Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Reichspsalterion
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Geistliche Texte
  Kontakt
  Zum Gästebuch

   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Kirchliche Lehre |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   Russland

Die Rechte der Nation

Eine Kritik von Martin Möller

Diese Kritik wurde im Jahre 2002 im Auftrag der „Jungen Freiheit“ verfaßt. Das Blatt weigerte sich jedoch den Aufsatz vertragsgemäß zu bringen. Grund dafür ist die nationalistische Verblendung der „Jungen Freiheit“ und ihrer Redakteure, die sich binnen mehrerer Jahre immer wieder weigerten, ihre auf destrukiver, nationalistischer Ideologie beruhende Position zu korrigieren und die Positionen nicht etwa „andersdenkender“, sondern überhaupt denkender Autoren zu akzeptieren.

Da dieser Wahnsinn - der die „Junge Freiheit“ an die Seite ihrer angeblichen „Verfolger“ stellt - Methode hat, muß ich an dieser Stelle dringend vor der Vorstellung warnen, die „Junge Freiheit“ hätte sich die Freiheit für Deutschland zum Ziel gesetzt. Das Gegenteil ist der Fall. Niemand, dem Freiheit, Wahrheit und Recht irgend etwas bedeuten, sollte die „Junge Freiheit“ unterstützen. Ich möchte hinzufügen, daß ich diesen Artikel hier völlig unverändert bringe. Heute (Ostern 2003) würde ich die Thesen und Ausführungen Romigs in erheblich schärferem Maße zurückweisen. Ein Konservativismus wie derjenige Friedrich Romigs führt ins katholische Altersheim, jedoch nicht in die herrlichen Welten, die er seinen Lesern vorgaukelt.

Friedrich Romig: Die Rechte der Nation. Leopold Stocker Verlag. Graz 2002. ISBN 3-7020-0943-4

Friedrich Romig ist unbestritten der bedeutendste Vertreter der christlichen Soziallehre in Europa und seit Jahrzehnten Vordenker des Konservativismus in Deutschland. Sein jüngstes Buch, eine Zusammenfassung von Aufsätzen der vergangenen zehn Jahren, die hier und an anderer Stelle bereits veröffentlicht worden sind, ist im Leopold-Stocker-Verlag erschienen und es faßt die Entwicklung und theoretische Fortspinnung der konservativen Theorie für unsere Gegenwart mustergültig zusammen. Dabei knüpft er an die im «Lexikon des Konservativismus» niedergelegten theoretischen Grundlagen an, verdeutlicht und konkretisiert sie. Sowohl das Lexikon als auch «Die Rechte der Nation» gehören zum Kernbestand der politischen Literatur der Gegenwart und somit in jede Bibliothek - auch des Liberalen, der sich ein konservatives Lebensgefühl bewahrt hat und auch des Nichtkatholiken, des Nichtchristen, der einen Sinn für geistige Zusammenhänge besitzt.

Das Denken von Professor Romig basiert auf dem festen Fundament der griechischen und der deutschen klassischen Philosophie und bietet sichere Gewähr dafür, daß er sich nie in theologisch oder sozialwissenschaftlich abgehobene Gefilde verirrt, hinter denen sich bekanntlich allzuoft nackter Opportunismus versteckt. Die den Universitäten und Ordinariaten nahestehenden katholischen „Sozialwissenschaftler“; dürften wohl die Lehre Romigs scheuen wie der Teufel das Weihwasser, baut doch Romig auf Naturrecht und „vorkonziliarer“ Soziallehre der Päpste, insbesondere Leos XIII. und der beiden letzten Pius-Päpste auf. Diese Lehre gilt im heutigen Katholizismus als veraltet, ja als verächtliche Verirrung, wie überhaupt der eigenen Tradition im allgemeinen eine hochmütige Geringschätzung entgegengebracht wird.

Dies kann man von Romig nicht behaupten. Er wurzelt fest in den Jahrhunderten nicht nur der katholischen Geistesgeschichte und ist den heute notorischen Kleingeistern somit ein rotes Tuch. Ein rotes Tuch für Professor Romig sind wiederum die ebenfalls sich am deutschen Idealismus orientierenden Vertreter des «Deutschen Kollegs». Diese Kontroverse bleibt in «Die Rechte der Nation» allerdings ausgespart, deshalb kann an dieser Stelle nur auf den Diskussionsbeitrag Romigs in «Zur Zeit» vom 10. Dezember 1999 verwiesen werden, in dem Romig seine Kritik an den entsprechenden Thesen skizziert. Es ist bedauerlich, daß diese Kontroverse nicht öffentlich weitergeführt werden konnte.

Totalitären Repressionstechniken - bis hin zu Bedrohung an Leib und Leben - wurde auch Professor Romig im freiheitlich-demokratischen Österreich vielfach ausgesetzt. Sein mutiger und zudem recht wirkungsvoller Einsatz gegen EU-Integration und Globalisierung machte ihn zur Zielscheibe derjenigen Kräfte, die sich als EU- und Globalisierungsgegner gerieren, tatsächlich aber die Büttel der Weltpolizei sind. Man scheute sich nicht, den weltweit geachteten Wissenschaftler öffentlich zu diffamieren, zu bedrohen und als Antisemiten zu denunzieren, eine Beschuldigung, die gerade bei einem Mann wie Romig als irrsinnig zu bezeichnen ist. Aus dem vorliegenden Buch: „Die Juden sind das Volk katexochen. Was sie verbindet und zum Volk macht, ist ihr gemeinsamer Glaube, ihr Bund mit Gott, durch den es zu einer Facette Gottes wird.“ Auch in den Debatten mit dem «Deutschen Kolleg» hat Romig stets die Juden als volkliche und geistige Gemeinschaft mit Wärme verteidigt. Als Katastrophe muß man es bezeichnen, daß die Mord-Hetzer von staatlichen Stellen in Österreich und Deutschland unterstützt und finanziert werden. Immerhin haben es österreichische Gerichte gestattet, das DÖW wahrheitsgemäß als „eine Art Privat-Stasi“, „Zentrale linker Wühlarbeit“, „kommunistische Tarnorganisation“ und „linksextreme Subversion“ zu charakterisieren. Daß dieses Gerichtsurteil Schutz vor den Schlägerbanden verleiht, muß allerdings bezweifelt werden.

In dem für die heutige Debatte zentralen Aufsatz «Globalisierung oder „geschlossener Handelsstaat“» (hier [d.h. in der "Junge Freiheit"]1996 erstmals erschienen) widerlegt Romig sachgerecht und uneingeschränkt überzeugend die Globalisierungspropaganda. Vornehm und dezent wird auch das geistig sterile Geplappere, das sich heute als „katholische“ oder „christliche“ Soziallehre aufspielt (man denke an die grauenhaften Propagandakampagnen von «Misereor» oder entsprechender „Sozial“werke), demaskiert: „ ... Auf die Frage, wer denn diesen Rechtsanspruch (auf Arbeit bzw. Beschäftigung) einzulösen habe, angesichts der Globalisierung der Märkte könnten es ja wohl Unternehmer und Staaten nicht sein, blieb S. eine schlüssige Antwort schuldig. Vor der ihm vorgehaltenen Konsequenz, daß die Einlösung des Rechts auf Arbeit das Ende der Globalisierung und Fichtes „geschlossenen Handelsstaat“ mit Beschäftigungsgarantie und Berufslenkung erfordere, scheute er zurück. Aus Mangel an konsequentem Weiterdenken und logischen Schlußfolgerungen bleiben viele gutgemeinte Forderungen der Vertreter der Katholischen Soziallehre bloß pastorales Geräusch.“

Dieses „pastorale Geräusch“, das der Normalbürger als wenn auch hoch bezahltes „sinnloses Gequatsche“ qualifizieren muß, ist bei Romig nicht anzutreffen. Seinen Aufsätzen ist eine geistige Konzentration eigen, die zu uneingeschränktem Gewinn führt und auch in einer Sprache gestaltet ist, die sowohl höchsten Ansprüchen genügt, als auch breite Verständlichkeit gewährleistet. Dem gelegentlich geäußerten Vorwurf, Romigs Theorie sei zu katholisch und somit zu dogmatisch, kann nicht energisch genug widersprochen werden. Sicherlich gibt es für den kirchlich nicht Bewanderten Anfangswiderstände bei der Lektüre, doch nach der geringe Mühe kostenden Überwindung dieser Widerstände wartet hoher Gewinn auf ihn - und übrigens auch die Chance, überhaupt zu verstehen, was katholisch ist - dem „pastoralen Geräusch“ der modernisierten und vom „Schutt“ der Jahrhunderte befreiten Kirche kann er es nämlich im Normalfall nicht entnehmen.

Die Auseinandersetzung mit der Ideologie des Liberalismus nimmt für Romig einen hohen Rang ein. Erkennt er doch zu Recht im Liberalismus die „Immunschwäche Europas“, wobei man sich darüber klar sein muß, daß es sich um die Immunschwäche gegenüber einer unfehlbar tödlich wirkenden Krankheit handelt. Deshalb betont Romig zu Recht, daß Liberalismus und Kirche unvereinbar sind - unvereinbar wie Feuer und Wasser. Wenn Romig allerdings im gleichen Atemzug Papst Johannes Paul II. mit seiner Enzyklika «Centesimus annus» zitiert („Eine Demokratie ohne Werte verwandelt sich, wie die Geschichte beweist, leicht in ... Totalitarismus“), dann verschweigt er, daß die römische Kirchenleitung mit dem letzten „Konzil“ den Liberalismus und seine abträglichen und zerstörerischen Auswirkungen in die Kirche hineingenommen hat und daß sich die „Immunschwäche Europas“ mehr und mehr eben auch als „Immunschwäche der Kirche“ erweist, als Immunschwäche gegenüber all denjenigen Tendenzen, die Romig nicht müde wird, unablässig zu geißeln.

Warum genau das, was Leo XIII., seine Vorgänger Leo XII. oder Gregor XVI. und seine Nachfolger verdammten und unermüdlich bekämpften, nun kirchlich sein soll und gar zur Norm kirchlicher Lehre und Handelns erhoben wird, kann auch Romig nicht erklären. Hier werden Probleme und Frontstellungen sichtbar, deren Auswirkungen der Theologe Joseph Ratzinger zwar bereits 1970 als „Katastrophe“ bezeichnet hat, die er jedoch trotz seines jahrzehntelangen Wirkens in der Kurie nicht wirklich gelöst hat - wohl nicht hat lösen können, angesichts der beschriebenen Immunschwäche. Der Arzt für diese Krankheit muß allerdings noch gefunden werden.

Um die Rolle der Kirche als „Reich Gottes auf Erden“ zu verdeutlichen, zitiert Romig gern aus den entsprechenden Dokumenten des Zweiten Vatikanums. Der Kenner des Zweiten Vatikanums sollte wohl wissen, daß diese Versammlung eine Staatskirchenlehre etabliert hat, die in revolutionärer Weise alles umgestülpt hat, was seit Konstantin dem Großen in der Kirche des Ostens und des Westens, der Ultramontanisten und der Protestanten als wahrheits- und evangeliumsgemäß gegolten hatte. Es ist kein Zufall, daß die Konzilerklärung «Dignitatis humanae» von Romig nicht zitiert wird, stellt sie doch sozusagen die Wahrheit im Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Kirche auf den Kopf. Marx - und nicht Hegel - hätte sicherlich seine Freude an ihr gehabt.

Problematisch und schwankend wird das Urteil, wenn die Rede auf die „Rechte der Nation“, d.h. des Volkes, der ethnischen Gemeinschaft kommt. Es ist zunächst zu bemängeln, daß von „Nation“ statt von Volk, Heimat oder Vaterland gesprochen wird. Der moderne, durch die französische Revolution geprägte Begriff der Nation führt in die Irre und verleitet zu Mißverständnissen, wie die Dauerdebatte um diesen Gegenstand deutlich zeigt. Romig greift diesbezüglich die Lehre der UNO auf, die ihrerseits wiederum als liberalistisch, ja als revolutionär zumindest gegenüber unserem überkommenen Staatsbegriff bezeichnet werden muß. Wenngleich Romig und die UNO gewiß Unterschiedliches meinen, muß doch klar gesagt werden, daß Völker und Volksgruppen zwar gewisse Rechte gegenüber dem Staat haben, Rechte, die im Bereiche des Gebrauches der Sprache, der Pflege des Brauchtums, der Religion etc. angesiedelt sind, daß aber ein „Selbstbestimmungsrecht“ im Sinne der Losreißung von dem Staat, in dem sie leben, nicht existiert.

Die Kirche hat es nie anders gesehen und beispielsweise den gewaltsamen Freiheitskampf sowohl der katholischen Iren gegenüber Großbritannien als auch der katholischen Polen gegenüber dem Zarenreich streng verurteilt, obwohl sie sich mit dieser Haltung ins eigene Fleisch schnitt. Die Behauptung, daß „mit dem Erringen der staatlichen Unabhängigkeit ... das Selbstbestimmungsrecht des jeweiligen Volkes ... konsumiert“ sei und daß Volksgruppen gegenüber den Nationalstaaten über nur eingeschränkte Rechte verfügten, kann nur in die Irre führen. Es muß betont werden, daß das angebliches „Selbstbestimmungsrecht“ in der Menschheitsgeschichte vor allem als propagandistisches Werkzeug zur Zerstörung der europäischen Monarchien benutzt worden ist und daß dieses angebliche Recht in der Realität nirgends verankert ist. Die Auflehnung von Völkern unter Berufung auf ein angebliches Selbstbestimmungsrecht führt zu Zuständen, wie sie in Osteuropa seit 1919 herrschen mit all den katastrophalen Folgen, die ja heute keineswegs ausgestanden sind, sondern seit 1990 sich noch täglich verschlimmern. Solange die Völker nicht Buße tun für den Aufstand der Selbstbestimmung, kann sich daran mit Sicherheit nichts ändern.

Die Reichskrone, die das Buch Romigs ziert, ist der Hinweis darauf, daß es neben den „Rechten der Nation“ vor allem eine Pflicht der Nationen gibt, die in Lob und Dank gegen Gott besteht: „Lobt den HERRN, alle Heiden, und preiset IHN, alle Völker!“ Dies ist der Schlüssel zum Verständnis der Völkergeschichte seit der Erfindung des Selbstbestimmungsrechtes, und es steht zu befürchten, daß diese Geschichte gemäß der Prophezeiung Jesajas sich weiterhin fortsetzen wird:

„Ich habe die Völker zertreten in meinem Zorn und habe sie trunken gemacht in meinem Grimm und ihr Blut auf die Erde geschüttet.“

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga