Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Reichspsalterion
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Geistliche Texte
  Kontakt
  Zum Gästebuch

   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Kirchliche Lehre |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   Russland

Eine theologische Beschreibung der Reichskrone

Thomas Jentzsch

Mit Jerusalem und Zion meint das Neue Testament, was der Sinn bei Betrachtung der Reichskrone ist, den Inbegriff der Erwählung und des Heilswillens Gottes. Dazu sagt der hl. Paulus im Brief an die Galater, Kap. 4, Vers. 22-31:

Es steht doch geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Sklavin und einen von der Freien. Doch der von der Sklavin war dem Fleisch nach geboren, der von der Freien hingegen zufolge der Verheißung. Das ist sinnbildlich gesagt; denn sie bedeuten die zwei Bündnisse. Das eine nämlich vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar. Denn Hagar bezeichnet den Berg Sinai in Arabien, was dem jetzigen Jerusalem entspricht (das jetzige Jerusalem, einst Vorbereitung für das Kommen Christi, ist die Verweigerung der neuen Heilsordnung, die Christus begründet hat), das ja in Knechtschaft ist mit seinen Kinder.

Das obere Jerusalem aber ist frei, und das ist unsere Mutter. (Das obere Jerusalem ist die neue Heilsordnung der Berufung aller Völker, bewirkt durch die Erlösung durch Christus). Es steht ja geschrieben: ,Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst, frohlocke und jauchze, die du keine Geburtswehen hast; denn zahlreich sind die Kinder der Alleinstehenden, mehr als jener, die vermählt ist.’ Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung. Doch wie damals der dem Fleisch nach Geborene den verfolgte, der es dem Geist nach war, so ist es auch jetzt. Doch was sagt die Schrift? Treib fort die Sklavin und ihren Sohn! Denn der Sohn der Sklavin soll nicht Erbe sein mit dem Sohn der Freien' (Gen 21, 10). Demnach, Brüder: wir sind nicht Kinder der Sklavin, sondern der Freien.

Der hl. Johannes schreibt in seiner Apokalypse über das Jerusalem der neuen Gnadenordnung und Vollendung:

Ich, Johannes, sah die Heilige Stadt, das Neue Jerusalem herniedersteigen, aus dem Himmel von Gott her, gekleidet wie eine Braut, die geschmückt ist für ihren Mann. Und ich hörte eine laute Stimme von Thron her rufen: „Seht das Zelt Gottes unter den Menschen! Es wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst wird als Gott bei ihnen sein.“ (Offb. 21, 23)

Dieses Jerusalem wird jenseitig sein nach der Neugestaltung der Welt und nicht innerweltlich verwirklicht.

- - -

Am 6. August 1806 legte Kaiser Franz II. die Reichskrone auf Druck von Napoleon hin nieder und verfügte damit das Ende des hl. römischen Reiches deutscher Nation. Er hatte aber 1804 das Erbkaisertum Osterreich mit seinen Ländern als Nachfolgestaat des Reiches in Vorausschau des nahen Endes des alten Reiches gegründet. Diese legitimistische Fortsetzung des hl. Römischen Reiches deutscher Nation im Kaisertum Osterreich als „heimliches“ Reich fand ihr Ende erst im Jahre 1918 als Folge des 1. Weltkrieges.

Das Ende des Reiches markiert auch einen heilsgeschichtlichen Wendepunkt, der das Ende der Zeit ankündigt, denn nach den Kirchenvätern gilt das Römische Reich als die Ordnungsmacht, die das Kommen des Antichrist aufhält. So wird das Wort vom hl. Paulus in 2. Thess. 2,6 gedeutet: „Und nun wißt ihr, was im Wege steht, daß er (der Mensch der Gottlosigkeit, der Sohn des Verderbens der Widersacher) offenbar werde zu seiner Zeit.“

Von dieser Sicht, aber auch von der Erwartung des himmlischen Jerusalem als Erfüllung der Geschichte und Endsieg Christi, ist die Gestaltung der Reichskrone ganz und gar geprägt.

Das Oktogon

Die Reichskrone, in Wien aufbewahrt, ist die einzige Herrscherkrone der Welt, die statt der Rundung eine achteckige Form aufweist. Die Zahl Acht ist ein altes christliches Symbol für die Vollendung Christi. Christus ist am achten Tag von den Toten auferstanden und von daher ist die Zahl Acht Sinnbild für eine neue Zeit, das kommende himmlische Jerusalem bei der Wiederkunft Christi.

Mit der Taufe beginnt die Vollendung in Christus und so wurden die Taufkapellen symbolhaft als Achtecke errichtet. Die Wirklichkeit der Erlösung in Christus wird für den christlichen Staatsmann Sendungsauftrag für Welt und Staat, nämlich die Herrschaft Christi nachzuahmen im Auftrag der Heiligung der Welt. Von dieser Grundeinsicht ausgehend ließ Kaiser Karl der Große seine Privatkapelle in Aachen als Staatsbau als ein Achteck errichten, um so ein bleibendes Zeugnis abzulegen von seiner Staatsauffassung. Der Achte Welttag also will besagen, daß sich die Geschichte in diesem Zustand als Vollendung in Christus erfüllt.

Die Kronenplatten

Die Krone besteht abwechselnd aus 4 Bildplatten und 4 Edelsteinplatten. Die 4 Bildplatten der Krone ebenso wie die vier Edelsteinplatten stellen sich mir dem oberen Rundbogen dar wie Tore oder Triumphbögen. Der ganze Eindruck ist der einer festgegründeten Stadt. Die Summe aller Perlen der Kronplatten ergibt 144, die Zahl, die in der Johannesapokalypse als 12 x 12, das Sinnbild der Auserwählung ist.

Also wieder erscheint die Krone im Lichte der erwarteten kommenden Welt als das himmlische Jerusalem mit seinen Auserwählten. Diese Enderwartung soll aber in die Geschichte, in den Lauf der Welt hereinleuchten und so gestaltend die Welt christlich formen und verändern. Für diese Weltgestaltung geben die Platten Auskunft.

Die Bildplatten

Die erste Bildplatte, gesehen von links hinten, im Uhrzeigersinn, trägt das Bildnis des Königs David. Er trägt das Spruchband: „Der ehrenhafte König liebt den Rechtsspruch“. (Ps. 98 (bzw. 99),4).

Vulgata: Imperium regis iudicium diligit. Luther: „Im Reich dieses Königs hat man das Recht lieb.“

Der König David ist abgebildet, weil er der Inbegriff und vornehmste Titel eines christlichen Herrschers ist. So hat der König als ein David die Sache Gottes auf Erden zu vertreten, er hat sich einzusetzen für die rechte Ordnung durch Recht und Gerechtigkeit. Insbesondere für den Kaiser bedeutet dieses Vorbild seinen Einsatz zum Aufbau und Erhalt einer christlichen Weltordnung.

Die zweite Bildplatte zeigt König Salomon. Er trägt vor seinem Herzen ein Band mit einem Wort seiner Sprüche: „Fürchte Gott und meide Unrecht“ (Spr. 3,7). Beim Segensgebet zur Salbung des Kaisers fleht der Papst, daß er keine Hinderung erfahren möge, die heilige Kirche zu führen und er möge Gott in all seinen Werken ehren. Der Kaiser soll sich einsetzen für die Kirche und Religion, er soll den Salomon nachah­men, der ja den Tempel in Jerusalem zur Ehre Gottes erbauen ließ. David und Salomon sind so zwei Programme des Kaisertums: Der Staatsaufbau in Recht und Gerechtigkeit und der Einsatz und Förderung der Religion.

Die dritte Bildplatte, gesehen von hinten rechts, stellt den biblischen König Ezechias dar, in leidender Gebärde vor dem Propheten Isaias, der dem erkrankten König die Botschaft der Gesundung von Gott her überbringt mit den Worten: „Wohlan, ich will zu deinen Lebensjahren noch 15 Jahre hinzufügen“ (Is. 38,5; 2 Kg. 20,6). Ezechias ist der zum Leben begnadete König. Der König als Mensch ist also wie jeder Mensch von der Gnade Gottes abhängig.

