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Johann Ludwig Ewald: Über Revolutionen, ihre Quellen und die Mittel dagegen. Den menschlichen Fürsten gewidmet.

Berlin 1792 Johann Ludwig EWALD (Dreieichenhain b. Offenbach 1748 - Karlsruhe 1822)

Der begabte und hochgebildete Pastor wurde von Lavater (siehe dort) beeinflußt und distanzierte sich vom herrschenden Rationalismus. Er lehrte Moral- und Pastoraltheologie, veröffentlichte zahlreiche Schriften und spielte eine bedeutende Rolle im geistigen Leben seiner Zeit. Mit seinem Freund Goethe kam es wegen seiner Zeitschrift Urania (1793-1795) zum Zerwürfnis. So liest man in den Xenien:

„Urania - deinen Heiligen Namen kann nichts entehren und wenn ihn auf sein Sudelgefäß Ewald, der Frömmelnde schreibt.“

Sein großes Interesse für Pädagogik machte ihn zum Bewunderer Pestalozzis, den er in der Schweiz besuchte. Sein mannigfaltiges Werk umfaßt Predigten, Erbauungsbücher, Philosophie, aber auch Reiseberichte.

Ewald ist gewissermaßen der Mann der revolutionären Prophylaxe. Wie kann man der Revolution vorbeugen, um sie nicht unterdrücken zu müssen? Wenn Freiheit auch ein heruntergekommener Begriff ist, dem man mit Mißtrauen begegnen muß, dürfen doch gewisse Grundfreiheiten, - die Religionsfreiheit zum Beispiel - nicht angetastet werden, dagegen sind verschiedene Mißbräuche (in Deutschland zum Beispiel der Menschenverkauf) abzustellen. Man muß den Herrscher zur Menschlichkeit erziehen und darf vor allem nicht vergessen, daß „das Hauptmittel gegen Revolutionen die Verbreitung der reinen Lehre Jesu ist“.

Die Veröffentlichung seines „Was sollte der Adel jetzt thun?“1793 in Leipzig, in dem er kritische Ideen über die Haltung des Adels entwickelt, verschaffte ihm erbitterte Feinde.

Fürsten!
verhindert auf alle Art die gräßliche Krankheit der Revolution, wovon Frankreich ein so einziges Gemälde darstellt. Und solltet Ihr einen Teil Eurer Rechte und Einkünfte hingeben; und solltet Ihr Euch manchen Wunsch versagen, manche Grille aufopfern müssen; und solltet Ihr freiwillig manchem Menschen Gefühl mit Vorurteil vermischt, nachgeben, oder dem, was bei Euch Vorurteil heißt, und dem Andern heilig ist; und solltet Ihr warten, lange warten müssen mit Ausführung der Pläne zur Aufklärung und Veredlung Eures Volks; und solltet Ihr Euch selbst zu eingeschränkten Monarchen machen, da Ihr bisher uneingeschränkte wart; alles tausendmal besser, als dies fürchterliche Faulfieber der Empörungssucht, das den Kranken von Sinnen bringt, ihn mit Freiheitsträumen betäubt, indes er schon wie ein Verwesender riecht, haltet Euer Volk nie sicher vor dieser Krankheit, so lange es noch gedrückt wird, so lange es noch von Euren Nachfolgern gedrückt werden kann. Früher oder später kommt dann seine und Eure Stunde, wo es durch sie zum Leben oder zum Tode sich durcharbeiten muß. Nur mäßige Regierungsart kann den Staatskörper gesund erhalten; nur Väterlichkeit weckt Kindersinn, Kinderliebe bei dem Volke; und nur dieser Sinn hält die Bande des Staats fest.

Und wenn dieser Sinn jetzt bei den Regenten der Erde keimte! Wenn alle Ungeheuer des rohen und feinen Despotismus, und alle Scheusale der Empörungen, der Volkswut und der Anarchie nur Gewitter wären, durch die sich die Luft reinigt, daß die Sonne hell und mild herableuchten kann; und Nebel, wodurch der erquickende Saft der Traube gereift wird! Wenn der Kongreß aller Mächte über die Ruhe unseres Weltteils sich mit dem Entschluß endete: Wir wollen Väter unseres Landes sein! Und die Revolutionen es fühlbarer machten den Fürsten, daß es süß ist, wie ein Vater geliebt werden; und aller Despotismus es fühlbar machte dem Volk, wie süß es ist, einen Vater zum Regenten zu haben! - Welche goldene Zeit!

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