Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

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Wie denkt Horst Mahler?

Ein Aufsatz von Martin Möller.

Dieser Aufsatz stammt aus dem Jahre 1999. Er versuchte mit einfachen Mitteln die damals von Mahler angestrebte Synthese von Links-Hegelianismus und christlicher Staatsidee zu analysieren. Heute [Februar 2007] sitzt Horst Mahler als älterer Herr wegen Gedankenverbrechen im Zuchthaus Cottbus, exakt dort, wo ich selbst als hypothetischer Republikflüchtling in den Jahren 1980 und 1981 einsaß. Aus der DDR konnte man immerhin tatsächlich oder hypothetisch flüchten - heute ist selbst diese „Freiheit“ vernichtet und ein Horst Mahler wird nicht wie ich „freigekauft“ werden, sondern höchstwahrscheinlich sein gesamtes restliches Leben als notorischer Gedankenverbecher in Zuchthäusern und Lagern verbringen, wenn man ihn nicht für immer in den Maßregelvollzug [sprich Zwangs-Psychiatrie mit allen Konsequenzen] stecken wird, was nach der Logik des brd-Systems wohl das wahrscheinlichere sein wird.

Es ist klar, daß das Urteil gegen Horst Mahler und die Vollstreckung desselben schweres Unrecht sind. „Voltaire sperrt man nicht ein.“ sagte selbst ein General de Gaule als man die Inhaftierung eines Vichy-nahen Literaten forderte. Wir fordern die unverzügliche Freilassung Mahlers und die Bestrafung aller derjenigen, die an diesem Justiz-Terror beteiligt sind und waren. Gottlob wird göttliches Eingreifen auch dem brd-Unrecht bald ein Ende machen, so wie es dem sowjetischen und ddr-Terror beschieden war. Wir stellen unsere zugegeben kurzen Überlegungen also unter das Psalmwort:

Warum toben die Heiden und murren die Völker so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten: „Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!“
Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der HERR spottet ihrer. Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn, und mit seinem Grimm wird er sie schrecken.
Aber ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion.10

 

1. Hegel

Hegel und der Staat

Hegel und Kirche

Neues Testament

Auseinandersetzung mit dem Judentum

Konservativismus

Summa

1. Hegel

Horst Mahler bekennt sich zu dem Denkgebäude des deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel. In ihm sieht er das geeignete Werkzeug, eine Lösung der gegenwärtigen Problematik herbeizuführen: „Mir ist klargeworden, daß dort unsere Kraft ist. Wir nehmen uns anders wahr, wenn wir diesen philosophischen Gedanken der Volksgemeinschaft aufgreifen. Wir brauchen die am Hegelschen Denken und in Kombination damit: an der Marxschen Kritik des Mammonismus geschulte geistige Elite. In diesem Denken ist die Kraft vorhanden, die eine Neue Welt erbauen wird. Diese Kraft habe ich an mir selbst wahrgenommen, wie es durch sie möglich wird, Positionen wieder zu erringen, die vorher völlig außerhalb jeglicher Betrachtung lagen.“

Um eine sachgerechte Rezeption des politischen Denkens von Mahler zu gestalten kann also eine kurze Betrachtung der Philosophie Hegels nützlich sein, der ja bekanntlich von 1818 bis zu seinem Choleratod im Jahre 1831 als Nachfolger Fichtes an unserer Berliner Universität wirkte. Hegel, geboren 1770 war Schwabe aus Stuttgart - was vielleicht erklärt, daß seine Vorlesungen sehr schlecht besucht gewesen sind. Am Stift zu Tübingen war er befreundet mit Hölderlin und Schelling, mit dem ihn enge Freundschaft und Zusammenarbeit verband.

„Alles Wirkliche ist vernünftig und nur das Vernünftige ist wirklich“, ist das grundlegende Postulat Hegels. Seine Schüler trennten sich in der Zeit nach Hegel in die beiden Gruppen der Jung- und Althegelianer. Bei den von Hegel beeinflußten Personen fällt die große Anzahl von ausgesprochen links-extremistischen Destruktiven auf. Marx, Lenin, Bakunin, Lukatsch, Adorno und viele andere lassen vermuten, daß mit den geistigen Kapazitäten des großen Ziehvaters nicht alles ganz in Ordnung sein kann. Zwar sollte man entartete Söhne nicht immer dem Erzeuger anlasten, doch war es leicht, Hegel vom Kopf auf die sozialistischen Füße zu stellen. Hegel hat im linken Lager allerdings auch nicht wenige Feinde, die ihm sein konservatives, staatstreues Wesen vorwerfen.

