Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: Epiphaniasfest 2011

 

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Kardinal Bea, die Juden und ‘Nostra Aetate’

von E. Michael Jones


Im Jahre 1960 reiste ein französischer Jude namens Jules Isaak nach Rom, um darüber zu diskutieren, was er für die zweitausend Jahre alte „Lehre der Geringschätzung“ der Katholischen Kirche gegen sein Volk erachtete. Isaak war der ehemalige Generalinspekteur der Öffentlichen Schulen Frankreichs und ein Historiker, der zwei Bücher über die katholische Haltung gegenüber den Juden verfaßte, nachdem er mehrere Familienmitglieder während des Krieges verloren hatte. In beiden Büchern, in Jesus et Israel, veröffentlicht 1946, und Genese de l’Antisemitisme, veröffentlicht zwei Jahre später, führte Isaak zwei Punkte an, die den katholisch-jüdischen Dialog für den Rest des Jahrhunderts beherrschen sollten. Isaak behauptete: 1] Die Katholische Kirche hätte über zweitausend Jahre Antisemitismus gelehrt, und 2] daß diese Lehre ihren letztendlichen Ausdruck in dem Massenmord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs gefunden hätte.

Nach und nach hinterließen seine Schriften bei den Katholiken Frankreichs und darüber hinaus einen nachhaltigen Eindruck. Pater Paul De Mann aus Paris, und Pater Gregory Baum, ein jüdischer Konvertit aus Kanada, begannen damit, Isaaks Thesen in katholischen Kreisen zu verbreiten. Baum bezeichnete Jesus et Israel als „einen bewegenden Bericht über die Liebe Christi, die Er für Sein Volk, die Juden, empfunden hatte, und der Mißachtung, die den Juden später von den Christen entgegengebracht wurde.“ Im Jahre 1947 nahm Isaak an einer internationalen Konferenz in Selisberg, Schweiz, teil, und das Ergebnis war ein Memorandum mit 18 Punkten über die „Korrektur der Christlichen Lehre im Hinblick auf Israel.“

Im Jahre 1949 traf sich Isaak mit Papst Pius XII. Aber die Besprechung blieb ohne Ergebnis. Warum ist nicht schwer zu verstehen. Trotz der offenen heidnischen Ideologie des Nationalsozialismus in Deutschland, und der Unruhe die diese Ideologie in seine Familie gebracht hatte, war Isaak davon überzeugt, die gefährlichste Form des Antisemitismus sei das Oxymoron, bekannt als christlicher Antisemitismus. Weil es sich hier um einen ideologischen und nicht rassistischen Antisemitismus handelte, hatte er sich entschieden länger gehalten als Hitlers rassistische Ansichten. Seine Wurzeln reichten bis auf die fundamentalen Texte des Christentums zurück, insbesondere die Evangelien nach Matthäus und Johannes, wie auch die Schriften der Kirchenväter, beispielsweise des hl. Johannes Chrysostomos, hl. Ambrosius, hl. Augustinus und Papst Gregor des Großen.

Als Isaak zu seinem zweiten Besuch im Vatikan eintraf, hatten sich die Zeiten seit 1949 dramatisch verändert. Zunächst einmal hatte der geniale Giuseppe Roncalli die Nachfolge des ernsten Eugenio Pacelli angetreten, aber die veränderte Atmosphäre konnte auf mehr als nur die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Päpste zurückgeführt werden. Roncalli hatte zwar den Krieg erlebt, aber Pacelli war während des Aufstiegs des Nationalsozialismus päpstlicher Nuntius in Deutschland gewesen. Während der ersten und zweiten bayerischen Sowjetrepubliken hielt er sich in München auf. Er hatte die Levin-Regierung und deren Vertreter aus erster Hand erlebt, als er 1919 den Wittelsbach-Palast besuchte, und er wußte, daß der Aufstieg Hitlers in Bayern im Jahre 1923 von den dortigen Exzessen jüdischer Bolschewisten des Jahres 1919 gefördert wurde, und nicht durch das Lesen der Predigten des hl. Johannes Chrysostomos oder des Evangeliums nach Johannes.

Pacelli war aus dem Zweiten Weltkrieg als Held hervorgegangen, ein Status, der vom Weltjudentum anläßlich seines Todes im Jahre 1958 bestätigt wurde. Aber jetzt wehte ein neuer Wind im Vatikan, und Isaak sah eine Chance für sein Anliegen. Abgesehen von ihrer Stellung in den kommunistischen Ländern, stand die Katholische Kirche im Jahre 1960 in hohem Ansehen, und sie beabsichtigte, dieses Ansehen zur Förderung der Einheit zu nutzen – Einheit unter den Christen und Versöhnung mit den Juden. Das Vatikan-Sekretariat zur Förderung der christlichen Einheit war wenige Monate zuvor unter der Leitung von Augustin Kardinal Bea von Papst Johannes XXIII. eingerichtet worden. Bea kannte die Juden aus seiner Studienzeit in Berlin. Aus jüdischer Sicht war die Zeit reif für massiven Druck, um die Verurteilung all dessen zu erwirken, was von der Lehre der Katholischen Kirche über die Juden abgelehnt wurde.

Die Französische Botschaft, wo man die Bedeutung der hinter Isaak stehenden Persönlichkeiten ahnte, arrangierte 1960 eine Zusammenkunft mit Kardinal Tisserant, der die Bedeutung der Angelegenheit gleichermaßen erkannte und Isaak die Türen des Vatikan öffnete. Isaak wünschte eine Audienz bei Papst Johannes XXIII., aber statt dessen wurde er zum Präfekten des Heiligen Offiziums, Alfredo Kardinal Ottaviani, geschickt, der ihn an den damals 83jährigen Andrea Kardinal Jullien in der Hoffnung weiterverwies, daß die Zusammenkunft dieser alten Männer, die beide fast taub waren, zu keinem Ergebnis führen würde. Ottaviani irrte sich. Nachdem er sein Anliegen vorgetragen hatte, schwieg Isaak in Erwartung einer Antwort. Nach mehreren Minuten, die wie eine Ewigkeit anmuteten, sprach Jullien schließlich das Wort aus, das den Schlüssel zu der Tür lieferte, die Isaak geöffnet sehen wollte. Das Wort lautete: „Bea.“ Bea stand für Augustin Kardinal Bea, des deutschen Jesuiten, Bibelgelehrten und Autors der Enzyklika Pius XII. Divini Afflante Spiritu.
Am 13. Juni 1960 wurde Isaak endlich eine Audienz bei Papst Johannes XXIII. gewährt. Der einzige Bericht über diese Zusammenkunft stammt von Isaak, der sich dem Papst als „Nichtchrist, Förderer von l’Amities Judeo-Chretiennes und einen sehr tauben alten Mann“ vorstellte. Der Papst ergriff die Gesprächsinitiative, indem er sich ausführlich über seine Liebe zum Alten Testament äußerte. Eine Gelegenheit erkennend, teilte Isaak dem Papst mit, daß seine Bemühungen „beim Volk des Alten Testaments große Hoffnungen geweckt hätte.“ Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, wo die Erwartungen erfüllt werden müßten, die der Papst im „Volk des Alten Testaments“ geweckt hätte, indem er eine offizielle Verurteilung des Antisemitismus verkünde. Papst Johannes XXIII., hatte bereits in dieselbe Richtung gedacht, konnte ein entsprechendes Dekret jedoch nicht unilateral erlassen, weil es sich bei der Kirche nicht um eine monarchie absolue handelt.

Nicht lange nach dieser Audienz erfuhr Isaak „mit Freude“, daß der Papst Kardinal Bea über seinen Vorschlag in Kenntnis gesetzt hatte. In der Tat verhielt es sich so, wie mehrere Quellen bestätigen, daß Kardinal Bea nicht nur damit beauftragt worden war, auf die christliche Einheit hinzuarbeiten, sondern auch in die Richtung „einer scharfen Verurteilung des katholischen Antisemitismus.“ Nach den Angaben eines ehemaligen Jesuiten, der ein enger Freund und Vertrauter von Kardinal Bea war, „hatte Roncalli eine Gelegenheit erkennend, Isaak an Bea verwiesen. Es wurde beschlossen, daß Bea einen Text über die Jüdisch-Christlichen Beziehungen erarbeiten sollte, über den das Konzil beraten werde. Nach der Perspektive Roncallis sollte jeder Schritt der Annäherung an eine nichtchristliche Religion Teil einer generellen Annäherungstrategie im Rahmen des jeweiligen Ereignisses sein. Auf diese Weise kam es zu dem Dokument, das als die „Jüdische Deklaration“ bekannt werden sollte.
Dieser Wunsch des Papstes wandelte sich schon sehr bald zu etwas radikal anderem, als er mit den Realitäten der jüdischen Interessengruppen des 20. Jahrhunderts und der von ihnen kontrollierten Presseorgane konfrontiert wurde. Sehr schnell wurde deutlich, daß das „Volk des Alten Testaments“ von internationalen jüdischen Organisationen, wie das American Jewish Committe [AJC] und der Anti Defamation League [ADL] repräsentiert wurde.

