Anmerkungen zu zeitgenössisch-republikanischer „Kulturpolitik“ - Geschichte
in Fortsetzungen
Wegwerfen,
ausverkaufen, niederreißen oder: „Ich bin angetreten, Österreich zu modernisieren!“
Wolfgang Schüssel, derzeit und zum gravierenden Schaden Österreichs Bundeskanzler,
hat für Kaiserliche Traditionen, wie er über die Medien mitteilte, wenig
Verständnis; er sei vielmehr angetreten, das Land zu modernisieren. Genau
das hatten wir von Anfang an schon befürchtet. Leider ist Jörg Haider
als Notbremse abhanden gekommen. Und so verwirklicht ein Mann, dessen
Denken durch krassen Progressismus kontaminiert ist, ungehindert ein Programm,
das ultrakapitalistische Raubbauwirtschaft mit linksextremer Kultur- und
Gesellschaftspolitik kombiniert.
Die Österreichische Volkspartei, wir haben schon öfter daran erinnert,
ist einmal staatstragend gewesen und ein Segen für Volk und Land; die
Politiker, die sie damals maßgeblich ausgemacht und bestimmt haben, stehen
noch heute als wirkliche Staatsmänner und große Menschen vor uns. Eine
ehrfurchtgebietende Vergangenheit, die aber leider nicht mit einer entsprechenden
Gegenwart korreliert. Mit Ende der verdienstvollen Ära von Bundeskanzler
Joseph Klaus kam die Machtübernahme der Linken im Vaterland und damit
kamen auch jene Veränderungen in Staat und Gesellschaft, die Österreich
seither wie ein ekelerregender Aussatz entstellen. Damals haben nachhaltige
Veränderungsprozesse auch die Landschaft der politischen Parteien erfaßt.
Für die Volkspartei hat ein (vom opportunistischen Kirchenkurs unter dem
Wiener Erzbischof König zusätzlich stimulierter) weltanschaulicher Erosionsprozeß
begonnen, welcher die Christlich-konservative Partei von einst in jene
durch und verrottete liberale Abkassier-Partie verwandelt hat, der wir
uns als Regierung Schüssel gegenwärtig gegenübersehen.
Im wesentlichen verrät die ÖVP heute alles, wofür die ÖVP der Jahre 1945
- 1970 - zum Wohl der Heimat - eingestanden ist. Die Beispiele für diesen
weltanschaulichen Verrat sind mannigfaltig, besonders anschaulich fallen
sie allerdings im Bereich des Kulturellen aus. Zahlreiche Skandalfälle,
einer drastischer als der andere, reihen sich zu einer Bilanz kulturpolitischer
Verheerung aus den letzten 20 Jahren, an welcher die Volkspartei maßgeblich
beteiligt war bzw. die sie direkt zu verantworten hat. Was nicht alles
läßt sich hier aufzählen: DA war das bisherige Haupt- und Pilotprojekt
zeitgeistiger Stadtverwüstung - das Zerbrechen des historischen Ensembles
der bis ins Barock zurückgehenden Hofstallgebäude an einem der prominentesten
Plätze der Wiener Innenstadt durch minderwertige Klotzarchitektur eines
sogenannten „Museums moderner Kunst“; die Linke hieb solcherart in trauter
Eintracht mit den Funktionären der Volkspartei - Busek, Görg,
Gehrer - „demokratische Schneisen“ durchs imperiale Wien.
Dann erinnern wir uns der Beschmierung der renovierten Redoutensäle in
der Wiener Hofburg durch abstraktes, den Eindruck von Unappetitlichkeiten
erweckendes Gekleckse; die Säle waren zuvor (1992) abgebrannt (oder vielleicht
auch abgebrannt worden) und Schüssel war, wenn wir uns recht erinnern,
politisch maßgeblich für die „Renovierung“ verantwortlich. Und dann all
die grandiosen Ernennungen wundervoller Museumsdirektoren, direkt durch
diverse VP-Politiker! Das übertrifft alles, was die Roten auf diesem Sektor
bislang zuwege gebracht haben, um Größenordungen.
Das Museum für angewandte Kunst in Wien - linksextrem heruntergewirtschaftet,
Das Technische Museum in Wien - ausgeräumt, niederdesigned und langweilig
geworden. Die Albertina in Wien (immerhin die bedeutendste graphische
Sammlung der Welt) - schwer beschädigt und verunstaltet. Das Heeresgeschichtliche
Museum in Wien - immer wieder von Nachdenkprozessen über seine Umwandlung
beziehungsweise Eliminierung betroffen (ist ja dem Kaiserlichen Heer gewidmet
und somit politisch „unkorrekt“) und ohne Geld für die Renovierung von
Seitentrakten zur dringend benötigten Erweiterung der Ausstellungsflächen.
(Während für schwachsinnige modernistische „Kunsthäuser“ in allen Landeshauptstädten
Milliarden zum Fenster hinaus geleert werden).
Das Joanneum in Graz - vor der Ruinierung, es wird, was könnte man denn
sonst schon damit machen, von den machthabenden VP-Landes-Politbonzen
in ein „Museum“ moderner „Kunst“ verwandelt; an der bislang schon durch
moderne „Kunst“ verseuchten „neuen Galerie“ am Joanneum ist derzeit eine
der Bewerbung der linksterroristischen RAF gewidmete Ausstellung zu sehen;
höchste kulturpolitisch Verantwortliche in der Steiermark: VP-Landeshauptfrau
Waltraud Klasnic.
Das heimische Museum als permanente Verkaufsausstellung
Die
Krönung von all dem ist wohl das Kunsthistorische Museum in Wien, dessen
Direktor (VP-Protegé) sich eines der weltweit bedeutendsten Werke der
Goldschmiedekunst stehlen läßt, bequem über ein an der Fassade montiertes
Baugerüst; wobei weder der seinen Aufgaben offenkundig nicht gewachsene
und auch sonst in seinem Wirken sehr beeinspruchte Direktor, noch die
verantwortliche und ebenso lang wie inkompetent amtierende Kultusministerin
Gehrer zum Rücktritt gezwungen werden; dafür aber konnte man in den letzten
Jahren moderne „Kunst“ im bis dato davon verschont gebliebenen Kunsthistorischen
ausgestellt sehen, was Schüssel über den Verlust der Saliera wahrscheinlich tröstet.
Das innovative Abhandenkommen von Museumsbeständen bleibt freilich nicht
auf das Kunsthistorische Museum beschränkt. Da hätten wir das ehemalige
Tabakmuseum in den Hofstallungen in Wien, eigentlich unverkäufliches Staatseigentum;
beim Verkauf der „Austria Tabak“ an den britischen Gallaher-Konzern wurde
es von der offenkundig dem historischen Erbe gegenüber gänzlich ignoranten
Regierung Schüssel gleich mitverscherbelt; dem der „Austria Tabak“ zugehörigen,
weltweit einzigartigen, der Kulturgeschichte des Tabaks gewidmeten Museum,
dessen Bestände, wie das Meiste in Österreich, was zählt, zum Großteil
noch in der Kaiserzeit zusammengetragen wurden, bekam der Verkauf schlecht;
es wurde versaftet; der Konzern (an altem Kulturgut überaus interessiert,
wie man sieht) ließ rasch bedeutende Teile der Sammlung versteigern.
Und da hätten wir überdies noch die umfangreichen fragwürdigen „Restitutionen“;
diese werden von einer unserem Eindruck nach einseitig besetzten und voreingenommen
agierenden Kornmission geprüft und betreffen zentrale Kunstbestände in
Österreichs Museen und Bibliotheken; die linksorientierten Medien begrüßen
diese vorzugsweise ans Ausland gehenden „Restitutionen“ enthusiastisch,
was alleine schon mißtrauisch machen sollte; das Kaiserhaus, von der republik,
den Nazis und dann nochmals von der republik ausgeraubt, ist von der Regierung
Schüssel von Restitutionen freilich speziell ausgenommen und erhält gar
nichts; bemerkenswert ist überdies, daß anscheinend keinerlei Versuche
gemacht werden, diverse aus jenen „Restitutionsvorgängen“ in Versteigerungen
gelangende Kunstwerke zurückzukaufen.
Wie schon angemerkt, die historische Substanz des Landes ist der derzeitigen
Regierung unwichtig. Und weil Sparsamkeit der Regierung Schüssel ein
so großes Anliegen ist, hätten wir da noch die klandestin immer wieder
kolportierten (und offiziell selbstverständlich bestrittenen) Pläne, als
lästig empfundene Museums-, Archiv- und Bibliotheksbestände (deren Verwaltung
ja auch Geld kostet) wegzuwerfen, oder zu verkaufen, oder „abzutreten“.
