Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

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Zum Fronleichnam

Ein Essay von Charles A. Coulombe

”VisionNach dem Kalender findet das Fronleichnamsfest zu Ehren des heiligsten Altarsakraments in diesem Jahr am 15. Juni statt, kirchlich hat es seinen Platz stets am Donnerstag nach dem Trinitatisfest, vieler Orts wird das Fest erst am folgenden Sonntag gefeiert. Es stammt erst aus dem 13. Jh., als eine belgische Mystikerin, die hl. Juliana von Lüttich CSA eine Reihe von Visionen empfing, in denen Christus ein Fest zu Ehren der hl. Eucharistie forderte.

Im Mittelpunkt des Festes steht der Priester, der eine zur Schau gestellte Hostie in einer Monstranz trägt, vor den Elementen des Wetters geschützt durch einen von vier Männern an den Ecken getragenen Baldachin. Dem Baldachin nach folgt die Menge der Priester, diesen gesellen sich Soldaten, die Ortsverwaltung und in Haupt- und Residenzstädten auch die Regierung und der Herrscher hinzu. So zeigten sich die österreichischen Kaiser, die Könige Frankreichs, Spaniens, Portugals, Neapels, Sardiniens und Polens voller Demut und Eifer in den Fronleichnamsprozessionen, oftmals nahmen sie die Position eines der Baldachinträger ein. Den genannten Gruppen und Personen folgen die Vereinigungen, sowie die Gläubigen und Untertanen.

Die Fronleichnamsprozession wurde so populär, daß sie sich binnen zweier Jahrhunderte über ganz Europa verbreitet hatte, von Schweden bis Sizilien und von Irland nach Polen. Die Prozession wurde immer reicher ausgestattet und führte häufig Wagen mit sich, auf denen Szenen aus der Bibel oder der kirchlichen Lehre dargestellt wurden. Es ist nicht schwer herauszufinden, warum unsere Vorfahren dieses Fest so schätzten. Zum einen lag es daran, daß dieses Fest die leibliche Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus in der hl. Eucharistie feiert. Die Tatsache, daß man den Heiland aus den Kirchen in die Straßen und Felder hinaustrug, zeigt, daß seine Herrschaft über die diesseitige Welt nicht durch Kirchenmauern begrenzt ist. Die Anwesenheit aller Schichten der Gesellschaft zeigte, daß alle ihm in gleicher Weise untertan sind und daß er so die Einheit gewährleistet. Die gemeinsame Verehrung des hl. Sakraments ist geeignet, die Sünden in Gesellschaft, Volk und Staat zu sühnen.

Es dürfte kaum überraschen, daß die Feinde des Glaubens alles getan haben, um einen Brauch zu vernichten, der die Lehre, die sie hassen, so verdeutlicht. Bereits während der Reformation wurden die Prozessionen von England bis nach Süddeutschland hin unterdrückt. Wo katholisches Europa oder Lateinamerika erhalten bleiben konnten, verfolgten kirchenfeindliche oder revolutionäre Regierungen dasselbe Ziel. Wie sich eine Regierung zum Fronleichnam verhielt, war ein geeignetes Barometer dafür, wie es sich zum ganzen christlichen Glauben verhielt. Wo heute noch die Fronleichnamsprozessionen gestattet sind, versuchen die Regierungen häufig die Teilnahme zu verbieten, so die irische Regierung, die im Jahre 2000 den Soldaten des Landes die Teilnahme an den Fronleichnamsprozessionen verbot. Derartige Regierungen preisen sich selbst als „modern“, säkular“ oder „multikulturell“.

Es sind nicht nur ignorante und dumme Politiker, die das Fronleichnamsfest hassen. Seit dem „2. Vatikanum“ zeigt sich der sinkende Glaube auch bei Katholiken im Rückgang der Prozessionen. In vielen Diözesen sind sie Vergangenheit, ebenso wie Benediktionen, Adorationen oder die „Vierzig Stunden“. Immer mehr Generationen von Katholiken in immer mehr Gegenden dieser Welt kennen das alles nicht mehr aus eigenem Erleben und eine Beeinträchtigung des Glaubens ist das Ergebnis. Es ist kein Zufall, daß nur noch 30 % der amerikanischen Katholiken an die leibliche Gegenwart Christi im Altarsakrament glauben.

Der römischen Kirchenleitung sind diese Mißstände nicht entgangen. Während des Jubiläumsjahres 2000 forderte Papst Johannes Paul II. die Rückkehr der Fronleichnamsprozessionen und viele folgten ihm. Er erneuerte seine Forderung zu Beginn des eucharistischen Jahres 2004. Papst Benedikt XVI. forderte nicht nur, er selbst erneuerte die päpstliche Fronleichnamsprozession, die er von St Johannes im Lateran zur Basilika St Maria Maggiore anführte.

Ich selbst habe an vielen Prozessionen teilgenommen, so in der deutschen Stadt Aachen, die Hauptstadt Karls des Großen. Dem die Hostie präsentierenden Bischof folgte eine große Zahl von Priestern und Ordensleuten, diesen folgten der Bürgermeister und der Stadtrat, die örtlichen Vereine und Jagdgesellschaften in grünen Uniformen und Federhüten , die örtlichen Studentenverbindungen in ihren Husaren-Monturen und viele Musikgruppen. Es war eine wunderbare Bestätigung des Königtums und der realen Gegenwart Christi und der Einheit der Menschen in Aachen und mit den Katholiken der Welt.

Sind Sie so glücklich dort zu leben, wo eine solche Fronleichnamsprozession noch existiert, dann nehmen Sie auf jeden Fall daran teil! Ist das nicht der Fall, bitten Sie den örtlichen Pfarrer oder Bischof, im kommenden Jahr eine Fronleichnamsprozession zu organisieren. In einer Welt, in der der Mord an den Ungeborenen und der Totschlag der Wehrlosen von Richtern lächelnd abgenickt wird, wo konservative Parteien die Familie preisgeben, wo das Sakrament der Ehe durch Scheidung, künstliche Empfängnis, wilde Ehe und Schwulenkonkubinat zerrütte wird, wo der Arme nichts zählt und Reichtum alles ist - wir brauchen mehr als unseren Anteil an der Wiedergutmachung. Die Fronleichnamsprozession verdeutlicht den Glauben an die Realpräsenz Christi dem Geiste und dem hl. Leibe nach und wirkt als strenger und spürbarer Verweis der Herrschenden - ein Verweis, dessen sie dringend bedürfen.

 

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