Die Darstellung eines todkranken, auf Gnade angewiesenen Königs auf der Reichskrone zeigt, wie weit sich das christliche Herrscherideal von der Apotheose (Vergöttlichung) der antiken römischen Kaiser entfernt hat: Nicht mehr Kaiser und Gott, wie es Domitian proklamiert hat. An bevorzugter Stelle der Krone, rechts vorne, steht die Bildplatte der Majestas Domini: Christus, der thronende Richter und Weltenherrscher (Pantokrator), umgeben von zwei Cherubim. Über ihm stehen die Worte: „Durch mich regieren die Könige“ (Spr. 8, 15). Christus ist der König der Könige, der Kaiser der Kaiser (Offb. 19,16). Diese Selbstproklamation relativiert jedes irdische Königtum. Er hat die absolute Königsherrschaft. Alle irdische Macht und Herrschaft haben ihre Grenzen in der Verantwortung vor Christus.

Die wahre Würde des Kaisers und Königs besteht darin, Abbild des wahren Kaisers im Himmel zu sein, an seinem Wirken teilzuhaben, als Stellvertreter (Vikar) Christi auf Erden. Das Motiv der Königsherrschaft Christi ist ein Zeugnis für das Wesen des christlichen Herrschertums.

Als Aussage der Bildplatte kann zusammenfassend gesagt werden, daß der Träger der Krone sein Amt als „imitatio“, Nachahmung der biblischen Könige David, Salomon und Ezechias auffassen soll, die die schwere Aufgabe der politischen Herrschaft gemeistert haben. Doch vor allem soll der Herrscher Typus Christi sein, sein Gesalbter, aber eben in der Unterordnung unter den König der Könige.

Die Edelsteinplatten

Die beiden Seiten- oder Schläfenplatten entsprechen sich in der Gestaltung vollständig. Von der Bildplatte der Majestas Domini geht eine weitere Gestaltungskraft für die Krone und somit für die Kaiseridee aus.

Der Kaiser ist als Abbild Christi als des Weltherrschers aufgefaßt. Als Abbild ist er aber auch zur Nachahmung Christi aufgefordert. Christus hat in seinem Blute die Welt erlöst und uns eine Zukunft bereitet im himmlischen Jerusalem. Aber Christi Reich und seine Erlösungsgnade wirkt in diese Welt herein als Gestaltungskraft und der Kaiser ist berufen, Mitarbeiter Christi für das Reich Gottes auf Erden zu sein als Nachbildung des himmlischen Reiches.

Das Wirklichwerden dieses Zusammenhanges sollen die Seitenplatten zur Darstellung bringen. Von der Auswahl der Edelsteine her findet sich eine Entsprechung in den Kapiteln 4 und 22 der Apokalypse des hl. Johannes. Im Kapitel 4 wird die große Gottesvision beschrieben: Inmitten des Himmels thront der Erhöhte. Ein farbenreicher Strahlenkranz war um den Thron. Der Thron selbst war anzusehen wie Smaragd.

Demgemäß bildet ein großer, viereckiger Smaragd das Zentrum der Platte. Vor dem Thron lagern die 4 Wesen voller Augen, anzusehen wie ein Löwe, Stier, Mensch und Adler. Dies wird auf der Krone mit den 4 tropfenförmigen Rubinen ausgedrückt. Um den Thron lodern im Kreise die sieben Fackeln mit Feuer, welches sind die sieben Geister Gottes. Dargestellt mit weiteren Rubinen. Um den Thron her breitet sich das „gläserne Meer“. Das drücken die blauen Saphire aus, ihre Zehnzahl - nach dem hl. Augustinus die Fülle der Zahl - also die Unmenge, das „Meer“.

Der Perlenschmuck beim Smaragd als der Thron Gottes weist zu Kapitel 22 der Apokalypse: Ein Strom mit dem Wasser des Lebens schimmernd wie Kristall, geht vom Thron Gottes und des Lammes hervor. In der Mitte ihres Platzes und des Stromes zu beiden Seiten steht der Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt, jeden Monat gibt er seine Frucht, die Blätter des Baumes aber dienen zur Heilung der Völker.

Als Blätter des Baumes zu beiden Seiten des Stromes können gut die blattartig angeordneten Perlen zu beiden Seiten des Smaragdes den Baum des Lebens symbolisieren, der zwölfmal Frucht bringt: Jede Perle ist mit 4 Goldkügelchen geschmückt, 3 x 4 auf jeder Seite, also 12. Damit haben diese Perlen mit je 4 Goldkügelchen ihren Sinn als die Frucht vom Baum des Lebens zu beiden Seiten des Stromes, der vom Throne Gottes ausgeht, erreicht.

Hier ist in der Reichskrone der heilsgeschichtliche Aspekt des Reiches und der Krone aufgenommen. Die Frucht des Baumes des Lebens durch Christi Blut ist zur Heilung, sprich Bekehrung der Völker. Hier erscheint die kaiserliche Politik im Dienst am Glauben, die christliche Religion als Staatsprogramm. Mit anderen Worten: Die Ausweitung des Reiches Gottes und die Bekehrung der Heiden. Die „Fruchtartigkeit“ der Seitenplatten weist auf den Hebräerbrief hin, der die Früchte aus dem hohepriesterlichen Opfer Christi nennt: „Durch sein Blut hat er das Volk geheiligt“. (Hebr. 13,12)

Der Kaiser ist also tief in den Dienst am Reich Gottes hineingenommen und verankert, seine sakrale Stellung für das Heil der Völker nach dem Wort des hl. Petrus: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein geheiligtes Volk“ (1. Petr. 2,9)

Für diesen Einsatz am Heil der Völker zeugt gerade die ottonische Missionspolitik: 947 Organisierung der Kirchen Dänemarks und Gründung der Bistümer Schleswig, Ribe und Aachens. 948 Gründung der Bistümer Havelberg, Brandenburg und Oldenburg. 968 wird Magdeburg gegründet mit den Suffraganbistümern Meißen, Merseburg und Zeitz. In Posen (Polen) residieren seit 968 deutsche Bischöfe. 973 wird das Bistum Prag Mainz unterstellt. Ferner der deutsche missionarische Einfluß auf Ungarn. Selbst Rußland hätte sich beinahe der ottonischen Missionspolitik geöffnet.

In den Bildplatten waren wir dem Ideal des christlichen Königs begegnet, zuvorderst im König der Könige, Christus. In den seitlichen Edelsteinplatten der Krone leuchtet die Heilssendung des Kaisertums auf für das Reich Gottes auf Erden zur Gesundung der Völker. Hier klingt der priesterliche Charakter der Herrscheridee an. Die Stirn- und Nackenplatten werden nun das priesterliche Element spürbar machen.

Stirn- und Nackenplatte

Wie die Seitenplatten sind auch Stirn- und Nackenplatte übereinstimmend gestaltet. Sie sind jeweils besetzt von 12 Edelsteinen verschiedener Farbe, dazwischen eine große Anzahl von Perlen. Die auffallende Gruppierung in vier Reihen zu je drei Steinen läßt den Kenner der Hl. Schrift aufmerken. Im Buch Exodus, Kapitel 28, wird das hohepriesterliche Gewand geschildert, dabei das viereckige Brustschild (Choschen) des Hohenpriesters mit dem Besatz von 12 Edelsteinen, goldgefaßt in ihren Reihen: „12 Steine sollen es sein in Siegelstecherarbeit entsprechend den Namen der Söhne Israels, daß auf jedem sein Name stehe nach den 12 Stämmen.“

Der andere biblische Bezug findet sich in der Apokalypse des hl. Johannes im 21. Kapitel. Auch hier sind 12 Edelsteine genannt; sie werden vorgestellt als die Grundsteine der Stadtmauer des himmlischen Jerusalems. Auch hier ist dieselbe Ordnung gegeben, nun als Anordnung der Stadttore, in vier Gruppen zu je drei Toren. „Die Grundsteine der Mauer der Stadt sind mit Edelsteinen aller Art geschmückt. Der erste Grundstein war ein Jaspis ...“

Diese beiden Stellen der Hl. Schrift entsprechen den beiden Platten der Reichskrone. Beide sind Motive der Erwählung und Heilszusage Gottes an sein Volk. In jedem Fall tritt hier ein sakramentaler Wesenszug der Stirn- und Nackenplatte zu Tage und weist auf Christus hin, in dem Priestertum und Königtum vereint ist, „nach der Weise des Melchisedech.“ Jesus ist der wahre Hohepriester, der die Himmel durchschritt (Hebr. 4,14) und der die himmlische Stadt gegründet hat in seinem Blute. Aufgebaut wird diese Stadt durch seine 12 Apostel, den 12 Söhnen Israels im Neuen Bund in dieser Welt durch die Mission.

In diesem Aufbau des Reiches Gottes in dieser Welt für die künftige Welt der Erlösten hat gerade der Kaiser seinen sakralen Ort und seine Salbung zur Mitarbeit in der Kirche gleichsam als ein 13. Apostel, wie Kaiser Konstantin der Große sich selbst sah. Ober der Krone thront ja das Kreuz, dem der Kaiser verpflichtet ist. Der Kaiser erscheint da als ein „Bischof für äußere Angelegenheiten“. Er ist Mitwirker am Aufbau der civitas Dei in dieser Welt nach den Grundsätzen Christi. So verstehen wir gut, warum die Kaiser innerhalb des Kronreifs eine Mitra trugen, überwölbt vom kaiserlichen Bügel, Symbol des Erdkreises.

Christus ist König und Priester, rex et sacerdos, und der irdische Kaiser hat durch seine Salbung Anteil am Sein Christi - König und Priester. Was für ein Priestertum hat nun der Kaiser?

Es ist das des allgemeinen Priestertums der Gläubigen, doch in höchster Form. Der hl. Petrus sagt darüber: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein geheiligtes Volk“ (l. Petr. 2,9). Das Königtum übersteigt nun das allgemeine Priestertum der Gläubigen, nämlich dem Vater Lob und Dank aufzuopfern, indem der König als Haupt und Spitze Volk und Staat gleichsam als seine Opfergabe darbietet durch seinen Einsatz für die wahre Religion. Der gesalbte König ist Mittler von Klerus und Volk, der Kaiser im universalen Sinn. Er bereitet die Voraussetzung (Gabenbereitung) zum Wirken der Kirche in dieser Welt und stellt sich in den Dienst der Kirche zur Ausbreitung und Festigung des Glaubens.

Diese Aufopferung und Hinopferung für Christus ist der wahrhaft priesterlicher Wesenszug: nicht sakramental wie das Weihepriestertum, aber priesterlich im allgemeinen Sinn und in diesem Sinn die höchste Stufe. Das christliche staatspolitische Amt hat einen kirchlichen Auftrag.

In allen Edelsteinplatten erkennen wir das einzigartige, grundlegende und ursprunghafte Priestertum Christi wieder, in den Bildplatten des Königtum Christi. An beiden hat der Kaiser Anteil als Repräsentant Christi in dieser Welt.

Der Waise

In der Hl. Schrift gibt es einen besonderen Stein, den Eckstein (Ps. 117,22). Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden (Math. 21, 42) „Darum spricht nun der Gebieter und Herr: „Seht, ich lege in Sion einen Stein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Edelstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, muß nicht verzagen“ (Is. 28,16).

Der hl. Paulus nimmt das Bild vom Stein auf im Epheserbrief „So seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern Mitbürger der Heilligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, und der Eckstein davon ist Christus Jesus, in dem der ganze Bau emporwächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr mit aufgebaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist“ (Eph. 2,19-22).

Und beim hl. Petrus heißt es: „Wenn ihr hintretet zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, vor Gott aber ausersehen ist und kostbar, werdet auch ihr selber als lebendige Steine aufgebaut zu einem geistigen Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, wohlgefällig vor Gott durch Jesus Christus“
(1. Petr. 2,4-6). Das Gebäude der Christen als lebendige Steine steht auf dem lebendigen Stein Christus.

Ein besonderer Stein, der leider verloren ging, zierte nun auch die Reichskrone, entsprechend den Worten der Hl. Schrift. Dieser Stein wurde der „Waise“ genannt. Der deutsche Name „Waise“ meint einen Stein von außerordentlicher Qualität. Nach der Beschreibung der Zeitgenossen war das Aussehen dieses Steines beherrscht von heller, weißer Färbung, ins Rot wechselnd mit einer einzigartigen Leuchtkraft.

Der hl. Albertus Magnus beschreibt ihn so, wenn seine Farbe vom Weißen ins Rot wechselt: „Der Orphanos (Waise) ist ein Stein in der Krone des römischen Kaisers; seinesgleichen findet sich sonst nirgendwo, weshalb er auch Orphanos heißt. Er ist aber in der Farbe wie Wein, freilich von zarter Weinfarbigkeit. Das heißt: er ist so, als ob sich die strahlende und blitzende Weiße des Schnees in klares Weinrot verwandelt und davon überdeckt wird.“ Dieser Stein wird in der Mineraleologie als ein Opal Jaspis bezeichnet (Opalisierung von Weiß nach Rot).

Beim Lesen des für das Programm der Reichskrone so wichtigen 21. Kapitels der Johannesoffenbarung wird man auch an den weißen Jaspis-Opal erinnert. Die vom Himmel herabsteigende Stadt „hatte die Herrlichkeit Gottes. Und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, eines Jaspis, klar wie Kristall ... Und ihre Mauer war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Golde, gleich dem reinen Kristall. Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit Edelsteinen aller Art. Der erste Grundstein war ein Jaspis ...“

Der Gedanke ist einleuchtend, daß der Schöpfer der Krone an diesen Jaspis erinnern wollte, der ja in der Johannesapokalypse die structura muri (Grundstruktur der Mauer) und das fundamentum primum (Grundstein) genannt wird und überhaupt das hervorstechende Merkmal des himmlischen Jerusalem ist.

Der Waise als lapis angulris, als Grundstein, paßt also völlig zur Grundidee der Insigne, nämlich König- und Priestertum Christi darzustellen. Diese Deutung ist tatsächlich auch der Schlußstein ihres Gesamtprogramms. Wo war aber sein Platz in der Krone?

Es bieten sich zwei Möglichkeiten an. Auf der Vorderseite der Krone, oben in der Mitte, oder auf der Nackenplatte hinten, in der Mitte der zweiten Reihe von oben. Eine Forschungsarbeit lokalisiert diesen Stein auf der Nackenplatte, jetzt durch einen Hyazinth ersetzt. Der Grund dafür dürfte der alte germanische Gedanke der Gefolgschaft sein, der hier seinen Ausdruck findet.

Bei großen Anlässen und Feierlichkeiten, wie Festzügen, geht der Kaiser voraus und die Fürsten folgten ihm nach - und sehen vor sich „aller Fürsten Leitesterne“ wie Walter von der Vogelweide sagt. Und „aller Fürsten Leitstern“ ist Christus, im Jaspis als Fundament der himmlischen Stadt der Erlösten symbolhaft dargestellt. In ihm besteht der ganze Bau.

Kaiser und Fürsten, überhaupt alle Herrschaft, sind Christus verpflichtet. Die ursprüngliche germanische Gefolgschaftsidee hat also im Christentum eine grundlegende Umprägung erfahren: die Gefolgschaft des Führers versteht sich nunmehr als eine biblisch begründete Nachfolge Christi.

Kronenprogramm

Alle Einzelbeobachtungen lassen eine einzige programmatische Aussage der Reichskrone klar hervortreten. Es ist nicht die Verherrlichung des Kaisertums, des Reiches oder Staates. Sondern es ist die Lehre vom zweifachen Amt Christi: Christus als der König der Könige, den der irdische Herrscher unter der Krone repräsentiert, als sein Stellvertreter auf Erden und so ganz Christus als der wahre Hohepriester, an dessen Würde der Kaiser Anteil hat, indem er für Christus ein Volk bereitet.

Die Krone insgesamt, gestaltet nach den Maßstäben des himmlischen Jerusalem, wie es in der Apokalypse des hl. Johannes uns vor Augen gestellt wird, soll an das kommende Reich Gottes erinnern, wohin sich die Geschichte insgesamt hinbewegt und ihre Vollendung finden wird. In diesen Prozeß ist der Kaiser in der Zeit mit seinem Auftrag hineingestellt, um Mitgestalter der Welt nach den Maßgaben Christi zu sein.

Die Reichsidee hat eine theologische Dimension, ja ist von diesem Gedanken her konzipiert, und die Politik steht unter dem Primat der Religion.

Die Theologie der Reichskrone will Geschichte und Welt transzendieren lassen in den zu erwartenden Endzustand der Vollendung im himmlischen Jerusalem. Der Garant der Vollendung und der Verankerung der Geschichte in Gott ist allein Christus. Von ihm her bekommt Welt und Geschichte ihren Sinn.

Solange Herrschaft so gesehen wird, wird das Kommen des Antichrist hinausgeschoben ...

Die Theologie der Reichskrone gründet überzeitlich auf dem Christkönigtum.

 

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga