Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Reichspsalterion
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Geistliche Texte
  Kontakt
  Zum Gästebuch

   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Kirchliche Lehre |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   Russland

Der leere Thron

Charles A. Couloumbe

Die jüngsten Geschehnisse in Afghanistan haben die Bedeutung der Monarchie für die Zuweisung von Legitimität an die Nach-Taliban-Regierung  unterstrichen. Am 18. April 2002 kehrte König Mohammed Zahir Schah aus dem Exil zurück. Bis heute hat er seinen Thron trotz eindeutiger Rechtslage nicht wieder besteigen dürfen.

Bisher sind alle Kräfte des Landes und fast alle Medien weltweit äußerst bemüht darum, zu betonen, daß die Rückkehr des Königs keine Restauration ist. Gleichzeitig wird beteuert, wie wichtig es ist, daß der Königs dem neuen Regime seinen Segen gibt. Wahrlich ein Paradoxon.

Doch ein verständliches. Denn die Rückkehr des Königs  macht manchem Angst. Wenn sich der afghanische König des Seinen erfreuen kann, wo soll das enden? Besonders die Persische Regierung ist äußerst unzufrieden mit der Situation.

Doch ist Restauration ein Alp, der alle Republiken heimsucht. Die Gesetze, welche die Heimkehr der Herrscher von Frankreich, Portugal, Italien, Griechenland und Österreich selbst zu Besuchen verbieten, legen beredt Zeugnis von der Furcht der Republikaner ab. Räuber fühlen sich nur selten sicher in ihrem Raubgut.

Doch geht es um mehr. Republiken, aus Revolutionen geboren, sind ihrem Wesen nach destruktiv und können nichts Kreatives hervorbringen. Alle Institutionen, derer wir uns im Westen erfreuen, sind monarchische Schöpfungen oder wurden von den Monarchen gefördert. Parlamente, Ministerien, Universitäten, Gerichte, Armeen und Flotten, Provinzial- und Stadtregierungen, wissenschaftliche Gesellschaften und Akademien - diese und noch mehr. Die verbliebenen oder aus der Mottenkiste geholten Schmuckstücke der Monarchie werden mißbraucht um Legitimität vorzutäuschen. Amerikanische Colleges, der Kongreß, Regierungen der Bundesstaaten, alle halten an Symbolen der Monarchie fest. Das Gardebataillon, das den österreichischen Bundespräsidenten schützt, kommt von der Monarchie her, und es führt den Doppeladler der Kaisergarde im Wappen. In den USA streiten sich Staats- und Bundesregierungen darum, wer im Jahre 1776 bzw. 1783 Rechtsnachfolger der Souveränität der Krone geworden ist.

Der Geist des Kaisers

Die Republiken stehen vor einem Problem. Um die eigene institutionelle Legitimität zu begründen, müssen sie ihre Verbindung zur Monarchie erklären. Auf den Weltnetzseiten der verschiedensten republikanischen Ministerien ist das deutlich zu erkennen. Gleichzeitig müssen sie stets die Beseitigung der Monarchie rechtfertigen. Die Webseite der mexikanischen Armee preist das wunderbare Werk der verschiedensten Vizekönige beim Aufbau mexikanischer Streitkräfte in den höchsten Tönen. Kaum aber beginnen sie das Thema „Revolution“ zu streifen, ändern sie ihre Position um 180 Grad. Dies muß man wohl als schizophren bezeichnen.

Doch hat es einen Sinn. In den späten 1960er Jahren schrieb Valentin Tomberg: „Europa wird vom Geist des Kaisers verfolgt. Seine Abwesenheit ist genauso intensiv spürbar, wie seine einstige Präsenz. Die Wunde spricht, -  das was wir vermissen, spüren wir.“

So wie dies für das Gebiet des einstigen „Sacrum Imperium” zutrifft (und heute, da die EU immer mehr zum „imperatorlosen Imperium” wird, wahrer denn je), trifft es für alle europäischen Republiken zu, für ganz Amerika, für Indien, Südafrika und für Pakistan. Inmitten des monarchischen Schmuckes der Garden und Kongresse bleibt der leere Thron spürbar.

