DIE WEISSE ROSE
Zeitschrift gegen den  Zeitgeist

zuletzt aktualisiert 1 Adventus 2010

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Wiener Hofkammerarchiv in höchster Gefahr!

Besuchen Sie unsere Archive, solange diese noch stehen. Und das dürfte bald nicht mehr der Fall sein. Die Regierung Schüssel plant offenbar Kulturgutvernichtung in größerem Ausmaß, Archiv-Liquidierungen, um genau zu sein. Man kennt solche Phänomene aus Zeiten protestantischen Bildersturmes und bolschewistischer „Kulturrevolutionen“; für eine von einer Volkspartei dominierte Regierung allerdings sind sie ungewöhnlich. Die Zeiten ändern sich. Leider nicht zum besseren. Über Befehl des Bundeskanzlers soll es demnächst geräumt sein: das Hofkammerarchiv in der Johannesgasse Nr. 6, Wien I.

Es ist dies das Archiv der Kaiserlichen Finanzverwaltung; über 30 Millionen Archivalien aus 800 Jahren, alles betreffend, was Geld einbrachte und Geld kostete. Eine Sehenswürdigkeit von Weltrang. In einem der ältesten und weitgehend im Originalzustand erhaltenen Archivgebäude der Welt gelegen. Grillparzer war hier Direktor, auch sein Arbeitszimmer ist erhalten geblieben. Schüssels Ignoranz freilich gegenüber dem alten und eigentlichen Kulturgut des Landes ist uns bereits oftmals vor Augen geführt worden und bestätigt sich hier einmal mehr. Der entsprechende Erlaß ist noch geheim, ist aber schon heraußen; der einleitende Satz lautet: „Der Herr Bundeskanzler wünscht vordringlich, daß das Hofkammerarchiv aufgelöst werden soll.“ Bis 2004/2005 möchte man alles erledigt haben. Die Archivalien des Hofkammerarchivs will man in das ohnehin schon an Platzmangel leidende Staatsarchivgebäude in Simmering stopfen, wobei dort dann eben der Verschärfung des Platzmangels wegen große Teile der Bibliothek aufgelöst (bzw. vernichtet) werden sollen! Diese Bibliothek ist allerdings eine weitere Kostbarkeit; sie umfaßt beispielsweise einen der weltweit größten und bedeutendsten Buchbestände zur Militärgeschichte.

Regierungsamtliche Stellen ergehen sich in der Argumentation, daß man aber umziehen müsse, da „der Standort“ des Hofkammerarchivs „zu teuer“ käme, was einerseits ein blödes Bla-Bla, andererseits ein klarer Hinweis darauf ist, daß man das biedermeierliche Archivgebäude anderer „Nutzung“ zuführen möchte. Was aber wiederum nur möglich sein wird, wenn man den Denkmalschutz aufhebt und somit die Bahn freigibt für die Zerstörung eines weiteren Teiles des alten Wien. „Modernisierung“ und „Einsparung“ nennt man dergleichen heute; treffender wäre von Barbarei, Spekulation, Dummheit und Raubbau zu sprechen. Merke: für moderne „Kunst“, linke Medien und liberale Gesellschaftspolitik spendiert die Regierung Schüssel Steuergeld in Hülle und Fülle; zugleich verweigert man die Erhaltung der historischen Kulturbestände wegen „Sparsamkeit“.

Des Hofkammerarchivs Öffnungszeiten

Montags bis Donnerstags von 9 Uhr bis 15 Uhr, Freitags von 9 Uhr bis 12 Uhr.
Telephon: Wien, 512 54 34 und 513 78 00.

Proteste beim zuständigen

Bundeskanzleramt, Ballhausplatz 2, Wien 1

Telephon: 531 15-0 oder 535 03 38.

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