Der König David ist abgebildet, weil er der Inbegriff und
vornehmste Titel eines christlichen Herrschers ist. So hat der König
als ein David die
Sache Gottes auf Erden zu vertreten, er hat sich einzusetzen für die
rechte Ordnung durch Recht und Gerechtigkeit. Insbesondere für den Kaiser
bedeutet dieses Vorbild seinen Einsatz zum Aufbau und Erhalt einer christlichen
Weltordnung.
Die zweite Bildplatte zeigt König Salomon. Er trägt vor
seinem Herzen ein Band mit einem Wort seiner Sprüche: „Fürchte Gott
und meide Unrecht“ (Spr. 3,7). Beim Segensgebet zur Salbung des Kaisers
fleht der Papst, daß er keine Hinderung erfahren möge, die heilige Kirche
zu führen und er möge Gott in all seinen Werken ehren. Der Kaiser soll
sich einsetzen für die Kirche und Religion, er soll den Salomon nachahmen,
der ja den Tempel in Jerusalem zur Ehre Gottes erbauen ließ. David und
Salomon sind so zwei Programme des Kaisertums: Der Staatsaufbau in Recht
und Gerechtigkeit und der Einsatz und Förderung der Religion.
Die dritte Bildplatte, gesehen von hinten rechts, stellt
den biblischen König Ezechias dar, in leidender Gebärde vor dem Propheten
Isaias, der dem erkrankten König die Botschaft der Gesundung von Gott
her überbringt mit den Worten: „Wohlan, ich will zu deinen Lebensjahren
noch 15 Jahre hinzufügen“ (Is. 38,5; 2 Kg. 20,6). Ezechias ist der zum
Leben begnadete König. Der König als Mensch ist also wie jeder Mensch
von der Gnade Gottes abhängig.
Die Darstellung eines todkranken, auf
Gnade angewiesenen Königs auf der Reichskrone zeigt, wie weit sich das
christliche Herrscherideal von der Apotheose (Vergöttlichung) der antiken
römischen Kaiser entfernt hat: Nicht mehr Kaiser und Gott, wie es Domitian
proklamiert hat. An bevorzugter Stelle der Krone, rechts vorne, steht
die Bildplatte der Majestas Domini: Christus, der thronende Richter
und Weltenherrscher (Pantokrator), umgeben von zwei Cherubim. Über ihm
stehen die Worte: „Durch mich regieren die Könige“ (Spr. 8, 15). Christus
ist der König der Könige, der Kaiser der Kaiser (Offb. 19,16). Diese
Selbstproklamation relativiert jedes irdische Königtum. Er hat die absolute
Königsherrschaft. Alle irdische Macht und Herrschaft haben ihre Grenzen
in der Verantwortung vor Christus.
Die wahre Würde des Kaisers und Königs besteht darin, Abbild
des wahren Kaisers im Himmel zu sein, an seinem Wirken teilzuhaben,
als Stellvertreter (Vikar) Christi auf Erden. Das Motiv der Königsherrschaft
Christi ist ein Zeugnis für das Wesen des christlichen Herrschertums.
Als Aussage der Bildplatte kann zusammenfassend gesagt werden,
daß der Träger der Krone sein Amt als „imitatio“, Nachahmung der biblischen
Könige David, Salomon und Ezechias auffassen soll, die die schwere Aufgabe
der politischen Herrschaft gemeistert haben. Doch vor allem soll der
Herrscher Typus Christi sein, sein Gesalbter, aber eben in der Unterordnung
unter den König der Könige.
Die Edelsteinplatten
Die beiden Seiten- oder Schläfenplatten entsprechen sich
in der Gestaltung vollständig. Von der Bildplatte der Majestas Domini
geht eine weitere Gestaltungskraft für die Krone und somit für die Kaiseridee
aus.
Der Kaiser ist als Abbild Christi als des Weltherrschers
aufgefaßt. Als Abbild ist er aber auch zur Nachahmung Christi aufgefordert.
Christus hat in seinem Blute die Welt erlöst und uns eine Zukunft bereitet
im himmlischen Jerusalem. Aber Christi Reich und seine Erlösungsgnade
wirkt in diese Welt herein als Gestaltungskraft und der Kaiser ist berufen,
Mitarbeiter Christi für das Reich Gottes auf Erden zu sein als Nachbildung
des himmlischen Reiches.
Das Wirklichwerden dieses Zusammenhanges sollen die Seitenplatten
zur Darstellung bringen. Von der Auswahl der Edelsteine her findet sich
eine Entsprechung in den Kapiteln 4 und 22 der Apokalypse des hl. Johannes.
Im Kapitel 4 wird die große Gottesvision beschrieben: Inmitten des Himmels
thront der Erhöhte. Ein farbenreicher Strahlenkranz war um den Thron.
Der Thron selbst war anzusehen wie Smaragd.
Demgemäß bildet ein großer, viereckiger Smaragd das Zentrum
der Platte. Vor dem Thron lagern die 4 Wesen voller Augen, anzusehen
wie ein Löwe, Stier, Mensch und Adler. Dies wird auf der Krone mit den
4 tropfenförmigen Rubinen ausgedrückt. Um den Thron lodern im Kreise
die sieben Fackeln mit Feuer, welches sind die sieben Geister Gottes.
Dargestellt mit weiteren Rubinen. Um den Thron her breitet sich das
„gläserne Meer“. Das drücken die blauen Saphire aus, ihre Zehnzahl -
nach dem hl. Augustinus die Fülle der Zahl - also die Unmenge, das „Meer“.
Der Perlenschmuck beim Smaragd als der Thron Gottes weist
zu Kapitel 22 der Apokalypse: Ein Strom mit dem Wasser des Lebens schimmernd
wie Kristall, geht vom Thron Gottes und des Lammes hervor. In der Mitte
ihres Platzes und des Stromes zu beiden Seiten steht der Baum des Lebens,
der zwölfmal Früchte trägt, jeden Monat gibt er seine Frucht, die Blätter
des Baumes aber dienen zur Heilung der Völker.
Als Blätter des Baumes zu beiden Seiten des Stromes können
gut die blattartig angeordneten Perlen zu beiden Seiten des Smaragdes
den Baum des Lebens symbolisieren, der zwölfmal Frucht bringt: Jede
Perle ist mit 4 Goldkügelchen geschmückt, 3 x 4 auf jeder Seite,
also 12. Damit haben diese Perlen mit je 4 Goldkügelchen ihren
Sinn als die Frucht vom Baum des Lebens zu beiden Seiten des Stromes,
der vom Throne Gottes ausgeht, erreicht.
Hier ist in der Reichskrone der heilsgeschichtliche Aspekt
des Reiches und der Krone aufgenommen. Die Frucht des Baumes des Lebens
durch Christi Blut ist zur Heilung, sprich Bekehrung der Völker. Hier
erscheint die kaiserliche Politik im Dienst am Glauben, die christliche
Religion als Staatsprogramm. Mit anderen Worten: Die Ausweitung des
Reiches Gottes und die Bekehrung der Heiden. Die „Fruchtartigkeit“ der
Seitenplatten weist auf den Hebräerbrief hin, der die Früchte aus dem
hohepriesterlichen Opfer Christi nennt: „Durch sein Blut hat er das
Volk geheiligt“. (Hebr. 13,12)
Der Kaiser ist also tief in den Dienst am Reich Gottes hineingenommen
und verankert, seine sakrale Stellung für das Heil der Völker nach dem
Wort des hl. Petrus: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine
königliche Priesterschaft, ein geheiligtes Volk“ (1. Petr. 2,9)
Für diesen Einsatz am Heil der Völker zeugt gerade die ottonische
Missionspolitik: 947 Organisierung der Kirchen Dänemarks und Gründung
der Bistümer Schleswig, Ribe und Aachens. 948 Gründung der Bistümer
Havelberg, Brandenburg und Oldenburg. 968 wird Magdeburg gegründet mit
den Suffraganbistümern Meißen, Merseburg und Zeitz. In Posen (Polen)
residieren seit 968 deutsche Bischöfe. 973 wird das Bistum Prag Mainz
unterstellt. Ferner der deutsche missionarische Einfluß auf Ungarn.
Selbst Rußland hätte sich beinahe der ottonischen Missionspolitik geöffnet.
In den Bildplatten waren wir dem Ideal des christlichen
Königs begegnet, zuvorderst im König der Könige, Christus. In den seitlichen
Edelsteinplatten der Krone leuchtet die Heilssendung des Kaisertums
auf für das Reich Gottes auf Erden zur Gesundung der Völker. Hier klingt
der priesterliche Charakter der Herrscheridee an. Die Stirn- und Nackenplatten
werden nun das priesterliche Element spürbar machen.
Stirn- und Nackenplatte
Wie die Seitenplatten sind auch Stirn- und Nackenplatte
übereinstimmend gestaltet. Sie sind jeweils besetzt von 12 Edelsteinen
verschiedener Farbe, dazwischen eine große Anzahl von Perlen. Die auffallende
Gruppierung in vier Reihen zu je drei Steinen läßt den Kenner der Hl.
Schrift aufmerken. Im Buch Exodus, Kapitel 28, wird das hohepriesterliche
Gewand geschildert, dabei das viereckige Brustschild (Choschen) des
Hohenpriesters mit dem Besatz von 12 Edelsteinen, goldgefaßt in ihren
Reihen: „12 Steine sollen es sein in Siegelstecherarbeit entsprechend
den Namen der Söhne Israels, daß auf jedem sein Name stehe nach den
12 Stämmen.“
Der andere biblische Bezug findet sich in der Apokalypse
des hl. Johannes im 21. Kapitel. Auch hier sind 12 Edelsteine genannt;
sie werden vorgestellt als die Grundsteine der Stadtmauer des himmlischen
Jerusalems. Auch hier ist dieselbe Ordnung gegeben, nun als Anordnung
der Stadttore, in vier Gruppen zu je drei Toren. „Die Grundsteine der
Mauer der Stadt sind mit Edelsteinen aller Art geschmückt. Der erste
Grundstein war ein Jaspis ...“
Diese beiden Stellen der Hl. Schrift entsprechen den beiden
Platten der Reichskrone. Beide sind Motive der Erwählung und Heilszusage
Gottes an sein Volk. In jedem Fall tritt hier ein sakramentaler Wesenszug
der Stirn- und Nackenplatte zu Tage und weist auf Christus hin, in dem
Priestertum und Königtum vereint ist, „nach der Weise des Melchisedech.“
Jesus ist der wahre Hohepriester, der die Himmel durchschritt (Hebr.
4,14) und der die himmlische Stadt gegründet hat in seinem Blute. Aufgebaut
wird diese Stadt durch seine 12 Apostel, den 12 Söhnen Israels
im Neuen Bund in dieser Welt durch die Mission.
In diesem Aufbau des Reiches Gottes in dieser Welt für die
künftige Welt der Erlösten hat gerade der Kaiser seinen sakralen Ort
und seine Salbung zur Mitarbeit in der Kirche gleichsam als ein 13.
Apostel, wie Kaiser Konstantin der Große sich selbst sah. Ober der Krone
thront ja das Kreuz, dem der Kaiser verpflichtet ist. Der Kaiser erscheint
da als ein „Bischof für äußere Angelegenheiten“. Er ist Mitwirker am
Aufbau der civitas Dei in dieser Welt nach den Grundsätzen Christi.
So verstehen wir gut, warum die Kaiser innerhalb des Kronreifs eine
Mitra trugen, überwölbt vom kaiserlichen Bügel, Symbol des Erdkreises.
Christus ist König und Priester, rex et sacerdos,
und der irdische Kaiser hat durch seine Salbung Anteil am Sein Christi
- König und Priester. Was für ein Priestertum hat nun der Kaiser?