Doch geht es nicht nur um Strukturen von Regierungen. Die Kirche, gegründet vom legitimen Erben des Davidsthrones, bleibt ein kraftvoller Zeuge der Monarchie, gleichgültig, wie sehr die heutigen Kirchenmänner sie attackieren. Was immer sie einwenden - der Altar IST ein Thron. Oder die Künste: Oper, Ballett, klassische Musik, Theater, alle Gattungen sind unter königlichem Schutz entwickelt und herausgebildet worden, und ihre Konventionen künden davon. Auch heute noch gibt es in US-amerikanischen Theatern die königliche Loge. Die Rituale der Jagd stammen aus der Monarchie und werden genauestens auch in Republiken beachtet. Selbst die normalsten und allgemeinsten Höflichkeitsformen stammen von den königlichen Höfen her.

Herz und Verstand

Und das hat seinen guten Sinn, denn der Mensch ist in seiner Seele von Natur aus Monarchist. Er sehnt sich danach, Leben und Liebe einer Person, die über ihm steht zu widmen und dies mindestens in dem gleichen Maße, wie er an sich selbst interessiert ist. Und deshalb findet der Kampf zwischen Republik und Krone in Herz und Geist jedes Einzelnen statt. Dr. Stephan A. Hoeller schrieb im »Tao of Freedom«:

„ … die symbolische Verbindung der archetypischen Strukturen des Unbewußten bleiben bestehen und repräsentieren den Maßstab seelischer menschlicher Beständigkeit. Die Königin und der König von England sind auch heute archetypische Symbole in der Seele ihres Volkes, ihre gekrönten und gesalbten Häupter tragen nicht nur irdische Diademe sondern den Glanz transzendentaler Ehre. Der Tenno regiert inmitten überirdischen Glanzes in seinem riesigen Palast in Tokio und zelebriert dort seine jährlichen Rituale um Segen und Fruchtbarkeit auf die Inseln von Dai Nippon herabzuflehen.

Doch in den meisten Regionen des Globus sind die Götter gestorben und mit ihnen die Könige, die irdischen Repräsentanten archetypischen Glanzes. Das alte Tao ist abgereist. Wie im China des Konfuzius marschieren Ursurpatoren und Räuber durch die Länder und stolzieren durch die Paläste. Die Stadt der Menschen und die Stadt Gottes haben keine Verbindung mehr und die Menschheit baut einen babylonischen Turm nach dem anderen um einmal mehr den Himmel zu erreichen.“

Dieses Problem ist in den Republiken am sichtbarsten. Doch noch schlimmer ist, daß in den meisten noch bestehenden Monarchien die politischen Kräfte, die im Schatten der Krone herrschen, langsam aber sicher die Kronen ihrer Herrscher zerfeilen. Blairs Umgang mit dem House of Lords und den königlichen Symbolen in Britannien, der Eid in Kanada, die Abschaffung des monarchischen „Te Deum“ in Belgien und so weiter und so fort. Und oft scheint es, als würden die Monarchen derartiges ganz gerne hinnehmen oder sogar befördern.

Monarch und Volk

Ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Niedergang der Monarchie ist die geradezu unglaubliche Aufnahmewilligkeit für einen zentralen Mythos der Demokratie - die Wahnvorstellung, daß gewählte Vertreter für das Volk sprechen. Viele konstitutionelle Monarchen akzeptieren alles, was ihre Minister ihnen vorlegen; sie glauben daß gegenteiliges Handeln politischer Selbstmord wäre und sie in Gegensatz zu ihrem Volk bringen würde. Die Erfahrung mit den Republiken zeugt vom Gegenteil. Hat sich darüber schon jemand Gedanken gemacht?

Bei den wenigen Gelegenheiten, daß ein konstitutioneller Monarch oder sein Vizekönig im 20. Jahrhundert die Klingen mit professionellen Politikern kreuzte, waren stets die Monarchen im Recht. Sie waren diejenigen, denen es stets mehr um den Erhalt der Wohlfahrt des Volkes ging. Doch auch diese Erkenntnis konnte bisher den Mythos nicht zerstören. Das gesamte 20. Jahrhundert hindurch blieben historische Realität und seelisches Leben unbeachtet.

Derzeit betätigt sich der Westen in einem Krieg gegen islamische Terroristen. Wie stets in solchen Fällen wird in Amerika die Flagge geschwenkt und die demokratischen Werte hochgehalten. Jede Infragestellung der Demokratie wird als subversiv erachtet. Was noch schlimmer ist: Aus der Tatsache, daß unsere Gegner über ein moralisches Gesetz verfügen, wird die Forderung abgeleitet, daß wir jede öffentliche Moral zerstören müssen, damit wir nicht werden wie sie. … Es ist eine Schande, daß dieser Krieg für die Propaganda mißbraucht wird, das republikanische System wäre automatisch besser als jedes andere System.

