Deutsche und Polen bzw. ihre Vorfahren sind seit dem Ende der Völkerwanderung
Nachbarn. Westslawische Stämme rückten bekanntlich in den Raum
zwischen Elbe und Bug ein und entfalteten dort ihr volkliches und politisches
Leben. Ähnlich wie das deutsche Volk bildete sich das Volk der Polen
aus der Zusammenfassung mehrere Stämme, so der Wislanen, der Masowier
und der Polanen. Geschichtliche Subjekte wurden Deutsche und Polen durch
die Christianisierung, die sich unterschiedlich gestaltete. Deutsche und
Polen wurden katholische Völker, geprägt durch die Lehre der
Kirche vom Reich Gottes.
Es war für die Polen selbstverständlich, sich eng an das erneuerte
„Imperium Romanum“ der fränkischen und deutschen
Könige anzuschließen. Doch wurden ihre Siedlungsgebiete nicht
wie Böhmen und Mähren in die Grenzen des Reiches eingegliedert.
Das Verhältnis von Polen zum Reich blieb zunächst das eines
Vasallenstaates, wie der vom Kaiser verliehene Titel des polnischen Königs
„Amicus Imperatoris“ zeigt.
Bei der Ausprägung der Grenzen zwischen dem Reich und Polen
blieben Gebiete von beträchtlicher Ausdehnung zunächst
umstritten. Es handelte sich um das Herzogtum Pommern, um die Nordmark
(heute Land Brandenburg) und die Mark Meißen (heutiger „Freistaat
Sachsen“ und Niederlausitz) und um Schlesien. Diese Territorien
gliederten sich im Verlaufe eines Jahrhunderte währenden Prozesses
an das „Imperium Romanum“ an. Dabei gab es durchaus
kämpferische Auseinandersetzungen, - im Allgemeinen kann aber
kein Zweifel daran bestehen, daß es sich bei den Eingliederungen
in das Reichsgebiet um freie Entscheidungen der Stammesfürsten,
der Landesherren und ihrer Hintersassen handelte, die zwischen zwei
Bewerbern denjenigen wählten, der ihnen am Meisten zu bieten
in der Lage war. Dies betrifft sowohl Pommern, das sich der polnischen
Oberherrschaft entzog, als auch Schlesien, das über die Brücke
des Riesengebirges eng an das böhmische Reichsgebiet heran
wuchs. Als Kaiser Karl IV. am 7. April 1348 Schlesien
förmlich den böhmischen Kronlande inkorporierte, war dieser
Prozeß bereits abgeschlossen.
Das enge Verhältnis zwischen den Polen und dem Reich kennzeichnet
die Tatsache, daß Boleslaw der Tapfere von Kaiser Otto III.
zum Tribunatus erhoben wurde, dessen Aufgabe es war, die Macht des christlichen
Kaisertums nach Osten hin zu vertreten. Diese Aufgabe hat Polen jahrhundertelang
treu erfüllt, treuer als viele deutsche Reichsfürsten. Polnische
Fürsten waren jahrhundertelang selbst Reichsfürsten und wurden
Teil des Reichsadels. Zwischen den Adelsgeschlechtern bestanden in dieser
Zeit enge verwandtschaftliche Beziehungen. Es sei nur die aus Bayern stammende
Hl. Hedwig von Andechs genannt, Patronin Schlesiens und des Bistums Berlin,
damals Gattin des piastischen Herzogs Boleslaw dem Bärtigen.
Bereits im 12. Jahrhundert brach der polnische Staat auseinander, es
begann eine durch innere Auseinandersetzungen und Gewalt geprägte
Geschichte, an deren Ende ein staatlicher Neubeginn stand. In diese Zeit
gehört die Berufung des Deutschen Ordens durch den masowischen Fürsten
Konrad, der ein Stammvater der Habsburger ist. Die umfangreiche deutsche
Städtegründung und Siedlung wurde von den polnischen (Teil-)fürsten
sorgfältig gefördert, fast alle polnischen Städte sind
entweder nach deutschem Recht gegründet oder auf dieses umgestellt
worden. Die urpolnische Hauptstadt Krakau war eine deutschrechtliche Stadt,
ihre Hauptkirche, die Marienkirche war die Kirche der deutschen katholischen
Gemeinde, die auch den berühmten Altar von Veit Stoß gestiftet
hat. All diese Fakten, die ich hier nur streifen kann, zeigen die engste
kulturelle und volkliche Durchdringung des gesamten ostdeutsch-polnischen
Raumes, die natürlich auf Gegenseitigkeit beruhte.
Es dürfte keine zwei Völker in Europa geben, die ethnisch so
eng verwandt und kulturell so stark ineinander verwoben sind, wie das
deutsche und das polnische. Lediglich die Zugehörigkeit zu einander
fremden Sprachgruppen trennt bis zum heutigen Tage das Gemeinschaftsbewußtsein
der Polen und Deutschen, ein Bewußtsein, das auch durch konfessionelle,
dynastische, ökonomische und politische Entwicklungen immer wieder
litt, bis hin zu den letztlich völlig überflüssigen Aggressionen
des 20. Jahrhunderts.
Der Deutsche Orden hat Preußen und das Baltikum auf Geheiß
des Fürsten Konrad von Masowien kolonisiert und missioniert. Daß
er langfristig scheiterte, hat neben imperiale und nationalen Gründe
auch geopolitische. Die mit geringen Mitteln an der Ostsee bis hinauf
an den Peipussee aufgerichtete Herrschaft war in extremen Maße überdehnt
und konnte langfristig militärisch kaum behauptet werden. Das Reich
des Deutschen Ordens reichte von der Oder bis zur Narwa, nahe dem heutigen
St. Petersburg und konnte von den Ostseeküsten aus eine Tiefe
von oft nur etwa 100 km beanspruchen. Die Länge der Grenzen
und Küsten des Ordensstaates entsprach der Länge aller sonstigen
deutschen Grenzen, bei einer Fläche, die höchstens ein Zehntel
des Reichsgebietes ausmachte. Dies beeinflußte den Untergang des
Ordensstaates erheblich.
Es ist dem Reiche vorgeworfen worden, daß es den Orden und
das Deutschtum im Baltikum im Stich gelassen habe. Doch waren die
Kaiser, vor allem Maximilian I., verpflichtet, im Interesse
des gesamten Imperiums sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Das
hat Maximilian, so weit es in seiner Macht lag, getan. Vielleicht
wäre es im Interesse des Reiches und Polens gewesen, das Land
des Ordens in weltliche Fürstentümer umzuwandeln. Auch
dem Deutschen Orden hätte es besser getan, sich auf ausschließlich
geistliche Aufgaben zu besinnen. Doch dies ist graue Theorie, so
wie die deutsch-polnisch-borussische Deutung des Ordens allerdings
auch romantische Saga ist. Die Schlacht von Tannenberg-Grunwald
ist eines der bedeutendsten Epitaphe der europäischen Geschichte.
Deutsche und Polen haben ewige Ursache des Stolzes auf die militärischen
und patriotischen Leistungen der Ritterheere und ewig seien sie
eingedenk der Schlachthymnen „Bogurodzica“ (Gottesmutter)
und „Christ ist erstanden“.
Hedwig war die Erbtochter des Hauses Anjou und sollte Polen als Mitgift
erhalten. Hedwig liebte Wilhelm von Habsburg und war mit diesem auf eine
Weise einig geworden, daß dieser sich für mit ihr verheiratet
hielt. Doch hatte der polnische Adel bei der Gattenwahl wie bei allen
nationalen Angelegenheiten ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Er
verlangte nach einem Gemahl, der fähig ist, die Macht Polens im Osten
zu befestigen. Deshalb fiel die Wahl auf den litauischen Prinzen Jagello.
Die Hochzeit und Taufe des Jagello führte zur Bekehrung des ganzen
litauischen Volkes, das seinem Herzog in das katholische Christentum folgte
und das Heidentum ablegte, so seine bis zu heutigen Tage andauernde Westbindung
im katholischen Sinne begründend.
Die geopolitischen Konsequenzen der polnisch-litauischen Allianz waren
beträchtlich und wirken bis zum heutigen Tage nach. Vor allem
war die religiöse Entscheidung der Litauer nachhaltig. Ohne
diese Entscheidung wäre Litauen wahrscheinlich entweder vom
orthodoxen Sumpf oder von den teutonisch-protestantischen Preußen
verschluckt worden. Für den Orden brachen schwere Zeiten an,
Unterstützung des Reichs und des Heiligen Stuhls für kriegerische
Aktivitäten konnte er nicht mehr beanspruchen, da er kein Mandat
hatte, gegen katholische Nachbarn anzutreten. Polen und Litauen
waren als Union stärker, als sie es als Verbündete je
hätten sein können. Die Personalunion schuf die größte
Monarchie, das größte Reich Europas und befestigte den
katholischen Glauben bis an den Dnjepr.
Die Jagellonendynastie stand in engsten Verbindungen zum Hochadel des
Reiches, insbesondere zu den Geschlechtern der Habsburger und Hohenzollern.
Die drei jungen, kraftstrotzenden Dynastien sollten jede in ihrer
Weise voller Herrschergeist und Sendungsbewustsein in die Geschichte Europas
eingreifen. Während sich die Hohenzollern um den Landesausbau eines
entlegenen und armen Territoriums kümmern mußten, konnten Jagello
und Albrecht sofort zu den Gipfeln des europäischen Olymp aufbrechen
und nach Kronen streben, die zum Höchsten zählen, was die Welt
zu bieten hatte. Während Jagello im Jahre 1386 Hedwig, die Erbin
Polens heiratete, hatte Albrecht von Habsburg im Jahre 1421 die Erbin
Ungarns aus dem Hause Luxemburg geehelicht. Deren Tochter Elisabeth wiederum
wurde die Frau Kasimir Jagelloncziks, des Sohns Jagellos. Sie schenkte
dem Jagellonengeschlecht zahlreiche tatkräftige Nachkommen, vier
ihrer Söhne wurden Könige, einer Kardinal, einer wurde heiliggesprochen.
Polen war durch eine klug und sensitiv agierende Politik der Reformation
und dem Sektenwesen z.B. der Unitarier Herr geworden und hatte nach einer
etwa einhundertjährigen religiös wirren Periode völlig
den Katholizismus restituiert. Die am 1. April 1656 erfolgte Proklamation
der Muttergottes zur Königin Polens war der Schlußstein der
polnischen Gegenreformation, die in der Verteidigung des Paulinerklosters
in Tschenstochau einen Höhepunkt gefunden hatte. Schattenseite der
Gegenreformation war die Verfestigung eines starren Konservatismus, der
wirksame Reformen nur zu oft verhinderte.
Der deutsch-polnische Gegensatz ist das Ergebnisse der reichsfeindlichen
und gleichermaßen gegen Polen gerichteten preußischen Politik.
Preußische Politik und die Demokratiebestrebungen haben sich hierbei
unheilvoll überlagert und verstärkt. Dadurch wurden die jahrhundertelang
stabilen Beziehungen des Reiches zu seinem wichtigsten östlichen
Nachbarn und Markhalter geschädigt; für Deutschland entstand
ein Ostproblem, das ohne die preußische Intransigenz nicht bestanden
hätte.
Die Außenpolitik Friedrichs war darauf gerichtet, die Westgebiete
des Reiches zugunsten preußischen Territorialgewinnes auf Kosten
Österreichs und Polens preiszugeben und Rußland auf Kosten
Polens nach Osteuropa hereinzuholen. Auf Reichsrecht und Reichsinteressen
nahm Friedrich keinerlei Rücksicht. Diese reichsfeindliche Haltung
führte zur Zerstörung des Reiches und zur Beherrschung seiner
Territorien durch seine Feinde bis zum heutigen Tage.
Zu dem Erbe, das Friedrich antrat, gehörte das Land Preußen,
im wesentlichen so, wie es Albrecht im Jahre 1525 als Lehnsmanndes Königs von Polen geschaffen hatte. Zu Preußen gehörte
demnach nicht das Ermland, das 1466 im 2. Thorner Frieden als "Preußen
königlichen Anteils" dem König von Polen übergeben
wurde. An diesen territorialen Verhältnissen änderte auch der
1. Nordische Krieg nichts, in dem bekanntlich der Kurfürst Friedrich
Wilhelm die Souveränität über das "herzogliche"
Preußen erlangt hatte. Friedrich konnte sich deshalb wie sein Vater
und Großvater nur "König in Preußen" nennen.
Hier liegt eine semantische Wurzel für seine gegen Polen gerichtete
Politik, mußte er doch nach dem Erwerb des Ermlandes streben um
das vollständige Königtum von Preußen für sich reklamieren
zu können.
Der Gewinn der Souveränität für das "herzogliche"
Preußen führte zu erheblichem Druck auf die Landbrücke
zwischen dem Hohenzollernland Pommern und dem Hohenzollernland Preußen.
Das Königreich Preußen reichte bei Marienwerder bis an die
Weichsel, die Entfernung von hier bis zur pommerschen Ostgrenze beträgt
weniger als 100 km. Zwischen der Weichsel und der pommerschen Ostgrenze
liegt das später so genannte "Westpreußen", mit Danzig,
Thorn und Kulm. Dieses ehemalige Ordensland war ethnisch bunt gemischt,
Deutsche, Kaschuben, Kujawier und Masowier lebten hier seit Ende des Ordensstaates
unter dem Schutz des Königs von Polen friedlich zusammen. Sehnsucht
nach einer Hohenzollernherrschaft ist nicht zu erkennen, im Gegenteil,
namentlich die Städte, aber auch die deutschblütigen Landstände
wehrten sich dagegen, die Freiheiten, welche die polnisch-katholische
Krone ihnen gewährte, zu verlieren und unter das Borussenszepter
zu gelangen.
Preußens stand im Ruf der Politik der Beschneidung und Aufhebung
der ständischen Freiheiten. Die Vorgänge im herzoglichen Preußen
waren im Ermland und an der Weichsel nicht verborgen geblieben. Der ständische
Standpunkt konnte zwar auf Dauer nicht der einzig maßgebende sein,
doch war die Einengung der ständischen Freiheiten den Westpreußen
Grund genug für die Ablehnung der Hohenzollern. Das katholische Ermland
mit seinem bodenständigen Bischof hatte erheblichen Grund zur Sorge
um Glaube und Kultur.
Es ist kein Zufall, daß bereits 20 Jahre nach dem Tode Friedrichs
II. das Ende des «Imperium Romanum», des Reichs der Deutschen
gekommen war. 36 Jahre beständige Zerstörungsarbeit hatten ihr
Werk getan. War das «Imperium Romanum» bei Friedrichs Regierungsantritt
durchaus noch reformfähig, konnte es 1786 als abrißreif betrachtet
werden. Hatte sein Urahn, Markgraf Johann Georg im Jahre 1580 noch ausgerufen:
"Man sollte das alte bruchfällige Reichsgebeu lieber stützen
als vollends brechen!", so bereitete Friedrich den wahnsinnigen Destruktivismus
Nietzsches vor, in dem er zu stürzen suchte, was schwach war.
Die Souveränität über Preußen, die ja die preußische
Königskrone überhaupt ermöglicht hatte, hätte bei
einer anderen Politik der Hohenzollern, auch aussichtsreiche Möglichkeiten
für eine konstruktive preußisch-polnische und deutsch-polnische
Politik eröffnen können. War doch das Doppelverhältnis
als preußischer Lehnsmann des polnischen Königs und als unabhängiger
brandenburgischer Nachbar den heranziehenden Normen einer modernen Zeit
nicht mehr angemessen. Doch den Hohenzollern ging es um eine Schwächung
des polnischen Nachbarn und um Machtgewinn auf Kosten Polens und des Reichs.
Der kriegerische Erwerb Schlesiens durch Friedrich war der Vorbote der
Zerstörung des Reiches. Zur Begründung dieses Angriffs auf das
Erzhaus mußten zweihundert Jahre alte Erbverbrüderungen mit
den piastischen Herzögen von Liegnitz, Brieg und Wohlau herhalten.
Doch waren diese Verträge ungültig und unwirksam, da der böhmische
König als Lehnsherr sie nicht nur unbestätigt gelassen, sondern
ihnen sogar förmlich widersprochen hatte.
Es liegt auch auf der Hand, daß Schlesien im Interesse der Reichseinheit
besser bei Österreich aufgehoben gewesen wäre. Schlesien
war vor Jahrhunderten über Böhmen fest ins Reichsgebiet hinein
gewachsen und gehörte kulturell, volklich und geographisch zu Böhmen
und Mähren. Nun wurde die Grenze zwischen Schlesien und Böhmen
zur Staatsgrenze. Die herrliche schlesische Kultur wurde schwer geschädigt.
Tausende Schlesier sind deshalb lange vor 1945 nach Übersee ausgewandert.
Der Erwerb Schlesiens durch Preußen schwächte vor allem die
Position des Reiches in Böhmen, dem ewigen Unruheherd mit ethnischen,
politischen und religiösen Spannungen. Der Staat Preußen selbst
wurde nun zu einem sinnlosen und völlig überflüssigen Druck
auf die polnischen Westgebiete, namentlich Posen und Gnesen, gezwungen.
Durch den Erwerb Schlesiens wurde die Länge der preußisch-polnische
Grenze verdoppelt. Polen war nun im Westen, Südwesten und Nordwesten
und Norden von borussischen Territorien umgeben. Die schlesischen Kriege
zeigten, daß Preußen zu allem bereit war.
Der Erwerb Schlesiens schwächte aber auch Preußen, da die
Landverbindung zwischen Brandenburg und Schlesien so schmal war, daß
man sie an einem Tag durchwandern konnte1
. Allein diese Tatsache
führte zu der außenpolitischen Notwendigkeit, ständig
Druck auf die Nachbarstaaten, insbesondere Sachsen und Polen, auszuüben.
Ziel der preußischen Politik war es denn auch von Stund an zum unrechten
Erwerb Schlesiens weiteren unrechten Erwerb hinzuzufügen. Der preußische
Territorialzugewinn der Jahre 1772-1815 war im Raub Schlesiens bereits
vorgezeichnet.
Seit dem Jahre 1745 beherrschte der preußischen König Friedrich
II. die gesamte polnische Westgrenze. Seine Erfolge bei der Expansion
des Staates und seine großen Leistungen beim inneren Ausbau seiner
Länder hätten die Verantwortlichen in Polen aufrütteln
müssen. Zwar versuchte der polnische Adel zu reformieren, wurde aber
durch Bestechung und Unterwanderung geteilt und blockiert. Die Magnaten
versuchten mit allen Mitteln die Wirtschaft auszusaugen und zu strangulieren.
Die Städte, einst Glanz und Reichtum Polens, gerieten unter ihre
Fuchtel, so daß die Städte fast unbewohnbar wurden. Handel
und Handwerk wurden durch Steuerlasten gelähmt, die jahrhundertelang
florierenden Handelswege erstarben und selbst der Fernhandel wählte
Umwege durch Pommern und Schlesien. Bei seiner parasitären Wirtschaftsweise
bedienten sich die polnischen Magnaten einer zahlreichen Schicht jüdischer
Verwalter und Zinspresser. Diese waren bei den völlig verarmten Bauernschichten
so verhaßt, daß sie regelmäßig Opfer von Aufständen
und verzweifelter Selbstjustiz wurden. Die unheilvolle Überlagerung
parasitärer Lebens- und Wirtschaftsformen mit einem monetaristischem
Zinssystem führte zu der vollständigen Abkopplung Polens vom
mitteleuropäischen Wirtschaftsfortschritt und zu namenloser Verelendung.
Zum größten Schaden für das Land verhinderten die Magnaten
sämtliche Reformbestrebungen. Auch den bodenständigen König
Jan Sobieski, den letzten König, der das Ruder hätte herumreißen
können, behinderten die Magnaten so intransigent bei seinen Reformbemühungen
zum Wohle Polens, daß dieser am 17. Juni 1696 entmutigt starb.
Angesichts dieser Zustände in Polen waren die Teilungen wohl kaum
zu vermeiden. Die vielgerühmte "Maiverfassung" vom 3.Mai
1791 war insofern typisch für demokratische Reformen, als sie mitten
im Zusammenbruch erfolgte. Als diese Verfassung dann nach 1920 in Form
einer konstitutionellen Monarchie ihre Wirkung hätte tun können,
war sie natürlich "völlig überholt". Ansätze
zu einer Alternative lassen sich in der preußisch-polnische Defensivallianz
von 1790 erkennen. Doch hat Polen durch eine Demokratie, die das Attribut
des "Adels" eigentlich nicht verdient, die Aufbau- und Eroberungsarbeit
von Jahrhunderten leichtsinnig verspielt. Während in ganz Europa
die Dynastien sich festigten, die Rechte der Stände deutlich eingeschränkt
wurden und fortschrittliche absolutistische Staatswesen entstanden, die
in der Lage waren, das Wohl ihrer Untertanen zu heben und Machtentfaltung
nach außen zu gestalten, lieferte sich Polen der Willkür eines
hybriden, hypertrophierten Adels aus.
Diese Mißstände wurden, obwohl seit langer Zeit erkannt, nicht
beseitigt, sondern bis zum Exzeß überspitzt. Ein sehr großer
Teil des polnischen Magnaten gehörte nicht in den „Sejm“
sondern vor ein königliches Kriegsgericht. Doch dazu war keiner der
(Wahl-) Monarchen Polens Willens und in der Lage gewesen. Die Kämpfe
in den beiden Nordischen Kriegen hätten 1660 und 1721 eine letzte
Möglichkeit für die Errichtung einer Erbdynastie ggf. in Personalunion
geboten. Doch nahmen die Magnaten lieber die Abhängigkeit von Rußland
in Kauf. Dieses historische Versagen führte direkt in die drei Teilungen
der Adelsrepublik hinein.
Für viele Polen bedeuteten die Teilungen eine erhebliche Verbesserung
ihrer materiellen, kulturellen und staatsbürgerlichen Situation.
Namentlich die preußischen und österreichischen Teilungsgebiete
erfuhren einen Anschluß an 200 Jahre verpaßter europäischer
Entwicklung. Den gesteigerten russischen Einfluß hatten maßgebliche
Teile der polnischen politischen Kräfte ja selbst gewünscht,
- nun besaß Rußland 80% des polnischen Territoriums vor 1772
und übte dort einen Einfluß aus, der sich wenig von dem unterschied,
was vor den Teilungen an der Tagungsordnung gewesen war.
Trotz dieser Tatsachen war die Aufteilung Polens ein Schock und ein Fanal
für Europa. Père Gratry meinte, daß Europa seit den
Teilungen Polens in Todsünde lebt. Daß ist nur teilweise richtig,
denn den Todsünden der Völker kann niemand die Absolution erteilen.
Polen entwickelte in der Teilungszeit ein Märtyrerbewußtsein,
das dem Charakter der Polen nicht gut getan hat. (Emigranten.)
Es darf nicht vergessen werden, daß die Teilungsperiode parallel
zur französischen Revolution sich ereignete, die einen unglaublich
verwildernden Einfluß auf die Europäische Geschichte ausgeübt
hat. Die abschließende dritte Teilung geschah, nachdem Frankreich
bereits alle deutschen Gebiete links des Rheins sich angeeignet hatte
und mit den Massenmorde in der Vendée eine auf Völkermord
basierende Terrorpolitik in das vor Schrecken erstarrte Europa hinein
getragen hatte.
Mit den Teilungen hatte sich die innere und notwendige Tendenz Europas,
gegen Osten zu expandieren, vollständig umgekehrt. Stand Polen einst
an Dnjestr und Dnjepr, tendierte es bis nach Moskau hinein, konnte es
die Innenpolitik Rußlands mitbestimmen, war es nun binnen weniger
Jahrzehnte völlig von der politischen Landkarte verschwunden.
Preußen und Österreich hatten expandiert, doch ging dieser
Gewinn auf Kosten eines bisherigen Partners, während Rußland
alle Barrieren für den Marsch nach Europa hinein weggeräumt
hatte.
Man mag die Qualität der russischen Erwerbungen gering schätzen,
geostrategisch waren sie unbezahlbar. Der gesamte Geschichtsverlauf
bis zum Wiener Kongreß bestätigt, daß Preußen
durch seine Forcierung der Teilungsstrategie nicht nur das Reich
in größte Gefahr gebracht hat, sondern auch seine Kräfte
erheblich überschätze. Dies hat man Friedrich Wilhelm II.
angelastet, er baute jedoch auf der Politik seines Vorgängers
Friedrich II. auf. Preußen konnte Grodno nicht behaupten und
mußte aus „Südostpreußen“ weichen.
Rußland konnte seine Garnisonen vor den Toren Thorns, Posens
und Breslaus positionieren. Binnen 50 Jahren war die Ostgrenze Europas
um 1.000 km von Smolensk nach Gnesen verschoben worden, ein absolut
katastrophales Ergebnis. Vor den Teilungen stand Polen 300 km
vor Moskau, nach den Teilungen standen die Russen 300 km vor Wien
und Berlin. So wurden die geopolitischen Voraussetzungen für
die Einschnürung des deutschen Lebensraumes geschaffen. Die
Verluste im Osten nach 1918 und nach 1944 sind unwiderlegbarer Beweis
der Richtigkeit dieser Analyse.
Die an Rußland gefallenen Gebiete bedeckten eine Fläche, die
ungefähr der Hälfte des Reichsgröße entsprach,
es war zwar nicht gerade dicht besiedelt, stellte aber jedenfalls
eine Quelle vielfältiger Reichtümern dar. Die polnisch-litauische
Union reichte von Riga und Smolensk bis nach Kiew und Krementschug. Sie
wurde der kurzfristigen Lösung internationaler Probleme und dem Dogma
eines Gleichgewichtes geopfert, das stets nur Halluzination gewesen war.
Daß der Polnische Reichstag zustimmte, besagt nicht mehr als die
Zustimmung des Deutschen Bundestages zum Grundgesetz. Europa übte
Verrat an sich selbst durch die Hand Preußens, das sich allerdings
auch nach Jena wieder ansehnlich arrondierte. Danzig, Westpreußen
und Posen schienen eine ausreichende Kompensation für das schlechte
Gewissen, einen Staat geopfert zu haben, mit dem man jahrhundertelang
verbündet war, mit dessen Jagellonendynastie enge Verwandschaftsbeziehungen
bestanden hatten, dessen Sprache ein nicht unerheblicher Teil der preußischen
Untertanen sprach.
Polen hatte niemals an eine Polonisierung Danzigs oder Westpreußens
gedacht. Hierzu wäre es sicherlich in der Lage gewesen, doch
schützte die polnische Republik die Volkstums-, Sprach- und
Kulturrechte der Deutschen besser, als der preußische Staat
die entsprechenden Rechte der Polen. Zwar hat sich auch Preußen
vielfach um die Rechte der Polen bemüht, doch schraubte es
diese Bemühungen stets zurück, wenn der polnische, gelegentlich
chaotische Freiheitsdrang sich bemerkbar machte. Preußen war
nicht in der Lage, eine ehrliche Rechtsgrundlage des polnischen
Lebens zu verwirklichen.
Die demokratischen Bestrebungen nicht nur der Polen, sondern auch der
deutschblütigen Preußen verschärften die an sich bereits
schwierige Lage erheblich. Diese Bestrebungen enthüllten die Tendenz,
daß die Demokratie zum Todesprinzip des freien Europas werden mußte.
Als sich im Jahre 1848 die Widersprüche zwischen dem bestehenden
staatsrechtlichen Zustande des Deutschen Bundes und den Wünschen
der großdeutsch gesonnenen Demokraten herausstellte, unternahm es
der mitteldeutsche Publizist Constantin Frantz, die nationale Frage abseits
der damaligen ideologischen Kampflinien zu durchdenken. Dabei gelangte
er zu einem Konzept föderativer staatlicher Bindungen in Mitteleuropa,
einem Konzept, das verwirklicht unter bestimmten Umständen die Verteidigung
Europas gegen die russische und amerikanische Gefahr möglich gemacht
hätte.
Eine Verwirklichung derartiger Pläne war nicht so unwahrscheinlich,
wie es im Rückblick erscheinen mag, im preußischen Adel gab
es beispielsweise Sympathien für eine polnische Autonomie und einem
revolutionären Krieg gegen Rußland waren viele Deutsche nicht
abgeneigt. Doch scheiterten alle derartige Vorstellungen. An dieser Stelle
sei immerhin das damalige Konzept Frantz' in zusammengefaßter Form
dargestellt:
Frantz geht davon aus, daß Polen nicht untergehen kann, da es immer
als Nation bestanden hat. Ein Neuerstehen der polnischen Nation muß
nicht gegen Deutschland gerichtet sein, da Polen und Deutschland gemeinsame
Interessen haben. So ist Polen in verkehrlicher und wirtschaftlicher Hinsicht
auf Deutschland verwiesen. Auch für die Neubegründung eines
geordneten Staatswesens braucht Polen dringend deutsche Hilfe, damit ein
Abgleiten in die Adelsanarchie diesmal vermieden werde. Deshalb schlägt
Frantz eine Union von Preußen und den polnischen Teilen Österreichs
und Rußlands, d.h. Altpolens, unter der preußischen Krone
vor.
Der agrarische Charakter Polens läßt, so Frantz, den Anschluß
an ein bürgerlich-industrielles Land sinnvoll erscheinen, so daß
die Verbindung mit Deutschland Polen an die Spitze der Völker bringen
kann. Deutschland, das zu allen Zeiten slawische Nationen in seinen Grenzen
gehabt hat, gewinnt mit Polen einen Absatzmarkt für seine Industrien,
sowie Zugang zu weiteren Märkten.
Bei der Entwicklung des föderativer Gedankens muß die Vorstellung
der Herrschaft eines Volkes über das andere verschwinden. Statt Beherrschung
sieht Frantz einen gleichberechtigten "Sozialismus der Völker"
als Sinn und Ziel. Auch die unterschiedlichen Konfessionen, Katholizismus
und norddeutscher Protestantismus, können sich ergänzen. Eine
Föderation Polens und Preußen würde den preußischen
König zum "Besitz" der Polen machen und nicht umgekehrt
die Polen zum Besitze Preußens.
Die deutsche Herrschaft ist nach Frantz europäisches Mittleramt.
Die offene Gestalt Osteuropas fordert einen osteuropäischen Bundesstaat
unter Einschluß Preußens, Polens, Litauens und Kurlands. Die
baltischen Völker sind zu einer gemeinsamen zivilisatorischen Einheit
unter Führung Preußens aufgerufen. Wie Österreich den
Donauraum an Deutschland anschließt, so kann Preußen den Osten
an Deutschland heranführen. Rußland darf als Teil Asiens nicht
in diesen Bund aufgenommen werden, es hat eigene Aufgaben und Probleme.
Frantz betont, daß der Nationalismus nicht zum Maßstab der
Staatengründung herangezogen werden darf. Nationalismus ist nicht
nur für Osteuropa tödlich! Gott will wohl die Nationen, aber
er will auch ihr Zusammenleben und ihre Versöhnung, deshalb sollte
es in Mitteleuropa keine scharfe staatliche Trennung zwischen den Nationen
geben. Ein selbständiges, nicht mit Deutschland verbundenes Polen
ist nicht wünschenswert, da es zu schwach wäre, den europäischen
Schutzschild gegen Moskau zu bilden und Spielball von Paris und Moskau
werden müsse.
Preußen kann als Katalysator für gesellschaftlichen Fortschritt
wirken. Der Panslawismus ist die schlechteste Lösung, weil er zur
Russifiziert Europas führen muß. Preußen hingegen ist
auf Polen verwiesen, da Preußen in seiner ganzen Geschichte eng
mit Polen verbunden war und durch Natur und Geschichte auf Polen verwiesen
ist: "Deutschland, in der Mitte der Völker stehend, ist nicht
dazu bestimmt, sich abzuschließen und sich zu zentralisieren, wie
Frankreich, es ist dazu berufen, die Völkereinheit zu vermitteln,
und diese Einheit selbst durch einen großen föderativen Organismus
zu repräsentieren. Die deutschen Stämme und die Stimmen der
konföderierten Völker bilden das wahre Parlament. Der deutsche
Geist, das ist der wahre Kaiser. Er wohnt nicht in Frankfurt noch auch
in Wien oder Berlin, er ist hier und dort und allerwegen, und er wird
wirken bis an das Ende der Tage."
Das Donnerwetter von 1864-1871 übergrollte auch bald Preußisch-Polen.
Der Sprecher der Polen im nun "deutschen" Reichstag rief aus:
"Wir wollen, meine Herren, bis Gott anders über uns bestimmt
hat, unter preußischer Herrschaft bleiben, aber dem Deutschen Reich
wollen wir nicht einverleibt sein." Dabei hatten polnisch-preußische
Soldaten die Siege von Königgrätz, Sedan und Düppel mit
erfochten; jeder 14 Bürger im "Deutschen Reich" war polnischer
Zunge. Doch sowenig dieses Reich ein Reich war, so wenig konnte es das
historische und volkliche Polen erreichen.
Durch die Einverleibung Elsaß-Lothringens war ein neues Element
in das deutsche Nationalitätsverständnis hineingebracht worden
- Deutschland berief sich in der kleindeutschen Union von 1871 nun auf
dasselbe territorial-historisches Prinzip wie die polnischen Nationalisten
in der Provinz Posen und Westpreußens und wurde so seiner Argumente
zur Aufrechterhaltung der preußischen bzw. "deutschen"
Herrschaft in Posen beraubt. Der Nationalismus des Reiches höhlte
die übernationale Verfassung Preußens massiv aus.
Außenpolitisch führte die polnische Frage zu einer Erstarrung
des Reiches: Das gemeinsame Interesse Deutschlands und Rußlands
an einer letztlich gewaltsamen Aufrechterhaltung der nicht mehr rechtlich
zu vertretenden Herrschaft über die polnischen Teilungsgebiete führte
zu einer dauerhaften Irritation des Verhältnisses zu Österreich
und dazu, daß die dringend notwendige österreichisch-deutsche
Frontstellung gegen Rußland als zu riskant betrachtet wurde.
Das Kaiserreich, in seiner Polenpolitik hart und autoritär, verschärfte
durch den Kulturkampf die Fronten empfindlich. Zwar war dieser Kulturkampf
eine gesamteuropäische Erscheinung, doch wirkte er sich in Preußen
in besonderem Maße zerstörerisch aus. Sämtlich katholischen
Bischöfe auf preußischem Territorium saßen zeitweise
im Gefängnis. Im Deutschen Reich herrschte ein immer tiefer werdendes
Unverständnis für Polen und seine politischen Bedürfnisse.
Die Propaganda des Ostmarkenvereins, der "Hakatisten" hallte
durch Deutschland, doch löste sie kein einziges Problem und half
einen Nationalhaß zu schaffen, der noch heute unzählige Menschen
in beiden Ländern beeinflußt. Ähnliche bedenkliche Erscheinungen,
meist auf demokratischer Grundlage, machten sich auf polnischer Seite
bemerkbar, die auch durch die mißliche nationale Lage nicht entschuldigt
werden können.
Der in diese verwirrte Zeit hereinbrechende Weltkrieg wurde von allen
Seiten als Gelegenheit zur Lösung der Konflikte begrüßt.
Polen wurde zum Aufmarschgebiet der zarischen Truppen, die aus strategisch
idealer Lage Deutschland in wenigen Wochen hätten überrennen
können. Doch die in Solschenizyns "Rotem Rad" geschilderte
Unfähigkeit der russischen Generäle führte zu der deutsch-österreichischen
Besetzung ganz Polens schon im Sommer 1915. Am 5. April 1916 erklärte
Reichskanzler Bethmann-Hollweg vor dem Reichstag, daß eine neue
Haltung in der Polenfrage gefunden werden muß. Doch leider wurde
diese neue Haltung in der Politik des Reiches nicht manifest. Erst am
15. November 1916 proklamierten der deutsche und der österreichische
Kaiser die Wiederherstellung eines polnischen Staates, der nur vormals
russisch-polnisches Gebiet umfassen sollte. Hinter der Proklamation stand
erkennbar der Wunsch der Obersten Heeresleitung nach polnischen Rekruten.
Die Gründung einer polnischen Armee unter einem polnischem Kommando
erfolgte jedoch nicht und so blieb auch die Rekrutenwerbung ein Mißerfolg.
Ein Provisorischer Staatsrat mit beratender Funktion wurde im Januar
1917 eingerichtet, auch Pilsudski, der Führer der nationalen Sozialisten
wurde Mitglied dieses Rates. Doch als sich zeigte, daß den Polen
keine eigene Entscheidungsbefugnis von deutscher Seite eingeräumt
werden würde, legte Pilsudski sein Mandat nieder und die polnischen
Legionen verweigerten den Eid. Pilsudski wurde im Sommer 1917 in der Festung
Magdeburg interniert. Ein nun nachträglich etablierter Regentschaftsrat
konnte keine politische Wirkung erlangen, die Polen blieben fortan abseits
und warten ab, was geschehen möge.
Als der Krieg sich dem Ende zuneigte, war noch ganz Polen von deutschen
und österreichischen Truppen besetzt. Am 10. November 1918 wurde
Pilsudski aus Magdeburg entlassen, nach seinem Eintreffen in Warschau
ein wurde er zum Oberbefehlshaber und Diktator ernannt. Die deutschen
Truppen räumten in Abstimmung mit den Polen das Land.
Ähnlich wie Deutschland fand sich Polen nach dem 1. Weltkrieg in
einer neuen geopolitischen Situation wieder. Im Süden grenzte es
zwischen Ratibor und Stanislaus an die neu konstruierte CSR, danach westlich
Tschernowitz an Rumänien, einen Staat, von dem die meisten Polen
vor 1920 wohl wenig gehört hatten, im Osten hatte Polen die Last
einer viele hundert Kilometer langen Grenze mit dem neuerstandenen Sowjetrußland
zu tragen. Dann folgten Grenzen mit Lettland und Rumpf-Litauen, zwei Staaten,
die sich aus dem Russischen Reich heraus gelöst hatten und kaum existenzfähig
waren.
Im Norden und Westen war Polen die ererbte Grenze mit dem Deutschen Reich
geblieben, durchbrochen vom "Korridor" und dem "Freistaat
Danzig", einem kuriosen Gebilde, dessen Territorium nach der Milchproduktion
für das zu versorgende Gebiet konstruiert worden war. Angesichts
der polnischen Rechte in Danzig wäre es besser gewesen, die Stadt
voll in die polnische Republik zu integrieren. Als "Freistaat"
wurde Danzig für Polen als Weichselhafen zu unsicher. Nachdem bolschewistisch
inspirierte Streiks der deutschen Hafenarbeiter gegen polnische Waffenimporte
im Jahre 1920 das um seine Freiheit ringende Polen in größte
Gefahr gebracht hatten, baute Polen den Hafen von Gdingen und die dazu
gehörige Infrastruktur aus. Trotz der daraus resultierenden Konkurrenzsituation
zwischen Danzig und Gdingen florierten beide Häfen und belebten die
Region in hohem Maße.
Obwohl die Zweite Republik Polen teilweise auf Reichs- bzw. preußischem
Gebiet gegründet wurde, war diese Staatsgründung nicht nur im
polnischen, sondern auch im deutschen Interesse. Es konnte nach dem Abgang
der Hohenzollern nicht erwartet werden, daß das, was diese Dynastie
zusammengetragen hatte, Bestand behalten würde. Diese Konsequenz
war bitter, doch unausweichlich. Hätte man sie bereits früher
gezogen, z.B. 1848, wäre ein großer Teil des deutschen bzw.
preußischen Ostens erhalten geblieben. Spätestens im Weltkriege
war die letzte Möglichkeit gekommen, ein an das Deutsche Reich angelehntes
Polen zu schaffen. Die Streitigkeiten um den Zweikaiservertrag zeigten,
daß die preußischen Eliten nicht bereit waren, die notwendigen
Konsequenzen aus den geänderten politischen Entwicklungen zu ziehen.
Sie tragen die Schuld an den später vonstatten gegangenen Entwicklungen.
Daß sie dann während der Weimarer Republik und später
auf intransigente Weise an der Ostrevision arbeiteten, zeigt ihren Charakter,
der nicht von politischer Weitsicht und Einsicht in Notwendigkeiten geprägt
war.
Die territorialen Probleme zwischen Deutschland und Polen hätten
nach dem Weltkriege binnen weniger Monate gelöst werden können.
Die deutschen Ostverluste waren absolut und relativ erheblich geringer
als z.B. die polnischen Verluste in der zweiten polnischen Teilung. Altes
Reichsgebiet war lediglich in Oberschlesien angetastet worden, dessen
Teilung sicherlich bitter war. In den Teilungsgebieten Westpreußen
und Posen erreichte Polen 1920 nicht einmal die Teilungsgrenzen von 1795.
Ein Friedensvertrag hätte die Probleme der deutschen Minderheiten
in den nun polnischen Gebieten lösen können, so wie ja auch
Polen dann mit dem "Dritten Reich” ein bilaterales Minderheitenschutzabkommen
abgeschlossen hat. Hätte es dergleichen bereits 1925 gegeben, wäre
niemals ein deutsch-polnischer Krieg entstanden.
Nicht die gesamte deutsche Rechte bestritt das Existenz- und Lebensrecht
des neuen Polens. Bereits 1925 betonte Lothar Mischke in der Zeitschrift
für Geopolitik, "daß den Ergebnissen des Versailler Vertrages
eine Fülle von neuen Ansätzen historischen Geschehens entsprang".
Er wies auf die Möglichkeit einer besseren Neuordnung hin und die
wichtige Aufgabe für Polen "eine seiner Bedeutung entsprechende
Stellung zu erringen". Dies könne jedoch nur in Kooperation
mit Deutschland gelingen, da wegen der "Mittellage" Polens eine
Entscheidung für den Westen und das westliche Wertesystem nur auch
eine Entscheidung für den westlichen Nachbarn Polens, Deutschland,
sein könne.
Auch das Danzig-Problem wäre lösbar gewesen, sei es als Kondominium,
sei es durch beiderseitige großzügige Rechtsgestaltung in und
um Danzig. Die Existenz eines territorialen Korridors bzw. Durchfahrtsrechte
würde bei politischem guten Willen und angesichts der moderne Verkehrstechnik
kein Problem darstellen. Was zwischen 1949 und 1989 für Westberlin
gelang, hätte auch für Ostpreußen leicht gelöst werden
können. Ansätze dafür gab es selbst 1939 noch. Dies alles
wäre vor allem gerade im Interesse Polens gewesen. Polen hatte während
der Teilungszeit in den nichtrussichen Teilungsgebieten in erheblichen
Maße von den zivilisatorischen Potenzen Deutschlands profitiert
und auch die eigenen ökonomischen und geistigen Potenzen in einem
Maße ausbauen können, wie nie zuvor seit den Jagellonen. Es
kann an dieser Stelle nicht ausreichend geklärt werden, warum diese
ansatzweise aufscheinenden Potenzen nicht realisiert werden konnten. Zweifellos
ist die nationalistische und demokratische Verblendung auf beiden Seiten
ein Hauptgrund für das Versagen.
