Zur „Kampagne für die Monarchie“
Ein Beitrag von Martin Möller vom März 2004
„Erbe und Auftrag“ präsentierte in den Heften Nov./Dez. 2003
und Jan./Feb. 2004 einen Aufsatz, der eine „Kampagne
für die Monarchie“ vorschlägt. Dies ist lobens- und unterstützenswert,
doch würde eine Kampagne, wie sie der Autor vorschlägt, auch abträgliche
Wirkungen entfalten. Der Autor führt zunächst einige der bekannte
Argumente für die monarchische Staatsform an. Diese können aber
in der vorgetragenen Form nicht überzeugen. Jedes seiner Argumente
läßt sich leicht entkräften, bzw. sogar gegen die Monarchie ins
Feld führen. Weder bringt „nur eine lange Amtszeit“
den erwünschten Effekt (der Monarchie), noch gewährt die Monarchie
grundsätzlich „Unabhängigkeit“ des Staatsoberhauptes,
von wem auch immer.
Aus der Sicht von Vertretern der republikanischen Staatsform
ist es keinesfalls ein Mangel, daß der Präsident von einer parteipolitisch
geprägten Versammlung wie unserer Bundesversammlung gewählt wird.
Ähnlich wird ja die Besetzung der Ämter in den Verfassungs- und
anderen obersten Gerichten gehandhabt, ohne daß darunter die persönliche
Unabhängigkeit der Gewählten oder Bestimmten notwendiger Weise
leiden muß.
Auch bedeutet die lange Amtsdauer nicht notwenig „Vertrauen
in der Bevölkerung“. Im Gegenteil, eine lange Amtsdauer
lädt auch zu einer gewissen Emanzipation ein, die unter Umständen
tatsächlich eine erhebliche unkontrollierte Machtfülle beim Monarchen
kumulieren kann. In Brandenburg und Preußen herrschte der Große
Kurfürst erfreuliche 48 Jahre lang. Trotz seiner erheblichen Verdienste
ist es nicht zu leugnen, daß er die verfassungsmäßigen Rechte
seiner Hintersassen massiv beschnitt und abschaffte. Einen Oppositionellen
ließ er beispielsweise aus dem Warschauer Exil entführen, um ihn
dann in Königsberg foltern und töten zu lassen. Damit möchte ich
nicht das Andenken des geschätzten Großen Kurfürsten schmälern,
sondern auf die tatsächliche Problematik der Machtkonzentration
hinweisen. Die Voraussetzung für eine kontinuierliche und lange
Amtszeit sind übrigens auch in den ideologischen Diktaturen gegeben,
bei denen im Allgemeinen aus einer ideologischen Elite ein lebenslanger
Führer, Generalsekretär etc. herauswächst. Die starke „gefühlsmäßige
Bindung an den obersten Vertreter“ ist auch hier meist gegeben.
verstärkt wird die problematische Argumentation des Autors noch
dadurch, daß er sowohl den Königs- bzw. Kaisertitel als auch die
Erbmonarchie in Frage stellt.
Gerade die Erbmonarchie ist ja einer der entscheidenden, ja der
wohl mit Abstand wichtigste Gesichtspunkte bei der Verteidigung
der Monarchie. Es ist völlig abwegig, diesen Wesenszug in Frage
zu stellen, bzw. bei der Argumentation pro Monarchie zu verdecken.
Das Gegenteil ist notwenig. Die Vorteile der Erbmonarchie müssen
mit allen Mitteln herausgestellt und begründet werden. Hier ist
nicht nur noch viel Aufklärungsarbeit, sondern auch noch viel
Forschungsarbeit z.B. soziologischer Art zu leisten. Die Erbmonarchie
ist die erfolgreichste staatliche Institution und das wertvollste
Erbe der Menschheit. Diese Tatsache muß herausgestellt werden
und es muß auch deutlich gemacht werden, daß die gegenwärtige
Staatsform den Menschen die Vorteile der Erbmonarchie vorenthält.
Die in Spalte 3 unter a) bis d) herangeführten Argumente sind
gleichfalls unbrauchbar bzw. abträglich für die Monarchiebewegung
in Deutschland und für eine Kampagne für die Monarchie. Es gehört
zum Wesen der Monarchie, daß der Monarch per se Monarch
ist. Alle Versuche, die republikanische Staatsform durch sprachliche
Tricks zu salvieren, waren in der Vergangenheit zum Scheitern
verurteilt. Ein solch sprachlicher Trick, ja eine Betrügerei wäre
es, den Bundespräsidenten oder ein anderes republikanisches Staatsoberhaupt
„König“ oder gar „Kaiser“ zu nennen.
Es grenzt an Infamie, die desorientierte, verzweifelte Bevölkerung
der BRD mit derartigen Tricks zu verwirren. Auf diese Weise wird
kein neues Königreich errichtet und auch kein altes zum Leben
erweckt.
Angeblich „unfähige“ Monarchen durch einen „Volksentscheid“
abzusetzen grenzt an Revolution. Dann könnte man auch eine bewaffnete
Volksgarde im Vorzimmer des Königs positionieren. Ein König, von
Gottes Gnaden zur Herrschaft bestimmt, kann nicht mit landläufigen
Maßstäben gemessen werden, schon gar nicht in jeder Manipulation
offenstehenden „Volksentscheiden“. Liebe zum Herrscherhaus,
Treue zum König, das sind die Tugenden, die ein Land blühen lassen
und nicht das Aufhetzen zu „Volksentscheiden“. Für
Deutschland wäre es ein Segen, wenn die Wählerei auf den kommunalen
Bereich beschränkt werden würde. Abstimmen kann man über die Tagesordnung
im Skatverein.
Monarchie bedeutet optimales Regieren zu minimalen Kosten. In
der Monarchie arbeitet jeder ab 1. März für die eigene Tasche,
und nicht ab 1.August wie - ungefähr - in unser aktuellen BRD.
Der Haushalt des Monarchen spielt in der Kosten-Nutzen-Rechnung
der Monarchie überhaupt keine Rolle und wird nur von böswilligen,
dummen Personen in Diskussionen auf niedrigstem Niveau angeführt.
Derartige Argumente lassen sich, gottlob, sehr leicht entkräften.
Der Verfasser der Thesen scheint eine besondere Vorliebe für
das unselige Weimar zu hegen, den Staat, der uns unsere rechtsstaatlichen
Monarchien genommen hat und Deutschland in eine namenlose Katastrophe
führte. Statt dieses völlig desperate Staatswesen zu verwerfen,
das de facto eine Fortsetzung des Weltkrieges mit anderen
Mitteln war, beschimpft er unseren letzten Kaiser als „für
die Kampagne pro Monarchie“ schädlich. Dies ist infam. Unsere
Aufgabe ist es den Kaiser überall und dauerhaft zu verteidigen,
dort, wo er zu Unrecht angegriffen wird und ihn auch dort in Schutz
zu nehmen, wo er tatsächlich gefehlt haben mag. Die Vorstellung,
man könne etwas für die Monarchie tun, wenn man unangenehmen historischen
Diskussionen ausweicht, ist dumm.
Zum Abschluß möchte ich auch die vom Autoren häufig vorgebrachte
Forderung verwerfen, Volksentscheide ließen sich für eine Restauration
der monarchischen Staatsform aktivieren. Die Geschichte der Volksentscheide
in den modernen Republiken zeigen, daß Volksentscheide an tatsächlichen
Machtverhältnissen und Staatsstrukturen nichts ändern können.
Der Monarch wird in sein Amt zurückkehren, doch nicht auf den
Wogen der Stimmzettel, sondern auf den Flügeln des Rechtes. Insgesamt
macht der Aufsatz den Eindruck, die seit vielen Jahren auf hohem
Niveau geführte Diskussion über die Monarchie sei dem Autor völlig
unbekannt.