Die Reichstheologie des Alexander von Roes
Ein Aufsatz von Martin Möller
Ein jeglicher aber in seiner Ordnung: der
Erstling Christus; darnach die Christo angehören, wenn er kommen
wird; darnach das Ende, wenn er das Reich Gott und dem Vater überantworten
wird, wenn er aufheben wird alle Herrschaft und alle Obrigkeit und
Gewalt. 1.Kor 15, 23-24
Papst Martin IV. als Handlanger Frankreichs
Im Jahre 1281 wurde der Franzose Simon de Brion als Martin IV. Papst.
Mit ihm hatte sich die vom Hause Anjou langfristig unterstützen Kräfte
durchgesetzt, die das Papsttum in Harmonie mit den imperialen Interessen
der Anjou zu bringen gedachten. Der Heilige Stuhl, der sich in jahrhundertelangen
Auseinandersetzungen von der Dominanz des Deutschen Königs gelöst hatte,
war nun in französische Abhängigkeit geraten, eine Abhängigkeit, die auch
in ihrer abträglichen geistlichen Dimension diejenige der Zeit der Sachsen-
und Frankenkaiser weit übertraf.
Simon de Brion hatte seine Karriere im Dienste des französischen Staates
durchlaufen und war Kanzler des französischen Königs Ludwig IX. gewesen.
Als Papst schlug er eine so unverhohlen profranzösische Politik ein, daß
auch die Römer schon bald bereuten, sich oft so undankbar gegen die tedesci
aufgeführt zu haben. Der Kirchenstaat wurde faktisch an das französische
Regnum angeschlossen, gleiches wurde in den beiden Sizilien lediglich
durch die Sizilianische Vesper verhindert, anläßlich derer
die Süditaliener sich der französischen Herrschaft entledigten.
Verheerend wirkte sich die aggressive Politik Martins IV. gegenüber
der Ostkirche aus, da die auf dem Konzil von Lyon mühsam errungene Einigung
zugunsten französischer Machtpolitik zerstört wurde. In Lyon war bekanntlich
eine vollständige Wiedervereinigung der griechischen und der lateinischen
Kirche erreicht worden, da sowohl byzantinischer Kaiser als auch der leitende
byzantinische Klerus den römischen Primat anerkannt und die theologischen
Streitpunkte, namentlich das filioque, im katholischen Sinne
entschieden hatten.
Seine Pläne der Zerschlagung des Imperiums
Papst Martin V. zerstörte nun willkürlich dieses notwendige Einigungswerk,
als er aus rein machtpolitischen Erwägungen den oströmischen Kaiser Michael
VIII. exkommunizierte und dessen Unterstützung streng verbot. Doch nicht
nur das, er stieß sich auch an der seiner Ansicht nach zu engen Bindung
des Römischen Imperiums an die Macht der Deutschen Könige. Bekanntlich
war in der Translatio Imperii im Jahre 962 vom Papst selbst
das Römische Reich auf den deutschen König Otto den Großen übertragen
worden. Seit dem war es imperiales Verfassungsgesetz, daß nur der durch
das Kurkollegium erwählte Deutsche König berechtigt sei, sich in Rom zum
Kaiser krönen zu lassen. Dies konnte einem Parteigänger des französischen
Königs nicht gefallen, war doch durch eben diesen Akt der Translatio
Frankreich faktisch aus dem Römischen Reich ausgeschieden und stand für
Jahrhunderte an zweiter Stelle in Europa, ohne die rechtmäßige Oberhoheit
des Kaisers wirklich zu akzeptieren. Martin IV. versuchte, die französische
Position zu stärken und veranlaßte die Eliminierung der Gebete für Kaiser
und Reich aus den Meßbüchern.
In Interessenkongruenz mit einigen mächtigen deutschen Fürsten plante
er ferner das Imperium und damit die Kaiserwürde auf Frankreich zu übertragen,
das deutsche Regnum aufzuteilen und ein deutsches nunmehr erbliche Königtum
auf das Gebiet des "Regnum Teutonicum" zu beschränken und somit
Deutschland in ein gewöhnliches Königreich umzuwandeln. Es
ist kein Zufall, daß der Papst sich an Pläne lehnen konnte, die von den
Staufern verfolgt worden sind.
