Herr Heinrich saß am Vogelherd
Johann Nepomuk Vogl
1. Herr Heinrich saß am Vogelherd,
recht froh und wohlgemut,
aus tausend Perlen blinkt und blitzt
der Morgenröte Glut.
2. In Wies und Feld, in Wald und Au,
horch, welch ein süßer Schall!
Der Lerche Sang, der Wachtel Schlag,
die süße Nachtigall!
3. Herr Heinrich schaut so fröhlich
drein:
Wie schön ist heut die Welt!
Was gilt's, heut gibt’s ’nen guten Fang!
Er schaut zum Himmelszelt.
4. Er lauscht und streicht sich von
der Stirn
das blondgelockte Haar ...
Ei doch, was sprengt denn dort heran
für eine Reiterschar?
5. Der Staub wallt auf, der Hufschlag
dröhnt,
es naht der Waffen Klang;
daß Gott - die Herrn verderben mir
den ganzen Vogelfang!
6. Ei nun! was gibt’s? Es hält
der Troß
vorm Herzog plötzlich an,
Herr Heinrich tritt hervor und spricht:
Wen sucht ihr Herrn? Sagt an!
7. Da schwenken sie die Fähnlein
bunt
und jauchzen: Unsern Herrn!
Hoch lebe Kaiser Heinrich, hoch,
des Sachsenlandes Stern!
8. Sich neigend knien sie vor ihm
hin
und huldigen ihm still,
Und rufen, als er staunend fragt:
’s ist deutschen Reiches Will!
9. Da blickt Herr Heinrich tief bewegt
hinauf zum Himmelszelt:
Du gabst mir einen guten Fang!
Herr Gott, wie dir’s gefällt!
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