Archiv Reichslyrik

zuletzt aktualisiert 1 Adventus 2010

 

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Dir befehl ich meine Kinder


Johann Adolf Schlegel

Johann Adolf Schlegel (1721 - 1793) stammte aus Meißen und war Generalsuperintendent des Kft. Hannover. Er gehörte zu den bedeutendsten Autoren der 2. Hälfte des 18. Jh., wurde aber von den folgenden Generationen, besonders im 20. Jh., so massiv und nachhaltig diskriminiert, daß seine Dichtungen heute völlig unbekannt sind und wohl in keinem Gesangbuch mehr stehen. Schlegel war der Vater der Romantiker August Wilhelm von Schlegel und Friedrich von Schlegel.

Als kleine Widergutmachung hier die www-Erstveröffentlichung eines seiener Lieder, die ich hier meinen vier Kindern Marcus, Sarah, Karl und Jolanda widme.

 

1. Dir befehl ich meine Kinder,
der mit ew’ger Gnade krönt.
Zwar auch sie sind vor dir Sünder,
doch durch Jesum dir versöhnt
und dir, Vater, Sohn und Geist,
Gott, den unser Glaube preist,
dein zu sein und dir zu leben
durch den Taufbund übergeben.

2. Ihr Gelall’ hast du erhöret,
ihre Schwachheit unterstützt,
sie verpflegt, sie ernähret,
und durch Engel sie beschützt.
Engel schau’n dein Angesicht,
und doch schämen sie sich nicht
der Beschirmung dieser Kleinen,
die uns oft verachtet scheinen.

3. Sollt ich für so reiche Güte
dir nicht herzlich dankbar sein,
mit frohlockendem Gemüte
mich vor dir nicht ihrer freun?
O wie teuer sind sie mir
und hab ich sie nicht von dir?
Ja mein Gott, wie manchen Segen,
schenkst du mit auch ihretwegen.

4. Du mein Schöpfer und Erhalter
bist von Kindheit auf mein Gott,
bleibst mein Gott auch einst im Alter
sei auch meiner Kinder Gott!
Segne und behüte sie
deine Furcht erfüll sie früh,
daß sie dir zum Wohlgefallen
jung schon deine Wege wallen.

5. Wieviel lockende Gefahren
warten ihrer in der Welt!
Ihr Verstand ist unerfahren,
Welttand schimmert und gefällt.
Auch ihr Herz ist bald erweicht,
böses Beispiel haftet leicht,
groß ist die Gewalt des Spottes,
er vertilgt oft selbst Furcht Gottes.

6. Ach daß sie mit Furcht dir dienen
ist nur dein Werk. Ach nimm nie
deinen heil’gen Geist von ihnen
daß ihr Fuß Verführer flieh
und ich einst voll Zuversicht
daß der Lüste Gift nun nicht
ihr unschuldig Herz verderbe
froh sie segne, wenn ich sterbe.

7. Keiner unter allen werde,
das, das bitt’ ich Herr, mein Gott,
je den Freunden zur Beschwerde,
noch den Feinden je zum Spott!
Sei ihr Schild und fester Stab,
daß sie sich bis in ihr Grab,
harten Mangels stets erwehren
ihres Fleißes redlich nähren.

8. Nicht bitt’ ich, daß Du mit Leiden
ihre Herzen ganz verschonst,
nicht, daß du mit steten Freuden
ihrer Tugend hier schon lohnst,
nicht, daß du sie hoch erhebst,
ihnen großen Reichtum gebst,
jeden Anschlag stracks erfüllest
jeden ihrer Wünsche stillest.

9. Trübsal nützt oft unsern Seelen,
wirkt sie gleich den Seelen Grau’n.
Unglück ist’s oft, was wir wählen,
wenn wir bloß den Sinnen trau’n.
Oft heilt Schäden, was doch schmerzt,
Ruh’ macht weich, Gefahr beherzt,
Reichtum lehrt leicht, Gott vergessen,
großes Glück macht leicht vermessen.

10. Gib du ihnen, o Allweiser,
wie es leicht dein Rat bedacht,
das nur, was sie fromme, weiser
und zum Himmel reifer macht.
Nie kann eine ganze Welt,
wenn ihr Reiz die Seele fällt,
nie mit allen ihren Schätzen
den Verlust der Seel’ ersetzen.

11. Doch was ich zu bitten wage,
find’ ein gnädiges Gehör,
Kann es sein, laß ihre Tage
nicht an Freuden gänzlich leer,
Werden sie geprüft durch dich,
Gott, so sei es väterlich,
und dann laß es ihren Seelen
nicht an Trost und Stärke fehlen!

12. Jener Sieg’stag der Gerechten
sei auch mir ein Freudentag,
Hilf daß zu des Richters Rechten
auch nicht einer fehlen mag,
Dann frohlock’ ich, Richter, sieh,
hier bin ich, hier sind auch die,
die dein Vater mir verliehen,
sie dem Himmel zu erziehen.

13. Nichts kann unser Glück dann mindern,
wenn du stets mit Wonn’ uns labst,
und mit allen meinen Kindern,
dank ich, daß du mir sie gabst,
Dann drückt ferner keine Not
dann trennt ferner uns kein Tod,
dann sind wir, gleich deinen Engeln,
frei von Sorgen, rein von Mängeln.

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