Archiv Reichslyrik

zuletzt aktualisiert 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Kontakt
   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Geistliche Texte |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   M. Claudius
 

Konradins Knappe


Conrad Ferdinand Meyer
 

Auf diesem kurzen Bergesrasen hier,
Nur wen'ge Monde sind es, zechten wir,
Er und das Edelvolk, in hohem Raum -
Und drüben war Italien wie ein Traum.

In diesem Passe lagen wir gestreckt,
Der Staufe hat mich minniglich geneckt:
„Nicht blöde, Hans! Sprich, was begehrst du gleich?
Ich geb' es dir in meinem Königreich!”

Dann klomm die Fahrt an Wänden schwarz und kahl!
Wo ich der Muttergottes mich empfahl.
Noch eh' ich Amen sagte, glitt mein Tier -
der Staufe und die Sinne schwanden mir.

Dann lag ich im Hospize fieberbang,
Wo ich verzweifelnd mit den Mönchen rang.
Ich focht und schrie: „Dem jungen Staufen nach!
Hie Napoli!” Bis ich zusammenbrach.

Jetzt schlepp' ich jeden Tag mich hier empor,
Wo ich den Staufen aus dem Blick verlor.
Genesen ist der Leib, die Seele schmerzt,
Denn all mein Erdenglück hab ich verscherzt.

Und zög' ich heut, ich käme doch zu spät,
Schon krönte sich die junge Majestät,
Das Edelblut empfing den Ritterschlag,
Ich aber fluche meinem Unglückstag. -

Ein Knechtlein kommt herüber: „Gib Bescheid!
Der Staufenknabe thront in Herrlichkeit?”
„Ja, Herr. Er litt gemach den Todesstreich
Und thront getröstet nun im Himmelreich.”

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga