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Wiener Hofkammerarchiv in höchster
Gefahr!
Besuchen Sie unsere Archive, solange diese noch stehen. Und das
dürfte bald nicht mehr der Fall sein. Die Regierung Schüssel plant
offenbar Kulturgutvernichtung in größerem Ausmaß, Archiv-Liquidierungen,
um genau zu sein. Man kennt solche Phänomene aus Zeiten protestantischen
Bildersturmes und bolschewistischer „Kulturrevolutionen“; für eine
von einer Volkspartei dominierte Regierung allerdings sind sie ungewöhnlich.
Die Zeiten ändern sich. Leider nicht zum besseren. Über Befehl des
Bundeskanzlers soll es demnächst geräumt sein: das Hofkammerarchiv
in der Johannesgasse Nr. 6, Wien I.
Es ist dies das Archiv der Kaiserlichen Finanzverwaltung; über
30 Millionen Archivalien aus 800 Jahren, alles betreffend,
was Geld einbrachte und Geld kostete. Eine Sehenswürdigkeit von
Weltrang. In einem der ältesten und weitgehend im Originalzustand
erhaltenen Archivgebäude der Welt gelegen. Grillparzer war hier
Direktor, auch sein Arbeitszimmer ist erhalten geblieben. Schüssels
Ignoranz freilich gegenüber dem alten und eigentlichen Kulturgut
des Landes ist uns bereits oftmals vor Augen geführt worden und
bestätigt sich hier einmal mehr. Der entsprechende Erlaß ist noch
geheim, ist aber schon heraußen; der einleitende Satz lautet: „Der
Herr Bundeskanzler wünscht vordringlich, daß das Hofkammerarchiv
aufgelöst werden soll.“ Bis 2004/2005 möchte man alles erledigt
haben. Die Archivalien des Hofkammerarchivs will man in das ohnehin
schon an Platzmangel leidende Staatsarchivgebäude in Simmering stopfen,
wobei dort dann eben der Verschärfung des Platzmangels wegen große
Teile der Bibliothek aufgelöst (bzw. vernichtet) werden sollen!
Diese Bibliothek ist allerdings eine weitere Kostbarkeit; sie umfaßt
beispielsweise einen der weltweit größten und bedeutendsten Buchbestände
zur Militärgeschichte.
Regierungsamtliche Stellen ergehen sich in der Argumentation, daß
man aber umziehen müsse, da „der Standort“ des Hofkammerarchivs
„zu teuer“ käme, was einerseits ein blödes Bla-Bla, andererseits
ein klarer Hinweis darauf ist, daß man das biedermeierliche Archivgebäude
anderer „Nutzung“ zuführen möchte. Was aber wiederum nur möglich
sein wird, wenn man den Denkmalschutz aufhebt und somit die Bahn
freigibt für die Zerstörung eines weiteren Teiles des alten Wien.
„Modernisierung“ und „Einsparung“ nennt man dergleichen heute; treffender
wäre von Barbarei, Spekulation, Dummheit und Raubbau zu sprechen.
Merke: für moderne „Kunst“, linke Medien und liberale Gesellschaftspolitik
spendiert die Regierung Schüssel Steuergeld in Hülle und Fülle;
zugleich verweigert man die Erhaltung der historischen Kulturbestände
wegen „Sparsamkeit“.
Des Hofkammerarchivs Öffnungszeiten
Montags bis Donnerstags von 9 Uhr bis 15 Uhr, Freitags
von 9 Uhr bis 12 Uhr.
Telephon: Wien, 512 54 34 und 513 78 00.
Proteste beim zuständigen
Bundeskanzleramt, Ballhausplatz 2, Wien 1
Telephon: 531 15-0 oder 535 03 38.
Unterschriftenaktionen folgen.
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