Das Ende des Zarismus - ein Fortschritt?
Eine
Rezension von Jörn K. Baltzersen. 7. November 2005
Einmal in unserem Leben wollten wir Menschen glücklich machen und das
werden wir uns nie verzeihen können.
Ein alter russischer Linker zu Nadeshda Mandelstam (zitiert
nach Leftism revisited)
In diesem Jahr [2005] findet das 100jährige Jubiläum der russischen
Revolution von 1905 statt, der Revolution, die das russische Duma-Parlament
erzwang. Gleichzeitig denken wir an die entsetzliche russische Oktober-Revolution,
mit der die provisorische Kerenski-Regierung abgelöst wurde.
Ein Buch aus dem Jahre 2003 ist in dieser Beziehung bedeutsam: „Das
Dritte Rom: Heiliges Rußland, Zarismus und Orthodoxie.“ von Dr. Matthew
Raphael Johnson, herausgegeben von der „Foundation for Economic Liberty“. Ein Exzerpt kann eingesehen werden unter
diesem Link.
Das Buch beginnt mit einem Vorwort, das man als „Hoppe’sche Herausforderung
an das Geschichtsbildes der Whigs“ sehen kann:
Der Sinn des „Dritten Roms“ ist es, das politische
Weltbild seiner Leser zu verändern. Der liberal-konservative
Konsens der westlichen Länder soll herausgefordert werden. Zu
diesem Konsens gehört der abergläubische Glaube an einen linear-evolutiven
Fortschritt der Geschichte, und die kontinuierliche Dominanz
der Idee, daß die westliche Demokratie moralisch überlegen sei,
nicht nur dem Rest der Welt, sondern auch der gesamten Menschheitsgeschichte
gegenüber.
Zur exoterischen Propaganda des Westens gehört es, daß man
routinemäßig mit Mythen über die herrliche Entwicklung der europäischen
Geschichte von der „Dunkelheit“ des Mittelalters
zum „Licht“, zur Aufklärung, zur Wissenschaft, und
zu ihren Produkten wie dem Postmodernismus konfrontiert wird.
Die „Tyrannei“ der mittelalterlichen und frühmodernen
Könige kontrastiert mit den Wohltaten moderner Republiken, die
Übel des Feudalismus kontrastieren mit der Allianz von Staat
und Kapital. Nach diesem Schema wird Geschichte an modernen
Universitäten gelehrt und dieses Schema ist der Inhalt des „öffentlichen
Diskurses“ im Westen. Dieses Schema hat nur eine Schwäche
- es ist Unsinn!
Zu keiner Zeit in der Weltgeschichte hatte eine herrschende
Klasse die gesamte Macht derartig zentralisiert: Überwachungstechniken,
Medienmacht, Armeen, moderne Waffen, Komputer und eine disziplinierte
Bürokratie, die jeden einzelnen Bürger mit akribischer Genauigkeit
durch sein ganzes Leben begleiten und zurückverfolgen kann,
repräsentieren die verwundbare Seite des Geschwätzes
westlichen „Demokratie“ und des „Republikanismus“.
Tyrannei war in der Vormoderne unmöglich, - der technische Apparat,
der für „Totalitarismus“ gebraucht wird, war nicht
vorhanden. Nur der moderne Staat kann Tyrannei gestalten.
Johnson trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt:
Das tägliche Leben einer monarchischen Regierung steht nicht
im Gegensatz zu dem in einer Republik, sondern lediglich zur
idealistischen Theorie der Republik.
Das Buch Johnsons ist nicht nur eine Verteidigung der russischen Monarchie,
es stellt auch eine Verteidigung der Orthodoxie dar. Johnson ist selbst
[russisch]-orthodoxer Christ. Er stellt sich in seinem Buch in Gegensatz
zur römisch-katholischen Kirche. Das dritte Rom sei Moskau, das zweite
war Byzanz, das erste Rom selbst. Einen wichtigen Teil des Buches bilden Ausführungen
darüber, daß die Orthodoxie, die russische Kultur und die russische
Monarchie eng verknüpft sind.
Man kann nicht mit allem einverstanden sein, was Dr. Johnson sagt.
Auch seine Fakten konnten nicht vollständig überprüft werden. …
Wir wissen, daß die Intellektuellen des Westens die russische Revolution
und 70 Jahre kommunistischer Herrschaft durch rosarote Brillengläser
betrachtet haben. Man sollte Johnsons Buch kritisch lesen, doch unsere
eigene Geschichte muß auch kritisch betrachtet werden. Johnson ist wohl
nicht so weit von der Wahrheit entfernt, wenn er ausführt:
Die englischsprachige Geschichtswissenschaft wiederholte über
Rußland seit 90 Jahren nur die bolschewistische Propaganda und
nennt das Geschichtswissenschaft.
Man sagt, daß der Schlüssel zum Erfolg des Westens kleine politische
Einheiten ist, im Gegensatz zu China und Rußland. Doch was im Westen
funktioniert hat, braucht nicht für Rußland zu taugen. In „Leftism revisited“
sagt Erik von Kuehnelt-Leddihn:
Die brillante, wissenschaftliche, liebliche „Intelligentsia“
war die Schuldigste von allen. Generationenlang hatte sie den
Bau des Heiligen Mütterchen Rußlands unterminiert, sei es durch
die Zusammenarbeit mit den Sozialrevolutionären, dem „Volkswillen“,
den Sozialdemokraten oder einfach durch „Offenheit“
durch Verhöhnen des nationalen Erbes, durch die Verbreitung
freundlichen Zweifels, durch stupides Nachplappern westlicher
Phrasen und Ideen, die nicht für Rußland geeignet sind.
Man mag Johnsons antiwestliche Rhetorik ablehnen, zweifellos recht
hat er damit, daß sich die westliche Kultur von der russischen wesentlich
unterscheidet. Angesichts der massiven antirussischen Rhetorik im Westen
muß man akzeptieren, daß Gegenausschläge erfolgt.
Johnson nimmt das Argument von Bertrand de Jouvenel auf, wenn er mitteilt,
daß der Absolutismus der russischen Monarchie sich auf die rein politische
Sphäre beschränkte. Heute ist alles „politisch“ und ein moderner Mensch
kann überhaupt nicht mehr verstehen, wie begrenzt selbst ein russischer
„Absolutismus“ war. Johnson sagt, daß die Monarchie für 90% der russischen
Menschen bis zur Revolution völlig unsichtbar war. Johnson beschreibt
ein dezentrales System:
Die ländliche Kommune beherrschte das Leben der Bauern, sie
war völlig unabhängig vom Zaren.
Dr. Johnson attackiert das moderne Regime, in dem die Arbeitgeber keine
Verantwortung für die Wohlfahrt ihrer Arbeiter haben. Johnson hat völlig
recht, wenn er sagt, daß die Herrschaften der alten Ordnung sich für
die Wohlfahrt ihrer Untergebenen verantwortlich fühlten.
Auch aus dem Werk von Bertrand de Jouvenel geht
das hervor. Man kann ohne weiteres zu dem Schluß gelangen, daß das Hauptproblem
unserer Zeit die Verantwortungslosigkeit ist.
Johnson beschreibt ein hohes Niveau sozialer Gesetzgebung, eine Gesetzgebung
die die Arbeiter vor schlechten Arbeitsbedingungen schützte. Man darf
sich allerdings fragen, ob eine solche Gesetzgebung überhaupt wünschenswert
ist, wenn sie allerdings auch nicht mit unserer heutigen vergleichbar
ist. Die Behauptung, beim alten Rußland hätte es sich um ein „reaktionäres“
System gehandelt, welches die unteren Schichten ausbeutet, ist jedenfalls
haltlos.
Johnson scheint mit der Idee zu sympathisieren, daß der moderne zentralisierte
Staat, der alle gewachsenen Institutionen zerschlagen hat, die das Individuum
vor dem Staat schützen, keinen wirklichen Individualismus gewährleistet:
Ein „Individuum“, isoliert von seiner Gemeinschaft
oder Region, ist in allen „Demokratien“ eine inhaltlose
legale Fiktion, es kann leicht ausgebeutet werden. Hier handelt
es sich um die Esoterik des Begriffs „Individualismus“
in der politischen Theorie - es ist viel einfacher für eine
Oligarchie, isolierte Individuen zu beherrschen, als mit starken
kommunalen oder lokalen Strukturen zu verhandeln.
Über Zar Nikolaus I. berichtet Johnson folgendes:
In liberalen Demokratien haben diejenigen, die sich für öffentliche
Ämter bewerben, auch die ausgeprägtesten Ambitionen. Bei Nikolaus
war das Gegenteil der Fall, er verzichtete zugunsten des formal
rechtmäßigen Erben und nahm nur unter Druck die Krone an. Nach
dem demokratischen Denken sind nur die ambitionierten und machtgierigen
in der Lage, das zu tun, was nötig ist, um gewählt zu werden.
Amerikanische Politiker sind Huren. Sie müssen ihr Reden und
Denken nach denjenigen Gruppen richten, mit denen sie sprechen
oder sich treffen. Er muß beständig um Geld betteln mit erheblich
weniger Anmut als selbst die gewöhnlichste Prostituierte.
Bezüglich der Steuern wird mitgeteilt, daß die Russen das am geringsten
besteuerte Volk Europas gewesen ist:
Nikolaus II. kam im Jahre 1894 zur Regierung. Er übernahm
ein Rußland, daß alles andere als rückständig war, doch bei
Ausbruch des Ersten Weltkrieges [3] war die Welt neidisch auf Rußland. Rußland
hatte die niedrigsten Steuern Europas. Die direkte Steuerlast
betrug 3,10 Rubel pro Jahr und Kopf - in Österreich waren
es 10 Rubel, in Frankreich 12, Deutschland 13 und im fortschrittlichen,
kapitalistischen Britannien 27 Rubel. Die indirekte Steuerlast
war wiederum die niedrigste in Europa, sie betrug lediglich
6 Rubel pro Jahr und Kopf, im Gegensatz zu 10 Rubel in Deutschland,
11 in Österreich, 14 in Britannien und 16 in Frankreich.
Diese Steuerquote läßt das alte Rußland in einem erheblich besseren
Licht dastehen. Ebenfalls ist die Haltung der zarischen Regierung bezüglich
einer Zentralbank interessant:
Rußland stand erst am Anfang der wirtschaftlichen Expansion
in den Weltmarkt. Es steht außer Zweifel, daß die Weigerung
der Romanows, eine Zentralbank unter Aufsicht der Weltfinanzelite
zu genehmigen, ihr Todesurteil bedeutete. Das Zarenreich war
die einzige europäische Macht, die sich weigerte, eine Zentralbank
einzurichten, während die Bolschewiken willfährig waren.
Es sieht an dieser Stelle so aus, als hätte Johnson nichts gegen Welthandel
und Geldverdienen. Weshalb also die antikapitalistische Rhetorik? Handelt
es sich lediglich um einen Angriff auf die Verbindung von Staat und
Kapital? Oder geht es um den Mangel an Arbeiterschutz? Beide Konzepte
werden von Johnson angegriffen. Es geht mir hier nicht darum, Johnsons
Anerkennung des Wohlfahrtsstaates zu verteidigen. Keinesfalls. Die Verteidigung
des Wohlfahrtsstaates hat in diesem Buch sehr wenig zu bedeuten, wichtig
ist, daß der Kaiser ein Freund der Freiheit war, im Gegensatz zu der
brutalen Barbarei, die nach ihm kam.
In „Leftism revisited“ lesen wir:
Die Leibeigenschaft existierte bis 1861, doch
war sie weit weniger charakteristisch für Rußland, als die Sklaverei
für die Vereinigten Staaten. Außerdem war sie ungleich milder als Sklaverei,
in vielen Teilen des Reichs gab es sie überhaupt nicht. Viele Leibeigene
waren wohlhabend und besaßen Vermögen bis zu 60 Millionen Dollar
heutigen Werts und hatten lediglich eine mikroskopische Kopfsteuer zu
entrichten.
Johnson berichtet von den Leibeigenen:
Es ist nicht zu erkennen, daß die Befreiung der Leibeigenen
ein Ziel der Bauern war. Nichtsdestotrotz konnte der Zar 1861 mit
einem Schlage die Aufhabung der Leibeigenschaft und die Befreiung
der Bauern durchsetzen, ein Schritt, der die Amerikaner viele Jahre
und hunderttausende Gefallene kostete.
Ich habe in der Schule gelernt, daß 10% der Russen 90% des Landes besaßen.
Raphael Johnson entgegnet solchen westlichen Weisheiten:
Bis 1917 beherrschte die russische Bauernschaft die überwältigende
Menge der russischen Anbaugebiete, dreimal soviel wie der Adel.
Uns wurde gesagt, daß Rußland ein Polizeistaat gewesen wäre und der
absoluteste Staat von Europa. Auch diesen Lehren widerspricht Johnson:
De Gulewitsch sagt, es hätte 3.500 Polizisten in St. Petersburg
gegeben. Kochan and Keep weisen aber im Jahre 1997 nach, daß
es im ganzen 180 Millionen Reich lediglich 5.000 Polizisten
gegeben habe, so daß Rußland ein äußerst schlechtes Beispiel
eines Polizeistaates abgibt. Die Gesamtzahl der Beamten, einschließlich
der Semstwoangestellten[4] erreichte niemals die Zahl von 330.000. Das wesentlich
kleinere Frankreich hatte 1906 500.000 Beamte und Staatsbedienstete.
Johnson berichtet ferner, daß es die kaiserliche Regierung nicht wagen
durfte, in die Belange der bäuerlichen Kommunen einzugreifen.
Die russischen Bauernaufstände nahmen die Ausnahme großer Bürgerkriege
an.
In seinen Attacken gegen die Demokratie sagt uns Johnson:
„Freie Wahlen“ sind das simpelste Mittel einer
Oligarchie um eine Bevölkerung zu versklaven, die sie nicht
einmal kennt.
Johnson berührt vielerlei Gegenstände, so die Frage, ob der Begriff
„Iwan der Schreckliche“ eine korrekte Übersetzung aus dem Russischen
ist und ob dieser wirklich ein „Schlächter“ gewesen wäre. Johnson meint,
daß „Iwan, der Furchtgebietende“ als Übersetzung geeigneter wäre. Johnson
versucht, Mißverständnisse zu klären und das sollte anerkannt werden.
Doch seine ausgesprochene Antipathie gegen den Adel, der er bei der
Beschreibungen von Auseinandersetzungen mit dem Zaren freien Lauf läßt,
obwohl der Adel zweifellos eine notwendige Einschränkung königlicher
Macht darstellt, ist wenig sympathisch.
Die Tatsache, daß Rußland mit den Mongolen kämpfen mußte, hatte stärkeren
Einfluß auf die größte Nation auf unserem Planeten, als wir im allgemeinen
glauben. Johnson gewährt uns einige Einblicke auf diese Tatsache. Er
behauptet auch, daß Peter I. ein unrussischer Herrscher gewesen
sei, der eine „unrussische Aufklärung“ gefordert habe. Diese sei, so
Johnson, ein europäisches und kein russisches Konzept. Johnson hat also
nur wenig Sympathie für Peter I. Wir lernten im Westen, daß Rußland
ein Beispiel für Absolutismus in Europa darstellte. Johnson bietet eine
andere Perspektive. Die Macht des Monarchen war nicht nur eingeschränkt
durch den Adel, sondern auch durch Kirche und Landgemeinde.
Johnson bietet einen recht guten Überblick über die russische Geschichte
bis 1917. Die zeit danach berücksichtigt er nicht, da er sie nicht mehr
für russisch hält. Er beschreibt die Gesellschaftsordnung vor dem Einbruch
des demokratischen Absolutismus, vor dem Totalitarismus und den Grausamkeiten
des 20. Jahrhunderts sehr gut. Der Zarenstaat war gewiß kein perfektes
System, doch war er das richtige System für Rußland und er wurde unvorstellbar
brutal abgeschafft. Allgemein wird geglaubt, daß die erste Revolution
von 1917 einen Fortschritt darstellte, die Oktoberrevolution hingegen
eine Tragödie war. Diese Position entspricht der Darstellung, daß das
Ende der Habsburger und Hohenzollern Fortschritt war, die Machtergreifung
jedoch eine Tragödie. Doch war es ein schrecklicher Fehler, zu glauben,
daß der Abgang der Romanow, Habsburg und Hohenzollern einen Fortschritt
dargestellt hätte.
Bezüglich Rußland resümiert Erik von Kuehnelt-Leddihn brillant in „Leftism
revisited“:
In Rußland zerstörte das Ende der Monarchie im März 1917 das
Zentrum und das Objekt jeder Loyalität.
Neben vielen anderen hat Bertrand de Jouvenel gezeigt, daß noch nie
eine Revolution bessere Führer hervorgebracht hat, was am besten für
Rußland zu trifft.
Kuehnelt-Leddihn berichtet:
Zweimal traf ich Kerenski in den Vereinigten Staaten. Georg
Katkow hatte völlig recht, wenn er sagte, daß die russischen
Liberalen, die die Alte Ordnung zerstörten, nicht das geringste
Bewußtsein ihres verbrecherischen Tuns hatten, genau so wenig
waren sie in der Lage, das Staatsschiff zu steuern.
Dr. Johnsons Darstellung der Abschaffung des Zarentums als Niedergang
ist ebenso zu begrüßen wie seine Anstrengungen, der negativen Propaganda
über das alte Rußland entgegenzutreten. Dem Mythos der zwei unterschiedlich
zu bewertenden Schritte der Revolution von 1917 tritt er allerdings
nicht entschieden genug entgegen. Johnson bringt eine umfangreiche Bibliographie
für weitere Studien. Doch weist diese Bibliographie auch Lücken auf.
Erik von Kuehnelt-Leddihn schrieb in „Leftism revisited“:
Die Fehleinschätzungen der russischen Sozialstruktur in der
westlichen Welt sind so mannigfaltig und tiefsitzend, daß sie
unausrottbar erscheinen. Die drei brillanten Bände von Anatole
Leroy-Beaulieu über das Rußland des späten 19. Jahrhundert „L’Empire
des tsars et les Russes“ vermitteln den Eindruck einer
ungeheuer mannigfaltigen Gesellschaft, die nicht auf Geburt
oder Geld basierte. Es ist überflüssig anzumerken, daß die großen
russischen Schriftsteller dieser Zeit den gleichen Eindruck
vermitteln. Vor dem „Roten Oktober“ war Rußland
Europas „östliches Amerika“, ein Land in dem soziale
Mobilität größer war als sonst irgendwo, wo Titel weniger bedeuteten
als im Westen, wo intelligente und tüchtige Leute über Nacht
ihr Glück machen konnten, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.
Gut ausgebildete europäische Arbeiter und Spezialisten in vielen
Gebieten gingen lieber nach Rußland als nach den Vereinigten
Staaten. Und selbst vor 1905 gab die Fähigkeit zu Lesen und
zu schreiben vollständige Freiheit.
Anatole Leroy-Beaulieus Werk gibt es auch
auf englisch als „The Empire of the Tsars and the Russians“.
Vor allem aber sollte jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt,
die Bücher von Kuehnelt-Leddihn, vor allem „Leftism revisited“ kennen.
Es ist eigentümlich, daß die Bibliographie von Johnson nicht Anatole
Leroy-Beaulieus Werk enthält. Das oben angeführte
Zitat von Anatole Leroy-Beaulieu vermittelt eine Perspektive, die bei
Johnson fehlt oder zumindest nicht deutlich genug wird.
„Das Dritte Rom“ muß wärmstens empfohlen werden. Jeder, der sich für
den Übergang von Monarchie zu Demokratie interessiert, muß es kennen.
Es ist höchste Zeit, daß wir alle die russische Revolution so sehen,
wie Erik von Kuehnelt-Leddihn:
Stellen Sie sich einen sehr erfolgreichen, gut aussehenden
und verantwortungsvollen jungen Mann vor, dem ein erfolgreiches
Leben bevorsteht. Eines Tages fährt er alkoholisiert gegen einen
Baum und wird zum entstellten Krüppel. Und stellen Sie sich
vor, dies geschieht nicht nur einem Mann, sondern einer ganzen
Nation.
Es gibt keinen positiven Sinn in einer solchen Geschichtsentwicklung.
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