|
Karl Ludwig von Haller: Restauration der StaatswissenschaftS. 296Das erste, was dem [demokratischen] System überhaupt entgegengesetzt werden kann und häufig entgegengesetzt wurde, ist freilich, daß es der Geschichte aller Zeiten und aller Völker durchaus widerspricht. Dieser Widerspruch mit der ganzen Erfahrung ist schon an und für sich nicht unbedeutend, er hätte, wo nicht als Beweis doch wenigstens als Indiz seiner Natur- und Vernunftwidrigkeit gelten und zu andern Nachforschungen bewegen sollen. Kein einziger Staat auf dem Erdboden ist durch gleichzeitige Assoziation der einzelnen Menschen und durch Delegation von Gewalt entstanden, denn selbst die Republiken oder frei gewordenen Genossenschaften hatten einen ganz andern Ursprung und Zweck, das zeigt die ganze Geschichte. Der Ursprung der Staaten aber ist eine Tatsache, und wie können sich diejenigen Philosophen nennen, welche den ersten Regeln der Logik, mithin der Vernunft zuwider, Faken durch Raisonnements statt durch Zeugen beweisen wollen und zur Erklärung von Dingen, deren Entstehungsart bekannt ist, zu Hypothesen ihre Zuflucht nehmen? Buch 2Kapitel 27S. 66Die Könige stehen freilich unter einem Gesetz, aber nicht unter einem menschlichen, sondern unter einem göttlichen oder natürlichen. Gott ist der König der Könige, sein Gesetz das höchste aller Gesetze. Dasselbe ist für sie nicht nur deswegen verbindlich, weil es ihnen gleich anderen Menschen in das Herz geschrieben, von höherem Wollen und von höherer Macht herrührt, auch seine Befolgung mit Vorteilen, seine Verletzung mit Nachteilen begleitet ist.[1] Sondern man fordert die Anerkennung jenes Gesetzes billig desto eher von ihnen, da sie zur Gerechtigkeit nicht so leicht durch menschliche Gewalt gezwungen werden können, folglich dem in sie gesetzten Zutrauen desto eher entsprechen sollen, und überhaupt zum Unrecht weniger Veranlassung[2] und zur Ausübung von Wohltaten mehr Mittel und Gelegenheit als andere Menschen haben. Auch ist dieses Gesetz für alle Bedürfnisse hinreichend, es legt den Fürsten mehrere und zweckmäßigere Pflichten auf als alle Menschen-Satzungen es tun könnten. Denn die menschlichen Gesetze haben immer viele Lücken, die natürlichen keine; jene schreiben viel unnötiges und überflüssiges vor, diese nur das notwendige; jene sind sehr oft schädlich, diese nie; jene werden bald vergessen oder sinken zu toten Formeln herab; diese sind allen Menschen bekannt, stets lebendig und veralten nicht; jene sind wandelbar wied er Wille und die Launen der Menschen, diese sind ewig die gleichen; jene haben eine künstliche Auslegung nötig, sie lassen sich deuten und drehen wie die unvollkommenen Worte in denen sie ausgedrückt sind, über diese urteilt fast jeder Mensch richtig und man kann sie nur in einem Sinn verstehn; jene sind oft schwer, ja unmöglich zu erfüllen, diese leicht; jene als lästige FGesseeln reizen zum Widerstand, ja zur gänzlichen Wegwerfung, diese flößen immerhin Ehrfurcht ein; die ungestrafte Übertretung von jene ist, als Zeichen der Macht, oft mit einer Art von Ehre begleitet, die Verletzung von diesen zieht immer Schande nach sich und geschiht nie ungestaft. Kapitel 27, Fussnote 8 Also ist für die Völker nichts zu besorgen,wenn auch die Fürsten nicht unter menschlichen Gesetzen stehen, die man ohnedem nicht gegen sie zu vollziehen vermöchte. Was nach der Natur der Dinge nicht anders möglich ist, das ist Gottes Ordnung und was Gottes Ordnung ist, kann niemalen schädlich sein. Es bleibet immer ein oberster Gesetzgeber, einer der weiser und mächtiger ist als alle meschlichen, dem man noch lieber folgt als diesen. Daher ist es aber auch für die Völker so wichtig, daß wahrhaft religiöse Grundsätze allgemein herrschend seien, daß die Fürsten in der Tat Gott und sein Gesetz über sich erkennen. Darin finden sie die einzig mögliche und zugleich die sicherste Garantie gegen jeden Mißbrauch der höchsten Gewalt. 27-09 Kapitel 35S. 296PapiergeldNebst der Herabsetzung des Münzfußes, wodurch man im Grund unter Beibehaltung des nämlichen Namens, geringers Gewicht und Gehalt (Schrot unde Korn) für ein größeres ausgibt besteht ein ähnlicher noch größerer Mißbrauch in dem heut zu Tag in sovielen Staaten üblichen sogenannten Papier-Geld. Es mag zum Beweise dienen wie die schönsten Erfindungen durch Unverstand ausarten, und wie die meisten Menschen nur an Worten und nicht an der Sache hängen. Geld ist was in der ganzen Welt als Zeichen oder Austauschmittel des Werts der Dinge gilt, und diesen Vorteil haben die edlen Metalle von Gold oder Silber, teils ihrer Seltenheit, teils ihrer Festigkeit und ihrer großen Teilbarkeit wegen. Eine Münze aber, sie mag nun diese oder jene Benennung tragen, ist nichts anders als ein geprägtes Stück Gold oder Silber, welches ein gewisses Gewicht des einen oder des andern enthalten soll. Nun aber ist es freilich nicht nötig, daß dieses Geld immer materiell dargezählt oder dargewogen werde, das Wort, das Versprechen, die Schuldschrift eines soliden Zahlers gilt oft ebenso viel, und kann überrtagen werden, wie dieses ja täglich unter allen Privat-Personen geschieht. So lang also irgend ein Papier, wie z.B. ein Schuldschein, ein Wechselbrief oder die Englischen Banknoten, und ursprünglich die Östreichischen oder Russischen Bankozettel, eine Asignation oder Anweisung auf Geld, d. h. auf Gold oder Silber sind, und gegen solches mit Leichtigkeit oder gar jeden Augenblick umgesetzt werden können, mithin wirkliches Geld repräsentieren: so werden sie auch dafür angenommen und zirkulieren im täglichen Verkehr, ohne daß sie eben immer ausgewechselt werden. In diesem Fall ist das zirkulierende Papier als Zeichen eines anderwärts deponierten Geldes sehr bequem und gemeinnützig, weil es leichter als Gold und Silber aufbewahrt und transportiert werden kann. Sobald aber einst das Zeichen für die Sache, das Papier selbst für das Geld angesehen werden soll, und entweder gar nicht mehr, oder nur mit Verlust gegen Gold und Silber umgesetzt werden kann, wie dies am Ende geschieht wenn durch Mißbrauch des Zutrauens, die Billets oder Anweisungen auf sich selbst zu sehr vervielfältiget werden, und der Fürst diese Schuldscheine nicht mehr zu honorieren vermag, so ist das Papiergeld kein Geld mehr, sondern nur ein leeres Papier, das einem protestierten Wechsel gleicht, oder einer Obligation die keinen zahlungsfähigen Schuldner mehr hat. Noch kann zwar, wie die Erfahrung lehrt, auch ein nicht eingewechseltes Papier-Geld aus Folge der Gewohnheit oder aus Hoffnung künftiger Bezahlung oder wegen dem im Verkehr mit dem Fürsten noch möglichen Gebrauch eine zeitlang noch einigen Wert behalten, aber es sinkt alle Tage mehr und fällt am Ende unvermeidlich ins Nichts zurück. Wird man nun gleichwohl durch Gesetze gezwungen, ein solches Papier nicht nach seinem in Handel und Wandel habenden Kurs, sondern nach seiner Benennung oder dem sogenannten Nominalwert für vollgültig an Bezahlung anzunehmen, so bewirkt solches die schreiendsten Ungerechtigkeiten. Wer gestern noch ein gewisses Vermögen oder an Zinsen und Besoldungen ein schönes Auskommen hatte, der besitzt heute nicht die Hälfte und morgen gar nichts mehr; wer gutes Geld angeliehen, Häuser, Güter oder Fahrhabe vor einiger Zeit auf Termine verkauft hat, der erhält die Rückzahlung in einem leeren Papier, welches zwar den nämlichen Namen trägt, aber nichts mehr oder doch viel weniger wert ist. Alle Privatkontrakte werden unsicher, niemand weiß mehr was er hat oder worauf er zählen kann, und lebt dabei in ewiger Besorgnis. Allein sowohl dieses Papiergeld als die Herabsetzung des Münzfußes, welche in minderem Grad ein ähnlicher Mißbrauch des Zutrauens ist, bestraft zuletzt sich selbst, und schlagen am End allemal zum Schaden desjenigen aus, der dabei gewinnen wollte. Denn da der Fürst in der Regel immer der reichste in seinem Lande ist, und mehr zu empfangen als zu bezahlen hat, so werden ihm seine Einkünfte auch in der schlechten Müpnze bezahlt, die er für vollwichtig ausgibt, seine Ausgaben aber kann er nicht alle einseitig bestimmen, höchstens kann er die Zinse der Schulden und die Besoldungen mit Papiergeld im Nominalwert bezahlen, ja selbst diese letzteren nicht einmal, weil an ihn unter tausenderlei Formen und Benennungen um deren Erhöhung angehen wird. Der Wert aller übrigen Dinge, Arbeiten und Dienstleistungen, wird von den Fremden sowohl als von den Landeseinwohnern nach dem Verhältnis der Herabwürdigung der Münze gesteigert, mithin empfängt der Fürst in der Realität weniger und muß mehr oder wennigstens ebensoviel als vorher ausgeben. Dadurch wird das Gleichgewicht zwischen seinen Einnahmen und seinen Ausgaben gestört und die Verlegenheit notwendig alle Tage größer bis man wieder zu den wahren Grundsätzen zurückkehrt, das Papiergeld abschafft und wenn man es nicht bar bezahlen kann wenigstens in zinsbare Schulden umwandelt. Des größeren Nachteils nur nicht zu erwähnen, daß dergleichen gewaltsame Operationen das Ansehen und den Kredit des Fürsten außerordentlich erschüttern und gerade diejenigen Klassen, welche in den Fürsten das größte Zutrauen gesetzt haben und seines Schutzes am meisten bedürftig sind wie z.B. die Gläubiger, die Beamten, das Militär usw. am meisten übervorteilen. Kapitel 39Eid der französichen KönigeHaec populo Christiano et mihi subdito in Christi promitto nomine 1) Inprimis ut ecclcsiae Dei omnis populus Christianus veram pacem, nostro arbitrio, in omni tempore servet. 2) Item ut omnes rapacitates ut omnes iniquitates omnibus gradibus interdicam. 3) Item ut in omnibus judiciis aequitatem et misericordiam praecipiam, ut mihi et vobis indulgeat suam misericordiam clemens et misericors Deus. 4) Item, de terra mea ac jurisdictione mihi subdita universos haereticos ab ecclesia denotatos, pro viribus, bona fide, exterminare studebo.” … Schön war der Krönungsakt und die Eidesformel des deutschen Kaisers. Derselbe ward von dem konsekrierenden Erzbischof, also nicht im Namen des Volkes, sondern im Namen Gottes und der christlichen Kirche befragt:
Auf jede dieser Fragen ward von dem Kaiser geantwortet: “Volo!” und sodann dieses Versprechen bei dem Altar mit foglenden Worten eidlich bekräftiget: “Omnia praemissa, ia quantum divino fultus fuero adjutorio, fideliter adimplebo; sic me Deus adjuvet et sancta Dei Evangelia.” |