Archiv Reichslyrik

zuletzt aktualisiert 1 Adventus 2010

 

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Passions-Pasticcio


 Ein Pasticcio faßt verschiedene Sätze aus unterschiedlichen Werken zusammen. Bei diesem Pasticcio handelt es sich um eine Kantate von Graun, die um weitere Sätze von Telemann, Bach und Bachs Schwiegersohn Altnikol erweitert wurde. Zwei in diesem Pasticcio enthaltenen Werke Bachs stammen aus verloren gegangenen Werken, wahrscheinlich Passionen von Bach. Wir haben in diesen Partikeln die letzte Spur dieser Werke zu vermuten.

 

Nr. 1 Chor (mit Baß)
Telemann

Wer ist der, so von Edom kömmt und mit rötlichen Kleidern von Bazra? Der so geschmückt ist in seinen Kleidern,
und einhertritt in seiner großen Kraft?

   Baß

Ich bin’s, der Gerechtigkeit lehret und ein Meister bin zu helfen.

   Chor

Warum ist denn dein Gewand so rotfarb, und dein Kleid wie eines Keltertreters?

   Baß

Ich trete die Kelter alleine, und ist niemand unter den Völkern mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn,
und zertreten in meinem Grimm. Daher ist ihr Vermögen auf meine Kleider gespritzt, und ich habe alle mein Gewand besudelt.

Nr. 2 Choral
Telemann

Christus, der uns selig macht,
kein Bös’ hat begangen,
der ward für uns in der Nacht
als ein Dieb gefangen.
Geführt vor gottlose Leut’
und fälschlich verklaget,
Verlacht, verhöhnt und verspeit,
Wie dann die Schrift saget.

Nr. 3 Chor
ab hier Graun

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud’ auf sich unsre Schmerzen.

Nr. 4 Rezitativ (Sopran)

So steigt mein Jesus in Geduld
Den sauren Ölberg in der Nacht hinan.
Mit unsrer Krankheit, Schmerz und Schaden,
Mit Gottes harten Schluß,
Mit eigner Liebe überladen.
Er geht bis nach Gethsemane.
Hier zwinget ihn die Schwere unsrer Schuld,
Daß die Natur sich selbst nicht halten kann.
Sein teures Blut durchdringt sich in den Schweiß
Und fließet tropfenweis’
Auf die mit Fluch beschwerte Erde,
Damit dadurch der Fluch zum Segen werde.

Nr. 5 Arie (Sopran)

Ihr Tropfen, fallt auf meine Brust,
Erweicht mein Herz, gebt Kraft und Lust,
Des Heilands Leiden zu erwegen.
Die eigne Macht ist viel zu klein,
Drum flößet mir die Andacht ein
Durch euren segensvollen Regen.

Nr. 6 Rezitativ (Tenor)

Ich weiß, was die ihr selbst gelassene Vernunft
Von Christi harten Leiden hält,
Solang kein größer Licht sie überfällt.
Solang wir uns nicht selbst erkennen,
Solang wir nicht von Buß und reinen Eifer brennen,
Die Sünde, die uns anklebt, abzulegen
Und uns im Kampf geduldig zu bewegen.

Nr. 7 Chor

Wir aber hielten ihn für den, der geplaget und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

Nr. 8 Choral

Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen,
Daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?
Was ist die Schuld, in was für Missetaten
Bist du geraten?

Nr. 9 Rezitativ (Alt)

Da dich dein Jünger selbst verrät,
Da dich ein Heer mit Schwert und Stangen greift,
Da alle Jünger von dir flieh’n,
Da selbst der Hohepriester dich der Gottesläst’rung zeiht,
Da Petrus dich verleugnet und verschwört,
Da man dich Aufruhrs schuldig nennt;
So denkt ein blinder Mensch gar leicht,
Dein eigenes Verbrechen zwinge das Gericht,
Den Tod dir zuzusprechen.
Allein, mein Geist denkt weiter hin
Und sieht durch deinen Geist,
Wie ich an deinen Martern Ursach’ bin.

Nr. 10 Arie (Alt)

Was an Strafen ich verschuldet,
Das wird, Herr, von dir erduldet,
Aber du bleibst stets gerecht.
Also trägst du meine Sünden,
Die fast Höll und Zorn entzünden,
Und ich bin nicht mehr ihr Knecht.

Nr. 11 Chor

Er ist um unserer Missetat willen verwundet
und um unserer Sünde willen zerschlagen.
Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet.

Nr. 12 Choral

Du trägst die Strafen meiner Schuld
Und schweren Missetaten.
Ja, lässest dich aus lauter Huld
Am Pfahl des Kreuzes braten.
Das tat die Lieb’,
Herr, die dich trieb,
Die Sünder aus dem Rachen
Des Teufels frei zu machen.

Nr. 13 Arie (Tenor)

Harte Marter, schwere Plagen,
Die mein Jesus muß ertragen,
Ach, wie sanfte seid ihr mir.
Euch, ihr Schläge, Peitsch und Ruten,
Die ihr laßt den Heiland bluten,
Euch umfaßt ich mit Begier.

Nr. 14 Rezitativ (Sopran)

Jetzt werd ich stark durch Christi Leidenskampf.
Der Glaub ergreifet seine Pein,
Denn seine Schmach und Spott muß meine Ehre sein.
Ich folge ihm, doch nicht durch meine Kraft,
Denn die ist viel zu schwach,
Nein, sondern durch die Stärke,
So seine Marter in mir schafft,
Im Weg des Kreuzes nach.
Mein König wird gekrönt,
Das Reich der Finsternis,
So ihn dadurch verhöhnt,
Macht mich zugleich in meinem Geist gewiß.

Nr. 15 Arie (Sopran)

Nimmst du die Kron’ der Dornen an,
So muß ich, als dein Untertan,
Und kann des Elends Dornen tragen.
Ja, Herr, durch deine Kraft und Macht
Kann ich auch in der Todesnacht
Den Streit mit Höll’ und Teufel wagen.

Nr. 16 Rezitativ (Alt)

Ja, ja, es geh’ mir, wie es will,
So bin ich gleich wie du im Leiden still.
Ein Heide weist dich mir
Und stellet dich im Blut und Schmach mir für.
Er ruft mir zu: Seht, welch ein Mensch.

Nr. 17 Chor

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste,
voller Schmerzen und Krankheit.
Er war so verachtet,
daß man das Angesicht vor ihm verbarg.

Nr. 18 Choral

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron’,
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr und Zier,
Jetzt aber hoch schimpfieret,
Gegrüßet seist du mir.

Nr. 19 Chor
J. S. Bach ( = Eingangschor Kantate 127)

Herr Jesu Christ, wahr’ Mensch und Gott,
der du littst Marter, Angst und Spott,
für mich am Kreuz auch endlich starbst
und mir deins Vaters Huld erwarbst,
ich bitt’ durchs bitter’ Leiden dein,
du woll’st mir Sünder gnädig sein.

Nr. 20 Rezitativ (Baß)
Bach

So heb’ ich denn mein Auge sehnlich auf
und trete dir in deinem Lebenslauf,
mein Heil, beständig nach.
Und kann ich dir in deiner Schmach,
in deinen herben Plagen,
nichts leichtern oder helfen tragen,
so laß ich dennoch nicht von dir,
denn meine Ruhe find ich hier.

Nr. 21 Duett (Alt und Sopran)
ab hier Graun

Sollt’ ich nicht auf Jesum sehen
   Ja, ich will auf Jesum sehen,
und ihm treu zur Seite stehen,
   und ihm treu zur Seite stehen,
Da sein Blut vom Haupte fließet,
   Da sein Blut vom Haupte fließet
Und sich auf mein Herz ergießet.
   Und sich auf mein Herz ergießet.
Ich will an sein Antlitz denken,
   Ich will an sein Antlitz denken,
Wenn mich Tod und Teufel kränken,
   Wenn mich Tod und Teufel kränken,
Wenn mein Leben sich beschließet.
   Wenn mein Leben sich beschließet.

Nr. 22 Rezitativ (Alt)

Die Macht, so meinen Heiland leiden läßt,
Rührt nicht von dieser Welt,
Nein, nur von oben her;
Wie kräftig ist nicht diese Macht!
Mit welcher Weisheit wird sie nicht geführet,
Durch welche reine Triebe wird sie nicht gerühret!
Sie hat durch Jesu Urteilsspruch
Auf mich des Lebens Wort gebracht.

Nr. 23 Arie (Alt)

Hier steht der Grund von meinem Glauben,
die Welt vermag mir nichts zu rauben,
mich stärkt die Macht von oben her.
Durch diese Macht sind Jesu Leiden
der Anfang meiner höchsten Freuden,
mir ist in ihm kein Kreuz zu schwer.

Nr. 24 Choral
wohl von Altnikol?

In der ersten Tagesstund’
ward er unbescheiden
als ein Mörder dargestellt
Pilato, dem Heiden,
der ihn unschuldig befand,
ohn’ Ursach des Todes,
ihn derhalben von sich sandt
zum König Herodes.

Nr. 25 Rezitativ (Tenor)
ab hier Graun

Der ungerechte Richter selbst
spricht meines Heilands Unschuld frei.
Läßt gleich der Feinde Wut ihn binden,
so weiß sie dennoch nichts an ihm zu finden,
weswegen er zum Tode zu verdammen sei.

Nr. 26 Arie (Tenor)

Arme Seel’, zerschlagnes Herz,
rührt dich nicht der größte Schmerz,
da dein sündliches Vergehen
Gott in Qual und Tod läßt stehen.
Nur, daß ich vom Tode frei
und im Himmel lebend sei,
muß ich Jesum sterben sehen.

Nr. 27 Choral
wohl von Altnikol

Um sechs ward er nackt und bloß
an das Kreuz geschlagen,
an dem er sein Blut vergoß,
betet mit Wehklagen.
Die Zuseher spotten sein,
auch die bei ihm hingen,
bis die Sonn auch ihren Schein
entzog solchen Dingen.

Nr. 28 Rezitativ (Alt)
ab hier Graun

Ja, ja, mein Heiland geht die Todesbahn,
man hänget ihn ans Kreuz.
Und um den abgelegten Rock
fängt man zu losen an.

Nr. 29 Arie (Alt)

Ich lose mit, mein köstlich Teil
ist die Gerechtigkeit, das Heil.
Ich weiß nichts Besser’s zu erlangen.
nun hab ich meinen Gnadenlohn,
nun kann ich vor des Lammes Thron
in schönen, weißen Kleidern prangen.

Nr. 30 Choral
wohl von Altnikol

Jesus schrie zur neunten Stund,
klaget sich verlassen.
Bald ward Gall in seinen Mund
mit Essig gelassen.
Da gab er auf seinen Geist,
und die Erd erbebet,
des Tempels Vorhang zerreißt,
und manch Fels zerklebet.

Nr. 31 Rezitativ (Tenor)
ab hier Graun

Ich sehe meinen Jesum ganz verlassen,
und weiß mich selbst vor Traurigkeit
bei dem betrübten Anblick nicht zu fassen.
Mein Gott! Warum verläßt du deinen Sohn
in solcher schweren Pein,
in solchem Schimpf und Hohn?
Sein Durst nach mir
wird ihm durch Gall und Essig nicht gekühlt.
Ach, welchen Fersenstich hat hier
mein Heiland nicht vor mich gefühlt.
Ich sinke fast vor Leid und Ohnmacht nieder.
Mein Jesu, welchen Schmerz hab ich dir nicht gemacht.

Nr. 32 Arie (Tenor)

Mich entseelt ein banger Schrecken,
Angst und Not will mich bedecken,
Jesum pein’get meine Pein.
Schmerz und Bangigkeit der Seelen,
so den treuen Heiland quälen,
geben mir das reuig ein,
Ich bin schuldig, ich allein.

Nr. 33 Rezitativ (Tenor)

Jedoch mein Glaube stärkt sich wieder,
da Jesus sterbend ruft: Es ist vollbracht.

Nr. 34 Chor (mit Sopran)

Christus hat mit einem Opfer in Ewigkeit vollendet, die geheiliget werden.

   Sopran

Nun gibt mein Jesu gute Nacht,
nun ist sein Leiden vollenbracht,
nun hat er seiner Seelen Pfand
geliefert in des Vaters Hand.

Nr. 35 Arie (Baß)

Nun darf ich mich nicht mehr entsetzen,
wenn in der allerletzten Nacht
der Himmel fällt, die Erde kracht.
Was Stückwerk war an dem Ergötzen,
das ist nunmehro ganz gemacht,
mein Heiland spricht: Es ist vollbracht.

Nr. 36 Rezitativ (Sopran)

Ist Jesus tot, so reißt
des Tempels Vorhang ganz entzwei,
die Erde selbst erbebt.
Die härt’sten Felsen sind
nicht von Empfindung frei,
die Gräber öffnen sich.

Nr. 37 Arie (Sopran)

Zerbrich nur, Macht und Pracht der Erden,
bei Jesu Tod sterb ich dir ab.
Eröffne dich, du finstres Grab,
ich sehe meines Heilands Sterben
ein neues Leben mir erwerben.
Das ist des Glaubens Schild und Stab.

Nr. 38 Choral
Altnikol

Da man hat zur Vesperzeit
die Schächer zerbrochen,
ward Jesu in seine Seit
mit ein’m Speer gestochen.
Daraus Blut und Wasser rann,
die Schrift zu erfüllen,
wie Johannes zeiget an,
nur um unsertwillen.

Nr. 39 Chor
Kuhnau / Bach

Der Gerechte kömmt um und niemand ist, der es zu Herzen nehme. Und heilige Leute werden aufgerafft, und niemand achtet darauf. Denn die Gerechten werden weggerafft vor dem Unglück; und die richtig vor sich gewandelt haben kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern.

Nr. 40 Choral
wohl Altnikol

Da der Tag sein Ende nahm,
der Abend war kommen,
ward Jesus vom Kreuzes Stamm
durch Joseph genommen.
Herrlich nach jüdischer Art
in ein Grab geleget,
allda mit Hütern verwahrt,
wie Matthäus zeuget.

Nr. 41 Chor
Graun

Zu meinem Heil, zur Glaubensstärke,
zielt meines Jesu Tod und Grab,
o welche treue Liebe, ab.
Und da ich diesen Vorteil habe,
will ich mein dankbar Herz gewöhnen
zu wahrer Buß und Freudentränen.

Nr. 42 Choral
Altnikol

O hilf Christe, Gottes Sohn,
durch dein bitter Leiden,
daß wir dir stets untertan,
all Untugend meiden,
deinen Tod und sein Ursach’
fruchtbarlich bedenken,
dafür, wiewohl arm und schwach,
dir Dankopfer schenken.

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