Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu
Text: Karl Wilhelm Ramler (1725-1798)
1. Einleitung
2. Chor: Gott, du wirst seine Seele nicht in der Hölle lassen
(Nach Ps. 16,10. Ap. 2, 27, 31.)
Gott, du wirst seine Seele nicht in der Hölle lassen, und
nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe!
3. Rezitativ (Baß)
Judäa zittert, seine Berge beben! Der Jordan flicht den Strand!
Was zitterst du, Judäens Land?
Ihr Berge, warum bebt ihr so?
Was war dir, Jordan, daß dein Strom zurücke floh?
Der Herr der Erde steigt empor aus ihrem Schoß,
tritt auf den Fels, und zeigt der staunenden Natur sein Leben.
Des Himmels Myriaden liegen auf der Luft rings um ihn her;
und Cherub Michael fährt nieder, und rollt des vorgeworfnen
Steines Last
hinweg von seines Königs Gruft.
Sein Antlitz flammt, sein Auge glühet.
Die Schar der Römer stürzt erblaßt auf ihre Schilde:
„Fliehet, ihr Brüder, der Götter Rache trifft uns:
fliehet!“
4. Arie (Baß)
Mein Geist, voll Furcht und Freude, bebet!
Der Fels zerspringt, die Nacht wird lichte!
Seht, wie er aus den Lüften schwebet!
Seht, wie von seinem Angesichte
die Glorie der Gottheit strahlt!
Rang Jesus nicht mit tausend Schmerzen?
Empfing sein Gott nicht seine Seele?
Floß nicht sein Blut aus seinem Herzen?
Hat nicht der Held in dieser Höhle
der Erde seine Schuld bezahlt?
5. Chor
Triumph, Triumph!
Des Herrn Gesalbter sieget!
Er steigt aus seiner Felsengruft!
Triumph! Triumph!
Ein Chor von Engeln flieget
mit lautem Jubel durch die Luft.
6. Rezitativ (Alt)
Die frommen Töchter Zions geh’n verwundernd durch des
offnen Grabes Tür,
und schaudernd fahren sie zurück.
Sie sehn in Glanz gehüllt den Boten des Ewigen,
der freundlich spricht:
„Entsetzt euch nicht!
Ich weiß, ihr suchet euren Toten,
den Nazaräer Jesus, hier, daß ihr ihn salbt, daß
ihr ihn klagt. -
Hier ist er nicht vorhanden.
Er hat es euch zuvor gesagt: Er lebt, er ist erstanden!“
7. Arie (Alt)
Sei begrüßet, Fürst des Lebens!
Jauchzet, die sein Tod betrübte!
Er, den dieser Hügel deckte,
Jesus lebt; ihr klagt vergebens!
Sehet da, sein leeres Grab!
Der die Toten auferweckte,
sollte der im Grabe bleiben?
Himmel! Soll der Gottgeliebte,
soll der Gottheit Sohn zerstäuben?
Todesengel, lasset ab!
8. Rezitativ
Wer ist die Sionitin,
die vorn Grabe so schüchtern in den Garten flieht, und weinet?
-
Nicht lange. Jesus selbst erscheinet,
doch unerkannt, und spricht ihr zu:
„O Tochter, warum weinest du’?“ -
„Herr, sage, nahmst du meinen Herrn aus diesem Grabe?
Wo liegt er? Ach, vergönne, daß ich ihn hole;
daß ich ihn mit Tränen netze;
daß ich ihn mit diesen Salben noch im Tode salben könne,
wie ich im Leben ihn gesalbt.“ -
„Maria“, so ruft mit holder Stimm ihr Freund in seiner
eigenen Gestalt:
„Maria“ - „Mein Meister, ach!“ -
Sie fällt zu seinen Füßen nieder, umarmt sie, küßt
sie, weint. -
„Du sollst mich wiedersehen!
Noch werd ich nicht zu meinem Vater gehen.
Steh auf und suche meine Brüder, und meinen Simon!
Sag, ich leb und will ihn sehen.“
9. Duett (Sopran 1/2)
A. Vater deiner schwachen Kinder,
der Gefallne, der Betrübte
hört von dir den ersten Trost.
B. Tröster der gerührten Sünder,
die dich suchte, die dich liebte,
fand bei dir den ersten Trost.
A.B. Tröster, Vater, Menschenfreund,
O wie wird durch jede Zähre
dein erbarmend Herz erweicht.
A. Sagt, wer unserm Gotte gleicht,
der die Missetat vergiebet?
