Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Reichspsalterion
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Geistliche Texte
  Kontakt
  Zum Gästebuch

   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Kirchliche Lehre |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   Russland


Alexander von Schönburg: Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten

Rowohlt Berlin 2008

 

Im Berliner Rowohlt-Verlag ist ein hervorragendes Buch über das Königtum erschienen, ein Buch das größter Aufmerksamkeit wert ist. Autor ist Alexander von Schönburg, uns schon verschiedentlich positiv aufgefallen. Sein Autorenporträt „James Goldsmith“ im Criticon ist noch in guter Erinnerung, ebenso seine vielen kenntnisreichen Aufsätze zur schwierigen Lage des Traditionalismus innerhalb der römisch-katholischen Kirche in Deutschland.

Leider gehört Vanity fair, das Blatt für das Schönburg exklusiv schreibt, nicht zu unserer Lektüre, in unserem Stammcafe liegt es auch nicht auf, so daß uns gewiß viel Lesenswertes entgangen ist. Um so erfreulicher die Tatsache, daß sein aktuelles Buch „Alles was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ auf unseren Schreibtisch gelangte. Trotz des riesigen Stapels der zu lesenden Bücher wurde es sofort verschlungen, ohne bei der Lektüre die Aufmerksamkeit für die unglaublich vielen interessanten Informationen und Details zu vernachlässigen.

Bücher über die Institution des Königtums sind selten, in Deutschland sogar ausgesprochen rar und bei der Lektüre von Schönburgs Buch schien es uns, als sei seit Dantes Monarchia kein entsprechendes Werk mehr verfaßt worden. Zwar ist die Monarchie in Deutschland seit weit über 1.000 Jahren beheimatet und hier zu einzigartiger, ja „kosmischer“ Höhe hinaufgeführt worden, doch gehört es zum Wesen des Deutschtums, sich an veränderte Verhältnisse recht schnell und geschmeidig anpassen zu können und so ist die Monarchie seit 1918 für die Deutschen nicht mehr aktuell. Um so wertvoller das Buch und die erhebliche von Schönburg aufgewendete Mühe und die  Leidenschaft xxx der sich dem Gegenstand mit einer gewidmet hat, die vermuten läßt, daß sein Interesse am Königtum über das berufliche Interesse eine Vanity Fair-Redakteurs weit hinaus geht.

Schönburg ist in der beneidenswerten Lage, dank seiner verwandtschaftlichen Beziehungen und dank seiner beruflichen Verpflichtungen selbst die meisten Höfe der Welt besucht zu haben. Im Normalfall wäre dieser Sachverhalte eher hinderlich bei der Behandlung der Materie. Nicht so bei Schönburg, dem man eine tiefe Durchdringung des Wesens der Monarchie bescheinigen kann. Zudem schreibt er beneidenswert flüssig und unterhaltsam, - wahrlich keine Selbstverständlichkeit bei deutschen Journalisten. Die Lektüre des Buches kann man als Genuß bezeichnen, nicht nur ästhetisch, sondern auch intellektuell, da Schönburg en passant eine ganze philosophisch-religiös fundierte Theorie des Königtums entwickelt. Diese sei hier noch nicht verraten und dargestellt, sondern nur in einigen Beobachtungen angedeutet.

Schönburg konstatiert, daß die (überlebenden) Monarchien Europas so solide wie seit langem nicht mehr dastehen. Er sieht aber die Gefahr der Banalisierung der Monarchie, da viele Monarchen das Bedürfnis nach Identität mit ihrem Volke übertreiben und sich bei Picknick, Schoppen und McDonalds-Besuchen sehen lassen. Diese Banalisierung darf, so Schönburg, nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Königsamt stets und auch heute noch eine schwere Bürde für den Träger darstellt. Im Königtum tritt die Person des Trägers so vollkommen hinter dem Amt zurück, daß ein König über keinerlei privates Dasein mehr verfügt. Auch den heutigen Prinzen ist das durchaus klar. Schönburg berichtet, daß der britische Prinz William sich häufig über diesen Sachverhalt beklagte. Sein jüngerer Bruder Harry antwortete auf dessen Klagen einst genervt: „ If you won’t do it, I will.“

Schönburg weist ausführlich auf das Charisma und die transzendentale Verankerung des Königtums hin, was heute selbst von Monarchisten recht selten geschieht. Es sei angemerkt, daß er sich hier auf Raspail beruft, wie überhaupt das französische Königtum eine prominente Rolle in dem Buch spielt. Es fällt auf, daß Schönburg, auch wenn er das nicht in letzter Deutlichkeit ausspricht, von dem Gedanken durchdrungen ist, der König stelle einen notwenigen Bestandteil der menschlichen sozialen Ordnung dar. Schönburg macht an vielen Stellen deutlich, daß das gottgestiftete Königtum eine universelle, menscheitsumspannende Idee ist. Dies hatte bereits der schottische Anthropologe, Religionswissenschaftler und Philologe James George Frazer (1854 - 1941) durch aufwendige Forschungen ermittelt. Die Vorstellung, daß der König Mittler, Magier und Heiler ist, vereint alle bodenständigen Kulturen der Welt. Hieran konnte auch die Moderne, so Schönburg, nichts ändern, denn diese Vorstellung ist ein Archetyp, der dem Menschen wesenseigen ist. Somit ist auch die Idee der Restauration des gestürzten Throns nicht auszurotten, wenn sich auch die Moderne weidlich darum bemüht.

Schönburg befaßt sich in seinem Buch zwar mehr mit den aktuell bestehenden Monarchien, doch er kennt auch das Wesen deutschen Königtums, denn er erklärt völlig zu Recht,

„daß das ehemalige preußische Königshaus nicht automatisch die Rechte [auf den deutschen Thron] für sich in Anspruch nehmen könnte. Die einst monarchistische Deutsche Partei, die zwischen 1949 und 1960 immerhin Teil der Regierungskoalition war und mit Hans-Joachim von Merkatz den Bundesjustizminister stellte, machte sich zum Beispiel für das ältere und noblere Welfenhaus stark. … Es gibt eine Reihe deutscher Dynastien, die dem ehemaligen preußischen Königshaus an Anciennität und Nobilität überlegen sind (die Wettiner, die Welfen, die Wittelsbach, das Haus Zähringen, das Haus Brabant …).

Da die deutsche Monarchie traditionell eine Wahlmonarchie war, ergibt sich ein weiteres „Problem: Wer sollten denn die heutigen Kurfürsten sein? Und wer die geistliche Instanz, die - wie es die Tradition verlangt - dein Ganzen ihren Segen gibt?“

Auf diese berechtigten, und auch von uns bereist öfters gestellten Fragen wird allerdings Gott selbst antworten, wenn es an der Zeit ist. Schönburg versucht an einigen Stellen seines Buchs der Figur unseres letzten Monarchen Wilhelm II. gerecht zu werden. Er tut das mit den bemerkenswerten Worten:

„Im Zeitalter des parlamentarischen Konstitutionalismus, als längst das Abendrot der Monarchien leuchtete, versuchte [der deutsche Kaiser] Wilhelm II. noch ein letztes Mal, die Idee der „mystischen Mitte“ zu leben. Und es gelang dem oft verlachten Monarchen sogar. Er schuf in Deutschland ein Kaiseramt - angesichts der zerklüfteten deutschen Identität war das allein schon eine ziemliche Leistung -, auf das in der, zugegeben, kurzen Zeit seiner Existenz alle Institutionen des Reiches, alle Schichten und Stände der Bevölkerung ausgerichtet waren, ja, jeder einzelne Bewohner Deutschlands konnte seinen sozialen Status ganz genau nach der Distanz bemessen, die er zum Hof hatte. Im Zentrum des Reiches die mit Wucht aufgemotzte deutsche Hauptstadt, in deren Zentrum stand das königliche Schloß, und in dessen Mitte wiederum befand sich der legendäre Weiße Saal.

Mein verstorbener Freund, der wilhelmophile Grandseigneur Nicolaus Sombart, sagte, man werde diesem Ort überhaupt nicht gerecht, wenn man allein über seine Schönheit spreche, wenn man versuche, ihm mit kunst- und architekturgeschichtlichen Klugheiten beizukommen. Man müsse in ihm den mythischen Ort erkennen. „Hier und nirgendwo sonst“, sagte Sombart, „hatten die wichtigsten Zeremonien und Staatsakte stattzufinden.“ Thomas Mann habe den Weißen Saal die „strenge Stätte eines darstellerischen Kultes“ genannt. Prachtentfaltung, oder „Munifizenz“ ([svw. freigiebige Entfaltung] um eines der Lieblingswörter Sombarts zu verwenden), betrachtete Wilhelm II. nicht als Vergnügen, sondern als seine ureigenste Pflicht.“

Hingewiesen sei noch in aller Kürze auf die höchst spannenden und für die Geschichtsschreibung relevanten Beschreibungen Schönburgs seiner Besuche bei Nepals König Gyanendra und beim Sultan von Brunei.

Negativa sind bei diesem Buche nicht zu vermerken, wenn man davon absieht, daß gelegentlich von „furzenden Pferden“ die Rede ist und der eigentlich nicht zitierfähige Pseudo-„Historiker“ Röhl zweimal erwähnt wird. Das Buch ist höchst empfehlenswert, jeder sollte es verschenken, sich schenken lassen und gründlich lesen, vielleicht sogar zweimal - es lohnt sich, auch angesichts der hervorragenden Ausstattung, die Standards für ein „royales“ Buch setzt.

Inhaltsverzeichnis

Wie redet man Könige an? = Wie wird man König? = Wie wachsen Könige auf? = Warum darf ein König nicht allzu klug sein? = Und warum sitzt ein König auf einem Thron? = Warum tragen Könige eigentlich Kronen? = Gibt es unter Königen Rangunterschiede? = Müssen Könige unbedingt im Palast wohnen? = Was tun Royals, wenn sie „unter sich“ sind? = Warum machen Könige so ein Brimborium? = Sind Könige auch beim Sex höflich? = Wie angelt man sich einen Kronprinzen? = Was hat die Queen in ihrer Handtasche? (Und andere royale Geheimnisse) = Warum haben Könige keine Kreditkarten? = Warum haben Könige Pferde lieber als Menschen? = Dürfen Könige eine Politische Meinung haben? = Wie hat ein König zu sterben?

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga