Amerikanischer Katholizismus - konservativ?
Charles A. Coulombe
Konservativer amerikanischer Katholizismus - gibt es so etwas
überhaupt? Wohl kennen wir Männer wie Pat Buchanan, die als „konservative
amerikanische Katholiken“ gelten. Aber was genau ist das, konservativer
amerikanischer Katholizismus? Wir sollten jedes dieser Worte definieren
und anschließend die Ergebnisse zusammenführen.
Erstens: Amerika. Diejenigen, die in den USA geboren sind,
verwenden dieses Wort als Synonym für Ihren Staat, doch die Lateinamerikaner
nennen die Summe der amerikanischen Subkontinente so. Diese beiden Bedeutungen
sind nicht zu harmonisieren und so verwenden wir das Wort hier in seiner
US-amerikanischen Bedeutung. Kanadier, die ja auch Nordamerikaner sind,
weigern sich meist, den Begriff überhaupt zu benutzen.
Während Lateinamerikaner und Kanadier sehr genau wissen, was
sie von den USA unterscheidet, sind Europäer zu einer solchen Unterscheidung
meist nicht in der Lage. Zwar schätzen sie die Macht und den Einfluß der
USA oft nicht, doch tragen sie Blue Jeans, essen „Burger“,
imitieren die amerikanischen Bräuche, die sie vom Fernsehen kennen und
ignorieren ihre eigenen religiösen, sozialen und moralischen Traditionen
um amerikanischen Ersatz[1]
an deren Stelle zu setzen. Wegen der äußerlichen Ähnlichkeiten können
sie oft nicht erkenne, was uns wesentlich voneinander unterscheidet.
Am offensichtlichsten ist dies in der Frage von Rasse
und Raum. Sowohl Indianer als auch Nachkommen afrikanischer Sklaven,
erstere mehr psychologisch, letztere mehr materiell, haben die Nachkommen
europäischer Kolonisten und Einwanderer in erheblicher Weise vielfach
beeinflußt. Afrikanisches Kochen und afrikanische Musik haben sehr viele
Amerikaner angeregt. Die Indianerkriege, die Kämpfe um die Sklaverei,
die bleibende Schuld und die Verdrängung von Schuld in beiden Angelegenheiten
spielen eine anhaltende Rolle im nationalen Bewußtsein.
Die gewaltige Größe der USA ist ebenfalls wichtig. Eine einheitliche,
überall weitgehend gleiche Kultur entfaltet sich über viele tausend Meilen
und erstreckt sich über ein Gebiet unglaublicher geographischer Vielfalt.
50 Bundesstaaten, Tausende von Bezirken und unzähligere niedrigere Einheiten
verwalten das Land entsprechend ihren Gepflogenheiten. Den Gouverneuren[2] von Massachusetts, New Hampshire und Maine assistieren Gouverneursräte,
die bei Posten und Begnadigungen mitzureden haben, der Gouverneur von
Connecticut unterhält marschierende und berittene Garden, während sein
Kollege von Rhode Island als einziger innerhalb der Landesregierungschefs
die Countysherriffs[3] ernennt
- überall sonst werden sie gewählt, manchmal werden sie als Repräsentanten
des Staatsregierung betrachtet, manchmal als Repräsentanten der Countybevölkerung.
Pennsylvanien, Massachusetts, Kentucky und Virginia betrachten sich eher
als Commonwealth denn als Bundesstaat, Pennsylvanien und Delaware kenne
die Einrichtung von Protonotaren, die das Gerichts- und Notariatswesen
beaufsichtigen.
Louisiana nennt seine Counties Parishes und verfügt
über Rechtsbestände aus dem Code Napoleon, der vielfach im Gegensatz steht
zum dem englischen Landrecht, das in den meisten Bundesstaaten dominiert.
Die Counties von New Jersey werden von einer „Körperschaft der Grundeigentümer“
beaufsichtigt, Land, Erbschaften und Schürfrechte in Kalifornien, Texas,
Neumexiko und Arizona gründen auf spanischen und nicht auf englischen
Prinzipien. Die Gemeinde Glen Cove (Bundesstaat New York) wird nach wie
vor gemäß der königlichen Charta James II. verwaltet. Allein Nebraska
verfügt über ein Einkammersystem, die Versammlungen von Maryland, Süd-Carolina
und Virginia kennen die Parade der Präsidenten[4] mit Marschallstab, ein Relikt aus
der Kolonialzeit, wie es fast im gesamten Bereich des Commonwealth existiert.
Einige Bundesstaaten haben den „Court of Common Pleas“ beibehalten,
andere nicht. In Connecticut degenerierten die Counties zu Linien auf
der Landkarte, die entsprechenden Organe sind vollständig verschwunden;
in Kalifornien sind sie mächtige Feudalwesen, fast so stark wie der Bundesstaat
und selbst die Stadt Los Angeles muß sich ständig gegen die Countygewaltigen
durchsetzen.
Man könnte endlos fortfahren, denn die amerikanischen Bundesstaaten
unterscheiden sich erheblich voneinander. Dies betrifft auch ihre Ethnizität
- viele Staaten, zum Beispiel Massachusetts bieten statt einförmigem Britentum
eine große volkliche Vielfalt. In der Heimatstadt meines Vaters New Bedford,
Massachusetts gehören zur römisch-katholischen Kirche frankokanadische,
irische, deutsche, portugiesische, polnische und italienische Kirchgemeinden;
hinzu kommen orthodoxe Griechen und Slawen, Araber, Puertoricaner und
Skandinavier. Selbst die Gruppe der Schwarzen ist in sich unterschiedlich,
es gibt portugiesische Muttersprachler von den Kapverden, Immigranten
aus Lateinamerika und Nachkommen der Sklaven, die im 17 Jh. hierher gebracht
wurden. In größeren Städten ist die Mischung noch komplexer. Es gibt in
den USA auch etablierte Gruppen aus der Kolonialzeit , die Pennsylvanien-Deutschen,
die Louisiana Cajouns und die Spanier Neumexikos, die alle bereits vor
der Unabhängigkeit hier waren und die in der Lage waren, Teile ihrer Kultur
zu bewahren, die nach wie vor von lokaler Bedeutung ist.
Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es aber auch einen erschreckenden
Konformismus, eine alles überwölbendes nationales Ethos, das man als Säkularreligion
betrachten muß. Wie alle nichtchristlichen Religionen hat auch diese
Religion ihre Gründungsmythen, ihre Reliquien, Heiligtümer, Halbgötter
und Dogmen. Im Mittelpunkt steht der Kult der Nation und ihrer Institutionen.
Seine Kraft bezieht er aus der Fähigkeit, bei aller Verschiedenheit zu
einen, für die meisten Amerikaner steht er an der Stelle einer Religion
und der Untertanenpflichten gegenüber Monarch und Herrscherhaus.
Um diese Religion zu verstehen, die wir Amerikanismus nennen
wollen, müssen wir uns ihrem zentralen Mythos zuwenden, der aus der sakralisierten
amerikanischen Geschichte schöpft. Ihm gemäß waren die in Neuengland siedelnden
Puritaner die Patriarchen des Alten Testamentes, die Kinder Israel. Der
englischen Krone und ihrer halbkatholischen Kirche entflohen, gleichen
sie den Israeliten, die der Unterdrückung durch den Pharao entkamen. Der
Exodus führte sie gleich jenen über das Meer, hin zum Gelobten Land. Hier
kamen sie mit den Kanaanitern in Form von Indianern in Berührung. In dieser
Form erinnert dies an die Mythen der meisten kalvinistischen Exilanten,
seien es die Ulsterschotten in Irland, die Afrikaanern in Südafrika oder
die Mormonen in Utah.
Doch setzt sich die Geschichte in Amerika fort, denn im Unterschied
zu diesen empfingen die Amerikaner sowohl ein Altes, als auch ein Neues
Testament. Die Gründerväter Washington, Jefferson und Franklin gleichen
den Aposteln, die Amerikanische Revolution nimmt die Position von Passion
und Auferstehung ein. Die vom Heiligen Geist inspirierte Verfassung ist
gemeinsam mit der Unabhängigkeitserklärung die Heilige Schrift und in
der Zusammenstellung einer Regierung erblicken wir somit das Handeln Gottes
höchstpersönlich, wer auch immer damit beauftragt sein mag. Orte wie die
Unabhängigkeitshalle in Philadelphia, wo die Heiligen Dokumente gesiegelt
wurden, der Freedom Trail in Boston, das Weiße Haus, Capitol, Washington
und Jefferson Monument, Lincoln Memorial in Washington sind Heilige Orte,
nicht minder als Rom, Jerusalem oder Mekka.
Der Bürgerkrieg selbst wurde zum Akt der Erlösung, die heilige
Union wurde gerettet durch das Heldentum einer Erlöserfigur, Abraham Lincoln.
Im Süden existiert eine parallele Konföderiertentradition, die sich bis
etwa 1975 halten konnte. Hier handelte es sich aber um eine häretische
Sekte, die der Stellung der Schiiten gegenüber den Sunniten im Islam entspricht,
ihre Vertreter verletzten auch die Lehre der Pilgerväter, Washingtons
und viele andere.
Geformt durch Gott sind die Vereinigten Staaten das leuchtende
Licht auf Bergeshöhen, ein Leuchtfeuer der Freiheit für die Unterdrückten,
die im Dunkeln wandeln, die letzte, die größte Hoffnung der Menschheit.
Jeder darf den Glauben glauben, den er für richtig hält, solange dieser
Glaube nicht mit dem Nationalmythos und seinen Lehren kollidiert. Zu diesen
gehört die Ansicht, daß Verhalten wichtiger ist als Glauben. Doch es gibt
weitere. Vom puritanischen Kalvinismus her kam die Vorstellung, daß diejenigen,
die Gott ohne ihr eigenes Zutun zum Heil erwählt hat, schon hienieden
gesegnet sind; und weil wir nicht mit Sicherheit wissen können, wer das
ist, müssen wir nach Wohlstand streben um unsere Erwähltheit zu zeigen.
Dies nennt man die puritanische Arbeitsethik. Diese Idee wurde in Amerika
mit ganz bestimmten Resultaten säkularisiert und sublimiert: Der Erwerb
von Wohlstand ist unbewußt sakramental, die Armen sind von Natur aus dumm
oder schlecht; alles, was wie Kunst und Geisteswissenschaft nicht Gewinn
einträgt, sollten vornehme Menschen nicht treiben, ist es doch unnütz.
Auch aus diesem Grunde werden die genannten Gebiete der Linken und Marxisten
überlassen, ähnliches gab es auch schon in Europa und in Lateinamerika.
Trotzdem sind konservative Akademiker und Künstler dort besser angesehen
als hier.
Ein weiteres eifersüchtig gehütet Dogma ist das der Gleichheit.
In Amerika, so der allgemeine Glaube, gibt es kein Klassensystem. Dieser
Glaube ist so beherrschend, daß das Wort „classless“ in Amerika
so viel wie vulgär bedeutet, während es in Großbritannien egalitär heißt.
Sehr oft hört man den Satz "Bei uns kann jeder Präsident werden".
Die Tatsache, daß 40% bis 60% der Senatoren Millionäre oder mehr sind,
wird nicht erwähnt. Denn die Oberklasse in Amerika ist unsichtbar, im
Gegensatz zu Europa, somit auch unangreifbar. Eine wichtige Komponente
der amerikanischen Elite ist das Entertainment und man sagt schon, daß
wir jetzt drei Klassen haben: Eine proletarische, die fernsieht, eine
Mittelklasse, die das Fernsehen macht und eine Oberklasse, die darin auftritt.
Doch diese legt größten Wert darauf, so auszusehen, wie die Unterklasse
um zu suggerieren, daß jeder so werden kann wie sie. Sicherlich ist diese
Darstellung simplifiziert, doch hat sie einiges für sich.
Der Glaube an die Höchstwertigkeit der politischen "Mitte"
wird ebenfalls sehr hochgehalten. Alles, was nicht zum "mainstream"
zählt oder als extrem gilt, wird automatisch verworfen. Kaum jemand macht
sich Gedanken darüber, was "Mitte" eigentlich bedeutet. Am 31.
Juli 2002 wurde Hilary Rodham Clinton vom CNN als "moderat"
gepriesen, angesichts ihrer politischen Positionen zu verschiedenen Themen
ist es nicht nachzuvollziehen, wie der Sender zu dieser Meinung kam. Im
Gouverneurswahlkampf 2002 beschuldigte der Demokraten-Gouverneur Gray
Davis seinen Republikaner-Opponenten Bill Simon, er sei "nicht mehr
im Tritt mit Kalifornien". In Anbetracht seiner eigenen Befürwortung
der Schwulenehe und der Tatsache, daß die Bevölkerung Kaliforniens selbige
in einem Referendum abgelehnt hatte, ist auch das nicht nachvollziehbar.
So lange aber solche Behauptungen nicht belegt zu werden brauchen, üben
sie einen starken Einfluß auf die Wähler aus.
Tatsächlich in der Mitte der amerikanischen Dogmen steht aber
die Trennung von Kirche und Staat. Diese, derzeit angesichts
der Bestrebungen aus dem christlichen Abendland einen völlig säkularen
Superstaat zu formen aktuelle Position, war vor der Gründung der USA völlig
unbekannt. Und im Rest der Welt, sei er buddhistisch, muslimisch oder
heidnisch, ist er auch jetzt noch unbekannt, wenn wir von kommunistischen
Staaten wie Nordkorea oder China absehen. Fast überall auf der Welt heiligt
die Religion den Staat, während der Staat die religiösen Einrichtungen
erhält und unterstützt.
Die Ironie der Situation wird nirgends deutlicher als in der
Erlaubnis des Papstes, eine Moschee in Rom zu bauen. Das letzte Mal, als
eine solche Genehmigung beantragt wurde, zählten wir das Jahr 1930 und
es war der König von Saudi-Arabien, der die Genehmigung von Benito Mussolini
erbat. Der Duce antwortete, er gäbe die Genehmigung gern, wen in Mekka
eine katholische Kathedrale genehmigt würde. Die europäischen Gewohnheiten
haben sich geändert, die der Moslems nicht, - es ist leicht vorstellbar,
was die Saudi-Regierung auf eine derartige Anfrage heute antworten würde.
Die Vorstellung, daß das Regierungswesen eines Staates nichts
mit der Religion der Bevölkerung zu tun habe, ist in den USA entstanden,
auch wenn der Terminus "Trennung von Kirche und Staat" nicht
in der Verfassung steht. In der Verfassung jedoch STEHT die Vorschrift,
daß der Kongreß der Nation keine Religion vorschreiben darf und daß niemand
wegen seiner Religion die Bürgerrechte verlieren darf. Der Grund dafür
ist leicht einzusehen: Von den 13 Gründerstaaten hielten sieben den Anglikanismus
für ihre offizielle Religion, drei waren kongregationalistisch eingestellt,
drei weitere hatten sich nicht festgelegt. In zehn der Gründerstaaten
war der Katholizismus gebannt. Die Behörden der noch souveränen Bundesstaaten
hatten kein Interesse daran, daß der Kongreß in ihre Angelegenheiten hineinregiert,
die Allianz von Frankreich und Spanien ließ es wünschenswert erscheinen,
den Katholiken die Bürgerrechte nicht mehr vorzuenthalten. Connecticut
war der letzte Staat, der den Katholiken Gleichberechtigung gewährte,
sein Staatskirchentum gab Connecticut erst 1833 auf.
Obwohl die USA niemals ein christlicher Staat im europäischen
Sinn gewesen ist, betrachteten sie sich doch lange Zeit selbst als "christlichen
Staat" in einem bestimmten Sinn. Am 29. Februar 1892 führte der Oberste
Gerichtshof im Falle "Trinity Church vs. The United Staates"
aus: "Wenn wir nun von diesen rechtlichen Ausführungen zu einem Blick
auf das amerikanische Leben schreiten, wie es sich in Gesetzen, Geschäftsleben,
Bräuchen und dem gesellschaftlichem Leben ausdrückt, finden wir stets
und überall die Anerkennung der gleichen Wahrheit. Neben anderem gehört
dazu: Die übliche Eidesformel, die an den Allmächtigen appelliert, die
Eröffnung aller Eröffnungssitzungen und Körperschaften mit einem Gebet,
die Formel in allen Testamenten "Im Namen Gottes, Amen!", die
Gesetze, die es gebieten, den Feiertag zu respektieren und die üblichen
bürgerlichen Geschäfte zu meiden, das Ruhen von Gerichten und Parlamenten
an selbigem Tag, die Kirchen, die sich in jeder Stadt, Dorf und Flecken
befinden, die große Zahl von karitativen christlichen Organisationen,
die gigantischen Missionsgesellschaften, die von jedermann unterstützt
werden und die den christlichen Glauben an jedem Ort des Globus unterstützen."
Auf dieser Grundlage stellte der Gerichtshof fest, daß "aus all diesen
Beobachtungen sowie aus vielerlei inoffiziellen Deklarationen folgt, daß
es sich bei den USA um eine christliche Nation handelt."
Seit 1948 beurteilten sowohl der Oberste Gerichtshof als auch
andere Höchstgerichte systematisch das wohl als protestantisch einzustufende
Schulgebet als nicht verfassungsmäßig, ebenso wie Blasphemiegesetze, Weihnachtsumzüge
und christliche Zeichen an öffentlichen Gebäuden. Derzeit debattiert man
über die Formel "unter Gott" im Untertaneneid und über das Anbringen
von Tafeln mit den zehn Geboten in öffentlichen Gebäuden. In den Medien
und in Rechtskreisen hält man dafür, daß jede öffentliche Erwähnung des
Wortes "Gott" einen Angriff auf die Trennung von Staat und Kirche
darstellt. Inzwischen sind wir so weit, daß ein Angestellter gefeuert
werden kann, wenn er Merry Christmas" statt "Happy Holiday"
sagt. Der französische Soziologe François Berger formulierte einst: "Schweden
ist die am wenigsten religiöse Nation der Erde, Indien ist die religiöseste.
Bei den Amerikanern handelt es sich um eine Nation von Inder, die von
Schweden regiert werden." Die erstaunliche religiöse Kluft zwischen
Herrschern und Beherrschten wird deutlich, wenn wir daran denken, daß
die Verfassungen fast aller Bundesstaaten Gott anrufen, so wie es übrigens
auch bei der Verfassung der Konföderierten der Fall war, daß die Sitzungen
in den Parlamenten im Allgemeinen mit einem Gebet begonnen werden, daß
selbst die Sitzungen der Senate des Obersten Gerichtshofes vom Ruf des
Saaldieners begonnen werden: "Gott schütze die Vereinigten Staaten
und ihren Ehrenwerten Gerichtshof!"
Viele sogenannte christliche Sekten haben einen nicht geringen
Beitrag zum religiösen Grundton dieses Landes geleistet, einen Beitrag,
der nun in Frage gestellt wird. Dieser Beitrag wird auch deutlich an dem
"Nationalen Tag von Gebet und Klage" in der anglikanischen Nationalkathedrale
in Washington, an der der Präsident, die anglikanische Bischöfin der Stadt,
Pfarrer Billy Graham und andere geistliche Führer teilnehmen. Von den
Anglikanern erbten wir eine Neigung zu antiquiertem Englisch bei Gebeten,
einen bestimmten hymnologischen Stil und die Gebetsorientierung auf Einheit
statt auf Wahrheit. Von den Methodisten kommt die Ansicht, daß die Erfahrung
von Christus als Erlöser, oder auch lediglich die Erfahrung der Existenz
Gottes, das Heil bewirkt, unabhängig von dem persönlichen Verhalten. Die
Lutheraner brachten Weihnachten und Ostern zu Ansehen. Die Unitarier lehrten
uns, daß alle Religionen, sagen sie auch gegensätzliches aus, dennoch
das gleiche meinen und daß die Suche nach Wahrheit wichtiger ist als das
Finden der Wahrheit. Auch die Katholiken haben ihr Scherflein beigetragen,
nachdem Athleten aller Glaubensrichtungen sich bekreuzigen, bevor das
Spiel beginnt. All diese Beiträge werden von einem solch patriotischen
Hymnus wie «The Battle Hymn of the Republic» sakral begleitet. Doch die
Eliten sind die geschworenen Feinde selbst einer derart vagen Religiosität.
Die Spannung zwischen diesen Polen mag sich nicht leicht ableiten
lassen, doch die nationale Religion strebt nach Einheit. Wie in jedem
Glauben hat auch sie eine Körperschaft, die ihr Weisheit von oben her
bezieht und die Lehrzwiste entscheidet. In diesem Fall handelt es sich
um den "Supreme Court", den Obersten gerichtshof. Denn die Amerikaner
halten das, was legal ist, für moralisch und umgekehrt. So glaubte die
Mehrheit der Amerikaner, daß Abtreibung Mord ist, bis der Oberste Gerichtshof
1973 entschied, es sei ein Verfassungsrecht. Und wie durch Geisterhand
kehrten sich die Proportionen um. Während aber zwar die Entmenschlichung,
die der Gerichtshof dem Fötus angedeihen ließ, ein Schlag ins Gesicht
der empirischen Wissenschaft darstellt, rechtlich aber dieser Position
entspricht, ist die deutsche Position, nach der der Fötus zwar Mensch
ist, jedoch keine eigentlichen Rechte besitzt (was Parallelen in der jüngsten
deutschen Geschichte hat) zwar biologisch korrekt, hinterläßt aber Zweifel
an den deutschen verfassungsmäßigen Arrangements, Zweifel, die in Amerika
nicht aufkommen. Doch auf welchen Prinzipien die Entscheidungen dieser
weisen Körperschaft beruhen, ist nicht klar. Als Richter Robert Bork 1987
von Ronald Reagan für den Obersten Gerichtshof nominiert wurde, zerstörte
er seine Chancen dadurch, daß er sich für die "ursprüngliche Intention"
erklärte, die Lehre, daß man das zu beachten habe, was die Autoren der
Verfassung gemeint haben. Als George Bush sen. 1991 den Richter Clarence
Thomas für den Gerichtshof nominierte, mußte dieser beschwören, daß er
nicht an das "Naturrecht" glaube. Die Entscheidungen des Obersten
Gerichtshofs kommen also, genau wie das Orakel von Delphi ohne menschliches
Mitwirken direkt von Gott.
Die Religion des Amerikanismus sieht sich wie jede andere
Religion einem Phänomen gegenüber, dem der Ungläubigen. Während der Rest
der westlichen Welt uns ohne zu widersprechen folgt, wie man am Beispiel
der belgischen Konservativen ersehen kann, die ihren Namen von "christlich-sozial"
in "humanistisch-sozial" änderten, Kruzifixe aus den Schulen
verbannten, das Te Deum für den König verboten und eine Euthanasiegesetzgebung
installierten, die selbst die Niederländer zum Protest bewegten, ist zu
vermuten, daß diese Nachahmung nicht auf innerer Überzeugung basiert.
Wenn wir einem Franzosen, Italiener oder Engländer sagen,
irgend etwas wäre unfranzösisch, unitalienisch oder unenglisch, wir er
wahrscheinlich denken, wir meinen etwas ausländisches. Doch "unamerikanisch"
hat bei uns denselben Beigeschmack, wie es das Wort "unchristlich"
einst hatte. Übleres kann einem hier bei uns nicht nachgesagt werden.
Und das ist nur logisch, sind wir doch, wie wir uns stets bestärken, die
"letzte große Hoffnung der Menschheit" und die anderen doch
somit irgendwie geringer einzustufen. Für die meisten Amerikaner ist es
schwer, an etwas Ausländisches anders zu denken als an etwas Minderwertiges.
Und dies obgleich all unsere staatlichen Institutionen ausländischen Ursprungs
sind. Sie alle haben britische, französische, spanische und niederländische
Wurzeln. Über diese Elemente unser Geschichte wird leichthin hinweggegangen,
die meisten Amerikaner glauben, unsere Geschichte sei völlig autochthon.
Dieser Glaube nicht besonders tief gegründet und er würde wohl bei geeigneter
Belehrung verschwinden. Doch als letztes Großreich der Welt kennen die
USA die Perspektive des Niedergangs nicht, die eine große Rolle im europäischen
Diskurs spielt.
Als große und offenherzige Religion heißt Amerika Konvertiten
willkommen. Immigranten sind, einige kleinere Fehltritte außer Acht gelassen,
willkommen, wenn sie unsere Regeln beherzigen. Teile ihres angestammten
Glaubens dürfen sie behalten, wenn sie unsere Hauptdogmen annehmen. Protestanten,
Juden und Buddhisten hat das keine Schwierigkeiten bereitet. Doch bei
Katholiken und Orthodoxen, die an eine völlig andere Lebenshaltung gewöhnt
sind, gab es Schwierigkeiten.
Das nächste zu definierende Wort heißt "konservativ".
Dies ist insofern problematisch, als es für viele vieles bedeutet. Zunächst
schwingt hier eine gewisse Persönlichkeitsstruktur mit, eine Abneigung
gegenüber der Veränderung. Ambrose Bierce, der witzig-bittere amerikanische
Autor 1906 in seinem «Devil's Dictionaire»:
"Konservativ: Ein Staatsmann, verliebt in die gegenwärtigen
Übel; im Unterschied zu den Linken, die sie durch neue Übel ersetzen möchten."
Konservative sind vom Wortsinn her mit der Erhaltung des Bestehenden
verbunden, doch ist dieses Motiv nicht mit ideologischen Inhalten gekoppelt.
Die letzten Verteidiger der Sowjetunion wurden von unseren Medien "Kremlkonservative"
genannt.
Erich von Kuehnelt-Leddihn, der österreichische politische
Schriftsteller, bezeichnete sich lieber als Rechten, denn als Konservativen.
Er führte aus, daß der Begriff "konservativ" eng mit den europäischen
konservativen Nationen wie Preußen oder Großbritannien vereint sei und
daß er für katholische Nationen wenig passend sei. K-L hätte hinzugefügt,
daß "rechts" in den europäischen Sprachen sowohl "korrekt"
als auch "Das Recht" bedeutet. Selbst im Englischen, so schloß
er, sprechen wir von "Rechten" und sagen "right is right".
- Trotzdem wollen wir an dem Wort "konservativ" weiterhin festhalten.
Was aber bedeutet "Konservativismus" im ideologischen
Sinne? Manche sagen, daß Konservative von den Linken durch die Erkenntnis
getrennt sind, daß de Mensch sich nicht perfektionieren kann. In Europa
und in Lateinamerika bedeutet konservativ in einem mehr historischen Sinn
die Ablehnung des Programms der Reformation und der Französischen und
der auf sie folgenden Revolutionen. Daraus folgt häufig der Ruf nach Restauration
und einer traditionellen religiösen und sozialen Ordnung, sowie bestimmte
praktische Dinge wie die Zurückweisung der säkularen Bildung oder der
Zerstörung des Privateigentums durch exzessive Besteuerung.
Dieser Konservativismus nimmt verschiedene Formen an. In Österreich
und Mitteleuropa gibt es eine Sehnsucht nach den Habsburgern, in Frankreich
nach den Bourbonen, in Spanien nach den Karlisten. Selbst lateinamerikanische
Konservative wie Pablo Antonio Cuadra y Cardenal in Nikaragua verlangen
die Rückkehr der Kirche in die Mitte der Gesellschaft und eine möglichst
enge Vereinigung mit Spanien bzw. Portugal. Vom österreichischen Kralik
über De Maistre in Frankreich zu Solowjew in Rußland und Alaman in Mexiko
gibt es eine große Zahl gegenrevolutionärer Autoren und Schulen.
Auf etwas niedrigerer Ebene haben wir sehr viele nostalgische
Gruppen in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden,
Italien und Portugal, die sich aus Nachkommen von Flüchtlingen zusammensetzen
und die sich nach den Tagen des Imperiums sehnen. Es gibt reaktivierbare
Einheiten verschiedener aufgelöster Armeen. Als "konservativ"
kann man auch die Aktivitäten verschiedener Gruppen und Vereine bezeichnen,
die sich dem Erhalt der Umwelt und von historischen Gebäuden widmen oder
die altertümliche Folklore praktizieren. In Amerika sind derartige Aktivitäten
allerdings häufig in linken akademischen Milieus angesiedelt.
Wie sieht es sonst in Amerika aus? Bekanntlich werden diejenigen,
die wir Amerikaner als "Liberale" bezeichnen, in Europa und
sonstwo "Sozialisten" genannt, und was die Europäer als "konservativ"
bezeichnen, heißt bei den Amerikanern entsprechend der Manchesterschule
"liberal". Das, was man in Europa etwa "altkonservativ"
nennen könnte, die Treue zu "Thron und Altar", gibt es bei uns,
zumindest in organisierter Form nicht. Angesichts der Tatsache, daß die
unverbesserlichen monarchietreuen Loyalisten nach der Revolution gen Kanada
oder auf die Bahamas gesendet wurden - dort bildeten sie den familaren
und ideologischen Kern des dortigen monarchietreuen Konservativismus -
könnte man vielleicht den Konservativismus als rechten Flügel unseres
nationalen Liberalismus bezeichnen.
Wahr ist allerdings, daß es seit 1783 immer wieder Gruppen
gegeben hat, die sich "konservativ" nannten. Unter ihnen war
es stets ausgemachte Sache, daß die amerikanische Revolution selbst konservativen
Charakter hatte, daß die Revolution in eine Reihe mit der "gloriosen"
Revolution von 1688 und der Julirevolution 1830 gehöre, wo Konservative
versuchten, die durch regierende Könige gestörte politische Balance wiederherzustellen.
Dies mag disputabel sein, interessanter ist jedoch, daß es immer noch
notwendig erscheint, die Revolutionen mit einem Mantel der Legalität zu
umhüllen.
Als der Krieg zwischen den amerikanischen Staaten ausbrach[5],
gab es verschiedene Streitpunkte und die rebellierenden Südstaaten behaupteten,
als Verfassungskonservative zu handeln, die die alten Werte gegen Washington
verteidigten. Sicherlich wurden auf diese Weise ökonomische Interessen
bemäntelt, ähnlich wie bei den Großvätern der Rebellen, doch galt diese
Motiv nicht für ihre nördlichen Verbündeten, die "Copperheads".
Diese verlangten ebenfalls ein Ende der Angriffe auf die Südstaaten und
behaupteten, Lincolns Regierung sei revolutionär.
Mit dem Aufstieg des Big Business nach dem Bürgerkrieg wurden
dessen Vertreter im Gegensatz zu den politischen Kräften der Arbeiter
und später zu den regierungsinterventionistischen Kräften als "konservativ"
bezeichnet. Wir erkennen hier das Gegenteil zu der Situation in Europa
und in Lateinamerika, wo adlige Grundbesitzer sich gegen die Ansprüche
der Industriebourgeoisie zu wehren hatten, einer Bourgeoisie, die sich
oft genug mit den sozialistischen Arbeiterparteien verbündete. Dies ist
der Grund dafür, daß die Beschränkung des Kapitalismus und ein staatliches
Sozialsystem stets Teil der Programme europäischer Rechtsparteien waren,
wenngleich dies nicht bis zur "Nationalisierung"[6], dem Liebling der Marxisten ging.
So blieb es, bis Franklin Delano Roosevelt erschien, der unter
dem Deckmantel der Rettung Amerikas aus der großen Depression die Regierung
bis zu dem hohen Maße stärkte, das sie heute innehat und der den bis heute
voranschreitenden Prozeß anstieß, einen Prozeß der bei jedem nationalen
Konflikt neue Kraft entwickelt. Die Entwicklung eines gewissen Konservativismus
in den USA war teilweise eine Reaktion auf Roosevelts New Deal. Dessen
erste Vorzeichen nahm man bereits in den 1920er Jahren wahr und sie reflektierten
das Unbehagen bestimmter Intellektueller mit dem puritanischen Unterbau
Amerikas. Männer wie George Santayana, H.L. Mencken, Lucius Beebe and
H.P. Lovecraft waren höchst betrübt über die Situation, die sie vorfanden.
Ohne eigenen religiösen Glauben stießen sie sich an dem Philistertum,
das der amerikanische Kalvinismus hervorgebracht hatte, weigerten sich
aber, zwischen Katholizismus und Kommunismus eine Entscheidung zu treffen.
Zu den Übeln, die sie beschrieben, fanden sie keine Alternative.
Etwas positiver äußerten sich die "Neuen Humanisten"
wie Paul Elmer More und Irving Babbitt, die eine neue Kultur auf der Basis
"traditioneller Werte" schaffen wollten. Für einige sollte die
Basis der Werte Plato sein, für die anderen Buddha. Andere betrachteten
dieses Programm als zu vage und T. S. Eliot wandte sich nach
Britannien und dem Anglokatholizismus und Monarchismus zu.
Für diejenigen, die zurückgeblieben oder weniger akademisch
orientiert waren, benötigte man etwas lebensnahere Lösungen. Eine Dichtergruppe
von der Nashville's Vanderbilt Universität, eine Gruppe Neoromantiker
namens "Fugitives" wandte sich am Ende der Depression 1929 sozialen
und ökonomischen Fragen zu. Sie sahen in der Konzentration der industriellen
und wirtschaftlichen Kraft im Nordosten der USA den Schuldigen für die
Mißstände und tauchen später als "Südagrarier" auf und bekannten,
daß die Agrarkultur, die den Süden bis zum Bürgerkrieg dominiert hatte,
dem, was danach kam, vorzuziehen sei. Im Jahre 1930 veröffentlichten sie
eine Essaysammlung unter dem Titel «I'll take my stand». Einige Jahre
später veröffentlichten sie gemeinsam mit dem englischen katholischen
Sozialtheoretiker Hilaire Belloc, mit Douglas Jerrold und mit anderen
Gleichgesinnten «Who owns America».
Gleichzeitig ließen sich viele amerikanische Schriftsteller,
unter ihnen Ross Hoffmann von europäischen Autoren inspirieren, so von
Charles Maurras. Diese Gruppen wurden von Seward Collins, zu Anfang ein
Vertreter des "Neuen Humanismus" eingeladen, für seine «American
Review» zu schreiben, die bedeutendste konservative Zeitschrift in den
1930er Jahren. Wie die Nation als Ganze, war die Zeitschrift eine disparate
Einheit und wenn sich auch populäre Figuren wie H.H. Charles Coughlin
und der Louisiana-Gouverneur Huey Long weidlich anstrengten, hatte die
Zeitschrift doch nur geringe Chancen Roosevelts Machtmonopol herauszufordern.
Die oppositionellen Republikaner hatte wenig als Alternative anzubieten
und die Klügsten unter ihnen wie Senator Robert Taft, lehnten nicht nur
Roosevelts Innenpolitik, sondern auch die Versuche Roosevelts ab, das
Land in den Zweiten Weltkrieg hineinzuziehen. Pearl Harbour war ein schwerer
Rückschlag für sie, denn nach Pearl Harbour war Opposition unmöglich geworden
und Widerstand gegen die Ziele der Regierung wurde gleichbedeutend mit
Verrat.
Das Ende des Krieges und die Ausweitung des Kommunismus auf
Osteuropa und auf China ließen den amerikanischen Konservativismus zu
neuem Leben erwecken. Die Niederlage des antiinterventionistischen Flügels
der Republikanischen Partei und der Machtantritt Eisenhowers zwang die
Konservativen, sich zu artikulieren. In den 1950er Jahren kamen zwei Publikationen
heraus, von Russel Kirke «The Conservative Mind: From Burke to Santanya»
und die Zeitschrift «The National Review», herausgegeben von William F.
Buckley.
Die Ereignis der daran anschließenden Dekade, - Schwarze Bürgerrechtsbewegung,
Vietnamkrieg, Hippiebewegung und all das, was bis zum Fall der Sowjetunion
geschehen ist, mündete im Auftauchen der verschiedensten Gruppen, die
sich "konservativ" nannten. Die erste unter ihnen ist die Gruppe
der Libertären. Diese Leute, die sich häufig auf Tom Paine berufen, sehen
die Institution der Regierung an sich als zu bekämpfendes Übel an. Von
radikalen Anarchisten bis hin zu Privatisierern von Staatsbetrieben wollen
sie die Betätigungsmöglichkeit der Regierung auf Außenpolitik, Verteidigung
und Polizei reduzieren. Nicht wenige wollen auch die Polizei privatisieren.
Sie lehnen öffentliche Wohlfahrt, Regulierung der Wirtschaft, öffentliche
Büchereien ab, Stadtwerke und Bildung sollen vollständig privatisiert
werden. Viele Libertäre fordern ferner, daß sich der Staat aus moralischen
Fragen heraushalten solle, Ehebruch, Abtreibung, Drogen gingen den Staat
nichts an, alles außer Mord und Raub müsse entkriminalisiert werden. An
dieser Stelle entstehen Konflikt mit andern Konservativen. Viele Libertäre
bestreiten die Legitimität der Bundesregierung vollständig und fordern,
daß die Bundesstaaten ausreichen, manche wollen nur noch Gemeinden und
kleine Verwaltungseinheiten wie Counties.
Auf der anderen Seite des Spektrums standen die sogenannten
„Neue Rechte“, entwickelt in den späten 1970er Jahren von
Figuren wie Richard Viguerie and Paul Weyrich. Diese Gruppe setzte sich
zu einem nicht geringen Anteil aus Katholiken zusammen, die mit der Haltung
der Demokratischen Partei bzgl. Abtreibung und Homosexualität unzufrieden
waren, und fundamentalistischen Protestanten und führte Leute zusammen,
die bis dahin außerhalb der Politik gestanden hatten und deren Ansichten
sich zuvor nicht intellektuell artikuliert hatten. Die "Neue Rechte"
fand sich 1980 zusammen, als es um die Wahl Ronald Reagans zum US-Präsidenten
ging. Als Gegner von big governement und der sozialen Veränderungen,
die seit den 60er Jahren stattgefunden hatten, war die „Neue Rechte“
stets eher in der Lage zu sagen wogen sie war, als wofür sie war.
Eine nicht geringe Anzahl von Radikalen der 60er Jahre, meist
jüdischer Herkunft, stellte sich später auf den Standpunkt, daß unter
Abrüstung und Entspannung im Sinne der Demokraten im Allgemeinen, und
Präsident Carter im Besonderen, die Fähigkeit Amerikas leiden müsse, Israel
zu verteidigen. „Neocons“ genannt, bemerkten diese Konvertiten
auch, daß Kapitalismus besser funktioniert als der Sozialismus, dem sie
in ihrer Jugend gehuldigt hatten. Das von den Linken geliebte tax
and spend wurde von fiskalischem Konservativismus abgelöst.
Den rechtlichen Auswirkungen der sozialen Revolution, Abtreibung, Verhütung,
Scheidung, eheähnliches Zusammenleben etc. standen sie neutral gegenüber
oder unterstützten es. Zu den Vertretern dieser Richtung gehörten Personen
wie Norman Podhoretz, David Horowitz, Irving Kristol und Michael Novak.
Die letzte Gruppe Konservativer, die wir vorstellen wollen,
sind die sogenannten Paleocons. Sie diagnostizierten die Krankheiten
der Gesellschaft ähnlich, setzten sich jedoch aus verschiedenen Fraktionen
zusammen. Angloamerikanische Konservative wie der bereits erwähnte Russell
Kirk sprachen oft von einer "Erneuerung der Ordnung der Gründerväter"
und sahen sowohl die Revolution, als auch den Bürgerkrieg wie bereits
erwähnt als genuin konservative Erscheinungen an. Sie redeten ständig
davon, wie sehr unsere Institutionen auf die britischen zurückgehen und
zitierten gern Edmund Burke. Die "Südagrarier" wie M.E. Bradford
gibt es auch heute noch. Treu ihren Wurzeln betonen sie zusätzlich zu
sozialer Betroffenheit und Glauben an die "traditionelle" Kultur
ähnlich den Paleocons eine Neigung zu staatlicher und gemeindlicher Autonomie
sowie eine beständige Neigung zur Sache der Konföderierten. Beide wollen
zu den „guten amerikanischen Werten“ zurückkehren. Dann gibt
es noch Katholiken, die der Soziallehre der Kirche nahe stehen und bestimmten
europäischen oder lateinamerikanischen Konservatismen zuneigen. Außerhalb
Amerikas dürften wohl nur die "Paleocons" als konservativ gelten.
Was all diese Gruppen verband und was sie befähigte, gemeinsam
dafür zu sorgen, daß Ronald Reagan ins Weiße Haus kam, war der Kommunismus.
Die sowjetische Gefahr definierte Konservativismus ebenso exakt wie Liberalismus.
Der Fall des Kommunismus, ihr größter Erfolg, war dann allerdings auch
ihre Niederlage. Der vergebliche Versuch der Neudefinierung zersplitterte
die zerbrechliche Koalition und acht Jahre Clintonregierung bestätigten
ihren Machtverlust. Heute beschäftigen sich diese Konservativen mit Fragen
der Tradition und des Sozialen und sind mit einem Präsidenten konfrontiert,
der mit ihnen in manchem übereinstimmt, doch nicht weiter, als es seine
Position nicht gefährdet. (
) In einem Wort, der klassische amerikanische
Konservativismus ist sowohl innerlich zerrissen und ohne eigene Antwort
auf den Paradigmenwechsel, der seit den 60er Jahren vonstatten ging. Die
Resultate dieses Wechsels - minimierte Geburtenrate, zerstörte Familien,
grassierendes Analphabetentum und dergleichen, lassen für das langfristige
Überleben der Nation nichts Gutes ahnen. Die Tatsache, daß die Situation
in Europa noch viel Schlechter ist als bei uns, spendet geringen Trost.
Kommen wir zum letzten Wort: Katholisch. Diese Wort bedeutet
im Englischen so wie in vielen anderen Sprachen auch "universal"
und auch am Beginn des 21 Jh. könnte man durchaus den Ausdruck "katholischer
Geschmack" formulieren. Die Ignoranz ist allerdings stark verbreitet,
die dazu führt, daß bestimmte Protestanten behaupten, sie sein "christlich
aber nicht katholisch".
Nichtsdestotrotz sehen die meisten nichtkatholischen Amerikaner
in den Katholiken Leute, die den Papst als ihren religiösen Führer sehen.
Und bis 1968 war das auch eine passende Definition. Doch fand inzwischen
ein Bedeutungswandel statt. Es gibt nach wie vor diejenigen, die die vier
katholischen Bekenntnisse[7] und die definierten Dogmen unterschreiben und
die den Papst als sichtbares Haupt der Kirche betrachten. Einige von ihnen
glauben, daß die Veränderungen seit dem Zweiten Vatikanum den Lehren der
katholischen Glaubensbekenntnisse und Dogmen mehr oder weniger stark widerspricht
und sie versagen den gegenwärtigen Päpsten insofern den Gehorsam. Andere
bestehen darauf, daß solche Widersprüche in sich unmöglich sind und akzeptieren
alles, was aus Rom kommt ohne mit der Wimper zu zucken, selbst wenn sie
das in Konflikt mit ihren örtlichen Pfarrern und Bischöfen bringt. Erste
nennt man Traditionalisten, letztere Konservative. Einige der Ersteren,
allen voran die Gesellschaft des Hl. Pius X., die von Erzbischof Lefebvre
gegründet wurde, hat der Vatikan exkommuniziert, dies wurde wiederum von
Experten des kanonischen Rechtes bestritten. Rom nennt die Traditionalisten
gelegentlich "schismatisch". Ob sie es nun sind oder nicht,
- man sehe nur das Bemühen Roms um die Orthodoxen, die die Autorität des
Papstes genauso wenig anerkennen wie die Gesellschaft des Hl. Pius X.
- ihre Bischofsweihe von 1988 veranlaßte den Heiligen Stuhl per Indult
bestimmten Gruppen und Individuen eine Meßordnung gemäß den traditionellen
Riten zu gewähren. Während dies in Harmonie mit dem Heiligen Stuhl geschah,
mußten in den lokalen Hierarchien erhebliche Widerstände überwunden werden.
Eine dritte etwas amorphere Gruppe setzt sich zusammen aus Katholiken,
die ein intensiveres Glaubensleben anstreben, den Mitglieder der Marienlegion
beispielsweise oder Pro-Life-Aktivisten.
Eine sehr deutlich sichtbare Gruppe von Katholiken setzt sich
zusammen aus Bischöfen, Priestern und oft prominenten Laien, die die Autorität
des Papstes im täglichen Leben zurückweisen, nicht ohne ihm gewisse Lippendienste
zu leisten. Diese Titularisten, wie wir sie nennen möchten, begannen ihre
offene Rebellion im Jahre 1968 als Paul VI. «Humanae vitae» veröffentlichte,
seine Erneuerung des alten Bannes der Kirche gegen Verhütungsmittel. Es
war vorherzusehen, daß bestimmte nationale Hierarchien diese Enzyklika
zurückweisen, der restliche Klerus ignorierte die Enzyklika aus taktischen
Gründen und der politisch "konservative" Katholik William F.
Buckley wies das Schreiben offen zurück, wie er bereits früher die Soziallehre
Johannes XXIII. abgelehnt hatte. Jedenfalls hat der Heilige Stuhl
derzeit in Amerika genau so viel Autorität, wie die Bischöfe willens sind,
ihm einzuräumen und das ist im allgemeinen sehr wenig. Ein prominenter
Kardinal leugnet heute offen die Transsubstantiation. Auf der Laienseite
haben wir die Schafherde von Politikern, die wie Senator Edward Kennedy
"persönlich" die Abtreibung ablehnen, jedoch in den Parlamenten
für sie stimmen und behaupten, sie wäre Teil von "Frauenrechten".
Beide Gruppen frönen natürlich dem, was Pius X. Modernismus nannte. Und
diese Gruppen sind es auch, die für die meisten Amerikaner Repräsentanten
dessen sind, was "katholisch" genannt wird. Die Tatsache, daß
die Situation in Europa kaum anders ist, tröstet wenig.
Es gibt da allerdings noch eine dritte Gruppe, die durch Mangel
an Katechese und Fehlinformation durch die zweite Fraktion möglich wurde
und die größer ist, als sowohl die erste Gruppe als auch die zweite. Sie
setzt sich zusammen aus Katholiken, die nicht wissen, was das Wort bedeutet.
Ihre Größe kann geschätzt werden anhand zwei Statistiken. Eine davon ist
ein Gallup Poll, nach dem nur 30% der Katholiken an die Transsubstantiation,
eine der zentralen Lehre der Kirche, glauben. Die zweite ist der Zensus,
der besagt, daß die Katholiken die größte Religionsgemeinschaft der USA
sind, die Exkatholiken aber die zweitgrößte. Die Titularisten produzieren
also keine Liberalkatholiken mehr, sie produzieren Exkatholiken. Besonders
schlimm ist, daß die Hispanier, eine rapide wachsende Gruppe in der nachwuchsverweigernden
USA, ihren katholischen Glauben durch Ignoranz verlieren, durch massive
Evangelisierung von Protestanten und anderen Sekten wie die Mormonen oder
Zeugen Jehovas. Schlimmer noch, durch die amerikanischen Konvertiten bahnen
sich diese Gruppen ihren Weg nach Lateinamerika.
Das Problem des Titularismus ist ein altes in den Vereinigten
Staaten, durch die Verbindung mit dem Modernismus des 20. Jahrhundert
gewann es an Gefährlichkeit. Abgesehen von einigen Enklaven in Maryland,
Delaware, Pennsylvanien, Louisiana, Missouri, Texas, Kalifornien, Arizona,
Florida und Neu Mexiko ist der Katholizismus in den USA ein Einwandererglaube.
Doch bereits der erste 1789 ernannte amerikanische Bischof in Baltimore
John Carroll favorisierte volkssprachliche, d.h. englische Messen, die
Wahl von Bischöfen und die Begrenzung päpstlicher Autorität in den USA,
doch diese Tendenz wurde durch den nach der französischen Revolution einströmenden
Emigrantenklerus gemindert. Doch bald kamen die irischen Massen nach Amerika.
Begierig darauf, von den eingesessenen Amerikanern anerkannt zu werden,
die sie massiv diskriminierten, zum Beispiel in den "Know Nothing
Riots", versuchten sie, die Dogmen des amerikanischen Glaubens weitestgehend
zu akzeptieren, ohne ihren katholischen Glauben aufzugeben.
Dies war ein riskantes Experiment. Im irisch-amerikanischen
Klerus des 19. Jahrhundert bildeten sich zwei Fraktionen. Die "Amerikanisten",
geführt von Kardinal Gibbons, Baltimore und Erzbischof Ireland, St. Paul,
vertraten die Ansicht, daß die amerikanische Kirche sich von der Weltkirche
erheblich unterscheiden müsse. Sie habe wegen der vorzüglichen Bedeutung
der amerikanischen Kultur, der amerikanischen Freiheit und manchem mehr
besondere Rechte und sei das Vorbild für die Weltkirche. Versuche die
wunderbaren Amerikaner zu bekehren, hätten zu unterbleiben. Erzbischof
Corrigan, New York und McQuaid, Rochester, NY bestanden als Ultramontane
darauf, daß Amerika Teil der Weltkirche sei und daß auch die USA bekehrt
werden müsse. Der herausragende Konvertit Orestes Brownson stimmte ein
und belegte in seinem Essay "Katholizität - Voraussetzung für Freiheit
des Volkes", daß die Bekehrung zum Glauben essentiell für Amerika
sei um als freie Nation zu überleben. Die Situation wurde komplizierter,
als Ende des 19. Jh. immer mehr fremdsprachliche Katholiken - Frankokanadier,
Deutsche, Polen, Italiener, einströmten. In einer feindlich-protestantischen
Umgebung versuchten die geistlichen und weltlichen Führer dieser Gruppen
diesen ihre Nationalkultur zu erhalten um den Glauben zu schützen. Jede
dieser Ethnien besaß ihr Äquivalent zur frankokanadischen Maxime "Qui
perd sa langue, perd sa foi"[8]
Wo Einwanderer sich niederließen, bildete man muttersprachliche
Gemeinden, doch kamen sie bald in Konflikt mit den amerikanistisch eingestellten
Bischöfen, unter denen sie lebten. Die Tatsache, daß der Kaiser von Österreich
und der König von Bayern bis 1914 Abermillionen Dollar in die amerikanische
Kirche pumpten, wurde von den sehr irischen Bischöfen ignoriert und ist
heute völlig vergessen. Die ethnischen Immigranten störten und mußten
assimiliert werden. Diese Haltung führte zur "Cahenslyite"-Kontroverse
mit den deutschen Katholiken und später im Jahre 1920 zur "Sentinelle"-Affaire
mit den Frankokanadiern, beide wurden mehr oder weniger ruhig beigelegt.
Mit mehreren polnischen, litauischen und ruthenischen[9] Gruppen gab es Schismen, für die Erzbischof Ireland persönlich
verantwortlich war. Schließlich verdammte Papst Leo XIII. die Häresie
des Amerikanismus im Jahre 1896. Die Amerikanisten bestritten, daß es
eine solche Häresie gäbe und da der Papst die Sache nicht weiter betrieb,
blieb alles wie es war.
Zwei Dinge veränderten die Szene: Die finanzielle Abhängigkeit
des Vatikans von Amerika nach dem Ersten Weltkrieg und die Tatsache, daß
sich der Amerikanismus mit dem Modernismus verbündete. Resultat war der
heutige Titularismus, der die amerikanische Kirche dominiert und den Weltkatholizismus
stark beeinflußt. Jüngste Blüte ist die Entwicklung einer homosexuellen
Subkultur im Klerus, die völlig einzigartig dasteht. Im 19. Jahrhundert
pflanzte der katholische Klerus das Sternenbanner in den Heiligtümern
auf um zu demonstrieren, daß man gut amerikanisch sei, und diese Sitte
wurde von allen geistlichen Gemeinschaften aufgenommen. Nach dem 2. Vatikanum
schuf die Kirche spezielle Formulare für Messen am Unabhängigkeitstag
und an Thanksgiving, obwohl letzteres ein ausgesprochen protestantischer
Feiertag ist. So sieht der Katholizismus in den Vereinigten Staaten heute
aus.
Nun werden wir versuchen, die drei Elemente zusammenzuführen:
amerikanisch, konservativ und katholisch. Obwohl "konservativ"
lediglich auf die "Der Papst kann nicht unrecht tun"-Fraktion
paßt, wollen wir es allen drei Gruppen orthodoxer Katholiken anhängen,
wenngleich nicht jeder damit einverstanden wäre.
In Europa und Lateinamerika identifizieren sich konservative
Katholiken (KK) mit einer bestimmten politischen Partei. Französische
KK sind oft Monarchisten und ziehen die legitimistischen vor den orléanistischen
Ansprüchen vor.[10] KK
in Spanien sind oft Karlisten[11], doch viele unterstützen Juan Carlos, mehr
als dem König wohl lieb ist. In Österreich und den Ländern der Habsburger
Monarchie genießen diese nach wie vor Loyalität, übrigens auch unter den
Paneuropäern, die man dort überall findet. Das Haus Savoy wurde von den
Katholiken seines Raubes des Kirchenstaates wegen mit Reserve betrachtet,
doch die Frömmigkeit Umbertos II. versöhnte einige mit seiner Dynastie,
andere unterstützen die Bourbonen von Neapel und Parma, die Habsburger
von Modena und der Toskana. Polnische konservative Katholiken schauen
sowohl auf ihre einstige Wahlmonarchie als auf die Nationaldemokraten
von Roman Dmowski in der Zweiten Republik. Der Prätendent des portugiesischen
Throns, Dom Duarte wird von allen portugiesischen KKs unterstützt, während
ihre Gesinnungsgenossen in Brasilien entweder für Lusofonia oder für die
Restauration ihres eigenen brasilianischen Reiches plädieren. Die Restauration
der Reiche zieht eurasische Katholiken in Indien und anderen Teilen Asiens
an.
Spanisch-Amerikaner und Philippinos sehen auf "Hispanidad"
während frankokanadische KKs ihre eigene Tradition der "la survivance"
haben, die sich vom französischen Monarchismus nährt und später von Charles
Maurras. Und so ist es in jeder katholischen Nation. Im protestantischen
Nordeuropa unterstützen die KKs ihre jeweiligen Monarchien, sehnen aber
die Umwandlung der Staatskirche in eine katholische herbei.
In Anbetracht der Macht Amerikas und des gesellschaftlichen
"Fortschritts" werden die meisten derartigen Träume Schall und
Rauch bleiben. Was sie wichtig macht ist die Tatsache, daß sie lokale
Varianten der gleichen Idee sind: ein katholischer Staat, in dem die bürgerlichen
Autoritäten Christus als König anerkennen, in dem das Recht des Landes
diesem Sachverhalt Rechnung trägt und in dem die Kirche bei ihrer Mission,
Seelen vor der ewigen Verdammnis zu retten, unterstützt wird. Mag dieses
Ziel auch schwierig zu erreichen scheinen, die Apostel hatten es erheblich
schwerer, als sie das Römische Reich missionierten und die weite Welt.
Es ist wichtig, daß Konservative, besser orthodoxe Katholiken in allen
Ländern zusammenarbeiten können, ihr Ziel ist es, etwas zu erreichen,
was es bereits einmal gab.
Die amerikanischen Katholiken haben es da schwerer. Selbst
wenn es möglich wäre - eine Zurück auf den Stand von 1933, 1912, 1860
oder 1774 wäre nicht genug. Die geistige Leere, die uns ruiniert, wird
nicht gefüllt durch ein Verbot der Abtreibung, Abschaffung des New Deal,
Schließung der Federal Reserve Bank, Wiederherstellung der Verfassung
oder selbst durch Stiftung einer Krone. Unsere Not ist religiös bedingt
und es wird keine Lösung für das amerikanische Dillemma geben, ohne die
Bekehrung der Nation zum katholischen Glauben, genau wie Orestes Brown
es sagte. Schauen wir noch einmal auf das Römische Reich und die Barbaren
- die Bekehrung machte sie zusammen zu Christen und bewirkte die Rettung
der Einzelnen. Und so muß es auch mit den Vereinigten Staaten werden.
So wie Römer und Barbaren durch diesen Prozeß etwas völlig anderes wurden,
so wird es auch mit uns sein.
Derartige Ideen sind in Amerika nicht unbekannt. In den 1950er
Jahren warb die Zeitschrift «Integrity» für die Bekehrung des Landes,
so wie «Triumph» in den 1960ern. Beide waren Minderheitenstimmen. Man
sagt, daß alle Mitarbeiter von «Triumph» jahrelang in Italien, Spanien
oder Frankreich gelebt hätten. Die Idee eines integrierten katholischen
Staats und Kultur müssen demjenigen fremd bleiben, dessen Horizont nur
bis zu den Grenzen des eigenen Staates reicht.
All das bringt uns nun zurück zu Pat Buchanan. Im politischen
Sinn ist er das beste Beispiel konservativen amerikanischen Konservativismus.
Im kirchlichen Sinne ist er streng orthodox und er bevorzugt die Lateinische
Messe. Politisch gesehen ist er ein strenger Konstitutionalist, der stets
nach Begrenzung für die Macht der Regierung ruft. Und er ist Isolationist,
der Amerikas imperiale Expansion als Mittel zur Verbreitung von Übeln
im Ausland und Unfreiheit im Inland bezeichnet. Wie die meisten amerikanischen
konservativen Katholiken beschwört er die Gründerväter und die amerikanische
Tradition, ohne den hier schlummernden Konflikt erkennen zu können.
Doch im jüngsten Interview mit «Latin Mass» gab er zu, daß
die Gründe für unseren Niedergang in der "protestantischen Häresie"
zu suchen seien und daß die "guten alten amerikanischen Werte"
in sich selbst defizient seien könnten. Wir hoffen, daß er diesen Weg
weitergehen wird, denn er kann viel bewirken.
Was bleibt zu sagen? Für orthodoxe Katholiken bedeutet Patriotismus
mehr als die Flagge schwenken und nach "Konstitution und solidem
Geld" rufen. Trotz der Ströme von Blut, die von Märtyrermissionaren
und von Katholiken in den Kriegen dieses Landes vergossen wurden, bleiben
wir Fremde in diesem Land. Trotz des Blutzolls, den wir entrichtet haben,
sind wir die gleichen Katholiken wie unsere Brüder in Japan und Indien
und unsere Liebe zu unserem Land zeigt sich in unserer Bemühung, unser
Land zur Wahrheit zu bekehren, die sie als Land erhalten wird, so wie
sie den Einzelnen für die Ewigkeit retten wird. Im Gegensatz zu unseren
Glaubensbrüdern in Europa und Lateinamerika haben wir keine großartige
Vergangenheit, die uns inspiriert, doch das muß keine Schwäche, sondern
kann auch eine Stärke sein.
[2] entsprechen den Ministerpräsidenten,
bzw. Landeshauptleuten unserer Bundesländer
[3] Die County (Grafschaft) entspricht
etwa unserem Landkreis bzw. Regierungsbezirk
[4] Parlamentspräsident, in USA „Speaker“
genannt, in Österreich „Nationalratspräsident“
[5] in Deutschland meist fälschlich
als „Bürgerkrieg“ bezeichnet.
[6] gelegentlich auch „Sozialisierung“
genannt
[7] Apostolicum, Nizenum, Athanasianum,
Tridentinum
[8] Wer seine Sprache verliert, verliert
seinen Glauben
[10] Als Legitimisten gelten in Frankreich
die Anhänger der Bourbonen, deren letzter Vertreter Karl X. durch die
1830er Revolution gestürzt wurde. Eben diese Revolution installierte
den „Bürger- bzw. Barrikadenkönig“ Louis Philippe von Orléans
auf dem Thron. Louis Philippe wurde durch die nächste Revolution 1848
gestürzt.
[11] Karlisten sind die Anhänger der
„eigentlich“ rechtmäßigen Linie des dortigen Herrscherhauses
Bourbon-Parma
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