Zum Fronleichnam
Ein Essay von Charles A. Coulombe
Nach
dem Kalender findet das Fronleichnamsfest zu Ehren des heiligsten
Altarsakraments in diesem Jahr am 15. Juni statt, kirchlich
hat es seinen Platz stets am Donnerstag nach dem Trinitatisfest,
vieler Orts wird das Fest erst am folgenden Sonntag gefeiert. Es
stammt erst aus dem 13. Jh., als eine belgische Mystikerin, die
hl. Juliana von Lüttich CSA eine Reihe von Visionen empfing,
in denen Christus ein Fest zu Ehren der hl. Eucharistie forderte.
Im Mittelpunkt des Festes steht der Priester, der eine zur Schau
gestellte Hostie in einer Monstranz trägt, vor den Elementen
des Wetters geschützt durch einen von vier Männern an
den Ecken getragenen Baldachin. Dem Baldachin nach folgt die Menge
der Priester, diesen gesellen sich Soldaten, die Ortsverwaltung
und in Haupt- und Residenzstädten auch die Regierung und der
Herrscher hinzu. So zeigten sich die österreichischen Kaiser,
die Könige Frankreichs, Spaniens, Portugals, Neapels, Sardiniens
und Polens voller Demut und Eifer in den Fronleichnamsprozessionen,
oftmals nahmen sie die Position eines der Baldachinträger ein.
Den genannten Gruppen und Personen folgen die Vereinigungen, sowie
die Gläubigen und Untertanen.
Die Fronleichnamsprozession wurde so populär, daß sie
sich binnen zweier Jahrhunderte über ganz Europa verbreitet
hatte, von Schweden bis Sizilien und von Irland nach Polen. Die
Prozession wurde immer reicher ausgestattet und führte häufig
Wagen mit sich, auf denen Szenen aus der Bibel oder der kirchlichen
Lehre dargestellt wurden. Es ist nicht schwer herauszufinden, warum
unsere Vorfahren dieses Fest so schätzten. Zum einen lag es
daran, daß dieses Fest die leibliche Gegenwart unseres Herrn
Jesus Christus in der hl. Eucharistie feiert. Die Tatsache, daß
man den Heiland aus den Kirchen in die Straßen und Felder
hinaustrug, zeigt, daß seine Herrschaft über die diesseitige
Welt nicht durch Kirchenmauern begrenzt ist. Die Anwesenheit aller
Schichten der Gesellschaft zeigte, daß alle ihm in gleicher
Weise untertan sind und daß er so die Einheit gewährleistet.
Die gemeinsame Verehrung des hl. Sakraments ist geeignet, die Sünden
in Gesellschaft, Volk und Staat zu sühnen.
Es dürfte kaum überraschen, daß die Feinde des
Glaubens alles getan haben, um einen Brauch zu vernichten, der die
Lehre, die sie hassen, so verdeutlicht. Bereits während der
Reformation wurden die Prozessionen von England bis nach Süddeutschland
hin unterdrückt. Wo katholisches Europa oder Lateinamerika
erhalten bleiben konnten, verfolgten kirchenfeindliche oder revolutionäre
Regierungen dasselbe Ziel. Wie sich eine Regierung zum Fronleichnam
verhielt, war ein geeignetes Barometer dafür, wie es sich zum
ganzen christlichen Glauben verhielt. Wo heute noch die Fronleichnamsprozessionen
gestattet sind, versuchen die Regierungen häufig die Teilnahme
zu verbieten, so die irische Regierung, die im Jahre 2000 den Soldaten
des Landes die Teilnahme an den Fronleichnamsprozessionen verbot.
Derartige Regierungen preisen sich selbst als „modern“,
säkular“ oder „multikulturell“.
Es sind nicht nur ignorante und dumme Politiker, die das Fronleichnamsfest
hassen. Seit dem „2. Vatikanum“ zeigt sich der sinkende
Glaube auch bei Katholiken im Rückgang der Prozessionen. In
vielen Diözesen sind sie Vergangenheit, ebenso wie Benediktionen,
Adorationen oder die „Vierzig Stunden“. Immer mehr Generationen
von Katholiken in immer mehr Gegenden dieser Welt kennen das alles
nicht mehr aus eigenem Erleben und eine Beeinträchtigung des
Glaubens ist das Ergebnis. Es ist kein Zufall, daß nur noch
30 % der amerikanischen Katholiken an die leibliche Gegenwart Christi
im Altarsakrament glauben.
Der römischen Kirchenleitung sind diese Mißstände
nicht entgangen. Während des Jubiläumsjahres 2000 forderte
Papst Johannes Paul II. die Rückkehr der Fronleichnamsprozessionen
und viele folgten ihm. Er erneuerte seine Forderung zu Beginn des
eucharistischen Jahres 2004. Papst Benedikt XVI. forderte nicht
nur, er selbst erneuerte die päpstliche Fronleichnamsprozession,
die er von St Johannes im Lateran zur Basilika St Maria Maggiore
anführte.
Ich selbst habe an vielen Prozessionen teilgenommen, so in der
deutschen Stadt Aachen, die Hauptstadt Karls des Großen. Dem
die Hostie präsentierenden Bischof folgte eine große
Zahl von Priestern und Ordensleuten, diesen folgten der Bürgermeister
und der Stadtrat, die örtlichen Vereine und Jagdgesellschaften
in grünen Uniformen und Federhüten , die örtlichen
Studentenverbindungen in ihren Husaren-Monturen und viele Musikgruppen.
Es war eine wunderbare Bestätigung des Königtums und der
realen Gegenwart Christi und der Einheit der Menschen in Aachen
und mit den Katholiken der Welt.
Sind Sie so glücklich dort zu leben, wo eine solche Fronleichnamsprozession
noch existiert, dann nehmen Sie auf jeden Fall daran teil! Ist das
nicht der Fall, bitten Sie den örtlichen Pfarrer oder Bischof,
im kommenden Jahr eine Fronleichnamsprozession zu organisieren.
In einer Welt, in der der Mord an den Ungeborenen und der Totschlag
der Wehrlosen von Richtern lächelnd abgenickt wird, wo konservative
Parteien die Familie preisgeben, wo das Sakrament der Ehe durch
Scheidung, künstliche Empfängnis, wilde Ehe und Schwulenkonkubinat
zerrütte wird, wo der Arme nichts zählt und Reichtum alles
ist - wir brauchen mehr als unseren Anteil an der Wiedergutmachung.
Die Fronleichnamsprozession verdeutlicht den Glauben an die Realpräsenz
Christi dem Geiste und dem hl. Leibe nach und wirkt als strenger
und spürbarer Verweis der Herrschenden - ein Verweis, dessen
sie dringend bedürfen.
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