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Archiv der Monarchieligazuletzt aktualisiert: Epiphaniasfest 2011
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Juan Donoso Cortés: Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus. Karolinger-Verlag Wien 2007Eine Rezension von Martin Möller
Es ist schwer verständlich, wenn z. B. bei „Libri“ mit der Angabe geworben wird, es handele sich um eine „wesentlich erweiterte Auflage“. Die 3. Auflage gleicht der zweiten fast bis aufs Haar, lediglich die Donoso-Bibliographie, wohl Maschkes Lieblingshobby, hat inzwischen den Umfang von 64 Seiten angenommen, 1996 waren es noch 36 Seiten. Die „Chronologie“, eine kleine Tabelle mit einigen Lebens- und Geschichtsdaten, wurde völlig unverändert belassen. Immerhin wurden die Erranda der zweiten Auflage berichtigt. Die Preisentwicklung ist beachtlich, in Euro umgerechnet kostet ein und dasselbe Buch zunächst etwa € 20,-, wenige Jahre später (broschiert!!) € 35,-, die neue Auflage nun € 60,-, was man gerade angesichts der nicht erkennbaren verlegerischen Anstrengung als überteuert bezeichnen muß. Maschke macht keinen Versuch, sein geradezu manisches Herausgeben von immer neuen fast identischen Essay-Ausgaben zu rechtfertigen. Im Gegenteil, er gibt vor, bereites 1989 (!!) eine Donoso-Gesamtausgabe geplant, aus Zeitgründen aber nicht realisiert zu haben. Diese Ausrede ist nicht überzeugend. Federico Suarez hat binnen weniger Jahre weite Teile der Werke von Donoso in Spanien herausgegeben, es wäre kein nennenswertes Problem gewesen, diese für den Historiker und Donoso-Interessierten hochinteressanten Bücher in deutscher Sprache herauszugeben. Statt dessen dürfen wir eine ganze Reihe im Bücherschrank für die Essay-Ausgaben reservieren - dies ist mehr als ärgerlich. Maschke schreibt selbst: „Die Übersetzung derartiger Texte [d.h. der Aufsätze von Donoso] wäre ... leicht gewesen.“ Warum dann hat er es dann nicht getan? Er begründet diese sträfliche Unterlassung mit der „Notwendigkeit“ [eigener] historisch-politischer Erläuterungen (d.h. von Maschkens Hand) - auf diese hätten die meisten Donoso-Interessierten sicherlich auch leicht verzichten können. Statt sich in angemessener Weise der Übersetzungstätigkeit zu widmen hatte Maschke nichts besseres zu tun, als z. B. im Jahre 1998 eine „Kanonische Erklärung“ zu verfassen, die so sublime Weisheiten enthält wie „Das Hauptgefechtsfeld wurde 1968 von der Stalinallee auf den Kurfürstendamm verlegt“ oder „1968 war eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges zur Volkssouveränität und eine steckengebliebene Volksrevolution.“ Was hätte wohl Donoso zu einem derartigen Flachsinn gesagt? ... Ein Jahr zuvor jammerte Maschke in einem Interview mit der „Jungen Freiheit“ (von den meisten Rechten als „Junge Feigheit“ verachtet) über die furchtbare political correctness herum. Auch das zeugt nicht gerade davon, daß er höchstselbst sein Idol Donoso verstanden hat. Ohne Donoso im Mindesten in seiner Bedeutung schmälern zu wollen, muß man sagen, daß er von Leuten wie Schmitt und Maschke bei Weitem überschätzt wird. Donoso sagt nicht nur in seinem Essay viel Bezweifelbares, er hat auch in seinem politischen Wirken erhebliche Fehlentscheidungen getroffen. Im Jahre 1830 hatte Donoso als junger Mann die pragmatische Sanktion Königs Ferdinand VII. unterstützt, einen Willkürakt, der die tatsächliche und gesetzliche Erbfolge zerstörte und statt des rechtmäßigen Nachfolgers, seinem Bruder Karl, seine gerade erst geborene Tochter Isabella ins Erbe des Königreiches eingesetzt. In einer Monarchie stellt ein solcher Akt eine schwerste Rechtsverletzungen dar. Das salische Recht, das einen Vorrang der Brüder bzw. auch Onkel vor der Tochter vorsieht, ist ein Grundgesetz Europens, das nie ungestraft verletzt wurde: „In terram salicam mulieres ne succedant.“ Es sei hier nur an den Österreichischen Erbfolgekrieg erinnert, der für Deutschland katastrophale Folgen hatte, welche sich bis in die heutige Unfreiheit und Zerstörung hinein auswirkten. Erschwerend kommt noch hinzu, daß die Einsetzung Isabellas eine Konzession an die Linken und kirchenfeindlichen Liberalen war, die natürlich in den nach dem Tode Ferdinands ausbrechenden Karlistenkriegen Heere zum BÜrgerkrieg gegen die rechtgläubigen Karlisten ausrüsteten. Spanien sollte bis zu den Siegen des Caudillos nicht mehr zur Ruhe kommen. Bereits ein Jahr nach dem Regierungsantritt der illegitimen Königin kam es zu Massenmorden an Priestern und Mönchen - Folge auch der Unterstützung des Rechtsbruches durch Donoso. Auch in den folgenden Jahren nahm Donoso linke und liberale Positionen ein, die zudem oft sinnlos und widersprüchlich waren. Donoso nun als „einen der bedeutendsten Geschichtsphilosophen und politischen Denkers des 19. Jahrhunderts“ (der ganzen Welt !!!) hinzustellen, ist eine gigantische Übertreibung. Wir dürfen in aller Bescheidenheit auf das Buch „Der Liberalismus ist Sünde“ des spanischen Geistlichen Felix Sarda y Salvany hinweisen, welches sich der Thematik in größerer dogmatischer Gründlichkeit und Konzentration widmet. Dieses Buch stellen wir der deutschsprachigen Reaktion bereits seit Jahren völlig garatis und franko zur Verfügung. Es gibt eine sehr große Anzahl wichtiger und gerade heute relevanter Bücher spanischer Zunge, die dringend der Übersetzung und der Edition für den deutschsprachigen Raum harren. Dieses lastende Desiderat sollte schleunigst geschlossen werden. Hier können Maschke und der Karolingerverlag noch viel Segen stiften. |