Archiv Reichslyrik

zuletzt aktualisiert 1 Adventus 2010

 

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Kaiser Sigmunds Ende


Conrad Ferdinand Meyer
 

«Licht und lauter Bläue! Recht ein Wandertag!
Weit hinaus in's Freie! Weg aus diesem Prag!
Holt mir eine Sänfte, macht es mir zu Dank:
Vorn ein Rößlein, hinten eins, und beide blank!

Fröhlich will ich fahren tief in's Abendrot,
Sei mein schlanker Läufer, spring, Gevatter Tod!
Trabe, Läufer, trabe! Flugs bestelle mir
ein geruhig Bettlein und ein Nachtquartier!»

Durch die Gassen ging es, wo die Menge stand,
statt des Purpurs trug er schlichtes Reis'gewand,
Von dem Lorbeerzweige das Gelock umlaubt,
Nickt' in's Volk er freundlich, zittert mit dem Haupt.

Als er vor dem Tore blaches Feld gewann,
Pries er Erd' und Himmel: «O ich sel'ger Mann!
Herden seh ich gerne, auch den Pflüger gern':
Sei gesegnet, Nähe! Sei gesegnet, Fern'!»

Wie die wandermüde Sonne niedersank,
Öffnet er die Lippen als zum Abendtrank,
Dann ist er entschlummert in der dunkeln Flur,
Drauf mit weißen Rößlein seine Sänfte fuhr.

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