Archiv Reichslyrik

zuletzt aktualisiert 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Kontakt
   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Geistliche Texte |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   M. Claudius
 

Schaffet daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern


Die Stadt Philippi in Griechenland war die erste Stadt Europas, in der eine christliche Gemeinde entstand. An sie schrieb Paulus aus dem römischen Gefängnis den s.g. „Philipperbrief“, den bedeutendsten der Paulus-Briefe. Die Stadt Philippi liegt an der Grenze zu Thrakien im Osten Griechenlands.

Der Apostel dankt im Philipperbrief für Gebet und Treue, er ermahnt die Philipper zu Gehorsam und Gottesfurcht, allen voran jedoch vor dem Rückfall in die Sklaverei der Gesetzesgerechtigkeit, die unmittelbar in die Hölle hineinweist. Paulus weist auf seine eigenen Verdienste im Sinne des Tora-Regelwerkes hin und zieht aber die dem Juden-Glauben genau entgegengesetzte Konsequenz: Das, was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet! Und er zieht die Konsequenz aus der Gesetzesgerechtigkeit: Ich erachte die Gesetzes-Gerechtigkeit für Dreck, damit ich Christus gewinne!

Damit meint Paulus nicht, wie viele Protestanten vermuteten, eine idealisierte und einseitige Glaubensgerechtigkeit. Er fordert die Philipper auf, ihm - und das heißt Christus selbst - nachzueifern: Schaffet daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Dieses Wort des Philipperbriefes nahm sich ein Dichter um 1650 als Vorlage für ein Lied, dessen Strophen nacheinander mit den Worten des Verses aus dem Philipperbrief beginnen (Akrostichon). Es sei als Wegweisung durch die Bußzeit in die österliche Freudenzeit hinein vorgestellt:

 

Schaffet, schaffet, Menschen-Kinder!
schaffet eure Seligkeit;
bauet nicht wie freche Sünder,
nur auf gegenwärt'ge Zeit;
sondern schauet über euch,
ringet nach dem Himmelreich,
und bemühet euch auf Erden,
wie ihr möget selig werden.

Daß nun diese mag geschehen,
müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut,
und desselben Neigung gehen,
sondern was GOtt will und thut,
das muß einig und allein
eures Lebens Richtschnur sein
es mag Fleisch und Blut in allen
übel oder wohl gefallen.

Ihr habt Ursach' zu bekennen,
daß in euch noch Sünde steckt,
daß ihr Fleisch vom Fleisch zu nennen,
daß euch lauter Elend deckt,
und daß Gottes Gnaden-Kraft
nur allein das Gute schafft,
ja, daß ausser seiner Gnade,
in euch nichts denn Seelen-Schade.

Selig! wer im Glauben kämpfet,
selig! wer im Kampf besteht,
und die Sünden in sich dämpfet,
selig! wer die Welt verschmäht,
unter Christi Creutzes Schmach
jaget man dem Frieden nach;
wer den Himmel will ererben,
muß zuvor mit Christo sterben.

Werdet ihr nicht treulich ringen,
sondern träg und läßig seyn,
eure Neigung zu bezwingen;
so bricht eure Hoffnung ein;
ohne tapfren Streit und Krieg
folget niemals rechter Sieg,
wahren Siegern wird die Crone
nur zum beygelegten Lohne.

Mit der Welt sich lustig machen,
hat bey Christen keine Statt,
sündlich reden, üppig Lachen,
schwächt den Geist, und macht ihn macht.
Ach! bey Christi Creutzes-Fahn
geht es wahrlich niemals an,
daß man noch mit frechem Hertzen
sicher wolle thun und schertzen.

Furcht muß man vor Gott stets tragen,
denn der kann mit Leib und Seel
uns zur Höllen niederschlagen;
er ists, der des Geistes Oel,
und nachdem es ihm beliebt,
Wollen und Vollbringen giebt.
O! so laßt uns zu ihm gehen,
ihn um Gnade anzuflehen.

Und denn schlagt die Sünden-Glieder,
welche Adam in euch regt,
in dem Creutzes-Tod darnieder,
bis ihm seine Macht gelegt.
Hauet Händ und Füße ab,
was euch ärgert, senckt ins Grab,
und denckt mehrmals an die Worte:
Dringet durch die enge Pforte.

Zittern will ich für der Sünde,
und dabey auf JEsum sehn,
bis ich seinen Beystand finde,
in der Gnade zu bestehn.
Ach! mein Heyland! geh doch nicht
mit mir Armen ins Gericht;
gieb mir deines Geistes Waffen,
meine Seligkeit zu schaffen.

Amen! es geschehe, amen!
GOtt versiegle dis in mir;
auf daß ich in Jesu Namen
so den Glaubenskampf ausführ.
Er, er gebe Kraft und Stärck,
und regiere selbst das Werck,
daß ich wache, bete, ringe,
und also zum Himmel dringe.

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga