Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

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Kapitel 14: Das Römische Reich wurde durch die göttliche Vorsehung auf die edlen Deutschen übertragen

Schon lange bevor die translatio vollzogen wurde, bestimmte Gott in seinem Vorsehungsplan, daß das Römische Reich von den Deutschen regiert werden sollte. Aus diesem Grund wurde seinerzeit der Hirtenstab des heiligen Petrus nach Deutschland gesandt. Geschichte und Geheimnis dieser Sendung überliefert die Glosse zu „de sacerdotis unctione, c. unico.“ Aber ich hole weiter aus.

Als der heilige Petrus, der Erste der Apostel, Eucharius, Valerius und Maternus, drei durch Heiligkeit des Lebens und gelehrte Bildung ausgezeichnete Männer, ausgesandt hatte, um den Galliern und den Germanen den Glauben an die Heiligste Dreifaltigkeit zu verkündigen, und diese in das edle Elsaß (jetzt eine deutsche Provinz, damals eine Provinz der Gallia Belgica) gelangt waren, begab es sich, daß der heilige Maternus in einem Dorf namens Ehl[1] der Natur ihren Tribut zollte und starb. Eucharius und Valerius übergaben seinen Leib der Erde und kehrten eiligst auf demselben Weg, den sie gekommen waren, in die Stadt Rom zurück. Als sie vor Petrus standen, sprachen sie: „Heiliger Vater, sieh, unser Begleiter Maternus ist den Weg allen Fleisches gegangen und wurde begraben. Aber es ist nicht ratsam, ohne deinen Befehl zu zweit weiterzumachen; wir bitten dich, geselle uns einen anderen an seiner Stelle bei.“

Der heilige Petrus aber antwortete: „Das ist es nicht, was zu tun ist, Brüder. Was ihr erzählt habt, ist geschehen, damit die Herrlichkeit Gottes unter den Völkern offenbar werde.“ Und er sagte: „Nehmt diesen meinen Stab, und wenn ihr an die Grabstätte kommt, holt den Leichnam heraus, berührt ihn mit dem Stab und sprecht dabei: „Christus, der Sohn Gottes, und sein Diener Petrus befehlen dir: Steh auf und übe mit uns das Amt aus, das dir übertragen wurde!“ Alsbald kehrten Eucharius und Valerius auf dem Weg, den sie gekommen waren, zurück nach Ehl, wo sie Maternus begraben hatten, und gelangten nach 40 Tagen an sein Grab. Dort taten sie nach der Weisung des Apostels, stellten sich vor das Grab, den Stab in der Hand, und sprachen die oben geschriebenen Worte. Sofort richtete sich der Leichnam auf, und die Seele wurde wieder mit dem Körper vereint. Maternus ging gesund und unversehrt mit seinen Brüdern umher und säte das Wort Gottes aus. Wie nun das Volk im Elsaß das Wunder sah, rühmte es allsogleich Gott, und noch am selben Tag wurde eine große Menschenmenge getauft.

Daher sagen wir, daß der heilige Petrus in prophetischem Geist den Stab zu den Deutschen geschickt hat. Aus diesem Grund, der zugleich ein Geheimnis birgt, benutzt der Römische Pontifex heutzutage nicht wie die anderen Bischöfe den Hirtenstab, wie der Text zur oben zitierten Glosse sagt.

Die berichtete Geschichte ist aber nicht nur nach dem Wortsinn, sondern auch nach dem allegorisch-typischen Sinn zu verstehen. Was sollen wir denn unter Petrus, dem Apostelfürsten und Fundament der Kirche, anderes verstehen als das königliche Priestertum? Was bezeichnet der Hirtenstab, auf den sich der Hirte stützt und mit dem das umherirrende Schaf zur Herde zurückgeführt und der räuberische Wolf vertrieben wird, anderes als das Heilige Reich? Denn der Apostolische Hirte stützt sich auf den Stab, während der Kaiser der Römer die Rechte der Römischen Kirche als ihr Vogt schützt und verteidigt, und die hochherzige Gesinnung der Deutschen verlangt, den katholischen Glauben, an dem die Römische Kirche unbeirrt festhält, mit kaiserlicher Autorität zu bewahren. Durch den Stab wird ein umherirrendes Schaf zur Herde zurückgeführt und Maternus wieder auferweckt; so werden alle, die den Makel der Irrlehre an sich tragen und der Römischen Kirche den Gehorsam aufgekündigt haben, in päpstlichem Auftrag durch den Kaiser mit dem weltlichen Schwert zur Einheit des Glaubens zurückgeholt.

Mit dem Stab wird außerdem der räuberische Wolf vertrieben; d. h. die Sarazenen und die Feinde des christlichen Namens werden, von der Macht des Römischen Kaisers gebändigt, von der Tenne des Glaubens ferngehalten. Und wie der heilige Römische Bischof Petrus diesen Stab durch Eucharius und Valerius nach Germanien sandte, so hat der Römische Papst in der Person des großmächtigen Karl das Römische Reich von den Griechen auf die Deutschen übertragen. Es steht also fest, daß es nicht nur durch menschlichen Plan geschah, sondern auch durch göttliche Vorhersehung vorgezeichnet wurde, daß das Römische Reich am Ende der Zeiten auf die Deutschen zu übertragen war. Alle also, die versuchen, die Rechte und die Territorien des Reiches rechtswidrig zu beanspruchen und das Heilige Reich nach Kräften zu bedrängen, beleidigen nicht allein die kaiserliche, sondern auch die göttliche Majestät. Ist dies schon bei den anderen Nationen tadelnswert, so ist dies doch noch weit verabscheuungswürdiger bei den deutschen Fürsten, die der Herr vor allen Völkern zur Lenkung des Reiches auserwählt hat.

 

 



[1] im Kreis Erstein, Unterelsaß, später dort Kloster, das von den gottlosen französischen Revolutionären zerstört wurde

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