Archiv Reichslyrik

zuletzt aktualisiert 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Kontakt
   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Geistliche Texte |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   M. Claudius
 

Die Weiber von Winsperg


Adalbert von Chamisso
 

Der erste Hohenstaufen,
der König Konrad, lag
mit Heeresmacht vor Winsperg
seit manchem langen Tag;
der Welfe war geschlagen,
noch wehrte sich das Nest,
die unverzagten Städter,
die hielten es noch fest.

Der Hunger kam, der Hunger,
das ist ein scharfer Dorn;
nun suchten sie die Gnade,
nun fanden sie den Zorn.
„Ihr habt mir hier erschlagen
gar manchen Degen wert,
und öffnet ihr die Tore,
so trifft euch doch das Schwert.“

Da sind die Weiber kommen:
„Und muß es also sein,
gewährt uns freien Abzug,
wir sind vom Blute rein.“
Da hat sich vor den Armen
des Helden Zorn gekühlt,
da hat ein sanft Erbarmen
im Herzen er gefühlt.

„Die Weiber mögen abziehn
und jede habe frei,
was sie vermag zu tragen
und ihr das Liebste sei;
laßt ziehn mit ihrer Bürde
sie ungehindert fort,
das ist des Königs Meinung,
das ist des Königs Wort.“

Und als der frische Morgen
im Osten kaum gegraut,
da hat ein seltnes Schauspiel
vom Lager man geschaut;
es öffnet leise, leise
sich das bedrängte Tor,
es schwankt ein Zug von Weibern
mit schwerem Schritt hervor.

Tief beugt die Last sie nieder,
die auf dem Nacken ruht,
sie tragen ihre Eh’herrn,
das ist ihr liebstes Gut.
„Halt an die argen Weiberl“
ruft drohend mancher Wicht;
der Kanzler spricht bedeutsam:
„Das war die Meinung nicht!“

Da hat, wie er’s vernommen,
der fromme Herr gelacht:
„Und war es nicht die Meinung,
sie haben's gut gemacht;
gesprochen ist gesprochen,
das Königswort besteht,
und zwar von keinem Kanzler
zerdeutelt und zerdreht.“

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga