Demokratie: Der Gott, der keiner ist
Eine Rezension von © Martin Möller
Vor
wenigen Wochen erschien die deutsche Ausgabe des Buches „Democracy - The
God that failed“, das vor drei Jahren bei Transatlantic Publishers in
USA erschienen ist. Der Ruhm des Originals eilte der deutschen Übersetzung
voraus und sorgte für eine ganze Reihe von Besprechungen in deutschen
Journalen, so in der FAZ und in der „Jungen Freiheit“. Es ist zu vermuten,
daß dieses Buch in Amerika weniger Aufsehen und verschreckt zitterndes
Staunen erregte als in den deutschsprachigen Zonen, wo das Demokratie-Evangelium
wertvoller gilt als alle Testamente der Heilsgeschichte und der „Religionen“
zusammengenommen. Der „Gott, der keiner ist“ ist laut Hoppe nämlich horrible
dictu die edle Demokratie, die nach deutscher Staats- und Rechtsphilosophie
das Himmelreich auf Erden und die freieste Ordnung aller Kontinente und
Epochen repräsentiert, eine Ordnung, an der nur perverse Verbrecher und
vollständige Idioten zweifeln und die so wertvoll ist, daß man sie - leider,
leider - mit Lüge und mit Hetze, mit Spitzel- und Büttelheeren verteidigen
muß.
Hoppe scheut sich also nicht, daß Kind bereits im Titel beim Namen zu
nennen und den sich selbstvergötzenden Demokraten die Maske von ihrer
häßlichen Fratze zu reißen, denn ein „Gott, der keiner ist“ kann ja wohl
nur ein betrügerischer Dämon sein und Hoppe zeigt auf jeder Seite, was
von der angeblichen Demokratenfreiheit zu halten ist, nichts nämlich.
Im Gegenteil, die moderne Demokratie bedeutet den drohenden Eintritt in
eine weltweite Sklaverei, wie Hoppe unwiderlegbar aufzeigt.
Der Titel des Buches (Democracy - The God That Failed) spielt auf ein
Werk an, das 1950 unter dem Titel „The God That Failed” erschien. Es handelte
sich um einen Sammelband mit Essays ehemaliger Kommunisten und Fellowtravellers
[1] Arthur Koestler, Ignazio
Silone, Richard Wright, André Gide, Louis Fischer und Stephen Spender.
Sie hatten sich alle mehr oder weniger klar von dem Götzen losgesagt,
dem sie zuvor gedient hatten - dem Sozialismus bzw. Kommunismus bzw. Stalinismus.
Besonders Koestler beschrieb hier und in anderen auch heute noch höchst
lesenswerten Büchern wie „Der Yogi und der Kommissar“ den psychologischen
und geistigen Weg in den totalitären Fanatismus hinein und die erheblichen
Schwierigkeiten, den Weg wieder hinaus zu finden.
Hans Hermann Hoppe stellt mit der überlegten Wahl des Titels die
„Demokratie“ dorthin, wohin sie gehört, - in eine Reihe mit den
totalitären, menschenfeindlichen Wahngebilden des 19. Jahrhunderts,
in eine Reihe mit Nationalismus, Sozialismus und Kommunismus. Mit
der krassen Titel-Wahl möchte er unzweideutig klar machen, daß genau
wie der Sozialismus die Demokratie das Übel ist, das sie zu bekämpfen
vorgibt: „Der gegenwärtige Schlamassel ist das Resultat der überwältigenden
Akzeptanz der Idee der Demokratie durch die öffentliche Meinung.
Solange diese Akzeptanz vorherrscht, ist eine Katastrophe unvermeidbar,
und selbst danach kann es dann keine Hoffnung
auf Besserung geben. Andererseits kann, sobald die Idee der Demokratie als gefährlich und bösartig erkannt wurde,
- und Ideen können im Prinzip von einem Moment auf den anderen geändert
werden - , eine Katastrophe vermieden werden.“
[2]
Dies ist das Resultat der geistigen Arbeit nicht etwa eines katholischen
Theologen, es ist das Arbeitsergebnis des Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftlers.
Der Österreicher Hans-Hermann Hoppe, Jahrgang 1949, wurde in Frankfurt
am Main promoviert und habilitiert, er unterrichtet Wirtschaftswissenschaften
an der Universität von Las Vegas (USA). Er revidiert die demokratische
Fortschrittslüge, eine ihrer unzähligen Lügereien und Betrügereien. Nach
Hoppe ist der Übergang von Monarchie zur Demokratie hingegen mit der Machtübernahme
einer Verbrecherbande zu vergleichen (Ein Befund, den der Historiker bestätigen
muß).
Hoppe zeigt mit wirtschaftswissenschaftlichem Instrumentarium,
daß ein Monarch, den man sich analog einem Privateigentümer eines
gegebenen Landes vorzustellen hat, als rationaler homo oeconomicus
gar nicht anders kann, als für die langfristige Wertsteigerung seines
Gebietes Sorge zu tragen. Dagegen sei mit der Demokratie der Weg
zum Umverteilungs- und Enteignungsstaat beschritten, der sich im
Laufe der Zeit verfestigt: Wo die Sachwalter des Gemeinwesens kein
Privatinteresse mehr an diesem haben (es etwa ihren leiblichen Erben
zu hinterlassen), wachse die Bedeutung kurzfristiger Überlegungen,
um begehrliche Schichten der Bevölkerung zufriedenzustellen. Das
„allgemeine pp. Wahlrecht“ rückt jedermanns Eigentum in den Zugriffsbereich
aller anderen. Hoppe zeigt, daß die Tendenz zur Demokratie bereits
im 19. Jh. überall zugenommen hat und daß mit der Zulassung immer
breiterer Bevölkerungsschichten zur Wahlurne sich eine Tendenz zur
Verantwortungslosigkeit, zu sozialistischen Umverteilungsdenken
und zu Neidideologien durchsetzte: „Der Anreiz Produzent oder Eigentümer
zu sein wird reduziert, der entgegengesetzte Anreiz wird reduziert.
Subventionierung von Arbeitslosigkeit und Armut führt zu mehr Arbeitslosigkeit
und Armut … “
Hoppe weist die Überlegenheit der Monarchie gerade in ökonomischer Hinsicht
höchst überzeugend und unangreifbar nach und zeigt den ungeheuer hohen
Stand der wirtschaftlichen Integration gerade in Mittel- und Osteuropa
im 19. Jahrhundert im Reich der Habsburger auf. „Vor dem Hintergrund der
… tatsächlichen Ereignisfolge erscheint das amerikanische System und die
Pax americana … als eine uneingeschränkte Katastrophe.“ Ich darf
hinzufügen, daß selbige Aussage mutatis mutandis für das Zarenreich gilt.
Bereits drei bis vier Generationen lügender demokratischer „Historiker“
haben versucht uns allen weiszumachen, daß die Bolschewisten Rußland vor
der absoluten Verelendung bewahrt haben. Auch dies nicht nur notorische
Lügerei, sondern reines geisteswissenschaftliches Verbrechertum. Fast
in die gleiche Kategorie gehört der Rezensent der FAZ, der heuchlerisch
behauptet „daß die demokratische Interventionspolitik der Vereinigten
Staaten im Ersten Weltkrieg nicht nur positive Wirkungen
hatte …“ Es gibt keinen Zweifel daran, daß diese „demokratische Interventionspolitik
der Vereinigten Staaten“ für ganz Europa die absolute Katastrophe, die
Ur-Katastrophe darstellte, hinter der alles weitere verblaßt. Seither
werden wir von der Blüte der Gosse regiert und Hoppe vergleicht mit
feiner Ironie das monarchische und das demokratische Ausleseprinzip:
„Selbst wenn der Zufall seiner Geburt und seiner Erziehung es nicht ausschließen,
daß ein Fürst schlecht oder gefährlich sein kann, so schließen der Zufall
seiner Geburt und seine Erziehung es doch nicht aus, daß er statt dessen
ein harmloser Dilettant oder sogar ein guter und moralischer Mensch sein
kann. Die Auswahl der Regierungsoberhäupter durch allgemeine Wahlen macht
es im Gegensatz dazu praktisch unmöglich, daß gute oder harmlose Menschen
jemals an die Spitze aufsteigen können. Premierminister und Präsidenten
werden für ihre bewiesene Effizienz als moralisch ungehemmte Demagogen
ausgewählt. Somit sorgt die Demokratie effektiv dafür, daß nur
schlechte und gefährliche Menschen jemals an die Spitze der Regierung
aufsteigen, mehr noch, als Resultat freien politischen Wettbewerbs und
freier Wahl werden diejenigen Personen, die es an die Spitze schaffen,
sogar zunehmend schlechte und gefährliche Individuen sein und dennoch
als vorübergehende und austauschbar Verwalter nur selten ermordet werden.
[3]
Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Letztlich könnte man aus fast jeder
Seite dieses Buches zitieren und wir werden gewiß auf dieses herausragende
Werk noch oft zurückkommen. Jeder Besucher dieser Seite sollte dieses
Buch nicht nur erwerben, sondern sorgfältigst studieren und die Ergebnisse
Hopes in seine eigene Arbeit integrieren. Das antidemokratische Denken
muß so perfektioniert werden, daß niemand mehr sich öffentlich zur Demokratie
bekennen mag. Dann wird der Götze Demokratie stürzen, so wie der Götze
Sozialismus gestürzt ist.
Martin Möller, Berlin April 2005
[1] So nannte man damals die
„bürgerlichen“ Bolschewistenfreunde á la Brandt,
Wehner und Geißler
[2] Hoppe S. 214
[3] a.a.O. S. 189 f.
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