Wie andere Monarchisten bin ich bekümmert über die Tatsache, daß die Möglichkeiten, die der Niedergang des Kommunismus geboten hat, ungenutzt vorüber gingen. König Simeon II. hat in Bulgarien kein Wunder vollbracht, das wird seine Rückkehr auf den Thron verzögern. Die Tatsache, daß ein solches Wunder überhaupt nicht möglich ist, wird verschwiegen. König Michael umkreist noch immer das rumänische politische Leben, das Haus Savoy ist nach wie vor aus Italien verbannt und auch auf die Rückkehr von Kronprinz Alexander auf den serbischen Thron muß noch gewartet werden.

Trotz allem ist es nicht ausgeschlossen, daß sich die Dinge wandeln und manch einer beginnt, tiefer zu blicken. In den vergangenen Jahren wurden drei wichtige Bücher veröffentlicht, jedes einzelne ist es wert, ausführlich besprochen zu werden:

Robert B. Kraynak: Christlicher Glaube und moderne Demokratie - Gott und Politik in der gefallenen Welt.
Eine machtvolle Kritik an der liberalen Demokratie aus Augustinischer Sicht.

Hans-Hermann Hoppe: Demokratie - Der Gott, der versagte. Ökonomie und Politik in Monarchie, Demokratie und natürlicher Ordnung.
Der Libertäre Hoppe behauptet die Überlegenheit der Monarchie aus historisch-ökonomischer Sicht.

Aidan Nichols OP: Christentum erwache!
Dieses Werk, das für eine Wiedergeburt des Christentums plädiert, zeigt, daß die Monarchie ein essentielles Element der europäischen Sozialordnung ist.

Keiner dieser Autoren präsentiert ein praktisches Programm. Doch erfüllen sie eine wichtige Aufgabe. Den Revolutionen des 18. Jahrhunderts, die unseren langen, traurigen Weg weg von monarchischer Gesundheit einleiteten, ging eine lange Diskussion von Intellektuellen voraus. Dies war notwendig bevor eine tatsächliche Umwälzung von statten gehen konnte. Als es dazu kam, wurde der Erfolg durch die Tatsache ermöglicht, daß die monarchistisch gesinnten Gegner der Revolution nicht wenige der Ideen der Revolutionäre teilten. (Siehe: Thomas Molnar: The Counter-Revoution)

Zu einem ähnlichen Vorgang muß es kommen, wenn die lehren Throne wieder besetzt werden sollen. Während sowohl monarchisches Gefühl als auch unterbewußtes Sehnen nach der Krone weit verbreitet sind, muß artikulierte intellektuelle Theorie hinzukommen, um eine Restauration ins Werk setzen zu können. Die Tatsache, daß die geistige Arbeit in Angriff genommen wird, ist ermutigend.

Mein Bruder, mein Hauptmann, mein König

Und nicht nur das: Wie die meisten meiner Leser wissen, ist »Der Herr der Ringe« ein sehr erfolgreicher Film. Wie sein literarisches Vorbild ist auch der Film ein monarchistisches Werk. Ein Bekannter aus dem konservativ-republikanischen Hollywood sagte: „Zuerst war ich etwas verwundert über dieses König-Zeugs. Doch irgendwie kam mir der Gedanke, daß ich und die modernen Ansichten falsch sein könnten.“ Wenn solch ein Gedanke in Tinsel Town (Hollywood) möglich ist, warum nicht auch anderswo?

Solange menschlicher Geist existiert, gibt es Hoffnung auf Restauration. Der letzte Monarchist stirbt mit dem letzten Menschen. Zur Ermutigung der Monarchietreuen ein Gedicht aus »Der Herr der Ringe«:

Nicht alles, was Gold ist, muß glittern,
Nicht jeglicher Wand’rer ist betört,
Was alt ist und stark, kann nicht verwittern,
Tiefe Wurzeln der Frost nicht zerstört.

Aus Asche entsteht noch ein Feuer,
Dem Schatten ist Licht noch bestimmt,
Gebrochenes Schwert wird erneuert,
Der Prinz den Thron noch erklimmt.

Sei gewiß: Der Thron wird wieder besetzt werden.

 

Der Autor lebt als Schriftsteller und Publizist in Los Angeles (Californien) und gehört der starken US-amerikanischen Monarchiebewegung an.

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga