Der Zeitstrom
Bei diesem Gedicht handelt es sich um eine der ganz raren deutschen
Reaktionen auf die Niederlegung der Kaiserkrone durch Kaiser Franz II.
Veröffentlicht wurde es in der hamburgischen Zeitschrift Minerva
im September 1806. Diese Weltnetzveröffentlichung vom September 2006
ist die erste seit dem Jahre 1806. Wir schließen uns der Trauer
um die Abwesenheit des Reiches an und fordern seine schnellstmögliche
Wiederherstellung!
Hier steh’ ich am Strand des erbrausenden Stromes
der Zeiten,
welcher die Reiche verschwemmt,
steh’ am wankenden Strauch mit den Tausenden meiner Genossen;
(Dumpf im Gebrause verhallet das Wort.)
Denn es wich das Tor der Germanischen Halle des Bundes,
lang’ unzerstörlich gewähnt,
aber vom Drange der Zeit hervor aus den Angeln gehoben,
wich es dem stürmenden Franken-Arm.
Er nun lenkte den Strom durch’s Tor.
Was träge die Deutschen, weiser Warnung taub,
selbst zu läutern verschmäht,
das treibt unschonend der Waldstrom fort:
Uns strömen die Trümmer vorbei.
Sah’n wir nicht wanken sie lang’ und sorgten und lächelten
wechselnd?
Alle klagen wir nun,
denn geraubet wird uns ein Heiliges,
das wir seit früher Jugend geheget mit frommem Sinn.
Weh’ es sank durch Schuld! Verstumm’ Anklag’ im Momente,
wo Erbitterung nicht,
wo nur großer Entschluß, in der Trübsal Schule gestärket,
frommt zur Rettung des Vaterlandes.
Auf! ihr Cherusker und Catten,
und ihr, hochherzige Wohner alter wendischer Gaun;
Sammelt die Deutsche Kraft, die, Legionen vertilgend,
Schrecken dem Cäsar August gesandt.
Lasset das morsche Band; (es flattert gelöset im Winde)
neu umschling’ euch ein Ring;
welcher zur Kraft euch eint, die furchtbar jedem Erobrer,
nie den Krieg der Eroberung führet.
Segen dem heiligen Bund! Es weht, es weht die geweihte Brennen-Fahne voran,
Und ein Armin der Zeit (du säumst, Schwert Gottes?) wird rufen:
„Hebt euch! Friederichs Schatten winkt!“
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