B. Sagt, wer unserm Gotte gleicht,
der den Missetäter liebet?
A.B. Liebe, die du selbst geweint,
o wie wird durch jede Zähre
dein allgütig Herz erweicht!
10. Rezitativ
Freundinnen Jesu! Sagt, woher so oft in diesem Garten?
Habt ihr nicht gehört, er lebe?
Ihr zärtlichen Betrübten hofft den Göttlichen zu
sehn, den Magdalena sah?
- Ihr seid erhört. Urplötzlich ist er da, und Aloen und
Myrrhen duftet sein Gewand.
„Ich bin es, seid gegrüßt“ - Sie fallen zitternd
nieder;
sein Arm erhebt sie wieder.
„Geht hin in unser Vaterland, und sagt den Jüngern an:
Ich lebe, und fahre bald hinauf in meines Vaters Reich;
doch will ich alle sehn, bevor ich mich für euch zu meinem
Gott
und eurem Gott gen Himmel hebe.“
11. Arie
Ich folge dir, verklärter Held!
Dir, Erstling der entschlafnen Frommen!
Triumph! Der Tod ist weggenommen,
der auf der Welt der Geister lag.
Dies Fleisch, das in den Staub zerfällt,
wächst fröhlich aus dein Staube wieder.
O ruht in Hoffnung, meine Glieder,
bis an den großen Erntetag.
12. Chor (nach 1. Kor. 15, 55.57)
Tod! Wo ist dein Stachel?
Dein Sieg, o Hölle, wo ist er? -
Unser ist der Sieg: Gott sei Dank!
Und Jesus ist Sieger.
13. Rezitativ
Dort seh’ ich aus den Toren Jerusalems zwei Schüler
Jesu geh’n.
In Zweifeln ganz und ganz in Traurigkeit verloren,
geh’n sie durch Wald und Feld, und klagen ihren Herrn.
Der Herr gesellt sich zu den Trauernden, umnebelt ihr Gesicht,
hört ihre Zweifel an, gibt ihnen Unterricht:
„Der Held aus Juda, dem die Völker dienen sollen,
muß erst den Spott der Heiden und seines Volks Verachtung
leiden.
Der mächtige Prophet von Worten und von Taten
muß durch den Freund, der mit ihm aß, verraten,
verworfen durch den andern Freund, verlassen in der Not von allen,
den bösen Rotten in die Hände fallen.
Es treten Frevler auf und zeugen wider ihn: So spricht der Mund
der Väter.
Der König Israels verbirgt sein Angesicht vor Schmach und Speichel
nicht.
Er hält die Wangen ihren Streichen, den Rücken ihren Schlägen
dar.
Zur Schlachtbank hingeführt tut er den Mund nicht auf.
Gerechnet unter Missetäter fährt er für sie zu Gott
hinauf.
Durchgraben hat man ihn, an Hand und Fuß durchgraben.
Mit Essig tränkt man ihn in seinem großen Durst, und
mischet Galle drein.
Sie schütteln ihren Kopf um ihn. Er wird auf kurze Zeit von
Gott verlassen sein.
Die Völker werden sehn, wen sie durchstochen haben!
Man teilet sein Gewand, wirft um sein Kleid das Los.
Er wird begraben wie die Reichen. Und unverwest am Fleisch
zieht Gott ihn aus dem Schoß der Erd hervor, und stellt ihn
auf den Fels.
Er gehet in seine Herrlichkeit zu seinem Vater ein. Sein Reich wird
ewig sein.
Sein Name bleibt, so lange Mond und Sonne stehet.“
Die Rede heilt der Freunde Schmerz. Mit Liebe wird ihr Herz zu diesem
Gast entzündet.
Sie lagern sich. Er bricht das Brot, und saget Dank. Die Jünger
kennen seinen Dank,
der Nebel fällt, sie sehn ihn, er verschwindet.
14. Arie
Willkommen, Heiland! Freut euch, Väter!
Die Hoffnung Zions ist erfüllt.
O dankt, ihr ungebornen Kinder!
Gott nimmt für eine Welt voll Sünder
sein großes Opfer an.
Der Heilige stirbt für Verräter:
So wird des Richters Spruch erfüllt.
Er tritt das Haupt der Hölle nieder,
er bringet die Rebellen wieder:
Der Himmel nimmt uns an.
15. Chor
Triumph! Triumph!
Der Sohn des Höchsten sieget!
Gefesselt führt er Höll und Tod!
Triumph! Triumph!
Die Siegesfahne flieget!
Sein Kleid ist noch vom Blute rot.
16. Rezitativ
Elf auserwählte Jünger, bei verschloßnen Türen,
die Wut der Feinde scheuend,
freuen sich, da Jesus wieder lebt.
- „Ihr glaubt es, aber mich,“ erwidert Thomas,
„soll kein falsch Gesicht verführen.“
- Ist er den Galiläerinnen nicht, auch diesem Simon nicht erschienen?
Sah’n ihn nicht Kleophas und sein Gefährte dort bei Einmaus?
Ja hier, mein Freund, an diesem Orte sah’n wir ihn alle selbst:
es waren seine Mienen, die Worte waren seinen
Worten gleich, er aß mit uns.“
- „Betrogen hat man euch! Ihr selbst aus Sehnsucht,
habt euch gern betrogen.
Laßt mich ihn sehn, mit allen Nägelmalen sehn,
dann glaub auch ich, es sei mein heißer Wunsch geschehn.“
Und nun zerfließt die Wolke, die den Herrn umzogen,
der mitten unter ihnen steht, und spricht:
„Der Friede Gottes sei mit euch! Und du, Schwachgläubiger!
Komm, siehe, zweifle nicht!“
- „Mein Herr! Mein Gott! Ich seh’, ich glaub, ich schweige.“
- „So geh in alle Welt, und sei mein Zeuge!“
17. Arie
Mein Herr! Mein Gott! Mein Herr! Mein Gott!
Dein ist das Reich! Die Macht ist dein!
So wahr dein Fuß dies Land betreten,
wirst du der Erde Schutzgott sein.
Jehovens Sohn wird uns vertreten!
Versöhnte, kommt ihn anzubeten!
Erlöste, sagt ihm Dank!
Zu dir steigt mein Gesang empor,
aus jedem Tal, aus jedem Hain.
Dir will ich auf dem Feld Altäre,
und auf den Hügeln Tempel weih’n.
Lallt meine Zunge nicht mehr Dank,
so sei der Ehrfurcht fromme Zähre
mein letzter Lobgesang.
18. Chor
Triumph! Triumph!
Der Sohn des Höchsten sieget!
Er eilt vom Sühnealtar empor!
Triumph! Triumph!
Sein Vater ist vergnüget!
Er nimmt uns in der Engel Chor.
19. Rezitativ
Auf einem Flügel, dessen Rücken
der Ölbaum und der Palmbaum schmücken,
steht der Gesalbte Gottes. Um ihn stehn
die seligen Gefährten seiner Pilgrimschaft.
Sie sehn erstaunt von seinem Antlitz Strahlen geh’n.
Sie sehn in einer lichten Wolke den Flammenwagen warten, der ihn
führen soll.
- Sie beten an.
- Er liebt die Hände zum letzten Segen auf:
„Seid meines Geistes voll! Geht hin. und lehrt, bis an der
Erden Ende,
was ihr von mir gehört, das ewige Gebot der Liebe!
- Gehet hin, tut meine Wunder!
- Gehet hin verkündigt allem Volke Versöhnung, Friede,
Seligkeit! -
Er sagts, steigt auf, wird schnell empor getragen.
Ein strahlendes Gefolg umringt seinen Wagen.
20. Duett
Ihr Tore Gottes, öffnet euch!
Der König ziehet in sein Reich.
Macht Bahn, ihr Seraphinenchöre!
Er steigt auf seines Vaters Thron.
Werft Eure Diademe nieder!
So schallt der weite Himmel wieder.
Triumph! Gebt unserm Gott die Ehre!
Heil unserm Gott und seinem Sohn!
21. Chor I
Gott fähret auf mit Jauchzen,
und der Herr mit heller Posaune.
Lobsinget, lobsinget Gott!
Lobsinget, lobsinget unserm König!
(PS. 47, 6-7)
22. Chor II
Der Herr ist König:
des freuet sich das Erdreich! Das Meer brause!
Die Wasserströme frohlocken!
Und alle Inseln sein fröhlich.
(PS 97., 1. PS 98. 7-8)
23. Chor I / II
Jauchzet, ihr Himmel!
Freue dich, Erde!
Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen!
Wer ist, der in den Wolken gleich
dem Herren gilt,
und gleich ist unter den Kindern der Götter dem Herrn?
Lobet ihn, alle seine Engel!
Alles was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!
(PS. 148,2. 1 PS. 150,6)
|