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Karl Ludwig von Haller

Bibliografie Karl Ludwig von Haller

Interessante Zitate

Was sind Untertanenverhälnisse?

Was ist die alte Ordnung

Satan und die Revolution  (1834)

 

Die Restauration der Staatswissenschaften

Inhaltsverzeichnis "Restauration der Staatswissenschaften"

Auszüge aus dem Werk

Das geniale staatswissenschaftliche Werk harrt noch der Erschließung für unsere Gegenwart.

Restauration von Freiheit und Ordnung

Im Jahre 1798 überfiel Napoleon die Schweiz und besetzte das Land. Die angestammte Freiheitsordnung der Schweizer wurde irreparabel zerschlagen und an ihre Stelle ein destruktives Besatzungsunrecht, Helvetik genannt, gesetzt. Die Geschichte dieser Helvetik kann nur als permanente Revolution beschrieben werden, trotzdem fand die Helvetik auch verräterische Anhänger im eigenen Lande. 1814 fiel der faule Zauber in sich zusammen und es eröffneten sich Möglichkeiten, die rechtlichen Verhältnisse der Schweiz zu rekonstruieren.

Über die Frage, wie das geschehen und wie weit die Rekonstruktion der vorrevolutionären Ordnung gehen solle, gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Karl Ludwig von Haller, während der Napoleonzeit unermüdlich gegen Fremdherrschaft und Franzosenterror aktiv, griff mit den beiden Schriften von 1814 "Was sind Untertanenverhältnisse" und "Was ist die alte Ordnung" in die Auseinandersetzung ein. In den Schriften verteidigte er die vorrevolutionäre Ordnung und rief zu deren Rekonstruktion auf. Zwar gelang die von Haller gewünschte vollständige Restauration des vorrevolutionären Zustandes nicht, doch kam das Ergebnis seinen Vorstellungen recht nahe, so daß man Haller als einen der auch politisch erfolgreichsten gegenrevolutionären Schriftsteller der Neuzeit bezeichnen darf. Schauen wir in Kürze auf den Inhalt der beiden Schriften.

In Was sind Untertanenverhältnisse zeigt Haller, daß bereits 1814 die Gedankenbremse der politischen Korrektheit existierte (Niemand will für einen illiberalen Menschen gehalten werden). Diese Bremse will er durch seine Denkanstöße lösen. Er sagt, daß es zwar auf die Worte Untertanen und dienen nicht ankommt, daß aber die Sache selbst notwendig ist in jeder Gesellschaft, in allen menschlichen Verhältnissen. Somit ist die Forderung der Revolutionäre, die "Untertanenverhältnisse" abzuschaffen absurd und Haller zeigt auch, wie es in jedem revolutionären System weiterhin Herrscher und Beherrschte gegeben hat, gegeben haben mußte. System der Revolutionäre ist es aber (bis heute!) die Freiheit des Untertanenverhältnisses zu leugnen und Herrscher gegen Beherrschte aufzuhetzen um die Gesellschaft zu zerstören.

Haller dreht den Spieß um, entlarvt mit dem Instrument einer Gegenaufklärung die haltlosen Argumente der Linken und Revolutionäre und zeigt die Destruktivität Ihrer Prämissen und Schlußfolgerungen auf: „Die Liberalität [der Linken] besteht darin, fremdes Gut zu rauben und zu verschenken.“

Der Aufsatz Was ist die alte Ordnung ist etwas umfangreicher. Nach dem Sieg über die Franzosen sollte die Freiheit und damit die alte Ordnung in Bern und der Schweiz wiederkehren. Haller macht klar, daß die Schweiz eindeutig auf der Seite der siegreichen Koalition gegen Frankreich steht und stehen muß. Die Alte Ordnung besteht darin, wie Haller auch schon in den Untertanenverhältnissen ausgeführt hat, daß jedem das Seine gelassen bzw. zurückgegeben wird: "Die alte Ordnung ist nichts weiter als die einfache Gerechtigkeit, die jedem das Seinige gibt und läßt, im buchstäblichen Verstand die ungekünstelte natürliche Ordnung der Dinge." Diese Ordnung fordert Haller, diese Ordnung fordert er insbesondere für die Stadt Bern, die durch Helvetik und Mediation schwer geschädigt worden ist. Haller geht auf den Begriff der Souveränität ein, der mit dem Begriff der Freiheit eng verbunden ist:

"Übrigens ist sie selbst immer noch [d.h. auch wenn sie souverän über ihren Besitz ist] abhängig, teils von ihren Verträgen mit den eidgenössischen Städten und Ländern, mit anderen Staaten und auch mit den Städten oder Landschaften ihres Gebiets, teils von höherer Macht, wenn sie mit der ihrigen in Berührung kommt, teils von den Gesetzen der Natur und von den natürlichen Gesetzen der Pflicht. Denn ganz und absolut unabhängig ist kein Mensch und kein Menschen-Verein auf dem Erdboden."

Die demokratische Regierung eines Kantons und über Bern lehnt Haller vehement ab: "Eine Repräsentativ- oder Kantonsregierung - ihre Mitglieder mögen sein, wer sie wollen - ist das überflüssigste Ding auf dem Erdboden, das fünfte Rad am Wagen."

Haller beschreibt umfangreich die Rechtsverhältnisse, die die Stadt Bern an ihren Besitz und ihre Untertaten geknüpft hat. Bern hatte französisch sprechende Untertanen und er führt aus, daß diese völlig gleichberechtigt gewesen seien und ihre volkliche Eigenart haben uneingeschränkt leben können. Hingegen seine die Franzosen in vielen fremdsprachigen Ländern und Regionen als Unterdrücker aufgetreten.

Das Band, das Herren und Knechte, Obrigkeit und Untertanen miteinander verknüpft, sei "wechselseitige Liebe und Wohlwollen". Und Haller schließt mit den Worten:

Lange genug haben wir Ungerechtigkeit, ja beispiellose Erniedrigung geduldet, und im Stillen um Gottes Hilfe gefleht. Sie kommt, diese Hilfe, ohne unser Zutun, zu unserm eigenen Erstaunen wunderbar, wie vom Himmel herabgefallen. Sollten wir sie undankbar zurückstoßen, und dadurch alles Glückes unwürdig werden? Wir verlangen aber nicht, daß ihr hinwieder Unrecht leiden müsset, nein! Wir wollen nur das unsrige, und lassen jedem das seinige. Die alte Ordnung soll nicht nur eine Herstellung der Gerechtigkeit für uns, sondern auch für euch sein. Wir geben euch alle Eure Rechte wieder, die ihr zum Teil ebenfalls verloren habet, und mehr noch dazu: O, daß ihr auch die unserigen mehren möget. Daß der Bund der Herzen sich mit dem neuen Jahre neu und fester schlingen möge!

 

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