Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

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Amerikanischer Katholizismus - konservativ?

Charles A. Coulombe

Konservativer amerikanischer Katholizismus - gibt es so etwas überhaupt? Wohl kennen wir Männer wie Pat Buchanan, die als „konservative amerikanische Katholiken“ gelten. Aber was genau ist das, konservativer amerikanischer Katholizismus? Wir sollten jedes dieser Worte definieren und anschließend die Ergebnisse zusammenführen.

Amerika

Erstens: Amerika. Diejenigen, die in den USA geboren sind, verwenden dieses Wort als Synonym für Ihren Staat, doch die Lateinamerikaner nennen die Summe der amerikanischen Subkontinente so. Diese beiden Bedeutungen sind nicht zu harmonisieren und so verwenden wir das Wort hier in seiner US-amerikanischen Bedeutung. Kanadier, die ja auch Nordamerikaner sind, weigern sich meist, den Begriff überhaupt zu benutzen.

Während Lateinamerikaner und Kanadier sehr genau wissen, was sie von den USA unterscheidet, sind Europäer zu einer solchen Unterscheidung meist nicht in der Lage. Zwar schätzen sie die Macht und den Einfluß der USA oft nicht, doch tragen sie Blue Jeans, essen „Burger“, imitieren die amerikanischen Bräuche, die sie vom Fernsehen kennen und ignorieren ihre eigenen religiösen, sozialen und moralischen Traditionen um amerikanischen Ersatz[1] an deren Stelle zu setzen. Wegen der äußerlichen Ähnlichkeiten können sie oft nicht erkenne, was uns wesentlich voneinander unterscheidet.

Am offensichtlichsten ist dies in der Frage von Rasse und Raum. Sowohl Indianer als auch Nachkommen afrikanischer Sklaven, erstere mehr psychologisch, letztere mehr materiell, haben die Nachkommen europäischer Kolonisten und Einwanderer in erheblicher Weise vielfach beeinflußt. Afrikanisches Kochen und afrikanische Musik haben sehr viele Amerikaner angeregt. Die Indianerkriege, die Kämpfe um die Sklaverei, die bleibende Schuld und die Verdrängung von Schuld in beiden Angelegenheiten spielen eine anhaltende Rolle im nationalen Bewußtsein.

Die gewaltige Größe der USA ist ebenfalls wichtig. Eine einheitliche, überall weitgehend gleiche Kultur entfaltet sich über viele tausend Meilen und erstreckt sich über ein Gebiet unglaublicher geographischer Vielfalt. 50 Bundesstaaten, Tausende von Bezirken und unzähligere niedrigere Einheiten verwalten das Land entsprechend ihren Gepflogenheiten. Den Gouverneuren[2] von Massachusetts, New Hampshire und Maine assistieren Gouverneursräte, die bei Posten und Begnadigungen mitzureden haben, der Gouverneur von Connecticut unterhält marschierende und berittene Garden, während sein Kollege von Rhode Island als einziger innerhalb der Landesregierungschefs die Countysherriffs[3] ernennt - überall sonst werden sie gewählt, manchmal werden sie als Repräsentanten des Staatsregierung betrachtet, manchmal als Repräsentanten der Countybevölkerung. Pennsylvanien, Massachusetts, Kentucky und Virginia betrachten sich eher als Commonwealth denn als Bundesstaat, Pennsylvanien und Delaware kenne die Einrichtung von Protonotaren, die das Gerichts- und Notariatswesen beaufsichtigen.

Louisiana nennt seine Counties Parishes und verfügt über Rechtsbestände aus dem Code Napoleon, der vielfach im Gegensatz steht zum dem englischen Landrecht, das in den meisten Bundesstaaten dominiert. Die Counties von New Jersey werden von einer „Körperschaft der Grundeigentümer“ beaufsichtigt, Land, Erbschaften und Schürfrechte in Kalifornien, Texas, Neumexiko und Arizona gründen auf spanischen und nicht auf englischen Prinzipien. Die Gemeinde Glen Cove (Bundesstaat New York) wird nach wie vor gemäß der königlichen Charta James II. verwaltet. Allein Nebraska verfügt über ein Einkammersystem, die Versammlungen von Maryland, Süd-Carolina und Virginia kennen die Parade der Präsidenten[4] mit Marschallstab, ein Relikt aus der Kolonialzeit, wie es fast im gesamten Bereich des Commonwealth existiert. Einige Bundesstaaten haben den „Court of Common Pleas“ beibehalten, andere nicht. In Connecticut degenerierten die Counties zu Linien auf der Landkarte, die entsprechenden Organe sind vollständig verschwunden; in Kalifornien sind sie mächtige Feudalwesen, fast so stark wie der Bundesstaat und selbst die Stadt Los Angeles muß sich ständig gegen die Countygewaltigen durchsetzen.

Man könnte endlos fortfahren, denn die amerikanischen Bundesstaaten unterscheiden sich erheblich voneinander. Dies betrifft auch ihre Ethnizität - viele Staaten, zum Beispiel Massachusetts bieten statt einförmigem Britentum eine große volkliche Vielfalt. In der Heimatstadt meines Vaters New Bedford, Massachusetts gehören zur römisch-katholischen Kirche frankokanadische, irische, deutsche, portugiesische, polnische und italienische Kirchgemeinden; hinzu kommen orthodoxe Griechen und Slawen, Araber, Puertoricaner und Skandinavier. Selbst die Gruppe der Schwarzen ist in sich unterschiedlich, es gibt portugiesische Muttersprachler von den Kapverden, Immigranten aus Lateinamerika und Nachkommen der Sklaven, die im 17 Jh. hierher gebracht wurden. In größeren Städten ist die Mischung noch komplexer. Es gibt in den USA auch etablierte Gruppen aus der Kolonialzeit , die Pennsylvanien-Deutschen, die Louisiana Cajouns und die Spanier Neumexikos, die alle bereits vor der Unabhängigkeit hier waren und die in der Lage waren, Teile ihrer Kultur zu bewahren, die nach wie vor von lokaler Bedeutung ist.

Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es aber auch einen erschreckenden Konformismus, eine alles überwölbendes nationales Ethos, das man als Säkularreligion betrachten muß. Wie alle nichtchristlichen Religionen hat  auch diese Religion ihre Gründungsmythen, ihre Reliquien, Heiligtümer, Halbgötter und Dogmen. Im Mittelpunkt steht der Kult der Nation und ihrer Institutionen. Seine Kraft bezieht er aus der Fähigkeit, bei aller Verschiedenheit zu einen, für die meisten Amerikaner steht er an der Stelle einer Religion und der Untertanenpflichten gegenüber Monarch und Herrscherhaus.

Um diese Religion zu verstehen, die wir Amerikanismus nennen wollen, müssen wir uns ihrem zentralen Mythos zuwenden, der aus der sakralisierten amerikanischen Geschichte schöpft. Ihm gemäß waren die in Neuengland siedelnden Puritaner die Patriarchen des Alten Testamentes, die Kinder Israel. Der englischen Krone und ihrer halbkatholischen Kirche entflohen, gleichen sie den Israeliten, die der Unterdrückung durch den Pharao entkamen. Der Exodus führte sie gleich jenen über das Meer, hin zum Gelobten Land. Hier kamen sie mit den Kanaanitern in Form von Indianern in Berührung. In dieser Form erinnert dies an die Mythen der meisten kalvinistischen Exilanten, seien es die Ulsterschotten in Irland, die Afrikaanern in Südafrika oder die Mormonen in Utah.

Doch setzt sich die Geschichte in Amerika fort, denn im Unterschied zu diesen empfingen die Amerikaner sowohl ein Altes, als auch ein Neues Testament. Die Gründerväter Washington, Jefferson und Franklin gleichen den Aposteln, die Amerikanische Revolution nimmt die Position von Passion und Auferstehung ein. Die vom Heiligen Geist inspirierte Verfassung ist gemeinsam mit der Unabhängigkeitserklärung die Heilige Schrift und in der Zusammenstellung einer Regierung erblicken wir somit das Handeln Gottes höchstpersönlich, wer auch immer damit beauftragt sein mag. Orte wie die Unabhängigkeitshalle in Philadelphia, wo die Heiligen Dokumente gesiegelt wurden, der Freedom Trail in Boston, das Weiße Haus, Capitol, Washington und Jefferson Monument, Lincoln Memorial in Washington sind Heilige Orte, nicht minder als Rom, Jerusalem oder Mekka.

Der Bürgerkrieg selbst wurde zum Akt der Erlösung, die heilige Union wurde gerettet durch das Heldentum einer Erlöserfigur, Abraham Lincoln. Im Süden existiert eine parallele Konföderiertentradition, die sich bis etwa 1975 halten konnte. Hier handelte es sich aber um eine häretische Sekte, die der Stellung der Schiiten gegenüber den Sunniten im Islam entspricht, ihre Vertreter verletzten auch die Lehre der Pilgerväter, Washingtons und viele andere.

Geformt durch Gott sind die Vereinigten Staaten das leuchtende Licht auf Bergeshöhen, ein Leuchtfeuer der Freiheit für die Unterdrückten, die im Dunkeln wandeln, die letzte, die größte Hoffnung der Menschheit. Jeder darf den Glauben glauben, den er für richtig hält, solange dieser Glaube nicht mit dem Nationalmythos und seinen Lehren kollidiert. Zu diesen gehört die Ansicht, daß Verhalten wichtiger ist als Glauben. Doch es gibt weitere. Vom puritanischen Kalvinismus her kam die Vorstellung, daß diejenigen, die Gott ohne ihr eigenes Zutun zum Heil erwählt hat, schon hienieden gesegnet sind; und weil wir nicht mit Sicherheit wissen können, wer das ist, müssen wir nach Wohlstand streben um unsere Erwähltheit zu zeigen. Dies nennt man die puritanische Arbeitsethik. Diese Idee wurde in Amerika mit ganz bestimmten Resultaten säkularisiert und sublimiert: Der Erwerb von Wohlstand ist unbewußt sakramental, die Armen sind von Natur aus dumm oder schlecht; alles, was wie Kunst und Geisteswissenschaft nicht Gewinn einträgt, sollten vornehme Menschen nicht treiben, ist es doch unnütz. Auch aus diesem Grunde werden die genannten Gebiete der Linken und Marxisten überlassen, ähnliches gab es auch schon in Europa und in Lateinamerika. Trotzdem sind konservative Akademiker und Künstler dort besser angesehen als hier.

Ein weiteres eifersüchtig gehütet Dogma ist das der Gleichheit. In Amerika, so der allgemeine Glaube, gibt es kein Klassensystem. Dieser Glaube ist so beherrschend, daß das Wort „classless“ in Amerika so viel wie vulgär bedeutet, während es in Großbritannien egalitär heißt. Sehr oft hört man den Satz "Bei uns kann jeder Präsident werden". Die Tatsache, daß 40% bis 60% der Senatoren Millionäre oder mehr sind, wird nicht erwähnt. Denn die Oberklasse in Amerika ist unsichtbar, im Gegensatz zu Europa, somit auch unangreifbar. Eine wichtige Komponente der amerikanischen Elite ist das Entertainment und man sagt schon, daß wir jetzt drei Klassen haben: Eine proletarische, die fernsieht, eine Mittelklasse, die das Fernsehen macht und eine Oberklasse, die darin auftritt. Doch diese legt größten Wert darauf, so auszusehen, wie die Unterklasse um zu suggerieren, daß jeder so werden kann wie sie. Sicherlich ist diese Darstellung simplifiziert, doch hat sie einiges für sich.

Der Glaube an die Höchstwertigkeit der politischen "Mitte" wird ebenfalls sehr hochgehalten. Alles, was nicht zum "mainstream" zählt oder als extrem gilt, wird automatisch verworfen. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was "Mitte" eigentlich bedeutet. Am 31. Juli 2002 wurde Hilary Rodham Clinton vom CNN als "moderat" gepriesen, angesichts ihrer politischen Positionen zu verschiedenen Themen ist es nicht nachzuvollziehen, wie der Sender zu dieser Meinung kam. Im Gouverneurswahlkampf 2002 beschuldigte der Demokraten-Gouverneur Gray Davis seinen Republikaner-Opponenten Bill Simon, er sei "nicht mehr im Tritt mit Kalifornien". In Anbetracht seiner eigenen Befürwortung der Schwulenehe und der Tatsache, daß die Bevölkerung Kaliforniens selbige in einem Referendum abgelehnt hatte, ist auch das nicht nachvollziehbar. So lange aber solche Behauptungen nicht belegt zu werden brauchen, üben sie einen starken Einfluß auf die Wähler aus.

Tatsächlich in der Mitte der amerikanischen Dogmen steht aber die Trennung von Kirche und Staat. Diese, derzeit angesichts der Bestrebungen aus dem christlichen Abendland einen völlig säkularen Superstaat zu formen aktuelle Position, war vor der Gründung der USA völlig unbekannt. Und im Rest der Welt, sei er buddhistisch, muslimisch oder heidnisch, ist er auch jetzt noch unbekannt, wenn wir von kommunistischen Staaten wie Nordkorea oder China absehen. Fast überall auf der Welt heiligt die Religion den Staat, während der Staat die religiösen Einrichtungen erhält und unterstützt.

Die Ironie der Situation wird nirgends deutlicher als in der Erlaubnis des Papstes, eine Moschee in Rom zu bauen. Das letzte Mal, als eine solche Genehmigung beantragt wurde, zählten wir das Jahr 1930 und es war der König von Saudi-Arabien, der die Genehmigung von Benito Mussolini erbat. Der Duce antwortete, er gäbe die Genehmigung gern, wen in Mekka eine katholische Kathedrale genehmigt würde. Die europäischen Gewohnheiten haben sich geändert, die der Moslems nicht, - es ist leicht vorstellbar, was die Saudi-Regierung auf eine derartige Anfrage heute antworten würde.

Die Vorstellung, daß das Regierungswesen eines Staates nichts mit der Religion der Bevölkerung zu tun habe, ist in den USA entstanden, auch wenn der Terminus "Trennung von Kirche und Staat" nicht in der Verfassung steht. In der Verfassung jedoch STEHT die Vorschrift, daß der Kongreß der Nation keine Religion vorschreiben darf und daß niemand wegen seiner Religion die Bürgerrechte verlieren darf. Der Grund dafür ist leicht einzusehen: Von den 13 Gründerstaaten hielten sieben den Anglikanismus für ihre offizielle Religion, drei waren kongregationalistisch eingestellt, drei weitere hatten sich nicht festgelegt. In zehn der Gründerstaaten war der Katholizismus gebannt. Die Behörden der noch souveränen Bundesstaaten hatten kein Interesse daran, daß der Kongreß in ihre Angelegenheiten hineinregiert, die Allianz von Frankreich und Spanien ließ es wünschenswert erscheinen, den Katholiken die Bürgerrechte nicht mehr vorzuenthalten. Connecticut war der letzte Staat, der den Katholiken Gleichberechtigung gewährte, sein Staatskirchentum gab Connecticut erst 1833 auf.

Obwohl die USA niemals ein christlicher Staat im europäischen Sinn gewesen ist, betrachteten sie sich doch lange Zeit selbst als "christlichen Staat" in einem bestimmten Sinn. Am 29. Februar 1892 führte der Oberste Gerichtshof im Falle "Trinity Church vs. The United Staates" aus: "Wenn wir nun von diesen rechtlichen Ausführungen zu einem Blick auf das amerikanische Leben schreiten, wie es sich in Gesetzen, Geschäftsleben, Bräuchen und dem gesellschaftlichem Leben ausdrückt, finden wir stets und überall die Anerkennung der gleichen Wahrheit. Neben anderem gehört dazu: Die übliche Eidesformel, die an den Allmächtigen appelliert, die Eröffnung aller Eröffnungssitzungen und Körperschaften mit einem Gebet, die Formel in allen Testamenten "Im Namen Gottes, Amen!", die Gesetze, die es gebieten, den Feiertag zu respektieren und die üblichen bürgerlichen Geschäfte zu meiden, das Ruhen von Gerichten und Parlamenten an selbigem Tag, die Kirchen, die sich in jeder Stadt, Dorf und Flecken befinden, die große Zahl von karitativen christlichen Organisationen, die gigantischen Missionsgesellschaften, die von jedermann unterstützt werden und die den christlichen Glauben an jedem Ort des Globus unterstützen." Auf dieser Grundlage stellte der Gerichtshof fest, daß "aus all diesen Beobachtungen sowie aus vielerlei inoffiziellen Deklarationen folgt, daß es sich bei den USA um eine christliche Nation handelt."

Seit 1948 beurteilten sowohl der Oberste Gerichtshof als auch andere Höchstgerichte systematisch das wohl als protestantisch einzustufende Schulgebet als nicht verfassungsmäßig, ebenso wie Blasphemiegesetze, Weihnachtsumzüge und christliche Zeichen an öffentlichen Gebäuden. Derzeit debattiert man über die Formel "unter Gott" im Untertaneneid und über das Anbringen von Tafeln mit den zehn Geboten in öffentlichen Gebäuden. In den Medien und in Rechtskreisen hält man dafür, daß jede öffentliche Erwähnung des Wortes "Gott" einen Angriff auf die Trennung von Staat und Kirche darstellt. Inzwischen sind wir so weit, daß ein Angestellter gefeuert werden kann, wenn er Merry Christmas" statt "Happy Holiday" sagt. Der französische Soziologe François Berger formulierte einst: "Schweden ist die am wenigsten religiöse Nation der Erde, Indien ist die religiöseste. Bei den Amerikanern handelt es sich um eine Nation von Inder, die von Schweden regiert werden." Die erstaunliche religiöse Kluft zwischen Herrschern und Beherrschten wird deutlich, wenn wir daran denken, daß die Verfassungen fast aller Bundesstaaten Gott anrufen, so wie es übrigens auch bei der Verfassung der Konföderierten der Fall war, daß die Sitzungen in den Parlamenten im Allgemeinen mit einem Gebet begonnen werden, daß selbst die Sitzungen der Senate des Obersten Gerichtshofes vom Ruf des Saaldieners begonnen werden: "Gott schütze die Vereinigten Staaten und ihren Ehrenwerten Gerichtshof!"

Viele sogenannte christliche Sekten haben einen nicht geringen Beitrag zum religiösen Grundton dieses Landes geleistet, einen Beitrag, der nun in Frage gestellt wird. Dieser Beitrag wird auch deutlich an dem "Nationalen Tag von Gebet und Klage" in der anglikanischen Nationalkathedrale in Washington, an der der Präsident, die anglikanische Bischöfin der Stadt, Pfarrer Billy Graham und andere geistliche Führer teilnehmen. Von den Anglikanern erbten wir eine Neigung zu antiquiertem Englisch bei Gebeten, einen bestimmten hymnologischen Stil und die Gebetsorientierung auf Einheit statt auf Wahrheit. Von den Methodisten kommt die Ansicht, daß die Erfahrung von Christus als Erlöser, oder auch lediglich die Erfahrung der Existenz Gottes, das Heil bewirkt, unabhängig von dem persönlichen Verhalten. Die Lutheraner brachten Weihnachten und Ostern zu Ansehen. Die Unitarier lehrten uns, daß alle Religionen, sagen sie auch gegensätzliches aus, dennoch das gleiche meinen und daß die Suche nach Wahrheit wichtiger ist als das Finden der Wahrheit. Auch die Katholiken haben ihr Scherflein beigetragen, nachdem Athleten aller Glaubensrichtungen sich bekreuzigen, bevor das Spiel beginnt. All diese Beiträge werden von einem solch patriotischen Hymnus wie «The Battle Hymn of the Republic» sakral begleitet. Doch die Eliten sind die geschworenen Feinde selbst einer derart vagen Religiosität.

Die Spannung zwischen diesen Polen mag sich nicht leicht ableiten lassen, doch die nationale Religion strebt nach Einheit. Wie in jedem Glauben hat auch sie eine Körperschaft, die ihr Weisheit von oben her bezieht und die Lehrzwiste entscheidet. In diesem Fall handelt es sich um den "Supreme Court", den Obersten gerichtshof. Denn die Amerikaner halten das, was legal ist, für moralisch und umgekehrt. So glaubte die Mehrheit der Amerikaner, daß Abtreibung Mord ist, bis der Oberste Gerichtshof 1973 entschied, es sei ein Verfassungsrecht. Und wie durch Geisterhand kehrten sich die Proportionen um. Während aber zwar die Entmenschlichung, die der Gerichtshof dem Fötus angedeihen ließ, ein Schlag ins Gesicht der empirischen Wissenschaft darstellt, rechtlich aber dieser Position entspricht, ist die deutsche Position, nach der der Fötus zwar Mensch ist, jedoch keine eigentlichen Rechte besitzt (was Parallelen in der jüngsten deutschen Geschichte hat) zwar biologisch korrekt, hinterläßt aber Zweifel an den deutschen verfassungsmäßigen Arrangements, Zweifel, die in Amerika nicht aufkommen. Doch auf welchen Prinzipien die Entscheidungen dieser weisen Körperschaft beruhen, ist nicht klar. Als Richter Robert Bork 1987 von Ronald Reagan für den Obersten Gerichtshof nominiert wurde, zerstörte er seine Chancen dadurch, daß er sich für die "ursprüngliche Intention" erklärte, die Lehre, daß man das zu beachten habe, was die Autoren der Verfassung gemeint haben. Als George Bush sen. 1991 den Richter Clarence Thomas für den Gerichtshof nominierte, mußte dieser beschwören, daß er nicht an das "Naturrecht" glaube. Die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs kommen also, genau wie das Orakel von Delphi ohne menschliches Mitwirken direkt von Gott.

Die Religion des Amerikanismus sieht sich wie jede andere Religion einem Phänomen gegenüber, dem der Ungläubigen. Während der Rest der westlichen Welt uns ohne zu widersprechen folgt, wie man am Beispiel der belgischen Konservativen ersehen kann, die ihren Namen von "christlich-sozial" in "humanistisch-sozial" änderten, Kruzifixe aus den Schulen verbannten, das Te Deum für den König verboten und eine Euthanasiegesetzgebung installierten, die selbst die Niederländer zum Protest bewegten, ist zu vermuten, daß diese Nachahmung nicht auf innerer Überzeugung basiert.

Wenn wir einem Franzosen, Italiener oder Engländer sagen, irgend etwas wäre unfranzösisch, unitalienisch oder unenglisch, wir er wahrscheinlich denken, wir meinen etwas ausländisches. Doch "unamerikanisch" hat bei uns denselben Beigeschmack, wie es das Wort "unchristlich" einst hatte. Übleres kann einem hier bei uns nicht nachgesagt werden. Und das ist nur logisch, sind wir doch, wie wir uns stets bestärken, die "letzte große Hoffnung der Menschheit" und die anderen doch somit irgendwie geringer einzustufen. Für die meisten Amerikaner ist es schwer, an etwas Ausländisches anders zu denken als an etwas Minderwertiges. Und dies obgleich all unsere staatlichen Institutionen ausländischen Ursprungs sind. Sie alle haben britische, französische, spanische und niederländische Wurzeln. Über diese Elemente unser Geschichte wird leichthin hinweggegangen, die meisten Amerikaner glauben, unsere Geschichte sei völlig autochthon. Dieser Glaube nicht besonders tief gegründet und er würde wohl bei geeigneter Belehrung verschwinden. Doch als letztes Großreich der Welt kennen die USA die Perspektive des Niedergangs nicht, die eine große Rolle im europäischen Diskurs spielt.

Als große und offenherzige Religion heißt Amerika Konvertiten willkommen. Immigranten sind, einige kleinere Fehltritte außer Acht gelassen, willkommen, wenn sie unsere Regeln beherzigen. Teile ihres angestammten Glaubens dürfen sie behalten, wenn sie unsere Hauptdogmen annehmen. Protestanten, Juden und Buddhisten hat das keine Schwierigkeiten bereitet. Doch bei Katholiken und Orthodoxen, die an eine völlig andere Lebenshaltung gewöhnt sind, gab es Schwierigkeiten.

Konservativ

Das nächste zu definierende Wort heißt "konservativ". Dies ist insofern problematisch, als es für viele vieles bedeutet. Zunächst schwingt hier eine gewisse Persönlichkeitsstruktur mit, eine Abneigung gegenüber der Veränderung. Ambrose Bierce, der witzig-bittere amerikanische Autor 1906 in seinem «Devil's Dictionaire»:

"Konservativ: Ein Staatsmann, verliebt in die gegenwärtigen Übel; im Unterschied zu den Linken, die sie durch neue Übel ersetzen möchten."

Konservative sind vom Wortsinn her mit der Erhaltung des Bestehenden verbunden, doch ist dieses Motiv nicht mit ideologischen Inhalten gekoppelt. Die letzten Verteidiger der Sowjetunion wurden von unseren Medien "Kremlkonservative" genannt.

Erich von Kuehnelt-Leddihn, der österreichische politische Schriftsteller, bezeichnete sich lieber als Rechten, denn als Konservativen. Er führte aus, daß der Begriff "konservativ" eng mit den europäischen konservativen Nationen wie Preußen oder Großbritannien vereint sei und daß er für katholische Nationen wenig passend sei. K-L hätte hinzugefügt, daß "rechts" in den europäischen Sprachen sowohl "korrekt" als auch "Das Recht" bedeutet. Selbst im Englischen, so schloß er, sprechen wir von "Rechten" und sagen "right is right". - Trotzdem wollen wir an dem Wort "konservativ" weiterhin festhalten.

Was aber bedeutet "Konservativismus" im ideologischen Sinne? Manche sagen, daß Konservative von den Linken durch die Erkenntnis getrennt sind, daß de Mensch sich nicht perfektionieren kann. In Europa und in Lateinamerika bedeutet konservativ in einem mehr historischen Sinn die Ablehnung des Programms der Reformation und der Französischen und der auf sie folgenden Revolutionen. Daraus folgt häufig der Ruf nach Restauration und einer traditionellen religiösen und sozialen Ordnung, sowie bestimmte praktische Dinge wie die Zurückweisung der säkularen Bildung oder der Zerstörung des Privateigentums durch exzessive Besteuerung.

Dieser Konservativismus nimmt verschiedene Formen an. In Österreich und Mitteleuropa gibt es eine Sehnsucht nach den Habsburgern, in Frankreich nach den Bourbonen, in Spanien nach den Karlisten. Selbst lateinamerikanische Konservative wie Pablo Antonio Cuadra y Cardenal in Nikaragua verlangen die Rückkehr der Kirche in die Mitte der Gesellschaft und eine möglichst enge Vereinigung mit Spanien bzw. Portugal. Vom österreichischen Kralik über De Maistre in Frankreich zu Solowjew in Rußland und Alaman in Mexiko gibt es eine große Zahl gegenrevolutionärer Autoren und Schulen.

Auf etwas niedrigerer Ebene haben wir sehr viele nostalgische Gruppen in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien und Portugal, die sich aus Nachkommen von Flüchtlingen zusammensetzen und die sich nach den Tagen des Imperiums sehnen. Es gibt reaktivierbare Einheiten verschiedener aufgelöster Armeen. Als "konservativ" kann man auch die Aktivitäten verschiedener Gruppen und Vereine bezeichnen, die sich dem Erhalt der Umwelt und von historischen Gebäuden widmen oder die altertümliche Folklore praktizieren. In Amerika sind derartige Aktivitäten allerdings häufig in linken akademischen Milieus angesiedelt.

Wie sieht es sonst in Amerika aus? Bekanntlich werden diejenigen, die wir Amerikaner als "Liberale" bezeichnen, in Europa und sonstwo "Sozialisten" genannt, und was die Europäer als "konservativ" bezeichnen, heißt bei den Amerikanern entsprechend der Manchesterschule "liberal". Das, was man in Europa etwa "altkonservativ" nennen könnte, die Treue zu "Thron und Altar", gibt es bei uns, zumindest in organisierter Form nicht. Angesichts der Tatsache, daß die unverbesserlichen monarchietreuen Loyalisten nach der Revolution gen Kanada oder auf die Bahamas gesendet wurden - dort bildeten sie den familaren und ideologischen Kern des dortigen monarchietreuen Konservativismus - könnte man vielleicht den Konservativismus als rechten  Flügel unseres nationalen Liberalismus bezeichnen.

Wahr ist allerdings, daß es seit 1783 immer wieder Gruppen gegeben hat, die sich "konservativ" nannten. Unter ihnen war es stets ausgemachte Sache, daß die amerikanische Revolution selbst konservativen Charakter hatte, daß die Revolution in eine Reihe mit der "gloriosen" Revolution von 1688 und der Julirevolution 1830 gehöre, wo Konservative versuchten, die durch regierende Könige gestörte politische Balance wiederherzustellen. Dies mag disputabel sein, interessanter ist jedoch, daß es immer noch notwendig erscheint, die Revolutionen mit einem Mantel der Legalität zu umhüllen.

Als der Krieg zwischen den amerikanischen Staaten ausbrach[5], gab es verschiedene Streitpunkte und die rebellierenden Südstaaten behaupteten, als Verfassungskonservative zu handeln, die die alten Werte gegen Washington verteidigten. Sicherlich wurden auf diese Weise ökonomische Interessen bemäntelt, ähnlich wie bei den Großvätern der Rebellen, doch galt diese Motiv nicht für ihre nördlichen Verbündeten, die "Copperheads". Diese verlangten ebenfalls ein Ende der Angriffe auf die Südstaaten und behaupteten, Lincolns Regierung sei revolutionär.

Mit dem Aufstieg des Big Business nach dem Bürgerkrieg wurden dessen Vertreter im Gegensatz zu den politischen Kräften der Arbeiter und später zu den regierungsinterventionistischen Kräften als "konservativ" bezeichnet. Wir erkennen hier das Gegenteil zu der Situation in Europa und in Lateinamerika, wo adlige Grundbesitzer sich gegen die Ansprüche der Industriebourgeoisie zu wehren hatten, einer Bourgeoisie, die sich oft genug mit den sozialistischen Arbeiterparteien verbündete. Dies ist der Grund dafür, daß die Beschränkung des Kapitalismus und ein staatliches Sozialsystem stets Teil der Programme europäischer Rechtsparteien waren, wenngleich dies nicht bis zur "Nationalisierung"[6], dem Liebling der Marxisten ging.

So blieb es, bis Franklin Delano Roosevelt erschien, der unter dem Deckmantel der Rettung Amerikas aus der großen Depression die Regierung bis zu dem hohen Maße stärkte, das sie heute innehat und der den bis heute voranschreitenden Prozeß anstieß, einen Prozeß der bei jedem nationalen Konflikt neue Kraft entwickelt. Die Entwicklung eines gewissen Konservativismus in den USA war teilweise eine Reaktion auf Roosevelts New Deal. Dessen erste Vorzeichen nahm man bereits in den 1920er Jahren wahr und sie reflektierten das Unbehagen bestimmter Intellektueller mit dem puritanischen Unterbau Amerikas. Männer wie George Santayana, H.L. Mencken, Lucius Beebe and H.P. Lovecraft waren höchst betrübt über die Situation, die sie vorfanden. Ohne eigenen religiösen Glauben stießen sie sich an dem Philistertum, das der amerikanische Kalvinismus hervorgebracht hatte, weigerten sich aber, zwischen Katholizismus und Kommunismus eine Entscheidung zu treffen. Zu den Übeln, die sie beschrieben, fanden sie keine Alternative.

Etwas positiver äußerten sich die "Neuen Humanisten" wie Paul Elmer More und Irving Babbitt, die eine neue Kultur auf der Basis "traditioneller Werte" schaffen wollten. Für einige sollte die Basis der Werte Plato sein, für die anderen Buddha. Andere betrachteten dieses Programm als zu vage und T. S. Eliot wandte sich nach Britannien und dem Anglokatholizismus und Monarchismus zu.

Für diejenigen, die zurückgeblieben oder weniger akademisch orientiert waren, benötigte man etwas lebensnahere Lösungen. Eine Dichtergruppe von der Nashville's Vanderbilt Universität, eine Gruppe Neoromantiker namens "Fugitives" wandte sich am Ende der Depression 1929 sozialen und ökonomischen Fragen zu. Sie sahen in der Konzentration der industriellen und wirtschaftlichen Kraft im Nordosten der USA den Schuldigen für die Mißstände und tauchen später als "Südagrarier" auf und bekannten, daß die Agrarkultur, die den Süden bis zum Bürgerkrieg dominiert hatte, dem, was danach kam, vorzuziehen sei. Im Jahre 1930 veröffentlichten sie eine Essaysammlung unter dem Titel «I'll take my stand». Einige Jahre später veröffentlichten sie gemeinsam mit dem englischen katholischen Sozialtheoretiker Hilaire Belloc, mit Douglas Jerrold und mit anderen Gleichgesinnten «Who owns America».

Gleichzeitig ließen sich viele amerikanische Schriftsteller, unter ihnen Ross Hoffmann von europäischen Autoren inspirieren, so von Charles Maurras. Diese Gruppen wurden von Seward Collins, zu Anfang ein Vertreter des "Neuen Humanismus" eingeladen, für seine «American Review» zu schreiben, die bedeutendste konservative Zeitschrift in den 1930er Jahren. Wie die Nation als Ganze, war die Zeitschrift eine disparate Einheit und wenn sich auch populäre Figuren wie H.H. Charles Coughlin und der Louisiana-Gouverneur Huey Long weidlich anstrengten, hatte die Zeitschrift doch nur geringe Chancen Roosevelts Machtmonopol herauszufordern. Die oppositionellen Republikaner hatte wenig als Alternative anzubieten und die Klügsten unter ihnen wie Senator Robert Taft, lehnten nicht nur Roosevelts Innenpolitik, sondern auch die Versuche Roosevelts ab, das Land in den Zweiten Weltkrieg hineinzuziehen. Pearl Harbour war ein schwerer Rückschlag für sie, denn nach Pearl Harbour war Opposition unmöglich geworden und Widerstand gegen die Ziele der Regierung wurde gleichbedeutend mit Verrat.

Das Ende des Krieges und die Ausweitung des Kommunismus auf Osteuropa und auf China ließen den amerikanischen Konservativismus zu neuem Leben erwecken. Die Niederlage des antiinterventionistischen Flügels der Republikanischen Partei und der Machtantritt Eisenhowers zwang die Konservativen, sich zu artikulieren. In den 1950er Jahren kamen zwei Publikationen heraus, von Russel Kirke «The Conservative Mind: From Burke to Santanya» und die Zeitschrift «The National Review», herausgegeben von William F. Buckley.

Die Ereignis der daran anschließenden Dekade, - Schwarze Bürgerrechtsbewegung, Vietnamkrieg, Hippiebewegung und all das, was bis zum Fall der Sowjetunion geschehen ist, mündete im Auftauchen der verschiedensten Gruppen, die sich "konservativ" nannten. Die erste unter ihnen ist die Gruppe der Libertären. Diese Leute, die sich häufig auf Tom Paine berufen, sehen die Institution der Regierung an sich als zu bekämpfendes Übel an. Von radikalen Anarchisten bis hin zu Privatisierern von Staatsbetrieben wollen sie die Betätigungsmöglichkeit der Regierung auf Außenpolitik, Verteidigung und Polizei reduzieren. Nicht wenige wollen auch die Polizei privatisieren. Sie lehnen öffentliche Wohlfahrt, Regulierung der Wirtschaft, öffentliche Büchereien ab, Stadtwerke und Bildung sollen vollständig privatisiert werden. Viele Libertäre fordern ferner, daß sich der Staat aus moralischen Fragen heraushalten solle, Ehebruch, Abtreibung, Drogen gingen den Staat nichts an, alles außer Mord und Raub müsse entkriminalisiert werden. An dieser Stelle entstehen Konflikt mit andern Konservativen. Viele Libertäre bestreiten die Legitimität der Bundesregierung vollständig und fordern, daß die Bundesstaaten ausreichen, manche wollen nur noch Gemeinden und kleine Verwaltungseinheiten wie Counties.

Auf der anderen Seite des Spektrums standen die sogenannten „Neue Rechte“, entwickelt in den späten 1970er Jahren von Figuren wie Richard Viguerie and Paul Weyrich. Diese Gruppe setzte sich zu einem nicht geringen Anteil aus Katholiken zusammen, die mit der Haltung der Demokratischen Partei bzgl. Abtreibung und Homosexualität unzufrieden waren, und fundamentalistischen Protestanten und führte Leute zusammen, die bis dahin außerhalb der Politik gestanden hatten und deren Ansichten sich zuvor nicht intellektuell artikuliert hatten. Die "Neue Rechte"  fand sich 1980 zusammen, als es um die Wahl Ronald Reagans zum US-Präsidenten ging. Als Gegner von big governement und der sozialen Veränderungen, die seit den 60er Jahren stattgefunden hatten, war die „Neue Rechte“ stets eher in der Lage zu sagen wogen sie war, als wofür sie war.

Eine nicht geringe Anzahl von Radikalen der 60er Jahre, meist jüdischer Herkunft, stellte sich später auf den Standpunkt, daß unter Abrüstung und Entspannung im Sinne der Demokraten im Allgemeinen, und Präsident Carter im Besonderen, die Fähigkeit Amerikas leiden müsse, Israel zu verteidigen. „Neocons“ genannt, bemerkten diese Konvertiten auch, daß Kapitalismus besser funktioniert als der Sozialismus, dem sie in ihrer Jugend gehuldigt hatten. Das von den Linken geliebte tax and spend wurde von fiskalischem Konservativismus abgelöst. Den rechtlichen Auswirkungen der sozialen Revolution, Abtreibung, Verhütung, Scheidung, eheähnliches Zusammenleben etc. standen sie neutral gegenüber oder unterstützten es. Zu den Vertretern dieser Richtung gehörten Personen wie Norman Podhoretz, David Horowitz, Irving Kristol und Michael Novak.

Die letzte Gruppe Konservativer, die wir vorstellen wollen, sind die sogenannten Paleocons. Sie diagnostizierten die Krankheiten der Gesellschaft ähnlich, setzten sich jedoch aus verschiedenen Fraktionen zusammen. Angloamerikanische Konservative wie der bereits erwähnte Russell Kirk sprachen oft von einer "Erneuerung der Ordnung der Gründerväter" und sahen sowohl die Revolution, als auch den Bürgerkrieg wie bereits erwähnt als genuin konservative Erscheinungen an. Sie redeten ständig davon, wie sehr unsere Institutionen auf die britischen zurückgehen und zitierten gern Edmund Burke. Die "Südagrarier" wie M.E. Bradford gibt es auch heute noch. Treu ihren Wurzeln betonen sie zusätzlich zu sozialer Betroffenheit und Glauben an die "traditionelle" Kultur ähnlich den Paleocons eine Neigung zu staatlicher und gemeindlicher Autonomie sowie eine beständige Neigung zur Sache der Konföderierten. Beide wollen zu den „guten amerikanischen Werten“ zurückkehren. Dann gibt es noch Katholiken, die der Soziallehre der Kirche nahe stehen und bestimmten europäischen oder lateinamerikanischen Konservatismen zuneigen. Außerhalb Amerikas dürften wohl nur die "Paleocons" als konservativ gelten.

Was all diese Gruppen verband und was sie befähigte, gemeinsam dafür zu sorgen, daß Ronald Reagan ins Weiße Haus kam, war der Kommunismus. Die sowjetische Gefahr definierte Konservativismus ebenso exakt wie Liberalismus. Der Fall des Kommunismus, ihr größter Erfolg, war dann allerdings auch ihre Niederlage. Der vergebliche Versuch der Neudefinierung zersplitterte die zerbrechliche Koalition und acht Jahre Clintonregierung bestätigten ihren Machtverlust. Heute beschäftigen sich diese Konservativen mit Fragen der Tradition und des Sozialen und sind mit einem Präsidenten konfrontiert, der mit ihnen in manchem übereinstimmt, doch nicht weiter, als es seine Position nicht gefährdet. ( … ) In einem Wort, der klassische amerikanische Konservativismus ist sowohl innerlich zerrissen und ohne eigene Antwort auf den Paradigmenwechsel, der seit den 60er Jahren vonstatten ging. Die Resultate dieses Wechsels - minimierte Geburtenrate, zerstörte Familien, grassierendes Analphabetentum und dergleichen, lassen für das langfristige Überleben der Nation nichts Gutes ahnen. Die Tatsache, daß die Situation in Europa noch viel Schlechter ist als bei uns, spendet geringen Trost.

Katholisch

Kommen wir zum letzten Wort: Katholisch. Diese Wort bedeutet im Englischen so wie in vielen anderen Sprachen auch "universal" und auch am Beginn des 21 Jh. könnte man durchaus den Ausdruck "katholischer Geschmack" formulieren. Die Ignoranz ist allerdings stark verbreitet, die dazu führt, daß bestimmte Protestanten behaupten, sie sein "christlich aber nicht katholisch".

Nichtsdestotrotz sehen die meisten nichtkatholischen Amerikaner in den Katholiken Leute, die den Papst als ihren religiösen Führer sehen. Und bis 1968 war das auch eine passende Definition. Doch fand inzwischen ein Bedeutungswandel statt. Es gibt nach wie vor diejenigen, die die vier katholischen Bekenntnisse[7] und die definierten Dogmen unterschreiben und die den Papst als sichtbares Haupt der Kirche betrachten. Einige von ihnen glauben, daß die Veränderungen seit dem Zweiten Vatikanum den Lehren der katholischen Glaubensbekenntnisse und Dogmen mehr oder weniger stark widerspricht und sie versagen den gegenwärtigen Päpsten insofern den Gehorsam. Andere bestehen darauf, daß solche Widersprüche in sich unmöglich sind und akzeptieren alles, was aus Rom kommt ohne mit der Wimper zu zucken, selbst wenn sie das in Konflikt mit ihren örtlichen Pfarrern und Bischöfen bringt. Erste nennt man Traditionalisten, letztere Konservative. Einige der Ersteren, allen voran die Gesellschaft des Hl. Pius X., die von Erzbischof Lefebvre gegründet wurde, hat der Vatikan exkommuniziert, dies wurde wiederum von Experten des kanonischen Rechtes bestritten. Rom nennt die Traditionalisten gelegentlich "schismatisch". Ob sie es nun sind oder nicht, - man sehe nur das Bemühen Roms um die Orthodoxen, die die Autorität des Papstes genauso wenig anerkennen wie die Gesellschaft des Hl. Pius X. - ihre Bischofsweihe von 1988 veranlaßte den Heiligen Stuhl per Indult bestimmten Gruppen und Individuen eine Meßordnung gemäß den traditionellen Riten zu gewähren. Während dies in Harmonie mit dem Heiligen Stuhl geschah, mußten in den lokalen Hierarchien erhebliche Widerstände überwunden werden. Eine dritte etwas amorphere Gruppe setzt sich zusammen aus Katholiken, die ein intensiveres Glaubensleben anstreben, den Mitglieder der Marienlegion beispielsweise oder Pro-Life-Aktivisten.

Eine sehr deutlich sichtbare Gruppe von Katholiken setzt sich zusammen aus Bischöfen, Priestern und oft prominenten Laien, die die Autorität des Papstes im täglichen Leben zurückweisen, nicht ohne ihm gewisse Lippendienste zu leisten. Diese Titularisten, wie wir sie nennen möchten, begannen ihre offene Rebellion im Jahre 1968 als Paul VI. «Humanae vitae» veröffentlichte, seine Erneuerung des alten Bannes der Kirche gegen Verhütungsmittel. Es war vorherzusehen, daß bestimmte nationale Hierarchien diese Enzyklika zurückweisen, der restliche Klerus ignorierte die Enzyklika aus taktischen Gründen und der politisch "konservative" Katholik William F. Buckley wies das Schreiben offen zurück, wie er bereits früher die Soziallehre Johannes XXIII. abgelehnt hatte. Jedenfalls hat der Heilige Stuhl derzeit in Amerika genau so viel Autorität, wie die Bischöfe willens sind, ihm einzuräumen und das ist im allgemeinen sehr wenig. Ein prominenter Kardinal leugnet heute offen die Transsubstantiation. Auf der Laienseite haben wir die Schafherde von Politikern, die wie Senator Edward Kennedy "persönlich" die Abtreibung ablehnen, jedoch in den Parlamenten für sie stimmen und behaupten, sie wäre Teil von "Frauenrechten". Beide Gruppen frönen natürlich dem, was Pius X. Modernismus nannte. Und diese Gruppen sind es auch, die für die meisten Amerikaner Repräsentanten dessen sind, was "katholisch" genannt wird. Die Tatsache, daß die Situation in Europa kaum anders ist, tröstet wenig.

Es gibt da allerdings noch eine dritte Gruppe, die durch Mangel an Katechese und Fehlinformation durch die zweite Fraktion möglich wurde und die größer ist, als sowohl die erste Gruppe als auch die zweite. Sie setzt sich zusammen aus Katholiken, die nicht wissen, was das Wort bedeutet. Ihre Größe kann geschätzt werden anhand zwei Statistiken. Eine davon ist ein Gallup Poll, nach dem nur 30% der Katholiken an die Transsubstantiation, eine der zentralen Lehre der Kirche, glauben. Die zweite ist der Zensus, der besagt, daß die Katholiken die größte Religionsgemeinschaft der USA sind, die Exkatholiken aber die zweitgrößte. Die Titularisten produzieren also keine Liberalkatholiken mehr, sie produzieren Exkatholiken. Besonders schlimm ist, daß die Hispanier, eine rapide wachsende Gruppe in der nachwuchsverweigernden USA, ihren katholischen Glauben durch Ignoranz verlieren, durch massive Evangelisierung von Protestanten und anderen Sekten wie die Mormonen oder Zeugen Jehovas. Schlimmer noch, durch die amerikanischen Konvertiten bahnen sich diese Gruppen ihren Weg nach Lateinamerika.

Das Problem des Titularismus ist ein altes in den Vereinigten Staaten, durch die Verbindung mit dem Modernismus des 20. Jahrhundert gewann es an Gefährlichkeit.  Abgesehen von einigen Enklaven in Maryland, Delaware, Pennsylvanien, Louisiana, Missouri, Texas, Kalifornien, Arizona, Florida und Neu Mexiko ist der Katholizismus in den USA ein Einwandererglaube. Doch bereits der erste 1789 ernannte amerikanische Bischof in Baltimore John Carroll favorisierte volkssprachliche, d.h. englische Messen, die Wahl von Bischöfen und die Begrenzung päpstlicher Autorität in den USA, doch diese Tendenz wurde durch den nach der französischen Revolution einströmenden Emigrantenklerus gemindert. Doch bald kamen die irischen Massen nach Amerika. Begierig darauf, von den eingesessenen Amerikanern anerkannt zu werden, die sie massiv diskriminierten, zum Beispiel in den "Know Nothing Riots", versuchten sie, die Dogmen des amerikanischen Glaubens weitestgehend zu akzeptieren, ohne ihren katholischen Glauben aufzugeben.

Dies war ein riskantes Experiment. Im irisch-amerikanischen Klerus des 19. Jahrhundert bildeten sich zwei Fraktionen. Die "Amerikanisten", geführt von Kardinal Gibbons, Baltimore und Erzbischof Ireland, St. Paul, vertraten die Ansicht, daß die amerikanische Kirche sich von der Weltkirche erheblich unterscheiden müsse. Sie habe wegen der vorzüglichen Bedeutung der amerikanischen Kultur, der amerikanischen Freiheit und manchem mehr besondere Rechte und sei das Vorbild für die Weltkirche. Versuche die wunderbaren Amerikaner zu bekehren, hätten zu unterbleiben. Erzbischof Corrigan, New York und McQuaid, Rochester, NY bestanden als Ultramontane darauf, daß Amerika Teil der Weltkirche sei und daß auch die USA bekehrt werden müsse. Der herausragende Konvertit Orestes Brownson stimmte ein und belegte in seinem Essay "Katholizität - Voraussetzung für Freiheit des Volkes", daß die Bekehrung zum Glauben essentiell für Amerika sei um als freie Nation zu überleben. Die Situation wurde komplizierter, als Ende des 19. Jh. immer mehr fremdsprachliche Katholiken - Frankokanadier, Deutsche, Polen, Italiener, einströmten. In einer feindlich-protestantischen Umgebung versuchten die geistlichen und weltlichen Führer dieser Gruppen diesen ihre Nationalkultur zu erhalten um den Glauben zu schützen. Jede dieser Ethnien besaß ihr Äquivalent zur frankokanadischen Maxime "Qui perd sa langue, perd sa foi"[8]

Wo Einwanderer sich niederließen, bildete man muttersprachliche Gemeinden, doch kamen sie bald in Konflikt mit den amerikanistisch eingestellten Bischöfen, unter denen sie lebten. Die Tatsache, daß der Kaiser von Österreich und der König von Bayern bis 1914 Abermillionen Dollar in die amerikanische Kirche pumpten, wurde von den sehr irischen Bischöfen ignoriert und ist heute völlig vergessen. Die ethnischen Immigranten störten und mußten assimiliert werden. Diese Haltung führte zur "Cahenslyite"-Kontroverse mit den deutschen Katholiken und später im Jahre 1920 zur "Sentinelle"-Affaire mit den Frankokanadiern, beide wurden mehr oder weniger ruhig beigelegt. Mit mehreren polnischen, litauischen und ruthenischen[9] Gruppen gab es Schismen, für die Erzbischof Ireland persönlich verantwortlich war. Schließlich verdammte Papst Leo XIII. die Häresie des Amerikanismus im Jahre 1896. Die Amerikanisten bestritten, daß es eine solche Häresie gäbe und da der Papst die Sache nicht weiter betrieb, blieb alles wie es war.

Zwei Dinge veränderten die Szene: Die finanzielle Abhängigkeit des Vatikans von Amerika nach dem Ersten Weltkrieg und die Tatsache, daß sich der Amerikanismus mit dem Modernismus verbündete. Resultat war der heutige Titularismus, der die amerikanische Kirche dominiert und den Weltkatholizismus stark beeinflußt. Jüngste Blüte ist die Entwicklung einer homosexuellen Subkultur im Klerus, die völlig einzigartig dasteht. Im 19. Jahrhundert pflanzte der katholische Klerus das Sternenbanner in den Heiligtümern auf um zu demonstrieren, daß man gut amerikanisch sei, und diese Sitte wurde von allen geistlichen Gemeinschaften aufgenommen. Nach dem 2. Vatikanum schuf die Kirche spezielle Formulare für Messen am Unabhängigkeitstag und an Thanksgiving, obwohl letzteres ein ausgesprochen protestantischer Feiertag ist. So sieht der Katholizismus in den Vereinigten Staaten heute aus.

Nun werden wir versuchen, die drei Elemente zusammenzuführen: amerikanisch, konservativ und katholisch. Obwohl "konservativ" lediglich auf die "Der Papst kann nicht unrecht tun"-Fraktion paßt, wollen wir es allen drei Gruppen orthodoxer Katholiken anhängen, wenngleich nicht jeder damit einverstanden wäre.

In Europa und Lateinamerika identifizieren sich konservative Katholiken (KK) mit einer bestimmten politischen Partei. Französische KK sind oft Monarchisten und ziehen die legitimistischen vor den orléanistischen Ansprüchen vor.[10] KK in Spanien sind oft Karlisten[11], doch viele unterstützen Juan Carlos, mehr als dem König wohl lieb ist. In Österreich und den Ländern der Habsburger Monarchie genießen diese nach wie vor Loyalität, übrigens auch unter den Paneuropäern, die man dort überall findet. Das Haus Savoy wurde von den Katholiken seines Raubes des Kirchenstaates wegen mit Reserve betrachtet, doch die Frömmigkeit Umbertos II. versöhnte einige mit seiner Dynastie, andere unterstützen die Bourbonen von Neapel und Parma, die Habsburger von Modena und der Toskana. Polnische konservative Katholiken schauen sowohl auf ihre einstige Wahlmonarchie als auf die Nationaldemokraten von Roman Dmowski in der Zweiten Republik. Der Prätendent des portugiesischen Throns, Dom Duarte wird von allen portugiesischen KKs unterstützt, während ihre Gesinnungsgenossen in Brasilien entweder für Lusofonia oder für die Restauration ihres eigenen brasilianischen Reiches plädieren. Die Restauration der Reiche zieht eurasische Katholiken in Indien und anderen Teilen Asiens an.

Spanisch-Amerikaner und Philippinos sehen auf "Hispanidad" während frankokanadische KKs ihre eigene Tradition der "la survivance" haben, die sich vom französischen Monarchismus nährt und später von Charles Maurras. Und so ist es in jeder katholischen Nation. Im protestantischen Nordeuropa unterstützen die KKs ihre jeweiligen Monarchien, sehnen aber die Umwandlung der Staatskirche in eine katholische herbei.

In Anbetracht der Macht Amerikas und des gesellschaftlichen "Fortschritts" werden die meisten derartigen Träume Schall und Rauch bleiben. Was sie wichtig macht ist die Tatsache, daß sie lokale Varianten der gleichen Idee sind: ein katholischer Staat, in dem die bürgerlichen Autoritäten Christus als König anerkennen, in dem das Recht des Landes diesem Sachverhalt Rechnung trägt und in dem die Kirche bei ihrer Mission, Seelen vor der ewigen Verdammnis zu retten, unterstützt wird. Mag dieses Ziel auch schwierig zu erreichen scheinen, die Apostel hatten es erheblich schwerer, als sie das Römische Reich missionierten und die weite Welt. Es ist wichtig, daß Konservative, besser orthodoxe Katholiken in allen Ländern zusammenarbeiten können, ihr Ziel ist es, etwas zu erreichen, was es bereits einmal gab.

Die amerikanischen Katholiken haben es da schwerer. Selbst wenn es möglich wäre - eine Zurück auf den Stand von 1933, 1912, 1860 oder 1774 wäre nicht genug. Die geistige Leere, die uns ruiniert, wird nicht gefüllt durch ein Verbot der Abtreibung, Abschaffung des New Deal, Schließung der Federal Reserve Bank, Wiederherstellung der Verfassung oder selbst durch Stiftung einer Krone. Unsere Not ist religiös bedingt und es wird keine Lösung für das amerikanische Dillemma geben, ohne die Bekehrung der Nation zum katholischen Glauben, genau wie Orestes Brown es sagte. Schauen wir noch einmal auf das Römische Reich und die Barbaren - die Bekehrung machte sie zusammen zu Christen und bewirkte die Rettung der Einzelnen. Und so muß es auch mit den Vereinigten Staaten werden. So wie Römer und Barbaren durch diesen Prozeß etwas völlig anderes wurden, so wird es auch mit uns sein.

Derartige Ideen sind in Amerika nicht unbekannt. In den 1950er Jahren warb die Zeitschrift «Integrity» für die Bekehrung des Landes, so wie «Triumph» in den 1960ern. Beide waren Minderheitenstimmen. Man sagt, daß alle Mitarbeiter von «Triumph» jahrelang in Italien, Spanien oder Frankreich gelebt hätten. Die Idee eines integrierten katholischen Staats und Kultur müssen demjenigen fremd bleiben, dessen Horizont nur bis zu den Grenzen des eigenen Staates reicht.

All das bringt uns nun zurück zu Pat Buchanan. Im politischen Sinn ist er das beste Beispiel konservativen amerikanischen Konservativismus. Im kirchlichen Sinne ist er streng orthodox und er bevorzugt die Lateinische Messe. Politisch gesehen ist er ein strenger Konstitutionalist, der stets nach Begrenzung für die Macht der Regierung ruft. Und er ist Isolationist, der Amerikas imperiale Expansion als Mittel zur Verbreitung von Übeln im Ausland und Unfreiheit im Inland bezeichnet. Wie die meisten amerikanischen konservativen Katholiken beschwört er die Gründerväter und die amerikanische Tradition, ohne den hier schlummernden Konflikt erkennen zu können.

Doch im jüngsten Interview mit «Latin Mass» gab er zu, daß die Gründe für unseren Niedergang in der "protestantischen Häresie" zu suchen seien und daß die "guten alten amerikanischen Werte" in sich selbst defizient seien könnten. Wir hoffen, daß er diesen Weg weitergehen wird, denn er kann viel bewirken.

Was bleibt zu sagen? Für orthodoxe Katholiken bedeutet Patriotismus mehr als die Flagge schwenken und nach "Konstitution und solidem Geld" rufen. Trotz der Ströme von Blut, die von Märtyrermissionaren und von Katholiken in den Kriegen dieses Landes vergossen wurden, bleiben wir Fremde in diesem Land. Trotz des Blutzolls, den wir entrichtet haben, sind wir die gleichen Katholiken wie unsere Brüder in Japan und Indien und unsere Liebe zu unserem Land zeigt sich in unserer Bemühung, unser Land zur Wahrheit zu bekehren, die sie als Land erhalten wird, so wie sie den Einzelnen für die Ewigkeit retten wird. Im Gegensatz zu unseren Glaubensbrüdern in Europa und Lateinamerika haben wir keine großartige Vergangenheit, die uns inspiriert, doch das muß keine Schwäche, sondern kann auch eine Stärke sein.



[1]      im Original deutsch

[2]      entsprechen den Ministerpräsidenten, bzw. Landeshauptleuten unserer Bundesländer

[3]      Die County (Grafschaft) entspricht etwa unserem Landkreis bzw. Regierungsbezirk

[4]      Parlamentspräsident, in USA „Speaker“ genannt, in Österreich „Nationalratspräsident“

[5]      in Deutschland meist fälschlich als „Bürgerkrieg“ bezeichnet.

[6]      gelegentlich auch „Sozialisierung“ genannt

[7]      Apostolicum, Nizenum, Athanasianum, Tridentinum

[8]      Wer seine Sprache verliert, verliert seinen Glauben

[9]      d.h. Ukrainer

[10]     Als Legitimisten gelten in Frankreich die Anhänger der Bourbonen, deren letzter Vertreter Karl X. durch die 1830er Revolution gestürzt wurde. Eben diese Revolution installierte den „Bürger- bzw. Barrikadenkönig“ Louis Philippe von Orléans auf dem Thron. Louis Philippe wurde durch die nächste Revolution 1848 gestürzt.

[11]     Karlisten sind die Anhänger der „eigentlich“ rechtmäßigen Linie des dortigen Herrscherhauses Bourbon-Parma

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