Wo mag etwa die Bibliothek des Statistischen Zentralamtes hingekommen
sein, kann jemand Auskunft erteilen? Große Teile der (übrigens überaus
wertvollen) Kartensammlung des Kriegsarchivs in Wien, so soll es im Bundeskanzleramt
ventiliert werden, könnte man an die Kroaten und anderweitig Interessierte
einfach weggeben; und wenn dann am Weg zwischen Wien und Agram ein paar
der wertvollen Karten „verloren“ gehen sollten, wer das denn je bemerken?
Ach ja, der Staat hat zu wenig Geld! Es gibt daher kein Geld für die
alten Archive, die alten Bibliotheken, den Denkmalschutz (dessen Mittel,
durch MinisterIn Gehrer besonders weitriechende Kürzungen erfahren haben).
Aber - schau, schau, es gibt staatliche Gelder noch und noch für zeitgemäß-psychodelische
„Architektur- (Lentos-„Museum“ in Linz, blasenartiges „Kunsthaus“ in Graz),
für linkes Theater, für modernen „Kultur“-Dreck jeder Art. Die Zukunft
von Österreichs kulturellem Erbe hingegen: gestohlen, verschenkt, in Sonderangeboten
verkauft, weggerissen, auf den Müll geleert. Aber nein, kein absurdes
Übertreiben - kulturpolitischer Alltag in der modernisiert werdenden republik.
Gehen wir in die Details des gerade aktuell werdenden Skandals.
Das Hofkammerarchiv in Wien
Wenige
Schüler werden es kennen; wie sollten sie auch; das Hofkammerarchiv in
der Wiener Innenstadt ist ja lediglich eines der ältesten Archive des
Landes und eines der bedeutendsten seiner Art auf der Welt. (Noch verfügt
Österreich über zahlreiche Institutionen, über deren Rang im Superlativ
zu sprechen ist; unseren Schülern sind unter der Ägide der VP-Kultusministerin
Gehrer allerdings umfangreich dir Geschichtsstunden gestrichen worden,
sie werden im Unterricht all diese Institutionen daher nicht kennenlernen
können; an den Schulen hat man sich derzeit auch eher mit Jelineks Nobelpreis-Pornographie
zu befassen).
Das Hofkammerarchiv ist das Archiv der Kaiserlich-Habsburgischen Finanz-
und Wirtschaftsverwaltung. Es beherbergt mit mehr als 30 Millionen Akten
aus rund 800 Jahren historische Dokumente von unschätzbarem Wert; das
älteste ist eine Urkunde Kaiser Friedrich Barbarossas von 1170 für das
Kloster St. Paul in Kärnten. Was seit dem 16. Jahrhundert kontinuierlich
gesammelt wurde, ist der aktenmäßige Niederschlag jener Entscheidungen,
durch welche das Haus Habsburg die Wirtschaft Mitteleuropas gestaltet
hat. Aufzeichnungen zu Krieg, Frieden, Diplomatie (etwa über die habsburgischen
Gesandtschaftsgeschenke für osmanische Würdenträger oder die Kredite des
Bankhauses Fugger an die habsburgische Weltmacht), zu dynastischen Angelegenheiten
(etwa Hochzeiten, Staatsbegräbnisse, Krönungen), zu allen Belangen der
Wirtschaft (von der Textilerzeugung in Böhmen über Post-, Salz-, Tabakmonopol
bis zum Levantehandel), von der Finanzierung von Kunst und Kultur aus
Staatsgeldern (für erste Meister der abendländischen Kulturgeschichte
wie Dürer, Tizian, Fischer von Erlach, Gluck, Mozart), über den Bau von
Straßen ( so die erste Österreichische durch Dalmatien oder die über den
Arlberg) und die Gründung von Kolonistensiedlungen (etwa an der Militärgrenze),
über das Geldwesen (etwa den Handel mit Maria-Theresia-Talern), über die
Bekämpfung von Vampiren (1732 in Siebenbürgen, was offenbar eine der historischen
Grundlagen für die spätere Dracula-Literatur darstellt, über technische
Einrichtungen und Erfindungen (dampfbetriebene Wasserpumpen für Bergwerke)
und Großprojekte (Plan eines Österreichischen Suezkanals von 1792) bis
hin zur Arbeit eines einfachen Österreichischen Beamten über mehrere Jahrhunderte.
Neben diesen historischen Beständen von Weltrang ist an sich das Gebäude
des Hofkammerarchivs in der Johannesgasse 6 von Wien schon bemerkenswert.
Es handelt sich um eine Kostbarkeit der Biedermeierarchitektur, vom berühmten
Architekten Paul Sprenger ab 1842 als Archivzweckbau errichtet, 1848 bezogen
und bis heute voll funktionsfähig. Vom davor dort befindlichen mittelalterlichen
Mariazeller Hof hat sich ein zweistöckiges Kellergewölbe
und ein spätgotisches Relief erhalten. Einer der Direktoren des Hofkammerarchivs
war übrigens kein geringerer als Franz Grillparzer; sein Arbeitszimmer
im Gebäude in der Johannesgasse ist noch im Grunde so, wie er es verlassen
hat, erhalten (einer der ganz wenigen, vielleicht der einzige im Originalzustand
erhaltene Biedermeierraum Wiens); am dort befindlichen Stehpult entstanden
etliche seiner weltberühmten Dramen. Neben dem Wert des Gebäudes und der
Bedeutung der Archivbestände ist zuletzt auch noch auf die originale Inneneinrichtung
des Archivs hinzuweisen; als Archiv dieser Größe vielleicht sogar ein
Welltunikat; die hohen Räume, die gedrechselten
und bemalten Holzregale und Türfüllungen, die tausende dickleibigen und
in Leder gebundenen Folianten, die kalligraphisch gebundenen Aktendeckel,
alles in allein jedenfalls der älteste erhaltene Archivbau Mitteleuropas.
Angewandter Kulturbolschewismus
Aufgrund
einer Geheimanweisung von Bundeskanzler Schüssel aus dem Jahre 2003 wurde
von den zuständigen Beamten von Bundeskanzleramt und Staatsarchiv der
Plan ausgearbeitet, das Hofkammerarchiv auszuräumen und zu übersiedeln
- ins längst überfüllte Staatsarchivgebäude nach Wien-Erdberg. Der bisherige
Standort wäre „zu teuer“, war die zu hörende Begründung.
Über die ganze Angelegenheit wurde allen Beamten strengstes Stillschweigen
auferlegt, was nicht verblüfft, scheint doch übelste Spekulation
hinter der ganzen Angelegenheit zu stecken. Daß das Regime Schüssel in
großem Ausmaß ausländische Finanzinteressen bedient, wurde schon öfter
kolportiert; dem Bericht der „Ganzen Woche“ konnte man jedenfalls Hinweise auf eine der anscheinend
größten Immobilientransaktionen in der Geschichte der Zweiten Republik
entnehmen - Transaktionen mit Bundesimmobilien, die in großem Stil abverkauft
werden. Zunehmend muß man anscheinend davon ausgehen, daß das Duo Schüssel-Grasser
auch Bauobjekte historischer und kunsthistorischer Bedeutung verschleudert.
Genau dies, so befürchten kulturinteressierte Kreise, ist auch für das
Gebäude des Hofkammerarchivs vorgesehen, dessen Räumlichkeiten im Originalzustand
ja nur als Archiv verwendbar sind - nach Ausräumung und aufgehobenem Denkmalschutz
allerdings zur „Entkernung“ freigegeben wären und so auf den Markt geworfen
werden könnten. Das traurige Beispiel des historistischen Palais der Österreichischen
Staatsdruckerei am Rennweg in Wien zeigt den aktuellen Umgang mit der
historischen Bausubstanz Wiens sehr deutlich - seit heuer weggerissen.
Seit 2001 ist die Wiener Innenstadt zum „Weltkulturerbe“ ernannt worden,
wir werden sehen, ob das angesichts solcher Pläne von irgendeinem Wert
ist.
Widerstand, Widerstand, Widerstand
Unterzeichnen Sie den Protest gegen die geplante Ausräumung des Hofkammerarchivgebäudes
und seine anscheinend bevorstehende Liquidierung. Jede Unterschrift hilft.
Der Protest wird den Medien und der Regierung übermittelt.
Post scriptum: Antrag, die Erhaltung des Hofkammerarchiv-Ensembles
befürwortend, im Juni 2005 im Wiener Gemeinderat eingebracht von der
3. Landtagspräsidentin Heidemarie Unterreiner; für den Antrag stimmten
Freiheitliche und Grüne; gegen den Antrag stimmten Volkspartei und Sozialisten.
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