps intermédiaires. |
| 12. |
Die weltanschaulich-ideologische Einheit, ohne die (laut Harold
Laski) der Parlamentarismus nicht bestehen kann, ist in der
Monarchie viel weniger notwendig - daher ist auch die geistige Freiheit
potentiell eine viel größere. Österreich war kulturell um 1910 viel
fruchtbarer als um 1930 oder gar um 1980. |
| 13. |
Die Möglichkeit der Bestechung eines Monarchen ist
eine besonders geringe. Und die Plutokratie (dank der Präsenz anderer
Werte) sehr unwahrscheinlich. |
| 14. |
Unwahrscheinlich ist auch von seiten des Monarchen
die Popularitätshascherei, das Schmeicheln des Volkes, größer hingegen
die Möglichkeit, dem Volk die Wahrheit zu sagen, da die Problematik
seiner Wahl oder Wiederwahl nicht besteht. |
| 15. |
Vor allem aber ist es die Aufgabe des Monarchen unpopuläre
Minderheiten, die im demokratischen Rahmen rettungslos verloren
sind, zu beschützen. |
| 16. |
Echter Liberalismus (Liberalität) hat eine viel größere
Chance unter der Monarchie als unter der Demokratie, die eine totalitäre
Wurzel hat. Freiheit und Ungleichheit sind ebenso verbunden wie
Gleichheit und Zwang. |
| 17. |
Der christliche Monarch trägt eine Verantwortung vor
Gott. Das ist eine unvergleichlich größere Verantwortung als die
vor Völkern oder deren Vertreter. Demokratie jedoch ist Verantwortungslosigkeit:
wer einen unterschriftslosen Zettel in eine Urne wirft, kann hier
auf Erden nicht zur Verantwortung gezogen werden. |
| 18. |
Monarchen sind „öffentliches Eigentum: sie
gehören ihren Untertanen. Das ist ein wechselseitiges Verhältnis.
Sie sind auch klassenlos, denn sie sind weder Adelige, noch Bürger,
noch Arbeiter oder Bauern. Sie gehören „soziologisch ideell
zu einer internationalen Sondergruppe. So sind sie äquidistant zu
allen Klassen und Ständen. |
| 19. |
Die Monarchen sind berufen, Staatsmänner und nicht
bloß Politiker zu sein. Sie müssen viel weiter denken als bis zur
nächsten Wahl. Ihnen muß das Schicksal ungeborener Generationen
am Herzen liegen. Gescheiterten Monarchen wurden die Köpfe abgeschnitten,
gescheiterte Politiker ziehen sich ins Privatleben zurück und verkaufen
ihre Memoiren. |
| 20. |
Ein monarchisches System kontinentaler Natur ermöglicht
eine bessere Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens der Länder, da
das ewige Schaukelspiel der Demokratie alle internationalen Beziehungen
verunsichert |
| 21. |
Die großen Staatsmänner Europas waren in der Mehrzahl
entweder Monarchen, von Monarchen ernannte Männer, Aristo-Oligarchen
oder Produkte der Revolutionen und schwerer Krisenzeiten, die den
Brutalsten, Skrupellosesten und Schlauesten an die Spitze kommen
ließen Leute wie Napoleon, Hitler, Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot,
die aber unweigerlich ein Meer von Blut und meist keine bleibende
Ordnung hinterließen. |
| 22. |
Die Monarchie verbürgt vor allem die Kontinuität.
Man weiß, wer wem nachfolgen wird. Die Einführung des Sohns, des
Neffen, der Tochter in die Regierungsgeschäfte wird garantiert. |
| 23. |
Die Permanenz verbürgt auch eine größere Erfahrung.
Die meisten demokratischen Verfassungen, die sich vor der persönlichen
Macht fürchten, verbieten eine zweite oder dritte Amtsperiode. Wenn
der politische Karrierist (etwa ein Ex-Hemden- und Krawattenverkäufer
à la Truman) endlich angefangen hat, richtige Erfahrungen zu sammeln,
wird er abserviert und dann kommt ein neuer Amateur in die Regierungsspitze.
So kann man nicht einmal einen größeren Kaufladen, geschweige denn
eine Großmacht leiten. (Man komme da uns nicht mit Experten, denn
welcher Laie kann widersprüchliche Expertisen koordinieren?) |
| 24. |
Die Monarchie ist mit dem Christentum oder zumindest
einer ursprünglich christlichen Kultur durch ihren patriarchalen
Charakter in einem harmonischen Einklang: das Vaterbild wurde durch
Gottvater, den Heiligen Vater, die Kirchenväter, den Pater Patriae,
den leiblichen Vater und Großvater bestimmt. Dazu bemerkte Abel
Bonnard: „Der König war Vater seines Volkes, denn jeder
Vater war König in seiner Familie. Dieser psychologische (mehr
als theologische) Aspekt gilt für alle genuin christlichen Glaubensgemeinschaften,
auch für jene, die die politische der kirchlichen Hierarchie gleichgesetzt
oder mit ihr verkoppelt haben. Doch die Autorität kommt stets von
oben. Und wahrhaft gut regieren kann man nur mit Hilfe der Autorität,
einer endogenen Kraft, und nicht durch Furcht, einer exogenen. Wie
schon Joseph de Maistre sagte, können Millionen von Menschen
nur durch Religion oder Sklaverei regiert werden, also durch die
innerlich rezipierte Autorität oder durch die zitternde Angst erzeugende
Gewalt. Doch die Demokratie ist mit der Autorität nur mühevoll zu
vereinen und deshalb auch nicht leicht mit dem Rechtsstaat. |
| 25. |
Der höchste christliche Stellenwert der Monarchie
liegt jedoch in ihrem Appell an die Liebe. Eine Liebesgemeinschaft
mit dem Regenten ist jedoch im Zahlenzauber der Demokratie nicht
denkbar, da deren Wahlen jedesmal in Siegen und Niederlagen, Freudenausbrüchen
und Enttäuschungen, Triumph und Zorn enden. Das ahnten wahrscheinlich
auch Augustinus und Franz von Baader als sie von der
unersetzbaren Harmonie zwischen der Liebe und dem Dienen schrieben.
Nur in der Liebe ist das Dienen kein Schmerz und keine Last. Lästige
Politiker aber setzt man durch den Stimmzettel wie aufsässige Domestiken
wieder an die Luft, denn sie sind ja auch nicht vom Schicksal zugeteilte
„Eltern, sondern nur Mietlinge. |