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Zitate aus dem Werk von Karl Ludwig von Haller

Ich behaupte statt des verlassenen Naturstandes die ununterbrochene Fortdauer desselben und nenne ihn sogar die Ordnung Gottes; statt des Sozialkontrakts ein Aggregat unendlich verschiedener freier Privatverträge, statt des allgemeinen Willens natürliches göttliches Gesetz; statt der veräußerten Privatfreiheit die ungetrübte Beibehaltung derselben soweit sie jedem möglich ist; statt der Souveränität oder Unabhängigkeit des Volks die Souveränität desjenigen der unabhängig ist, der Macht und Vermögen hat, es zu sein; statt anvertrauter Macht eigene Macht und eigenes Recht, statt erdichteter Aufträge und übertragener Amtspflichten allgemeine Menschenpflichten des Rechts und es Wohlwollens; statt der Regierung aller Dinge die Regierung eigener Sache; statt des Gangs von unten herauf, den Gang von oben herab; und lasse den Vater vor den Kindern, den Fürsten vor dem Volk, nicht das Volk vor den Fürsten erscheinen.

Trauernd über das Unglück der Revolution, bekümmert über die Gefahren meines Vaterlandes, mißtrauisch gegen die herrschenden Doktrinen und von ihren Gegnern selbst unbefriedigt, war ich demnach alle Bücher und Autoritäten weg, um fürohin nicht mehr den Menschen, sondern nur allein Gott in seiner Schöpfung, der Natur zu fragen. I/IX.

Dergleichen Ideen, wenn auch nur beiläufig geäußert, brachten die neuen philosophischen Gewalthaber in Schrecken, und die Apostel der Preßfreiheit, welche jedoch nur für ihre Doktrin galt, nötigten auch mich 1798 in nicht revolutionierten Ländern die wahre Freiheit zu suchen. I/XVI

Gleich dem Satanas lassen sich auch die Freunde des Zeitgeistes erkennen an einem ungemessenen Stolz, der nur sich allein in der Weit sieht, alles nur auf sich bezieht, kein fremdes Recht ehrt, von aller Liebe entfremdet ist, nie sich selbst opfert, sondern nur von allen ändern endlose und einseitige Aufopferungen fordert; vorzüglich aber an jenem hochmütigen Weisheitsdünkel, der alles zu wissen wähnt und doch nichts als zu verneinen weiß, ein Vater der Lügen ist und aus einer Wurzellüge viele tausend andere Lügen erzeugt; der sich anmaßt, den Schöpfer aller Dinge selbst zu tadeln und zu meistern, während jede wahre Weisheit nur in der Erforschung und Befolgung seiner Natur- und Pflicht-Gesetze, folglich in treuem und freudigem Gehorsam besteht; an dem Neid gegen jedes höhere Glück, besonders aber an der Fortdauer desselben, und zwar an einem unvernünftigen Neid, der sein eigenes Verderben vorbereitet, die fruchtbringenden Bäume umhaut, seine Wohltäter vernichtet und eher als dem Nächsten ein Auge zu gönnen, sich selbst beide Augen aussticht; an jener teuflischen Schadenfreude, die ohne eigenen Nutzen fremdes Unglück noch mit Spott und Hohn verfolgt, jede Gewalttat zu rechtfertigen sucht und ihre Schlachtopfer stets noch verleumdet und beschimpft; an jener Entzweiungswut, die überall Hader und Argwohn stiftet, keine Eintracht dulden kann und nicht ruht, bis sie dieselbe zerstört hat. Karl Ludwig von Haller: Satan und die Revolution

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