Hegel und der Staat

Hegels Denken muß man als Versuch einer Universalphilosophie betrachten, die das Politische als besondere Ausprägung des allgemeinen geistigen Seins sieht. Dieses versteht Hegel als vernünftigen Weltgeist, der sich in der Realität sinnhaft abbildet. Der Weltgeist ist kein unveränderlich vorgeordnetes Wesen, sondern im Entwicklungsprozeß der Welt sich selbst schaffend und vergewissernd. An dem geistigen und religiösen Wirken der Menschen nimmt er sich selbst gestaltend und vergewissernd teil.

Politisches Denken und Handeln ist somit ein Bewußtwerdungsprozeß, der sich an der Vernunft des Gestalteten messen läßt. Politische Vorgänge sind dialektisch vorangetriebene, sich evolutionär ausprägende Prozesse, die die Vernunft des Seienden verdeutlichen. Der Staat ist also die höchste Stufe des dialektischen Entfaltungsprozesses des objektiven Geistes und der Wirklichkeit der sittlichen Idee. Er ist als an und für sich Vernünftiges weder Vertragsprodukt noch Machtschöpfung eines einzelnen oder einer Dynastie sondern die politische Ausprägung des „Volksgeistes“. Er ist souverän und omnipotent. Der Zweck des Staates ist Macht und nichts als Macht, nur diese Macht ist in der Lage die Kultur als sinnhafte Verwirklichung des Volksgeistes zu schützen. Der Staat übt auch die oberste Aufsicht über die Kulte, d.h. die Religionsgemeinschaften aus.

Dementsprechend lobte Hegel den preußischen Staat Friedrich Wilhelms III. als eine Ausprägung der Vernunft des Weltgeistes und identifizierte diesen mit der reinen Vernunft als „Wirklichkeit der sittlichen Idee“. Die teilweise auch recht unschönen Erscheinungsformen des preußischen Staatswesens sah Hegel durchaus, war aber guter Hoffnung, daß diese auf evolutionärem Wege zu noch höherem vernünftigen Sein zu gestalten seien. Hegel formulierte die preußische Staatsidee und bekannte sich stets zur Monarchie als höchster Ausformung der sittlichen Idee, Vorstellungen einer Demokratie verwarf Hegel als unsittlich.

Hegel und Kirche

Hegel war kein christlicher Denker und ging nicht von einer autonomen religiösen Wahrheit oder der Möglichkeit der Offenbarung aus. Sein Schlagwort von der „schönen Religion“, die es zu schaffen gelte, zeigt, daß er sowohl von den religionsfernen Ideen der Aufklärung durchdrungen war, als auch selbst kaum über Religions- oder Glaubensbewußtsein verfügte. Lediglich der idealistische Ansatz seiner Philosophie und das Stichwort vom „Weltgeist“ verführten viele zeitgeistorientierte Gläubige, an einen christlichen oder jüdischen Hegelianismus zu glauben bzw. an eine „Versöhnung“ von Glauben und moderner Philosophie. In diesem Mißverständnis liegt übrigens auch die Ursache für die spätere Vorstellung des preußisch-deutschen Protestantismus an eine Vereinbarkeit von protestantischer Kirche und „positivem Christentum“ der Nationalsozialisten.

Tatsächlich repräsentiert die Hegelsche Philosophie jedoch reinen Pantheismus, der in einem schroffen, nicht überbrückbaren Gegensatz zum Offenbarungsglauben des Christentums steht. Die Tatsache, daß sich Gott nicht nur in Schöpfung und Geschichte, sondern auch durch sein freies Offenbarungshandeln zu erkennen gibt, ist dem philosophischen Idealismus völlig fremd, ebenso die Erkenntnis, daß dieser Offenbarungsprozeß in Christus vollendet wurde, in dem deshalb auch alle Philosophie bereits vollendet ist, sei sie dialektisch oder scholastisch. „Im Geheimnis Christi liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.“ In der Ignoranz gegenüber diesem philosophischen Grundgesetz liegt die eigentümliche Wirrnis und Haltlosigkeit der idealistischen Philosophie begründet.

Hegel mußte deshalb seine Lehre durch ein Labyrinth unvollziehbarer Begriffe und scheinbar wissenschaftlicher Beweisführungen zu einem absurden System aufblähen. Weder in Theorie noch in Praxis hat dieses System jemals Früchte getragen. Im Gegenteil, der Hegelianismus hat durch seine Wirkungsgeschichte eine Spur des Absurden in der Geschichte hinterlassen, die ihresgleichen sucht. Die Vorstellung, hier ein Werkzeug des geschichtlichen Fortschritts zu besitzen, hat sich bereits im 19. Jahrhundert als Illusion erwiesen, sie ist es heute mehr denn je. Philosophisch ist der Hegelianismus, wie bereits Schopenhauer nachwies, leere, eitle, aufgeblasene Phrasendrescherei, politisch-praktisch läuft er Gefahr, zum Werkzeug der Negation im Namen des hypothetischen Weltgeistes zu werden.

Für eine praktische und eine sozial-politische Entfaltung des Gottesglaubens hat Hegel nichts geleistet. Im Gegenteil, durch seine Philosophie hat er einem scheinbar rationalen Religionsbegriff Vorschub geleistet, der schlimmste zerstörerische Folgen gezeitigt hat. Die Vorstellung einer Vereinbarkeit von Offenbarungsglauben und Hegelscher Philosophie ist zweifellos falsch. Die Kirche hat Elemente seiner Philosophie und des deutschen Idealismus verurteilt. Der kürzlich seliggesprochene Papst Pius IX. verurteilte im „Syllabus“ von 1846 die folgende Sätze:

1.

Es existiert kein höchstes, weisestes und vorsehendstes göttliches Wesen, das von diesem All der Dinge unterschieden ist; und Gott ist dasselbe wie die Natur der Dinge und deshalb Veränderungen unterworfen; und in Wirklichkeit wird Gott im Menschen und in der Welt, und alles ist Gott und besitzt Gottes ureignen Substanz; auch sind Gott und die Welt und daher Geist und Materie, Notwendigkeit und Freiheit, Wahres und Falsches, Gutes und Böses, Gerechtes und Ungerechtes ein und dasselbe.

2.

Zu leugnen ist jedes Handeln Gottes an den Menschen und der Welt.

4.

Alle Wahrheiten der Religion fließen aus der angeborenen Kraft der menschlichen Vernunft; daher ist die Vernunft die hauptsächliche Richtschnur, nach der der Mensch zur Erkenntnis aller Wahrheiten jedweder Art gelangen kann und soll.

5.

Die göttliche Offenbarung ist unvollkommen und deshalb einem beständigen und unbegrenzten Fortschritt unterworfen, der dem Fortschritt der menschlichen Vernunft entspricht.

8.

Da die menschliche Vernunft den gleichen Rang wie die Religion selbst hat, sind die theologischen Wissenschaften genauso zu behandeln wie die philosophischen.

11.

Die Kirche darf nicht nur niemals die Philosophie rügen, sondern sie muß sogar die Irrtümer der Philosophie selbst dulden und es ihr überlassen, sich selbst zu verbessern.

14.

Die Philosophie ist ohne Rücksichtnahme auf die übernatürliche Offenbarung zu behandeln.

Es ist wird deutlich, daß hier nicht nur die Hegelsche Philosophie, sondern der gesamte pseudo-deutsche Idealismus verworfen ist, auf den sich Mahler bezieht. Es ist nicht einzusehen, daß sich dieser Idealismus mit dem Etikett deutsch schmückt. Er ist genauso wenig deutsch, wie Demokratismus französisch oder Humanismus italienisch ist. Dem „deutschen“ Idealismus ist in Deutschland immer widersprochen worden, gerade die wertvollste Philosophie des 19. Jahrhunderts hat sich gegen ihn gestellt. Der Wohlfahrt Deutschlands und des Deutschen Volkes hat dieses Denken nie gedient, wie die Früchte gerade des Hegelitentums deutlich zeigen. Hingegen hat er die bei uns Deutschen gelegentlich zu erkennenden Welt- und Wirklichkeitsfremdheit verstärkt und potenziert.

Es sei erwähnt, daß sich auch die Staatslehre der Kirche in wesentlichen Punkten von der Lehre Hegels und von der preußischen Staatsidee unterscheidet. Hier sei nur erwähnt, daß sich die Fiktion einer staatlichen Aufsicht über die „Religionsgemeinschaften“, sprich über die Kirche, durch nichts begründen läßt. Die Versuche der Staufferkaiser, diese im Mittelalter aufzurichten, haben bekanntlich schlimme Folgen gezeitigt und die harmonische Ordnung des Imperium Romanum empfindlich gestört. Erst die Reformation hat auf ganz andere Weise als die Stauffer wieder die Kirche dem Staat unterstellt, was zu einem geistig sterilen Staatskirchentum in den protestantischen Territorien, namentlich in Preußen geführt hat und die geistige Einheit Deutschlands empfindlich beschädigte. Der Summepiskopat der protestantischen Fürsten führte zu einem Caesaropapismus, der vielfach verderblich war als je allfällige Eingriffe des Papstes ins staatliche Gefüge des Imperiums. Hegel war schlecht beraten, dieser historischen Mißbildung die philosophischen Weihen zu verleihen. Doch kennzeichnet dieser Fehlgriff die gesamte Staatslehre Hegels und sein opportunistisches Vorgehen.

Mahler überschätzt Hegel erheblich, wenn er meint, Hegels Denken sei „die kopernikanische Wende in der Philosophie, die ja bisher immer davon ausging, das Denken müsse widerspruchsfrei sein, um gültig zu sein.“ Es ist völlig verfehlt, zu meinen, die Dialektik, die Lehre von den Widersprüchen, von These und Antithese etc. pp. sei von Hegel erfunden worden. Hegel hat sie bestenfalls aufgenommen, ja plagiert. Das gesamte logisch-philosophische Denken von der Antike über die Scholastiker bis hin zu Kant ist voll derartiger Lehren. Der Vorgänger Hegels in Berlin Johann Gottlieb Fichte hat so ausführliche dialektische Systeme entwickelt, daß Hegel bestenfalls daran anknüpfen mußte. Auch die Vorstellung, daß Hegel die Dialektik als Seinsprinzip erstmals formuliert hätte, kann nicht bestätigt werden. Im Denken des Neuen Testaments, in der Theologie des Apostels Paulus steckt eine dialektische Sprengkraft, die ihresgleichen sucht.

Neues Testament

In eigentümlichem Spannungsverhältnis zu dem Mahlerschen Hegelianismus steht sein Bekenntnis zum christlichen Glauben, der, wie gesagt, mit den Systemen Hegels nur schwerlich zu vereinen ist. Dieses Phänomen ist auch insofern eigentümlich, als die deutsche Philosophie und mit ihr Hegel weitgehend ablehnend zur Lehre der Kirche und zum Begriffe der Offenbarung standen.

„Es ist aber auch ein Jude, Jesus von Nazareth, der den Bann des Gesetzes bricht; der die Existenz des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes als den einen Gott verkündet.“1

Dieser zweifellos völlig unhegelsche Satz reflektiert den kirchlichen Glauben. Wenn Mahler vermutet, daß die Juden Jesus wegen des trinitarischen Glaubens als Verstoß gegen das zentrale Gebot des Judentums „Höre, Israel, der HERR, unser Gott, ist ein einiger HERR.“ (Deuteronomium 6,4) aus ihrer Sicht zu Recht verurteilten und hinrichten ließen, dann fügt Mahler die Eben der Lehre Jesu, die Ebene seines Handelns und die Ebene des Dogmas zusammen in einer Weise, die sich auf das Konzil von Nicäa, das ja erst dreihundert Jahre nach dem Tod Jesu zusammentrat, bezieht. Die Vorstellung Mahlers, daß der trinitarische Glaube sowohl „einfach“ ist, als auch „dem Verstand Grenzen aufzeigt“ entspricht dem Denken des Kirchenvaters Athanasius d. Große, der bekanntlich fromulierte: „Dies ist aber der rechte christliche Glaube, daß wir einen einigen Gott in drei Personen und drei Personen und einiger Gottheit ehren und nicht die Personen ineinander mengen, noch das göttliche Wesen zertrennen.“

„Jesus verkündete ... daß sie (alle Menschen) durch den Glauben an ihn, Jesus Christus, als Sohn Gottes, das Heil erlangen und der äußerlichen Werke nicht bedürften.“2

Dies ist gewissermaßen eine lutherische Reflektion des Evangeliums, das allerdings auch ganz andere Schlußfolgerungen zuläßt. Einmal fordert Jesus von einem vom „reichen Jüngling“, der ihm durchaus Glaube und Nachfolge anbietet, daß er zuvor seinen gesamten Besitz abgeben solle. Gerade dieses „Werk“ steht also an der Grenzlinie zwischen Tod und Leben, zwischen menschlicher und göttlicher Welt - und nicht der nach lutherischem Vorurteil allein entscheidende Glaube.

Obwohl Mahler immer wieder eine Nähe zur protestantischen Theologie erkennen läßt, verdrängt er die Bedeutung des Protestantentums bei der Säkularisierung der christlichen Welt, der Welt, die christlich gewesen ist, nicht. Auch in der Beurteilung dieser Frage steht er dem lutherischen Denken nicht fern, das bekanntlich noch einmal eine theologisch außerordentlich subtile und von der „theologia crucis“ ausgehende Auseinandersetzung mit dem Volk des „Alten Bundes“ gestaltet hat.

Auseinandersetzung mit dem Judentum

Horst Mahler hat sich ausführlich mit der Tora auseinandergesetzt, so wie sie als Altes Testament in die christliche Bibel eingegangen ist.  Mahler stellt die Frage, ob „der religiöse Säuberungsfanatismus Israels sich wesentlich vom rassistischen Fanatismus der Moderne unterscheidet“.3 Und er fragt, ob im AT nicht der Tod ein „Meister aus Juda gewesen sei?“ Er deutet an, daß ein Volk, daß in seinen Heiligen Schriften derart eliminatorische Kulte tradiert, auch heute derartige Fantasien hegen müsse.

Sehr ausführlich widmet sich Horst Mahler den Problemen sowohl des deutsch-jüdischen als auch des christlich-jüdischen Verhältnisses und ihren sowohl dialogischen als auch propagandistischen Ausprägungnen. Dieses Interesse resultiert aus Mahlers These, daß die jüdische Problematik den Schlüssel zu der Analyse der gegenwärtig wirkenden Weltkräfte bietet. Am deutlichsten wird sein Denken in dem „Brief an Goldhagen“. Der jüdische Publizist Daniel Goldhagen hatte in seinem Buch „Hitlers willing Executioners“ bekanntlich die These aufgestellt, daß das Deutsche Volk ein Verbrechervolk sei, das seine ihm wesenseigenen antijüdischen Vernichtungswünsche auf Hitler und seine Partei übertragen und den Nationalsozialisten quasi das Mandat zum Judenmord erteilt habe. Dies zwar völlig haltlose, ja pathologische Theorie spielt in verschiedenen abgestuften und verschleierten Varianten jedoch eine zentrale Rolle im zeitgenössischen Geschichtsbewustsein, so daß sie zu einem Topos der gegenwärtigen Weltideologie geworden ist.

Mahler stellt nun nicht auf die möglicherweise krankhafte Persönlichkeit Goldhagens ab, er führt den rassistischen Haß, den viele Juden aus den USA gegen das deutsche Volk kultivieren, auf den angeblichen Rache- und Vernichtungskomplex des Alten Testaments gegen Fremd- und Feindvölker zurück. Nach Anwendung des „Völkermord“-Filters, den Mahler über das Alte Testament stülpte, vermutete er, daß „zumindest damals“ der Tod ein Meister aus Juda gewesen wäre. Ohne bereits jetzt auf jede Einzelheit der Argumentation Mahlers eingehen zu können, kann doch jetzt schon konstatiert werden, daß sich Mahler bei der Beurteilung komplizierter religionshistorischer Gegebenheiten verhoben hat und sich gewiß auf einer falschen Fährte befindet.

So sehr die Haßtiraden eines Goldhagen, Wiesel und anderer prominenter Juden auch mit Abscheu erfüllen, so wenig kann man deren unanständige Absonderungen der jüdischen Religion, dem jüdischen Volksgeist, dem jüdischen Volk an sich oder anderen Kollektivpersonen zurechnen. Der einsame Weg des Judentums, sein vielleicht überzogenes, doch stets anspruchsvolles Selbstbewußtsein, sein verzweifeltes, schier auswegloses Verwiesensein auf eine geschichtliche Rolle, die es letztlich von den anderen Völkern trennt, sollten eher Mitleid und Mitgefühl erwecken als religionsgeschichtlich begründete Apartheidtheorien.

Daß Mahlers religiöse Kategorien noch nicht ausgereift sind zeigt auch ein eigentümliches Mißverständnis beim Verständnis einer Schlüsselstelle des Neuen Testamentes deutlich. In Johannes 8, Vers 37-45 heißt es:

[Jesus spricht]: Ich weiß, daß ihr Nachkommen Abrahams seid. Aber ihr wollt mich töten, weil mein Wort in euch keine Aufnahme findet. Ich sage, was ich beim Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Sie antworteten ihm: Unser Vater ist Abraham. Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, würdet ihr so handeln wie Abraham. Jetzt aber wollt ihr mich töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit verkündigt hat, die Wahrheit, die ich von Gott gehört habe. So hat Abraham nicht gehandelt. Ihr vollbringt die Werke eures Vaters.

Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben EINEN Vater: Gott. Jesus sagte zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin von Gott ausgegangen und komme von ihm; denn ich bin nicht von selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Mir aber glaubt ihr nicht, weil ich die Wahrheit sage. Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes; ihr hört sie deshalb nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.4

Mahler führt dazu an: „Ein Mörder von Anfang an! So lernen wir Jahwe durch das Alte Testament kennen. So wird er von Jesus erkannt. Und wer könnte wahrhaftiger über Jahwe urteilen als Jesus? An diesem Wort Jesu erweist sich Lessings Parabel von Nathan dem Weisen, die am Anfang der abendländischen Aufklärung steht, als jüdische Konterbande. Wie kann ich einen Mördergott auf eine Stufe stellen mit dem liebenden, sich für seine Schöpfung verantwortlich wissenden dreieinigen Gott?“5

Dieser Kommentar zeugt von einem fundamentalen Mißverständnis Mahlers bezüglich der Intention Jesu. Jesus geht es nun gerade nicht darum, den Gott Abrahms, den Gott Israels und der Juden abzuqualifizieren und als „Teufel“, als „Mördergott“ zu entlarven, wie Mahler fälschlich interpretiert. Im Gegenteil, er wirft seinen Volks- und Glaubensgenossen gerade vor, eben nicht in der Glaubenstreue zum Gott Abrahams zu stehen. Indem die Juden ihr Vertrauen darauf setzen, als „ethnische“ Kinder Abrahams auch quasi per Indigenatsrecht Kinder des Bundes Gottes mit Abraham und Israel zu sein, Jesus und mit ihm den Glauben, der Abraham erfüllt hat, aber verwerfen, erweisen sie sich eben trotz ihrer völkischen Verwandtschaft gerade nicht als Abrahamskinder, die sie nur durch den gemeinsamen Glauben an den Bundes- und Schöpfergott Abrahms hätten sein können. Somit werden sie erst durch die Trennung und Zurückweisung des Bundes zu „Teufelskindern“, zu „Kindern der Lüge“. Wenn Jesus sagt laut Johannes sagt „Wer in der Wahrheit ist, der hört meine Stimme,“ so setzt er damit einen Prüfstein, der für Juden, Deutsche und für alle Völker gilt.

Mahler hätte ein wenig weiter lesen sollen, denn noch im gleichen Kapitel, nur wenige Zeilen weiter, wird ein Dialog wiedergegeben, aus dem nicht nur hervorgeht, daß Jesus sich nicht nur auf den Gott Abrahams bezieht, sondern daß er sich mit diesem in einer Vollständigkeit identifiziert, die nicht nur für die Juden der damaligen Zeit vollkommen schockierend wirken mußte.

Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt, von welchem ihr sprecht, er sei euer Gott; und kennet ihn nicht, ich aber kenne ihn. Und so ich würde sagen: Ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich.

Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich.

Jesus legt sich also ausdrücklich selbst den Gottesnamen des Moses und des Abrahams bei, den Namen „JHVE“: Gott sprach zu Mose: „Ich bin, der ich sein werde“. Und sprach: Also sollst du den Kindern Israel sagen: Der „Ich bin“ hat mich zu euch gesandt.6

In der Berufung des Moses am brennenden Dornbusch offenbarte Gott seinen Namen „ICH BIN, DER ICH SEIN WERDE“, den Jesus aufgreift um nicht nur seine Sohnschaft, sondern seine Identität mit dem Schöpfergott, dem Gott des Moses und des Abrahms darzustellen. Jesus stellt sich nicht nur vollständig in die jüdische Gottestradition, er faßt sie gewissermaßen vollständig zusammen um seine Wesensgeleichheit mit dem Vater den wahrscheinlich völlig schockierten Zuhörern zu enthüllen. Es konnte nicht anders sein, als daß gerade ein frommer Jude dies als Gotteslästerung hören mußte und folgerichtig heißt es weiter:

Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus.

Es wäre verkürzt gedacht, dies lediglich als vielleicht semantisches Mißverständnis zu betrachten. Hier scheiden sich tatsächlich die Geister - und zwar nicht zwischen denen die Abraham anhängen und denen die Jesus anhängen, sondern die zwischen denen die Abraham und Jesus anhängen und denen, die keinem von den beiden anhängen. Jesus ist der Prüfstein, an dem sich der Glaube an den Gott des Moses und Abrahams beweist. Als dieser Prüfstein ist er schon erkannt worden, als er noch ein Säugling war: „Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden.“7 Und so wie vom ersten Tag seines Daseins Juden und Heiden (3 Weise aus Arabien) die Heilsbedeutung Christi erkannt haben, so haben sich zu allen Zeiten Juden und Heiden zu Christus bekannt und sich als Kinder der Wahrheit erwiesen, nicht aus eigener Kraft und Vermögen, sondern geleitet vom Heiligen Geist. In der Bachkantate „Tritt auf die Glaubensbahn“ heißt es:

Der Heiland ist gesetzt
in Israel zum Fall und Auferstehen. -
Der edle Stein ist sonder Schuld,
wenn sich die böse Welt so hart an ihm verletzt,
ja, über ihn zur Höllen fällt,
weil sie boshaftig an ihn rennet
und Gottes Huld und Gnade nicht erkennet!
Doch selig ist ein auserwählter Christ,
der seinen Glaubensgrund auf diesen Eckstein gründet,
weil er dadurch Heil und Erlösung findet.

Hier wird die zentrale Heilsbedeutung Christi deutlich, die eben nicht durch ethnische und religiöse Schranken begrenzt ist, sondern in einem gleichsam dialektischen Prozeß die trennenden Schranken im Menschengeschlecht aufhebt, ohne sie zunächst zerstören zu müssen. Sowohl die Vorstellung, daß die Juden durch die christliche Offenbarung aus dem Bunde Gottes ausgeschieden sind, als auch die Vorstellung, daß die Juden unbeschadet dieser Offenbarung im vollen Besitz der Auserwähltheit seien, ist somit falsch. Das Gegenteil ist wahr, Juden und Heiden sind durch die Erkenntnis der Wahrheit im Glauben Abrahams an den Pankreator, den Schöpfer „alles Sichtbaren und Unsichtbaren“8 erwählt und angenommen.

Diesen Zusammenhang hat die Kirche stets nicht nur gekannt, sie hat ihn auch ausgesprochen und in ihrer praktischen Politik gegenüber den Juden verwirklicht. Wenn Mahler sagt „[Das] Toleranzgebot [aus der Ringparabel] hat seine Rechtfertigung darin, daß die verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen nebeneinander bestehen können. Das kann man von dem liebenden dreieinigen Gott und und dem Mördergott Jahwe nicht annehmen. Gegen einen mörderischen Gott kann ein Christ nicht tolerant sein. Er würde dadurch aufhören Christ zu sein,“ ignoriert er diese für unser Kulturverständnis grundlegende Realität.

Denn nichts ist verfehlter, als die Vermutung, das Toleranzgebot würde der mosaischen Religion nicht gelten. Lange, ein Jahrtausend bevor überhaupt christliche Konfessionen möglich und vorstellbar waren, übten Christen, übte die Kirche aus gutem und wohlüberlegtem Grunde Toleranz gegenüber dem Volk und den Glauben des Alten Bundes. Dies ist ihr vielfach zum Vorwurf gemacht worden und wird es noch heute. Doch war es sowohl für die Kirche als auch für die christlichen Herrscher des Abendlandes selbstverständlich, daß das Volk, aus dem der Heiland hervorgegangen ist toleriert und in seiner Religionsausübung nicht eingeschränkt wird, soweit sei sich nicht gegen die Kirche richtet. Ja mehr noch, die Stellung der Juden im Abendlande war fast immer und überall mit großer rechtlicher Autonomie ausgestattet.

Diese Regelungen, oft durch königliche Prerogative dem Herrscher vorbehalten waren, hatten sich bewährt und gewährleisteten beiden Teilen, den christlichen Völkern Europas und den unter ihnen lebenden Juden die schöpferische Gestaltung von Kultur und Religion. Erst die Lessingsche Vorstellung von dem in allen Religionen verborgenen geheimen Wahrheitsschatz, die bis heute die Geister in hohem Maße verwirrt, zerbrach den Damm der fruchtbringenden Abgrenzung zwischen Juden und Christen, die nicht im Gegensatz zum Toleranzgebot steht. Die Schlußfolgerung, „der christliche Staat muß atheistisch werden, damit Juden jüdisch bleiben und dennoch Vollbürger werden können“ ist also gerade im Sinne des zu bejahenden Toleranzgedankens verfehlt. Gerade im christlichen, im katholischen Staat konnten die Juden eben Juden bleiben und Untertanen der katholischen und apostolischen Majestät des österreichischen Kaisers beispielsweise. Die außerordentliche Anhänglichkeit vieler Juden an die (katholische) Monarchie beweist das:

„Gesegnet bist du!“ sagte der Jude zum Kaiser. „Den Untergang der Welt wirst du nicht erleben.“ Ich weiß es! dachte Franz Joseph. Er gab dem Alten die Hand. Er wandte sich um. Er bestieg seinen Schimmel. Der Wind trug ihm die Worte zu, die Rittmeister Kaunitz zu seinem Freund an der Seite sprach: „Ich hab keinen Ton von dem Juden verstanden!“ Der Kaiser wandte sich im Sattel um und sagte: „Er hat auch nur zu mir gesprochen, lieber Kaunitz!“

Dies ein Auszug aus dem „Radetzkymarsch“ des jüdischen Autors Joseph Roth, der dann in dem Exil, das er unter einem Kaiser gewißlich niemals hätte wählen müssen, die christliche Monarchie gegen „deutsche“ und „jüdische“, in der Lüge und im Haß geeinte Kommunisten verteidigte und sich damit in größte Gefahr brachte.

Mahlers Brief an Goldhagen, so verständlich die Intention seines Verfassers auch sein mag, so sehr sich auch derartige Gedankengänge dem wachen Zeitgenossen aufdrängen, verfehlt sein Ziel letztendlich vollkommen. Die Dämonisierung der Deutschen, die der Paranoiker Goldhagen versucht, kann nicht durch eine Dämonisierung des Judentums kompensiert werden, sie wird auch nicht durch eine Ideologisierung der Religion verständlich, wie sie Mahler vornimmt. Der zweifellos bestehende metaphysische Zusammenhang zwischen Deutschtum und Judentum läßt sich durch einen hegelianischen Appell an die „Volksgemeinschaft“ nie und nimmer auflösen.

Konservativismus

Im seinem neuesten Text „Aufstand der Anständigen“ eröffnet Mahler gemeinsam mit seinen Kombatanten Mehnen und Oberlercher eine neue Front, die Front gegen den Konservatismus. Wohlweislich und wohlüberlegt sagen sie an keiner Stelle, wen die damit meinen und von wem sie reden, obwohl ihnen natürlich völlig klar ist, daß es gar keine Ideologie des Konservatismus gibt. Durch den Rekurs auf den „historischen Konservativismus“ machen die Autoren klar, daß ihnen nicht etwa an einer berechtigten Kritik der zeittypischen Erscheinungsweisen des Konservativismus gelegen ist, sondern daß sie einen Konservativismus „an sich“ im Auge haben. Wer oder was dieser Konservativismus sein soll, verschweigen sie - wohlweislich, denn der Konservativismus, auf den sie abstellen, den gibt es nicht und den hat es nie gegeben. Hier wird also lediglich eine Chimäre aufgebaut, um die eigene Ideologie entwickeln und entfalten zu können:

„Der historische Konservativismus hat – ebenso wie der historische Nationalsozialismus - die Zersetzung der Gemeinschaft von Gott und Mensch, den Absturz der Völker in die atomisierte bürgerliche Gesellschaft, nur negativ als Verfall (Dekadenz) begreifen können. Der Haß auf alles Jüdische – auch auf die jüdisch geprägten Menschen – war die notwendige Folge dieser Abstraktion, die sich wie ein roter Faden durch die zweitausendjährige Geschichte des Abendlandes zieht. ... Konservativismus und historischer Nationalsozialismus haben auf ihre Weise die Geistigkeit des Menschen zerstört, indem sie den Geist nicht als unendlich, also auch nicht als unsterblich erkannten. Daß Freiheit das Wesen des Geistes ist, blieb ihnen verschlossen. Aus mangelnder Einsicht erwuchs jener Pessimismus, der die Freiheit des Individuums als die Wurzel des Übels faßte. Mit radikaler Geste haben sie diese Wurzel herausgerissen - und sich damit selbst vernichtet.“9

Es muß unverständlich bleiben, wieso der „Haß auf alles Jüdische“ die „notwendige Folge“ der Betrachtungsweise, die Zersetzung der Gesellschaft nur als Verfall begreifen zu können, sein sollte. Ja es bedarf geradezu detektivische Mühe, herauszufinden, was und wen die Autoren hier meinen, die, wie gesagt, nicht einen einzigen Autoren nennen, nicht ein einziges Zitat zum Beleg für ihre Verstiegenheiten anführen wollen. Letztendlich haben all diese Passagen überhaupt keinen Sinn, denn keine einzige von den äußerst vielfältigen Formen des deutschen, europäischen und weltweiten Formen des Konservativismus mag auf die angedeutete Denkschablone passen.

Gibt es überhaupt einen Konservativismus, der den Geist nicht als unendlich, nicht als unsterblich betrachtet? Um einen christlicher Konservativismus, bisher typisch für das Abendland, kann es sich hierbei jedenfalls nicht handeln. Begreift dieser doch die Freiheit der Persönlichkeit als Zentraltopos seiner Weltanschauung, ja seiner ganzen Denk- und Lebensweise. Wäre es nicht so, hätte der Begriff der personalen Freiheit niemals zum geistigen Leitthema der westlichen, das heißt christlichen Philosophie werden können, hätte er niemals auch in seinen Negationen und Verstiegenheiten das Abendland in die letzten Winkel hinein prägen können. Nein, der Konservativismus von Mehnen, Oberlercher und Mahler ist und bleibt ein Pappkamerad, den sie aufbauen, um sich selbst in ein rechtes - ein „an und für sich rechtes“ - Licht setzen zu können.

Summa

Man muß zugeben, daß man gegen einen Wortschwall, wie ihn Mehnen, Oberlercher und Mahler von sich geben, so gut wie nichts ausrichten kann. Wer so wirr und ohne intellektuelle Redlichkeit einen Windmühlenkampf gegen Schimären führt, den muß man seinem Schicksal der „Religio in den Volksgeist“ überlassen. Wir setzen gegen das falsche Denken Mahlers und Oberlerchers die christliche Staatsidee, die der als Reaktionär am 9. April 1945 in Plötzensee gehenkte Kleist-Schmenzin vor Freisler [den die heutige brd-Richterschaft verblüffend originalgetreu kopiert] vertrat: „Ich habe aus meinem Kampf gegen Hitler und den Nationalsozialismus nie einen Hehl gemacht. Ich halte diesen Kampf für ein von Gott verordnetes Gebot. Gott allein wird mein Richter sein.“

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