Einen Lichtblick in der düsteren Lebensperiode des polnisch-deutschen
Verhältnisses bietet Josef Pilsudski, die überragende Persönlichkeit
der 2. Republik. Pilsudski, 1867 nahe Wilna geboren, hatte sich im Kampf
gegen das Zarenreich profiliert und dann nach Österreich abgesetzt.
Die grenzenlos naive Liberalität dieses Staatswesens beweist die
Tatsache, daß der notorische Rebell Pilsudski "Schützenvereine"
gründen und ausrüsten konnte. Diese führte er allerdings
im Weltkriege gegen den Zaren und setzte auch auf das durch den Zweikaiservertrag
gegründete Königreich Polen, das dann vor allem durch das österreichische
Zögern nicht zum Tragen kam. Man sandte ihn in die Magdeburger Festung,
wo Pilsudski nobel behandelt wurde. Am 10. November 1918 wurde
Pilsudski nach Warschau entlassen.
Pilsudski stand für die großartige Vision eines Auferstehens
des jagellonischen Polens, für eine Reichskonzeption, die auf föderativer,
gen Osten gerichteter Politik beruhen sollte. Zwar geißelte auch
Pilsudski den angeblichen deutschen "Drang nach Osten", doch
war sein Ziel eine stabile, gesicherte Westgrenze, die Deutschland ihm
auch auf lange Sicht hinaus hätte bieten können, war doch Deutschlands
Drang nach Osten bereits seit Jahrhunderten erheblich erlahmt und hatten
die Deutschen bereits seit fast 100 Jahren einen gewissen Drang nach Westen
entwickelt - nicht um das verlorene Lothringen zurückzuerobern, sondern
um im Westen besser zu leben. Posen, Westpreußen, die gesamten preußischen
Ostprovinzen litten spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
unter einer Abwanderung, die auch durch angestrengteste Kolonisation,
auch der Polen, nicht ersetzt werden konnte. Zog es doch auch die nicht
nur preußischen Polen eher ins Ruhrgebiet, wo sich die Arbeit mehr
lohnte als auf den Äckern Posens und Pommerns. Die Polen, die begehrliche
Blicke auf Schlesien warfen, fragte Pilsudski, mit welchem Recht sie eine
seit 700 Jahren deutsche Provinz beanspruchten.
Pilsudskis Denken war zwar national orientiert, doch ging sie von den
Grunderkenntnissen der europäischen politischen Sendung aus. Allerdings
glaubte er, wie viele geniale Politiker, fest an das Ideal des demokratischen,
des völkischen Führers. Dies ist um so bedauerlicher, als es
ihm ohne Schwierigkeiten gelungen wäre, eine neue Dynastie zu installieren
und Polen zu einer stabilen, rechtsstaatlichen Monarchie zu führen.
Gerade die altständischen Kräfte, die Nachkommen der Schlachta
unterstützten ihn ja und die Erinnerung an die polnische Monarchie
lebte in den Volksmassen. Pilsudski versuchte die "Sanacja",
die Sanierung einer maroden Demokratie, und versäumte es, für
den Fall des Rücktritts als "Naczelnik" den weichen Übergang
zur Monarchie vorzubereiten. Im Jahre 1926 riß er aus dem Hintergrunde
die Macht an sich, ließ die ihm nicht genehmen Demokraten in Brest
einsperren und weitere vor Gericht stellen. Ein Ermächtigungsgesetz
wurde fast zeitgleich mit dem deutschen Ermächtigungsgesetz im Jahre
1934 erlassen. Die Zusammenarbeit mit Deutschland lief gut an, doch starb
Pilsudski am 12. Mai 1935 und hinterließ einen Staat, typisch für
das Erbe großer Männer, typisch für die demokratische
Götterdämmerung.
Während der Tod eines Königs stets die Freude und die Hoffnung
auf den Thronfolger in sich birgt, hinterläßt der Tod des Diktators
Leere. Pilsudskis Leistungen für Polen waren übermenschlich
groß, doch sein politisches Erbe wurde verspielt. Beck und Rydz-Smigly
waren bei weiten zu dünnbeinig für die Stiefel des großen
Marschalls. Sie hielten die Schaukel am Schwingen, konnten sie jedoch
nicht stoppen. Zu spät erkannten sie, daß Polen selbst der
Preis für das von ihnen begeistert annektierte Olsagebiet im ehemals
österreichischen, nun tschechoslowakischen Schlesien sein sollte.
Aus Dummheit warfen sie Polen in den Rachen des Weltimperialismus und
gaben ihr eigenes Volk, ihr eigenes Vaterland preis, nicht ohne zuvor
das sensible, von Pilsudski stets respektvoll behandelte Verhältnis
zum Deutschtum in ihrem Lande zerrüttet zu haben.
Polen verfügt heute über gesicherte Grenzen - doch sind diese
Grenzen ebenso wie die deutschen Grenzen Zwangs- und Unrechtsgrenzen,
mit blutigem Lineal gezogen. Alle Vertreibungen, alle Massenmorde, alle
Wegnahmen und Enteignungen bleiben Unrechtstaten, die nicht verjähren
und auch in Jahrhunderten keinen Rechtscharakter gewinnen können.
Polen sollte sich der Bewältigung seiner Geschichte in ebenso schonungslosem
Maße widmen, wie es die Deutschen in den vergangenen Jahrzehnten
getan haben. Ein Teil dieser Leistung ist bereits vollbracht worden und
an dem hoffentlich nicht fernen Tag, an dem in Deutschland und in Polen
wieder die Wahrheit herrschen wird, werden wir auch auf polnische Erkenntnisse
zurückgreifen können. Es gibt die gemeinsame Wahrheit und sie
kann von beiden Völkern verstanden und ertragen werden.
Trotz und obgleich alledem ist es schwer vorstellbar, daß die Grenzen
Stalins und Churchills in Mitteleuropa Bestand behalten werden. Kann Polen
auf Dauer die Grenzziehung im Osten hinnehmen? Was für Deutschland
Stettin, Breslau und Straßburg ist für Polen Wilna und Lemberg.
Soll die Ostgrenze Europas die willkürliche britische Curzon-Linie
bleiben? Das hieße Jahrhunderte polnischer, österreichischer,
ungarischer, deutscher und jüdischer Kultur preisgeben. Lemberg und
Tschernowitz sind europäische Städte und keine russischen Vorposten.
Die Zerstörungsgeschichte des europäischen Ostens sollte endlich
ein Ende finden. Vertreibungen und "Umsiedlungen" sind schlimme
Verbrechen. Doch diese Verbrechen sind bereits seit 1789 verübt worden.
Auch diese Geschichte müssen die osteuropäischen Völker
bewältigen. Erst dann kann der europäische Frieden, der Friede,
der dem Namen Europas gerecht wird, tatsächlich beginnen.
Die Selbstbezichtigungen der BRD-Politiker gegenüber Polen sind
in einem solchen Maße grotesk, daß der gesunde Menschenverstand
zu dem Schluß kommen muß, daß an der ganzen Sache nichts
dran sein kann, ja, daß es wahrscheinlich nur dazu dient, die im
Auftrage der Sieger exekutierte Preisgabe des deutschen Ostens zu bemänteln.
Kann doch der BRD-Staat schon deshalb kein Träger von Schuld sein,
weil er kein souveräner, kein handlungsfähiger, ja überhaupt
kein Staat ist. Die BRD ist vom Tage ihrer Gründung bis zum heutigen
Tage an ein Objekt der Siegerstaaten des letzten Krieges, ein Instrument
der Westalliierten zur Abwicklung des Deutschen Reiches und der Deutschen
als Volk. Seit dem 7. Mai 1945 bis zum heutigen Tage haben die Alliierten
vollständig über die Souveränität des Deutschen Reiches
verfügt, nur sie sind für alles verantwortlich, was in dieser
Zeit durch Organe der BRD getan wurde.
Die BRD-Politiker sind insofern persönlich schuldig, als sie sich
zum Schaden Deutschlands, zum Schaden Polens und ganz Europas in den Dienst
fremder Mächte gestellt und ihnen - wie Adolf Hitler 1939 - die Verwirklichung
ihrer düsteren Pläne in Europa ermöglicht haben. Haben
diese Politiker zum Schaden Deutschlands gehandelt, haben sie Landesverrat
begangen und wären nach den allgemein üblichen Maßstäben
insofern auch strafrechtlich schuldig. Beim Vertragskomplex im Zusammenhang
mit der scheinbaren "Wieder"vereinigung handelte es sich keinesfalls
um Verträge und Abmachungen, die Deutschland selbst geschlossen hat.
Die Herbeiziehung der sogenannten "beiden deutschen Staaten",
die lächerlichen Diskussionen in Volkskammer und Bundestag waren
ein kurioses Ornament, ein Kasperletheater der Weltgeschichte. Es besteht
kein Zweifel an der Tatsache, daß es sich hier, wie immer wieder
seit 1945 um Verträge handelt, die lediglich einer gewissen Machtverschiebung
der Sieger des Zweiten Weltkriegs, der Besatzer und Zerstörer Europas,
einen gewissen notariellen Ausdruck gaben.
Um die Handlungsfähigkeit Polens sah und sieht es nicht viel besser
aus. Bekanntlich hat Stalin auf deutschem und polnischen Gebiet zwischen
1944 und 1947 einen eigenen Staat gegründet, der nicht souverän
war und den er "Volkspolen" nannte. Man darf auch aus historischer
Distanz der Analyse zustimmen, daß es sich um einen sowjetrussischen
Satellitenstaat gehandelt hat, der seine geringe Handlungsfähigkeit
lediglich von den bolschewistischen Besatzern abgeleitet hat und der zu
souveränen Akten wie dem Abschluß außenpolitischer Verträge
nicht in der Lage war und bis heute nicht ist. Die damit zusammenhängenden
Fragen mußten mit Moskau, dem Souverän, ausgehandelt werden.
Schon die sozialistische Volksrepublik Polen ist von Alliierten als Büttel
gegen Deutschland instrumentalisiert worden. Der politische Einfluß
auf Volkspolen ging hierbei nicht nur von der Sowjetunion aus, auch die
Westalliierten suggerierten sehr geschickt, Volkspolen gehöre zu
den Siegern der Geschichte und hätte sich sehr vor dem (west)deutschen
Revanchismus zu hüten. Unvergessen bleibt der Besuch de Gaules in
Polen, als er in Zabrze
ausrief, nun wäre er in der polnischsten der polnischen Städte
angekommen. Darüber hätten sich eigentlich auch die Deutschen
freuen sollen, hätte man doch daraus auch eine Niederlegung der französischen
Besatzerrechte konstruieren können, doch tatsächlich sollte
es natürlich nur die Polen in dem Wahn des rechtmäßigen
Erwerbes Schlesiens einlullen, in dem Frankreich wie üblich Polen
immer dann unterstützte, wenn es durch reines Maulheldentum zu erreichen
war, daß der nicht gerade durch die Liebe der Völker verwöhnte
Pole ihm seine Sympathie und Begeisterung zuwendete.
Allzu leichtfertig haben dann gerade die tatsächlichen polnischen
Patrioten ideologische Komplexe wie Parlamentarismus und Demokratie mit
tatsächlicher Freiheit und dem Lebensgesetz der Nation verwechselt.
Leider hatten sie nur wenig tatsächlichen Anhalt für ihre Wohlgefühle.
Sie wurden enttäuscht und sie werden noch erheblich mehr enttäuscht
werden. Es sei denn, sie glauben auf Gedeih und Verderb daran, daß
ein oberflächlich parlamentarisiertes Lubliner Polen das wirkliche
Polen ist.
Angesichts dessen muß man sich fragen, worüber man überhaupt
redet, wenn man heute über Deutschland und über Polen redet.
Fast hat es den Anschein, als gäbe es die Subjekte von einst nicht
mehr, als hätte sich eine andere, eine artifizielle, eine alptraumhafte
Wirklichkeit über das wahre Deutschland und das wahre Polen geschoben
und diese verdrängt.
Welches aber ist die wirkliche Realität, das tatsächliche Wesen
der Dinge, um die es heute geht? Geht es um ein mystisches, ideales Wesen
der Nationen, Staaten und Völker, um Sinnbilder oder möglicherweise
verstorbene Gottheiten und Heilige, oder geht um die tatsächliche,
heute wirksame, handelnde und lebendige Realität? Teil dieser Realität
aber ist das Wesen der Staaten und Völker, das durch die Wirren der
Geschichte hindurch wirklich sichtbar bleibt und das auch in Zeiten, in
denen es vollkommen geleugnet wird und unsichtbar wird, lebt, webt und
gestaltet.
Von 1795 bis 1918 und dann wieder von 1939 bis 1945 hat man Polen einreden
wollen, es gäbe gar kein Polen und es würde nie wieder ein Polen
geben. Von der Polnischen Republik sprach Molotow als dem "abscheulichen
Bastard des Versailler Vertrages", zur leider nicht geringen Freude
vieler Deutscher - und doch lebte Polen weiter, nicht nur in den Herzen
der Polen, auch als völkerrechtliches Subjekt, das weiterhin militärischen
Einfluß ausübte. So erfüllten Polen ihre Verpflichtungen
gegenüber Britannien und dies obwohl Britannien selbst 1939 völlig
untätig zugesehen hat, wie das nationalsozialistische Deutschland
gemeinsam mit der Sowjetunion das um seine nackte Existenz ringende Polen
grausam zerschlug.
In den Herzen der polnischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges lebte Polen,
als der Staat Polen untergegangen war und so wie die lebendigen, pulsierenden
polnischen Herzen Polen in sich trugen, so haben auch deutsche Herzen
ihr Vaterland in sich getragen, wenn von Deutschland nichts mehr zu sehen,
nichts mehr zu bemerken war. Dies betrifft die dunkle Zeit nach 1806 als
Schenkendorf sang: