Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

  Gebet für ein christliches Deutschland
  Heimseite
  Reichspsalterion
  Das Monarchieforum
  Bibliographien
  J. S. Bach
  Dichtungen
  Geistliche Texte
  Kontakt
  Zum Gästebuch

   Archiv |   Kuehnelt-Leddihn |   Die Weisse Rose  |   Kirchliche Lehre |   Imperialgeschichte |   Imperialverfassung |   Russland

Der ewige Kaiser

Der ewige Kaiser 2

Das Dauernde 4

 

Vorwort von Werner Bergengruen zur Nachkriegsausgabe. Zürich 1950.

Der Gedichtzyklus „Der ewige Kaiser“ entstand in den Jahren 1935 und 1936. Die erste Auflage erschien, ohne Nennung des Verfassernamens, im Frühling 1937. Im folgenden Jahre, nach der Annexion Österreichs, wurde das Buch verboten und konfisziert. Doch verbreiteten sich die Gedichte handschriftlich in Deutschland und Österreich.

Sie wollten nicht als eine politische Programmdichtung verstanden werden, die allzuleicht einer weltfremden Romantik und Donquichotterie hätte benachbart sein können. Sie wollten das Unechte am Echten messen und stellten der damals herrschenden zerrbildhaften Reichsauffassung das alte Reichsbild entgegen, wie es sich, allen geschichtlichen Wandlungen zum Trotz, im Herzen der Völker durch zwei Jahrtausende bewahrt hat. Und gegen die ephemere Gestalt des Führers setzten sie die überdauernde des Kaisers.

Was mich bewogen hat, nach anderthalb Jahrzehnten den Zyklus von neuem und unverändert vor die Öffentlichkeit zu stellen, das ist nicht zuletzt die gewaltige geschichtliche Aufgabe, die heute vor den abendländischen Völkern, ja vor denen der Erde steht: die Pflicht, das Widerstrebende in höheren Zusammenfassungen zu einen, wie sie im augustäischen Kaiserreich der Antike, im römisch-deutschen des christlichen Mittelalters ihre Vorformungen gehabt haben.

Das alte Kaiserreich, dieses Imperium ohne Imperialismus, ruhte auf zwei Pfeilern: Auf der Botschaft des Christentums und auf dem Weltfriedensgedanken des Kaisers Augustus. Es war die formende, bändigende Kraft des Abendlandes und berufen, dem Zerstörungsdrang der Barbaren, den zügellosen Egoismen der Stämme und ihrer Nachfolger, der Nationalstaaten, das Joch einer höheren, aus dem Geiste gewachsener Ordnung aufzuerlegen. Es ist, im Gegensatz zum Begriff des Staates, nie als national begrenzt, ja vielleicht nicht einmal als territorial begrenzbar, sondern als Versuch einer Dienstleistung an der gesamten Menschheit empfunden worden. Der große Karl, Erneuerer des Reiches, gehört der deutschen wie der französischen Nation gleichermaßen an, um die kaiserliche Krone haben sich französische und englische Könige beworben, und noch Napoleon I. glaubte auf die von der alten Kaiseridee ausstrahlende Legitimation nicht verzichten zu können.

Das Reich galt als eine unmittelbare Schöpfung Gottes und als irdisches Vorausbild des kommenden Gottesreiches. Daß diese Idee wie alle Ideen im empirischen Raume nur bruchstückhaft verwirklicht werden konnte und an allem Jammer der Erde teilzunehmen hatte, das hat ihr in den Augen ungezählter Vorfahrengeschlechter nichts von ihrem Adel nehmen können.

Dieses Reich erschien nun verkörpert in der Gestalt des Kaisers, denn es war ja erwachsen in jenen Jahrhunderten, die sich, das Beispiel der Kirche im Sinne tragend, keine andere als eine monarchische Spitze vorzustellen vermochten. Aber der Kaiser war nicht der Inhaber des Reiches in dem Sinne, in welchem die absolutistischen Herrscher die Inhaber ihrer Staaten waren. Er war nicht der Ausüber der Macht oder gar der Gewalt, sondern er war der im Äußeren oft genug unmächtige Träger der Reichsidee, das heißt: des Rechts- und Friedensgedankens. Er war der Treuhänder Gottes und nach Gottvaters Bilde der Vater der Völker.

In der Zeit der großen Verzweiflung, im Jahre 1933, las ich in Kaiserswerth am Rhein[2] die auf Friedrich I. Barbarossa bezogene mittelalterliche Inschrift:

Iusticiam stabilire volens et ut undique pax sit. (Gewillt, der Gerechtigkeit einen festen Grund zu geben und daß allenthalben Friede sei.)

Ich weiß nicht, ob die Überreste jener Kaiserpfalz und mit ihnen diese wahrhaft kaiserlichen Worte die Zerstörungen des letzten Krieges überdauert haben[3]. Ich weiß nur, daß ich die sittliche Hoheit des alten Reichsgedankens nie mit einer solchen Erschütterung empfunden habe wie angesichts jener Inschrift und in jenem Jahre der Erniedrigung, Rechtsverleugnung und Friedlosigkeit.

Es steht der Dichtung nicht zu, die Formen künftiger europäischer und übereuropäischer Zusammenschlüsse vor ihre Urteil zu laden und Erwägungen darüber anzustellen, auf was für Schultern die ehemals kaiserliche Aufgabe in Zukunft ruhen werden. Wohl aber darf sie in ihrer Weise daran erinnern, daß jene Zusammenfassungen der Völker, auf die wir hoffen, von den nämlichen seelischen und geistigen Kräften getragen sein werden, die dereinst das Bild des alten Reiches geformt haben. Und so wird etwas von ihm weiterleben und des Kaisers ewige Gestalt überall dort zugegen sein, wo Steine zum überwölbenden Bau des neuen Völkerhauses zusammengetragen werden.[5]

 

Werner Bergengruen - Der ewige Kaiser

Zürich im August 1950

Der ewige Kaiser

Wo auf der Völker dunklen Wegen
ein Licht erglimmt, ein Wort erschallt,
bist du geheimnisvoll zugegen,
des Kaisers ewige Gestalt.

Vergil umkränzte Deine Pforten,
dich rief Jsaias’ Prophetie,
dich kündete in ernsten Worten
des Florentiners Monarchie.[6]

Es sproß in Deinem Herrschaftskreise
das himmelher gesäte Brot.
Die Eltern richteten die Reise
nach Bethlehem auf Dein Gebot.[7]

Du bist’s, dem in gekreuztem Strahle
des Sieges Pfand vom Himmel schien.
Du nahmst aus der geweihten Schale
das Bad der Gnade, Konstantin.

Du machtest die vererbten Schätze
der neuen Botschaft untertan,
du schriebst Jahrhunderten Gesetze,
ein Herr der Rechte, Justinian.

Du nahmst die unverjährte Krone
neu als Carol im Petersdom,[8]
umwarbst als Salier, als Ottone
die große Königswitwe Rom.

Du hast den Erdkreis einbeschieden,
August, in die Romana pax,
du banntest neu in Gottes Frieden
die Gier der Waffen, Kaiser Max.[9]

Du gabst den Winden dein Gelocke,
der Himmel war dein Baldachin,
du neigtest deinen Hals zum Blocke,
verklärter Knabe Konradin.

Du lagst im Wald am Köhlerfeuer,
verfolgt, ein unbehauster Mann,
dich sah aus stürzendem Gemäuer
der große Blick der Tiefe an.

Du hast, verraten und vergessen,
bedrängt vom Bruder und vom Sohn,
des Leidens dunklen Raum durchmessen,
und in der Hölle stand dein Thron.

Du hast die Bitterflut getrunken,
Daraus&xnbsp; die ewige Lilie blüht,
und&xnbsp; hast den Kranz aus Sternenfunken
der Dornenkrone cingeglüht.

So wölbtest du den Ehrenbogen
von Der Narowa bis zum Doubs,
fern tauchten Inseln aus den Wogen
und fielen dir als Erbteil zu.

Du bist am Hellespont gestanden,
du hast an Gottes Grab gefleht,
sahst als Carl Quint[10] in deinen Landen
die Sonne, die nicht untergeht.

Der Völker schwer geeinte Scharen,
sie ründeten der Schilde Kreis,
Bastion vor Türken und Barbaren,
in deinem Zeichen und Geheiß.

So strahlt aus deinem Diademe
die alte Würde von Byzanz,
dein ist die Fülle der Embleme,
du Herr und Hort des Abendlands.

Schon gärt’s im Schlammgrund der Gezeiten,
schon drohn durch Nebel und Geröll
der Steppen unermeßne Weiten,
der Tiefen brodelndes Gewöll.

Schon ist in den geheimsten Schichten
des Blutes dunkler Trotz erwacht,
schon kündigt sich in Vorgesichten
Europas letzte Hunnenschlacht.

Erhebe Konstantins Standarte,
entblöße Karls geweihten Stahl!
Und von Europas höchster Warte
dein Wort erglühe als Fanal!

Wir sind in deine Hut befohlen,
wir sind zu deiner Hut bestellt.
In tausendjährigen Symbolen
ruft sich die ungeheilte Welt,

die irrend, in sich selbst geschieden,
aus Schuld und Drangsal friedlos ist.
O schließe neu sie in den Frieden
des Herrn der Herren: Jesus Christ.

Wo auf der Völker dunklen Wegen
ein Licht erglimmt, ein Wort erschallt,
bist du geheimnisvoll zugegen,
des Kaisers ewige Gestalt.

Dein Erbe wächst aus allen Ackern,
zum Denkmal dir drängt jeder Stein.
Du wirst Erleuchtern und Erweckern
der erstgebornc Bruder sein.

Du wirst, wenn in Posaunenlauten,
in rotem Glanz die Zeit zerbricht,
inmitten der dir Anvertrauten
den Herrn erwarten zum Gericht.

Das Dauernde

Erblosen Todes sterben die Tyrannen,
Tribunen zeugen nicht.
Und die der Tausende Gehör gewannen,
gewannen sich Gericht.

Im bleichen Licht der fieberheißen Lampe
steht weiß der Komödiant.
Sein Auge flackt, er neigt sich an der Rampe
und reckt verzückt die Hand.

Er kränzt sich unter dem Geschrei der Menge
mit geil geschoß’nem Kraut,
- Der Acker singt die alten Preisgcsänge
getreulich ohne Laut.

Der Herr und Knecht der selbstgeglaubten Lüge
erhitzt sich am Gewühl.
- Der Born im mütterlichen Weltgefüge
rauscht klar und keusch und kühl.

Der Pöbel brüllt, Fanfaren heulen schrille,
und Wimpel blähn sich groß.
- Das Trächtige erfüllt sich in der Stille
und tief im dunklen Schoß.

Wie wollen vor dem Abend sie bestehen,
die schäumend, fort und fort
in tausendfachem Hin- und Wiederdrehen
gebuhlt ums hohle Wort?

Und wo des Zorns geschwollene Dämonen
den Weinberg und den Hain,
das Fruchtgeländc und den Herd bewohnen,
wie soll die Saat gedeihn?

O giergehetzte Rufer nach dem Beile,
Aufspürer alter Schuld -
Nur das Vergängliche kennt Haß und Eile.
Die Dauer hat Geduld.

Am Himmel, wenn Gewölk und Dunst zerrannen,
steht groß das alte Licht.
Erblosen Todes sterben die Tyrannen,
Tribunen zeugen nicht.



 

[2] Zwischen Duisburg und Düsseldorf, rechts des Rheines. Hier war eine salisch-staufische Kaiserpfalz.

[3] Diese Frage geben wir an unsere Leser in NRW weiter

[5] Eine verblüffend masonistische Formulierung.

[6] Das ist Dante

[7] Das Gebot des Kaisers Augustus zur Volkszählung.

[8] Krönung Karls des Großen Weihnachten 800

[9] Ewiger Landfriede? War eigentlich schon unter Kaiser Friedrich III.

[10] Kaiser Karl V.

Zum Archiv der Monarchieliga

Geschichte des Imperiums

Zur Heimseite der Monarchieliga