Widerstand durch den Deutschen Klerus
Gegen diese Pläne erstand machtvoller Widerstand aus der deutschen Kirche.
Die Eliminierung der Gebete hatte den Klerus hellhörig gemacht. Die Prälaten
teilten die rein machtpolitisch begründete französische Staatslehre nicht,
sie wußten um die heilsgeschichtliche Bedeutung des Imperiums und gedachten
nicht, es widerstandslos preiszugeben. Magister Jordanus von Osnabrück
unternahm es im Jahre 1260 zunächst, alle biblischen Zeugnisse dafür zusammenzustellen,
daß das «Imperium Romanum» nach Gottes Willen zugleich mit
dem Evangelium unter Augustus in die Welt gekommen sei und, unentbehrlich
für dessen Fortbestand, den Antichrist und das Weltende aufhalte. Seinen
Traktat nahm der Kölner Kanoniker Alexander von Roes 20 Jahre später
in eine Denkschrift für den Kardinal Colonna auf, in dessen Gefolge er
erlebt hatte, wie an der römischen Kurie die Franzosen nach Kaisertum
und Papsttum griffen und die Päpste das Imperium mißachteten oder gar
zerteilen wollten.
Roes war ursprünglich Kanoniker am Kanonissenstift St. Marien auf
dem Kölner Kapitol. Um 1280 kam er zur römischen Kurie und wurde
Familiare des Kardinals, dem das Memoriale gewidmet war.
Roes erkannte, daß die Realisierung derartiger Pläne nicht nur das Reich
in große Gefahr gebracht hätte, auch das Papsttum würde aufs Höchste gefährdet.
Roes befürchtet, daß bei einer Abkehr vom Kaisertum die Kurie das gleiche
Schicksal erleiden werde, wie die Juden, als diese ihren König verleugneten
und riefen: Wir haben keinen König. So wenig ein Schiff mit
einem Ruder gelenkt werden kann, so wenig kann das Schifflein Petri nur
mit dem Papst gelenkt werden.
Das Welt- und Geschichtsbild des Alexander von Roes
Alexander von Roes gliedert die Welt in die drei Erdteile Asien, Afrika,
Europa. Die in diesen Kontinenten lebenden Menschen gliedern sich wiederum
in drei Völkergruppen, nämlich Juden, Christen und Heiden. Die Christenheit
ist in der Kirche zusammengefaßt und stellt den höchsten Inbegriff der
Menschheit dar. Sie gliedert sich gemäß Roes im Wesentlichen in drei Teile:
Italien, Frankreich, Deutschland. Diesen Teilen gehören zusammen, sie
sind aufeinander angewiesen und repräsentieren eine höhere Einheit. Gemäß
den besonderen Charismen und Begabungen sind den in den drei Teilen lebenden
Völkern auch verschiedene Aufgaben zugewiesen. Charismen der Italiener
sind die Freude am Besitz, dazu Nüchternheit, Verschwiegenheit, Langmut
und Klugheit. Deshalb ist Italien das Papsttum zugewiesen worden. Den
Deutschen eigen ist die Freude am Herrschen, verbunden mit Großherzigkeit,
freiem Sinn, Tatkraft und Mitleid mit den Schwachen. Deshalb gebührte
ihnen zu Recht das Kaisertum. Höchstes Charisma der Franzosen ist die
Freude an der Lehre. Dazu kommen Rechtlichkeit, Maß, Eintracht, Weltgewandtheit.
Deshalb ist ihnen das Studium zugewiesen worden und damit meint von Roes
die Pariser Universität, die er hoch schätzte.
Argumente aus dem Neuen Testament
Für Jordanus und Roes stellt das zentrale Argument für das Imperium die
Tatsache dar, das Christus selbst dem «Imperium Romanum» die größte Ehre
durch sein Erscheinen in den Grenzen des Imperiums erwiesen hatte. Nicht
in irgendeinem Staat wollte und konnte der Heiland seinen Erdenwandel
beginnen, es sollte das Römische Reich sein, das offensichtlich schon
durch diese Tatsache einen herausgehoben Platz im Heilsplan einnimmt.
Auch auf seinem Lebensweg zeigte der Erlöser Treue zu dem Staat, dem er
Zeit seines Lebens angehörte. Das Matthäusevangelium zeugt davon, daß
Jesus dem «Imperium Romanum» die vorgeschriebenen Steuern zahlte und dies
auch von seinen Anhängern erwartete (Matt 17, 24-27). Entsprechend
der bis in die Neuzeit hinein vertretenen Theologie deutet Roes die Stelle
bei Lukas, in welcher von zwei Schwertern die Rede ist, als Hinweis auf
die beiden Gewalten im „geheiligten Reich“, Papst und Kaiser.
Pilatus wurde laut Joh 19,11 von Jesus auf den hingewiesen, der ihm seine
Gewalt übertragen hat, den römischen Kaiser, in diesem Falle den Kaiser
Tiberius.
Doch nicht nur die Hinweise auf das Verhältnis Christi zur weltlichen
Gewalt des Imperium Romanum werden von Roes angeführt, auch weitere
Bibelstellen interpretiert Roes im selben Sinne. Er zitiert aus dem Zweiten
Brief an die Thessalonicher:
„Laßt euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst
muß der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen,
der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott
oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, daß er sich sogar in den Tempel
Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. Ihr wißt auch, was ihn jetzt
noch zurück hält, damit er erst zur festgesetzten Zeit offenbart wird.
Denn die geheime Macht der Gesetzwidrigkeit ist schon am Werk, nur muß
erst der beseitigt werden, der sie bis jetzt noch zurückhält. Dann wird
der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden.“
Roes interpretiert die Perikope im Sinne des Kirchenvaters Augustinus,
der in De civitate Dei. XX, 19 ausgeführt hatte:
Was der Apostel sagt: «Der es jetzt
hält, der mag es halten, bis es hinweggetan wird», das läßt sich
ohne Widersinn auf das römische Reich beziehen, als sei damit gesagt:
«Der jetzt herrscht, mag herrschen, bis er hinweggetan, hinweggenommen
wird, alsdenn wird der Bösartige offenbar werden» unter dem ohne
alle Zweifel der Antichrist zu verstehen ist.
Das Imperium Romanum gilt also Augustinus und der ihm folgenden
Theologie als „katechon“, der Aufhalter des Antichrist. In
dieser Interpretation sind ihm auch viele protestantische Theologen gefolgt.
Die «Lutherbibel erklärt» aus dem Jahre 1987 kommentiert diese Stelle
in dem Sinne: Paulus sagt nicht, durch wen das geschieht. Vielleicht
denkt er an staatliche Ordnungen, wie sie ihm im Römischen Staat begegneten.
Zukunft nach Roes
Für Roes ist es ausgemachte Sache und unbezweifelbare Tatsache, daß das
Imperium Romanum das Katechon ist - allerdings auch, daß sein Ende kurz
bevor steht. Dann wird die Situation eintreten, die Jesus gemäß Matthäus
24 prophezeit:
Denn es wird eine so große Not kommen, wie es noch nie eine gegeben
hat, seit die Welt besteht, und wie es auch keine mehr geben wird.
Psalm 72 prophezeit laut Roes das Ende des Imperiums:
Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen und großer Frieden,
bis der Mond nicht mehr da ist.
In seinen Tagen, das sind die Tage des Reiches der Gerechtigkeit
im Sacrum Imperium, ebenso deutet der Mond auf dieses Imperium
hin. Vor dem Ende des Imperiums steht jedoch noch eine Friedenszeit des
Ordo bevor, in die die Welt in ca. 30 Jahren eintreten
wird. Der Ordo bedeutet 100 Jahren ruhigen zufriedenen Lebens, danach
ist etwa um das Jahr 1400 die Ankunft des Antichrists nach Fall des Imperiums
und Ende des Katechons zu erwarten.
Nun bricht eine unvorstellbare Leidenszeit eine, die allerdings nur etwa
100 Jahre dauern werde, danach sei um das Jahr 1500 mit dem Weltende zu
rechnen. Wer dem Imperium feindlich gegenüber steht, muß sich zurechnen
lassen, daß er die Leiden der Endzeit mitverantworte: Wenn der Antichrist
nicht kommt, ehe das Reich zerstört wird, dann sind unzweifelhaft alle,
die darauf hinwirken, daß das Reich nicht mehr sei, eben dadurch Wegbereiter
und Vorläufer des Antichrist! Deshalb mögen die Römer und ihre Päpste
sich hüten, daß nicht durch ihre Sünde und Schuld nach Gottes gerechtem
Spruch das Reich von ihnen genommen werde! Ebenso mögen die Bischöfe und
Fürsten Deutschlands sich hüten, aus Gier nach weltlicher Macht sich Rechte
und Güter des Reiches widerrechtlich anzueignen. Denn es muß zwar das
Ärgernis kommen, doch wehe denen, durch welche das Ärgernis kommen wird!
Historische Argumente
Nicht nur biblische Argumente sind es, die Roes für die Notwendigkeit
und Heilsbedeutung des Imperium Romanum heranführt. Er greift die Geschichtslehre
seiner Zeit auf und geht auf die Problematik der Translatio Imperii
ein, deren Rechtmäßigkeit ja von französischer Seite immer wieder bestritten
wurde. Den Franzosen führt er deutlich vor Augen, daß Karl der Große Franke
und somit Deutscher gewesen sei. Es stehe den Franzosen somit schlecht
an, das den Deutschen zustehende Kaisertum zu bestreiten, und sich dabei
auf fränkische Könige und Kaiser zu berufen. Karl wäre zudem nicht nur
vom Papst zum Kaiser erhoben worden, er hätte das Kurfürstenkolleg gegründet
und sei somit Reichsgründer. Die prominentesten Kurfürsten seien die Bischöfe
von Trier, Köln, Mainz, Deutsche ebenso wie der Pfalzgraf, der Primas
der weltlichen Kurfürsten. Der Papst hat die Kaiserwürde an die Kur des
deutschen Königs gebunden, weil die deutsche Königswürde nicht vererbt
werden dürfe. Das fränkische Königtum war ebenfalls ein Wahlkönigtum,
doch haben die fränkischen Könige das Reich und das Recht verkommen lassen.
Die Deutschen sind zu Recht mit der Kaiserwürde geehrt worden, sind sie
doch mit den Römern stammesgleich, da beide von den Trojanern abstammen.
Der jüngere Priamus und seine Mannen haben nämlich zunächst Verona gegründet,
dann Bern, dann rheinaufwärts Bonn und dann Xanten, das sie als Klein-Troja,
Colonia Trajana, gründete. Aus dieser Gruppe haben sich die
Franken entwickelt, so genannt, weil sie von römischen Abgaben befreit,
also frank waren. Bereits den Aposteln lag Deutschland sehr
am Herzen, so daß sie viel unternommen hätten, um das Evangelium hierher
zu bringen. Der hl. Petrus selbst sandte Maternus mit dem Petrusstab nach
Deutschland. Dieser Petrusstab befindet sich in Köln und in Trier, aus
dieser Tatsache leitet sich sowohl die Kurwürde der dortigen Bischöfe
ab, als auch die Kaiserwürde, des von Ihnen Gekürten.
Nachdem die Franken christlich geworden waren, schwand ihr einstiger
Kriegergeist, ähnlich wie bei den Römern, nachdem statt der Kaiser die
Päpste herrschten. Sie widmeten sich dem Reichsdienst und der Kirche und
stifteten wohlüberlegt die Deutsche Krone, die zur Grundlage des Sacrum
Imperium werden sollte. Ihr erster Träger war Heinrich I. - in der
Deutschen Schulbildung oft der Vogler genannt- , der zwar
Sachse und Sachsenherzog aus dem Hause des Liudolf war, doch mit größerem
Recht als die Franzosen sich Franke nennt, da er im Gegensatz zu ihnen
das fränkische Recht und tatsächliche fränkische Staatlichkeit vertrete.
Im deutschen Königtum repräsentiert sich das wahre Frankentum, das auf
dem Wahlkönigtum basiere, im Gegensatz zu dem falschen französischen Erbkönigtum.
Auch die Herzogtümer der Sachsen, Schwaben und Bayern werden nur vermittels
Fürsten regiert, die aus dem fränkischen Hochadel stammen. Die Franzosen
hingegen sind keine echten Franken, bestenfalls Mischfranken, die nicht
einmal in der Lage sind, sich in fränkischer Sprache zu verständigen.
Die heutigen Gallier nennen sich Franken aus Eitelkeit und sind nicht
einmal in der Lage in ihrer eigenen Sprache zu sagen: Ich bin Gallier.
Das Imperium
Warum nun war es notwendig, das Imperium Romanum zu erneuern,
zu renovieren? Hätte man es nicht besser bei gewöhnlichen
Erbreichen belassen sollen? Für den Kölner Theologen Roes stellte sich
diese Frage nicht einmal. Für ihn war das Reich notwendig, da es das Weltende
aufhält und so der Kirche die Ausbreitung des Glaubens ermöglicht bis
die Zahl der Erwählten vollendet sein wird. Dieses notwendige Reich ist
heilig, da es die universale Heilswelt Christi vorantreibt. Damit diese
Aufgabe geleistet werden kann hat der Papst das Kaisertum auf das Imperium
übertragen, das somit ein Amt mit universellem Vorrang ist. Das heilige
Reich ist ein deutsches Reich, nicht aus dem überlegenen Charakter germanischen
Volkstums heraus, sondern weil der Papst selbst es von den Griechen auf
die Franken, d.h. auf die deutschen Fürsten übertragen hat. Dieses Reich
der Franken hat sein Zentrum in Köln und so lange Köln und seine Kirche
blüht, muß auch das Reich blühen und wird der Antichrist zurückgewiesen.
Dies ist die zentrale heilsgeschichtliche Bedeutung des Kölner Klerus.
Die Zeitalter des Heils
Die historisch begründete Heilslehre führt Roes zu einer biblisch begründeten
Lehre von der Abfolge der Heilszeiten. Am Anfang steht die Ära der Unschuld,
das Leben der Ureltern im Paradies. Der Sündenfall führt in die Ära des
Naturgesetzes hinein, das Zeitalter der Menschheit, in dem
sie einzig mit dem Naturrecht leben mußte. Erst die Offenbarung des Moses
am Berg Sinai führt in die Ära des Geschriebenes Gesetz hinein,
das von der mit der Inkarnation Christi beginnenden Gnadenzeit
abgelöst wurde, die dank der Heilswirkung des Imperium noch immer anhält.
Die Gnadenzeit wiederum gliedert sich die Perioden der vier Trübsale.
Jede dieser Perioden ist in der Heiligen Schrift prophezeit und hat eine
bestimmte heilsgeschichtliche Bedeutung.
Am Beginn steht die Zeit der Verfolgung und der Märtyrer. Ihr entspricht
die Prophezeiung laut Math. 2, 16-18, das sogenannte Bethlehemitische
Kindermassaker. Auf die Märtyrerzeit folgt die Periode der Verfolgung
der Kirche durch die Ketzer. Sie wurde in der Heiligen Schrift angezeigt
durch die Dispute Christi mit Pharisäern und Sadduzäern. Nachdem die
Kirche über die Ketzer triumphiert hatte, folgte in der Zeit des dritten
Trübsals die Reinigung des Klerus von der Simonie, der Käuflichkeit der
Ämter und anderer klerikaler Sünden. Diese Trübsal wurde im Bericht der
Reinigung des Tempels nach Math. 21, 12 ff. prophezeit. Nach der Reinigung
des Klerus treten Welt und Kirche in die vierte Trübsal ein, die Zeit
der Verfolgung der Kirche durch den sich zeigenden Antichrist. Diese heilsgeschichtliche
Periode ist durch das Leiden Christi am Kreuz prophezeit worden. Sie führt
direkt hin zur Parusie, zum Säkulum des Gloria, dergöttliche Vollendung,
die vom Weltende bis in die Ewigkeit und somit aus der geschichtlichen
Zeit heraus führt, diese zusammenfassend und vollendend.
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