Es ist das des allgemeinen Priestertums der Gläubigen, doch
in höchster Form. Der hl. Petrus sagt darüber: „Ihr aber seid ein auserwähltes
Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein geheiligtes Volk“ (l.
Petr. 2,9). Das Königtum übersteigt nun das allgemeine Priestertum der
Gläubigen, nämlich dem Vater Lob und Dank aufzuopfern, indem der König
als Haupt und Spitze Volk und Staat gleichsam als seine Opfergabe darbietet
durch seinen Einsatz für die wahre Religion. Der gesalbte König ist
Mittler von Klerus und Volk, der Kaiser im universalen Sinn. Er bereitet
die Voraussetzung (Gabenbereitung) zum Wirken der Kirche in dieser Welt
und stellt sich in den Dienst der Kirche zur Ausbreitung und Festigung
des Glaubens.
Diese Aufopferung und Hinopferung für Christus ist der wahrhaft
priesterlicher Wesenszug: nicht sakramental wie das Weihepriestertum,
aber priesterlich im allgemeinen Sinn und in diesem Sinn die höchste
Stufe. Das christliche staatspolitische Amt hat einen kirchlichen Auftrag.
In allen Edelsteinplatten erkennen wir das einzigartige,
grundlegende und ursprunghafte Priestertum Christi wieder, in den Bildplatten
des Königtum Christi. An beiden hat der Kaiser Anteil als Repräsentant
Christi in dieser Welt.
Der Waise
In der Hl. Schrift gibt es einen besonderen Stein, den Eckstein
(Ps. 117,22). Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein
geworden (Math. 21, 42) „Darum spricht nun der Gebieter und Herr: „Seht,
ich lege in Sion einen Stein, einen bewährten Stein, einen kostbaren
Edelstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, muß nicht verzagen“ (Is.
28,16).
Der hl. Paulus nimmt das Bild vom Stein auf im Epheserbrief
„So seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern Mitbürger
der Heilligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf dem Fundament der
Apostel und Propheten, und der Eckstein davon ist Christus Jesus, in
dem der ganze Bau emporwächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in
dem auch ihr mit aufgebaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist“
(Eph. 2,19-22).
Und beim hl. Petrus heißt es: „Wenn ihr hintretet zu ihm,
dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, vor Gott aber
ausersehen ist und kostbar, werdet auch ihr selber als lebendige Steine
aufgebaut zu einem geistigen Haus, zu einer heiligen Priesterschaft,
wohlgefällig vor Gott durch Jesus Christus“
(1. Petr. 2,4-6). Das Gebäude der Christen als lebendige Steine steht
auf dem lebendigen Stein Christus.
Ein besonderer Stein, der leider verloren ging, zierte nun
auch die Reichskrone, entsprechend den Worten der Hl. Schrift. Dieser
Stein wurde der „Waise“ genannt. Der deutsche Name „Waise“ meint einen
Stein von außerordentlicher Qualität. Nach der Beschreibung der Zeitgenossen
war das Aussehen dieses Steines beherrscht von heller, weißer Färbung,
ins Rot wechselnd mit einer einzigartigen Leuchtkraft.
Der hl. Albertus Magnus beschreibt ihn so, wenn seine Farbe
vom Weißen ins Rot wechselt: „Der Orphanos (Waise) ist ein Stein in
der Krone des römischen Kaisers; seinesgleichen findet sich sonst nirgendwo,
weshalb er auch Orphanos heißt. Er ist aber in der Farbe wie Wein, freilich
von zarter Weinfarbigkeit. Das heißt: er ist so, als ob sich die strahlende
und blitzende Weiße des Schnees in klares Weinrot verwandelt und davon
überdeckt wird.“ Dieser Stein wird in der Mineraleologie als ein Opal
Jaspis bezeichnet (Opalisierung von Weiß nach Rot).
Beim Lesen des für das Programm der Reichskrone so wichtigen
21. Kapitels der Johannesoffenbarung
wird man auch an den weißen Jaspis-Opal erinnert. Die vom Himmel herabsteigende
Stadt „hatte die Herrlichkeit Gottes. Und ihr Licht war gleich dem alleredelsten
Stein, eines Jaspis, klar wie Kristall ... Und ihre Mauer war aus Jaspis
und die Stadt aus reinem Golde, gleich dem reinen Kristall. Und die
Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit Edelsteinen
aller Art. Der erste Grundstein war ein Jaspis ...“
Der Gedanke ist einleuchtend, daß der Schöpfer der Krone
an diesen Jaspis erinnern wollte, der ja in der Johannesapokalypse die
structura muri (Grundstruktur der Mauer) und das fundamentum
primum (Grundstein) genannt wird und überhaupt das hervorstechende
Merkmal des himmlischen Jerusalem ist.
Der Waise als lapis angulris, als Grundstein, paßt
also völlig zur Grundidee der Insigne, nämlich König- und Priestertum
Christi darzustellen. Diese Deutung ist tatsächlich auch der Schlußstein
ihres Gesamtprogramms. Wo war aber sein Platz in der Krone?
Es bieten sich zwei Möglichkeiten an. Auf der Vorderseite
der Krone, oben in der Mitte, oder auf der Nackenplatte hinten, in der
Mitte der zweiten Reihe von oben. Eine Forschungsarbeit lokalisiert
diesen Stein auf der Nackenplatte, jetzt durch einen Hyazinth ersetzt.
Der Grund dafür dürfte der alte germanische Gedanke der Gefolgschaft
sein, der hier seinen Ausdruck findet.
Bei großen Anlässen und Feierlichkeiten, wie Festzügen,
geht der Kaiser voraus und die Fürsten folgten ihm nach - und sehen
vor sich „aller Fürsten Leitesterne“ wie Walter von der Vogelweide sagt.
Und „aller Fürsten Leitstern“ ist Christus, im Jaspis als Fundament
der himmlischen Stadt der Erlösten symbolhaft dargestellt. In ihm besteht
der ganze Bau.
Kaiser und Fürsten, überhaupt alle Herrschaft, sind Christus
verpflichtet. Die ursprüngliche germanische Gefolgschaftsidee hat also
im Christentum eine grundlegende Umprägung erfahren: die Gefolgschaft
des Führers versteht sich nunmehr als eine biblisch begründete Nachfolge
Christi.
Kronenprogramm
Alle Einzelbeobachtungen lassen eine einzige programmatische
Aussage der Reichskrone klar hervortreten. Es ist nicht die Verherrlichung
des Kaisertums, des Reiches oder Staates. Sondern es ist die Lehre vom
zweifachen Amt Christi: Christus als der König der Könige, den der irdische
Herrscher unter der Krone repräsentiert, als sein Stellvertreter auf
Erden und so ganz Christus als der wahre Hohepriester, an dessen Würde
der Kaiser Anteil hat, indem er für Christus ein Volk bereitet.
Die Krone insgesamt, gestaltet nach den Maßstäben des himmlischen
Jerusalem, wie es in der Apokalypse des hl. Johannes uns vor Augen gestellt
wird, soll an das kommende Reich Gottes erinnern, wohin sich die Geschichte
insgesamt hinbewegt und ihre Vollendung finden wird. In diesen Prozeß
ist der Kaiser in der Zeit mit seinem Auftrag hineingestellt, um Mitgestalter
der Welt nach den Maßgaben Christi zu sein.
Die Reichsidee hat eine theologische Dimension, ja ist von
diesem Gedanken her konzipiert, und die Politik steht unter dem Primat
der Religion.
Die Theologie der Reichskrone will Geschichte und Welt transzendieren
lassen in den zu erwartenden Endzustand der Vollendung im himmlischen
Jerusalem. Der Garant der Vollendung und der Verankerung der Geschichte
in Gott ist allein Christus. Von ihm her bekommt Welt und Geschichte
ihren Sinn.
Solange Herrschaft so gesehen wird, wird das Kommen des
Antichrist hinausgeschoben ...
Die Theologie der Reichskrone gründet überzeitlich auf dem
Christkönigtum.