Anstatt sich in einer Position zu befinden, aus der heraus er die katholische Haltung gegenüber den Juden im Lichte der Katholischen Tradition formulieren konnte, befand sich Kardinal Bea in der Rolle des Vermittlers wieder, der beständig zwischen den jüdischen Organisationen und den Konzilsvätern hin- und herpendelte, die zunächst ebenfalls glaubten, sie würden mit dem „Volk des Alten Testaments“ verhandeln. Weil die Konzilsväter einen außerordentlich positiven Eindruck von der Petition Isaaks hatten [die im krassen Gegensatz zu den Ausführungen in seinen Büchern stand, in denen er die Evangelien angriff und die Kirchenväter als Antisemiten bezeichnete – Bücher, die sie jedoch nicht gelesen hatten] wurde es Isaak gestattet, die Themen der Debatte zu bestimmen, wodurch er zum Haupttheoretiker der Erklärung des Vatikans über die Juden wurde.

Isaaks Freund, Bischof Provencheres, versuchte diese Tatsache in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen, indem er darauf hinwies, es sei das erste Mal in der Geschichte, daß ein Laie und ein Jude ein Konzilsdokument initiiert hätten, ohne die nagende Frage zu stellen, wer von diesem Bruch mit der Tradition wohl profitieren würde. Viscount Leon de Poncins ist weniger zurückhaltend bei der Beantwortung der qui biono-Frage und behauptet, „Isaak sei der Haupttheoretiker und Förderer der Kampagne gewesen, die gegen die traditionelle Lehre der Kirche geführt wurde“. Nachdem Jules Isaak als führender Theoretiker für die Erklärung über die Juden bestätigt worden war, später als „Nostra Aetate“ bekannt, und die zu einer Waffe wurde, „die dazu bestimmt war, den traditionellen Katholizismus, den sie für ihren Hauptfeind hielten, zu stürzen.“

Solche Gedanken lagen den Beteiligten in der Anfangsphase des Dialogs zwischen Katholiken und Juden fern. Das Ziel der Bannung des Antisemitismus schien edel genug, aber der Zeitgeist schloß genauere theologische Untersuchungen der angewendeten Rhetorik aus. Wer war schon in der Lage, die genaue Bedeutung des „Antisemitismus“ zu definieren? Der Begriff war im Jahre 1870 in Deutschland von einem rassistischen Denker namens Wilhelm Marr entwickelt worden und hatte, wie zu erwarten war, eine eindeutig rassistische Bedeutung, die im krassen Widerspruch zu bestimmten entscheidenden Versicherungen des katholischen Glaubens stand.

Eine der bedeutsamsten Angelegenheiten war die seit langer Zeit in Sicut Iudeis non... enthaltene Ermahnung, daß jüdische Konvertiten „ohne jeden Vorbehalt“ aufzunehmen seien. Wenn sich die jüdische Identität auf Rasse, Blut oder DNA begründete, und nicht auf die Zurückweisung Christi, wie es die Evangelisten und die Kirchenväter ausgeführt hatten, verlor die Taufe ihre Wirksamkeit. Für die deutschen Rassisten war dies nicht sonderlich problematisch, aber es war äußerst problematisch für die Katholische Kirche, insbesondere dann, wenn es darum ging, völlig unkritisch einen grundsätzlich a-theologischen und ideologisch rassischen Begriff wie „Antisemitismus“ in eines ihrer Konzilsdokumente aufzunehmen.

Als Jules Isaak schließlich am 13. Juni 1960 seine Audienz bei Papst Johannes XXIII. erhielt, hatte Alfredo Kardinal Ottaviani bereits die schriftliche Abfassung der vorläufigen Dokumente für das Ereignis verfügt, das als „Zweites Vatikanisches Konzil“ bekannt werden sollte. Die konventionelle Erklärung für den Grund des Konzils wurde in einem Wort zusammengefaßt, aggiornamento, wofür man sich entschied, um zum Ausdruck zu bringen, daß sich die Kirche dem Zeitgeist anpassen, mithin auf den neuesten Stand, gebracht werden würde. Ottaviani vertrat den Standpunkt, daß die Kirche sich auf die Kurie beziehe, die in den letzten Tagen von Papst Pius XII. In einen Zustand der fast völligen Lähmung verfallen war und nicht dazu in der Lage, sich den Herausforderungen zu stellen, die ihr angetragen wurden.

In den Händen der Revisionisten hat aggiornamento allerdings eine andere Bedeutung angenommen. Es ging darum, die Kirche dazu zu bringen, die verschiedenen Strömungen der Aufklärung zu akzeptieren, die Papst Pius IX. In seinem Syllabus über die Irrtümer verurteilt hatte. Nach dieser Lesart des Konzils bedeutete aggiornamento, „die Verrücktheit, die Papst Pius IX. dazu veranlaßt hatte, seinen berühmten Syllabus der Irrtümer zu formulieren, ins Gegenteil zu verkehren und bestimmte Forderungen durchzusetzen – einschließlich: „Der Papst kann und muß versuchen, sich mit dem Fortschritt. Liberalismus und der modernen Zivilisation zu versöhnen.“ Vom amerikanischen Standpunkt aus, bedeutete dies die Unterstützung der Theorien von John Courntey Murray, der sich für die religiöse Freiheit in Amerika einsetzte und sie zum Gegenstand des aggiornamento Papst Johannes XXIII. machen wollte.

Nach der amerikanischen Sichtweise der Konzilsabsichten, „ging das Gerücht um, Guiseppe Roncalli, Papst Johannes XXIII., sei insgeheim ein Sympathisant der Modernisten.“ Ottavianis Beteiligung an den vorbereitenden Schritten für das Konzil erzählt allerdings eine andere Geschichte, die durch das aufmerksame Studium der vorbereitenden Konzilsdokumente bestätigt wird. Ausgehend von diesen Dokumenten, ging es beim Konzil nicht darum, die Aufklärung abzusegnen, wie Revisionisten später behaupten sollten, sondern um eine Reform der Kurie, und um die Katholiken auf eine größere Gefahr für den Glauben und die Moral aufmerksam zu machen, die ihren Ursprung im Westen, insbesondere in den Vereinigten Staaten hatte, und dort wiederum insbesondere in Hollywood.

Am 15. Januar 1962 wurde das Dokument „Zur Moralordnung“ dem Konzil zur Beratung übergeben. In diesem Dokument hatte Kardinal Ottaviani, unter dessen Leitung und Aufsicht es erarbeitet worden war, die moralischen Herausforderungen skizziert, deren sich die Kirche stellen mußte. Insbesondere mußte sich die Katholische Kirche stark machen gegen den Versuch ... das Nützliche, Anerkannte, Gute der Rasse, durch die Interessen einer Klasse oder der macht des Staates als Kriterium der Moral zu ersetzen. Aus diesem Grund wurden philosophische Theorien, literarische Neuheiten und politische Lehren entwickelt und propagiert. Hier wird versucht, die christliche Moral durch die sogenannte Moral der Situation oder individualistischen Moral zu ersetzen, die von Papst Pius XII. häufig verurteilt, und schließlich per Dekret des Heiligen Offiziums vom Februar 1956 endgültig verurteilt worden ist. Ferner wird hier versucht, die Moral der Unabhängigkeit [d. h. getrennt von der christlichen Moral] an die Stelle der göttlichen Moral mit allen Verpflichtungen und Sanktionen zu stellen.

Der Bezug auf die Moral von Rasse und Klasse ist eindeutig genug. Hier werden Nationalsozialismus und Kommunismus angesprochen. Aber sie standen im Kontext mit der Verurteilung der „sogenannten Moral des Augenblicks oder individualistischen Moral,“ Begriffe, die sich nur auf Irrtümer beziehen konnten, die ihren Ursprung in Amerika hatten. Allerdings bestand hier ein gewisses Risiko, da die amerikanischen Katholiken damals überwiegend fromme Kirchgänger waren [im Vergleich zu ihren europäischen Brüdern] und beachtlich zu den Finanzen des Vatikan beitrugen.

Im weiteren Verlauf des Konzils, und mit den entsprechenden Dokumenten in den Händen der Konzilsväter, wurde die Verurteilung der von Amerika ausgehende neuen Bedrohung der katholischen Moral immer offenkundiger. Zur „Verteidigung ... der unveränderlichen Grundsätze der christlichen Moralwerte“, mußte das Konzil warnen, und zwar vor den gegenwärtigen Anstrengungen in der Welt der Mode, des Films und der Presse zur Erschütterung der Fundamente der christlichen Moral, gerade so, als müßte das Sechste Gebot als überholt gelten, und alle Leidenschaften, selbst widernatürliche, müßten toleriert sich ungehindert ausbreiten dürfen. Die Kirche wird sich zu dieser Frage äußern. Sie wird eine Klarstellung herbeiführen und erforderlichenfalls alle Versuche zur Wiederbelebung des Heidentums und des Mißbrauchs der Psychoanalyse, mit der alles gerechtfertigt wird, was im krassen Widerspruch zur Moralordnung steht, verurteilen.

Fünf Monate später produzierten die Druckerpressen noch immer Dokumente wie am Fließband zur Erörterung durch die Konzilsväter, mit denen alles Moderne und Amerikanische verurteilt wurde. Am 7. Mai 1962 veröffentlichte Kardinal Ottaviani ein Dokument mit dem Titel: „Der Wert von Jungfräulichkeit und Enthaltsamkeit.“ Es war ein Dokument, das sich nach seinen eigenen Worten „mit den akuten und dringlichst zu diskutierenden Moralproblemen unserer Zeit“ beschäftigte. Der italienische Filmproduzent Federico Fellini hatte es so ausgedrückt: „Amerikanische Filme als Promotor amerikanischen Verhaltens gefährde die Lebensführung insbesondere im katholischen Europa und Italien.“ Sollte die Kirche ihren Rang als Vorbild in Fragen der Sexualmoral verlieren, würde sie auch die Kontrolle über die Mehrheit der menschlichen Rasse verlieren. Weit davon entfernt, die Moderne abzusegnen, verurteilten die vorbereitenden Dokumente die Moderne als eine weitgefaßte Gelegenheit zur Sünde:

Das moderne Leben bietet zweifellos eine Fülle von Einladungen zum Negativen, wie Schönheitswettbewerbe, Spektakel, Spiele, illustrierte Magazine, Strände, Urlaubsorte, Ehebruch und bestimmte Sportarten. Aus diesem Grund läßt die Kirche niemals nach, jedem die Grundsätze der Sorgfalt, des Gewissens und der Verantwortung, die Rechte und Pflichten dieser Freiheit, und die Pflicht zur Aufmerksamkeit und Sorgfalt seitens der erziehenden Eltern und öffentlichen Ämtern in Erinnerung zu rufen. Aus demselben Grund weist die Kirche auf die Gefährlichkeit all dessen hin und verurteilt es als irrig, was sich zu einem Kult der Verehrung von Filmstars, Naturalismus und der sogenannten Sexualerziehung, Pansexualismus und bestimmter verletzender Aspekte der Psychoanalyse entwickelt hat.

Man mußte kein Genie sein, um zu erkennen, von welcher Personengruppe „der Kult der Filmstars, Pansexualismus und Psychoanalyse“ gefördert wurde. Es waren die Juden. Und so wurde das Konzil in vielerlei Hinsicht zum Schlachtfeld über die Frage, welche Interpretation von den Juden die normative sein sollte. Waren die Juden als „Volk des Alten Testaments,“ wie Jules Isaak sie darstellte? Oder waren die die Avantgarde der Moderne und die Förderer der verschiedensten Formen sexueller Abweichung als Mittel zur verdeckten Kontrolle, wie es von Kardinal Ottaviani ausdrücklich festgestellt worden war.

Die amerikanische Hierarchie mußte sich mit ihrem eigenen Judenproblem auseinandersetzen, seit sie die 1934 Rolle des Hollywood-Zensors durch die Schaffung des „Produktionskodex“ und der Gründung der „Anstands-Liga“ übernommen hatte. Auch die Psychoanalyse war durch den TV-Prediger Fulton J. Sheen verurteilt worden.

Im März 1947 predigte Sheen in der St. Patricks-Kathedrale in New York City über das Thema „Psychoanalyse und Beichte.“ In seiner Predigt lehnte er den Freudianismus als eine Lebensphilosophie auf der Grundlage des „Materialismus, Hedonismus, Infantilismus und Erotizismus“ kategorisch ab. Ungefähr zur selben Zeit erzählte Clare Booth Luce die Geschichte ihrer Bekehrung zum Katholizismus in der Februar/März 1947-Ausgabe des „McCall’s-Magazins“. Kurz nach ihrer Scheidung hatte Luce sich in die Behandlung des jüdischen Psychiaters Dorian Feigenbaum begeben und einer Psychoanalyse unterzogen. Luce war voller Ablehnung hinsichtlich der Behandlung durch die Juden. „Wir unschuldigen Christen,“ schrieb sie, „wurden durch das unheilige Triumvirat des Kommunismus, der Psychoanalyse und des Relativismus in den gegenwärtigen Zustand der Gottlosigkeit gelockt. Diese drei, symbolisiert durch Marx, Freud und Einstein, sind das Ergebnis des messianischen Impulses des frustrierten religiösen Ego der Juden.“

Es dauerte nicht lange, bis die Juden auf diesen Angriff reagierten. In einer Ausgabe von American Scholar des Jahres 1948 wurden Luce und Sheen des „Antisemitismus“ beschuldigt, weil sie „beim aufmerksamen Leser den Eindruck erwecken, die gegenwärtige spirituelle Unzulänglichkeit sei nicht nur Siegmund Freud anzulasten, sondern auch anderen hervorragenden Denkern jüdischer Abstammung.“ Das Time Magazine, das von Clare Luce’s Ehemann herausgegeben wurde, versuchte noch, die Wogen zu glätten, indem es Sheen mit Pater Coughlin verglich, aber die Front war in Amerika in diesem Kulturkampf klar abgesteckt, und, wie auch in der Auseinandersetzung über die Obszönitäten Hollywoods in den 1930er Jahren, standen die Juden auch diesmal auf der einen Seite, und die Katholiken auf der anderen.

Zur Zeit der Einberufung des Vatikanischen Konzils zeigten die amerikanischen Bischöfe klare Anzeichen von Erschöpfung bei ihrem Kulturkampf mit den Juden. Es hatte den Anschein, als würde das Konzil die Möglichkeit für einen Separatfrieden bieten. Andererseits hatte es den Anschein einer Auseinandersetzung zwischen den Amerikanern, die eine Annäherung an die Juden suchten, mit den Traditionalisten, wie Ottaviani, der Hollywood-Juden, Pansexuelle nach Reich und Freudianische Psychiater als Hauptbedrohung der durch zwei katastrophale Kriege geschwächten europäischen Moral erachtete. Angesichts der jüdischen Beherrschung der Medien, war leicht zu erkennen, wer in diesem Szenario als Übeltäter portraitiert wurde.

Hätte jemand darauf hingewiesen, daß in den vorbereitenden Dokumenten Hollywood, Pansexualismus und Psychoanalyse als Schlüsselwörter dessen angeführt wurden, was die Kirche als Jüdische Unterwanderung der Moral empfand, wären die ethnischen Dimensionen der Auseinandersetzung deutlich geworden, die allgemein lediglich für eine innerkirchliche Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen gehalten wurde. Aber niemand stellte das Konzil unter diesem Gesichtspunkt dar. Die Massenmedien taten es ohnehin nicht.

Wie in fast allen ethnischen Auseinandersetzungen, nahmen sehr bald politische Surrogate die Plätze der echten Mitspieler ein. Was dies betraf, wurde das Vatikanische Konzil als Schlacht zwischen den Mächten der Finsternis und Reaktion, symbolisiert durch die Gestalt von Kardinal Ottaviani, und den Mächten des Lichts und des Fortschritts, für die der Jesuit John Courtney Murray stand. Wenn ein Mann für dieses manichäische Szenario verantwortlich war, ist es Robert Blair Kaiser. Wenn es ein Organ für die Verbreitung dieses Ansichten gab, war es das Time Magazine. Kaiser trat gegen Ende der 1940 in den Jesuitenorden ein, und verließ ihn Mitte der 1950er Jahre. Durch eine Mischung von Modernismus und den evolutionären Gedanken eines Teilhard de Chardin, war der davon überzeugt, die Ziele der Jesuiten besser erreichen zu können, wenn er dem Orden nicht mehr angehörte. Angesichts dessen, was aus den Jesuiten geworden ist, war dies zumindest eine Haltung, über die man diskutieren könnte, allerdings nicht in der Weise, wie Kaiser es gesehen haben wollte. Schon sehr bald wurde er in Kalifornien zum Starjournalisten, der mit seinem Thunderbird-Sportwagen von einem Termin zum nächsten fuhr. Dann heiratete er und bekam eine Anstellung beim „Time Magazine.“

Als das Zweite Vatikanische Konzil am 13. Oktober 1962 eröffnet wurde, war Kaiser anwesend, um darüber zu berichten. Kaiser nimmt für sich in Anspruch, das Times Magazine zu dem umgewandelt zu haben, was er als „Weltsicht“ bezeichnete, die er durch die er als Jesuitenschüler aus den Schriften Teilhard de Chardins und des Kardinals Suhard kennengelernt hatt. „Indem die Information einer internationalen Gemeinschaft von Männern und Frauen zur Verfügung gestellt wurden, die ein ungewöhnliches Mitspracherecht auf diesem Planeten hatten, trug das ‚Time Magazin‚ zu einer besseren Welt bei, indem es die Kommunikationskanäle wieder öffnete, die solange verstopft gewesen waren. Es war eine lohnenswerte Angelegenheit“. Time Magazin seinerseits, war zum Sprachrohr des amerikanischen Standpunktes geworden, wie er von John Courntey Murray und den Luce’s vertreten wurde.

Kaisers Berichterstattung entsprach der Geisteshaltung der Jesuiten, die sich der „Kirchenreform“ mittels der Medien verschrieben hatten. Kaiser war so eifrig bemüht, den Standpunkt der Liberalen zu vertreten, daß ihn sein Chefredakteur mit einem Memorandum bremsen mußte: „Wir haben uns eindeutig in unserer Berichterstattung auf die Reformation der Katholischen Kirche festgelegt, wie sie von Papst Johannes XXIII. angestrebt wurde, und vermutlich von Papst Paul VI. Fortgesetzt werden wird. Ich möchte auf folgendes hinweisen: Wir sollten unsere Berichterstattung nicht so einseitig gestalten, daß wir eher als Partei, denn als skeptische Zuschauer erachtet werden.“ Zur Reformierung der Kirche durch ‚Time Magazin‚ gehörte es auch, die geniale Person Johannes XXIII. zu einer Persönlichkeit hochzustilisieren, die gegenüber allem aufgeschlossen war, was die moderne Welt an der Katholischen Kirche haßte. Im Ergebnis portraitierte Kaiser den Papst als einen „heimlichen Modernisten, der sich nach seiner Wahl zum Papst offen zum Modernismus bekannte“.

Das einzige Gebiet, auf dem die Kirche im Bereich der modernen Welt völlig aus dem Tritt geraten zu sein schien, war ihre Einstellung gegenüber den Juden. Um hier Abhilfe zu schaffen, soll Johannes XXIII. nach Kaiser „Kardinal Bea beauftragt haben, ein Schema für das Konzil vorzubereiten, mit dem die alte katholische Geschichte, die Juden hätten Christus ermordet und folglich die Ewige Verdammnis über sich und ihre Kinder gebracht, ein für allemal erledigt werden könnte. Es sei ein Mythos, der den Antisemitismus über Jahrhunderte genährt hätte.“ Eine der Überzeugungen des Modernismus nach Roncalli, war seine Überzeugung, daß Juden sich nicht zum Christentum bekehren müssen, um gerettet zu werden.

Als Beweis bot Kaiser eine Anekdote an, die er von Msgr. Loris Capovilla, Privatsekretär des Papstes, gehört hatte. „Als ein junger Jude zu Roncalli kam und darum bat, katholisch zu werden, wies ihn der zukünftige Papst mit der Aufforderung ab, „Bleibe ein guter Jude, den katholisch zu werden, würde deine Eltern umbringen.“ Später ließ sich Roncalli erweichen und taufte den Mann, allerdings insgeheim. Jahre später, nachdem Roncalli zum Papst gewählt war, bat derselbe junge Mann Roncalli, ihm die Firmung zu spenden, worauf dieser angeblich antwortete: „In Ordnung, aber du mußt trotzdem ein guter Jude in deiner Synagoge bleiben, unterstützte die Jüdische Schule, denn als Katholik bist du nicht weniger jüdisch geblieben.“

Falls sie wahr ist, offenbart diese Anekdote eine fatale Doppelsinnigkeit im Hinblick auf die jüdische Frage, wie sie auf dem Konzil diskutiert wurde. Zu dem theologischen Irrtum, die Juden, wie Jules Isaak, als das „Volk des Alten Testaments“ zu sehen, kam noch die trübe Beziehung von Rasse und Sakrament hinzu, die ihr häßliches Haupt in Deutschland zur Zeit der Reichlin-Pfefferkorn-Kontroverse erhoben hatte, und sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch weiter eintrübte. Die entscheidende Frage war einfach: Blieb ein Jude ein Jude, nachdem er getauft wurde? Die traditionelle Antwort der Katholischen Kirche auf diese Frage lautete „nein.“ Ein Jude, der Christus ablehnte, hörte ipso facto im Moment der Taufe auf, ein Christusleugner zu sein. Dies bedeutete, daß Juden vorbehaltlos in die katholische Kirche aufgenommen werden können, weil sie durch die Taufe aufhörten, Juden zu sein. Wenn andererseits aber katholisch zu werden bedeutete, „dadurch bist du nicht weniger ein Jude,“ dann war die jüdische Identität wiederum an das Blut, die Rasse, die geheiligte DNA gekoppelt. An jene Meinung, die von Christus im Evangelium nach Johannes ausdrücklich verworfen wurde. An diesem Punkt war noch nicht klar, welchen Weg die Kirche in ihrem Schema über die Juden einschlagen würde.

Im August 1962 gewährte Kardinal Bea dem Jewish Chronicle ein Interview, in dem er unmißverständlich bestätigte, die Kirche beabsichtige, das Konzil als Gelegenheit zu nutzen, den Antisemitismus offiziell radikal zu verurteilen. Nach Beendigung der ersten Sitzungsperiode des Konzils gegen Ende 1962, nutzte Bea die Zeit bis zum Beginn der zweiten Sitzungsperiode, um sich mit den Juden zu beraten. Die Juden, oder besser, die großen jüdischen Organisationen, nutzten die Gelegenheit, sich für Zugeständnisse der Kirche einzusetzen. Rabbi Abraham J. Heschel, der Bea seit der Zeit kannte, als sie dreißig Jahre zuvor Studenten in Berlin gewesen waren, arbeitete mit dem American Jewish Committee [ACL] zusammen das ein Dokument mit dem Titel „Die Darstellung des Juden in der Katholischen Lehre“ veröffentlicht hatte, das Bea als Teil seiner Vorbereitungen für den Dialog mit den Juden gelesen hatte, der im Januar 1963 aufgenommen wurde.

Heschel verlangte vom Vatikan die Verurteilung dessen, was er als „Proselytisierung“ bezeichnete, was einem Widderruf des Glaubens gleichkam, die Juden müßten Jesus als ihren Erlöser anerkennen, um in das Himmlische Königreich zu gelangen. Ferner forderte er vom Konzil das Verbot jeglichen Bezugs auf die Juden als eine verfluchte Rasse. Die Behauptung von der „verfluchten Rasse“ war hauptsächlich eine jüdische Extrapolation des Abschnitts in Matthäus 27:26 das Jüdische Volk „mit einer Stimme [Pilatus, nachdem dieser die Freilassung Jesu angeboten hatte] zurief: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.“

Aber die eigentliche Angelegenheit, um die es ging, und der sich die Juden nicht stellen wollten, war ihre Zurückweisung Christi, die auch weiterhin gegeben war, und zwar nicht wegen irgendeiner okkulten Macht, sondern gemäß dem ausdrücklichen Willen der Juden. Indem sie diese Zurückweisung als einen Fluch beschrieben, gelang es den Juden sofort, die Zurückweisung Christi nicht nur zu verharmlosen und den Schwerpunkt nicht auf ihr Verhalten zu legen, sondern die Kirche irgendeines okkulten Voodoo-Zaubers zu beschuldigen, der, obwohl grundsätzlich harmlos, denn zu Vorurteilen geführt hat, die zu Verfolgungen führten und ihren Höhepunkt selbstverständlich mit dem Holocaust erreicht hatten. B’nai B’rith forderte beispielsweise von der Kirche die Streichung aller Passagen aus der katholischen Liturgie, die von ihnen als antisemitisch bezeichnet wurden.

Selbstverständlich war dies ein unmögliches Verlangen, weil sich die gesamte Liturgie auf Schriftstellen aufbaute, die – wenn nicht antisemitisch – so doch zweifellos antijüdisch waren. Praktisch das gesamte Evangelium nach Johannes und die Apostelgeschichte handelt von dem Konflikt zwischen den Juden, die Christus als ihren Erlöser akzeptiert hatten und jenen Juden, die Christus strikt ablehnten. Da alle diese Texte 1] zentral für jede denkbare katholische Liturgie, und 2] angefüllt waren mit individuellen Vergleichen zwischen dem Neuen Israel, was der Katholischen Kirche entsprach, und dem Alten Israel, das von Christus wegen seiner Blindheit und Aufsässigkeit abgewiesen wurde, war kaum zu erkennen, wie ein Dialog dieser Art Fortschritte bringen könnte. Es sei denn, der Zweck des Dialogs war ein völlig anderer als behauptet wurde.

Jene, die das Schema über die Juden ablehnten, behaupteten, daß von Anfang an seitens der Juden völlig andere Motive hinter der Diskussion standen. Ihre Befürchtungen wurden, drei Jahre, nachdem vollendete Tatsachen geschaffen wurden, am 31. März 1963 bestätigt, als eine Limousine, die Kardinal Bea im New Yorker Plaza-Hotel abgeholt hatte, ihn zum sechs Blöcke entfernten Büro des American Jewish Committee brachte. Als Bea eintraf, wurde er von einem „modernen Sanhedrin“ begrüßt. Das Treffen wurde selbstverständlich vor der Presse geheim gehalten. Und es wurde auch vor dem Vatikan geheim gehalten. „Ich bin nicht berechtigt, hier offiziell zu sprechen,“ ließ Bea die Juden wissen. „Ich kann daher nur darüber sprechen, was nach meiner persönlichen Meinung durch das Konzil erreicht werden kann und erreicht werden sollte.“ Die Juden, fuhr Bea fort, werden des Gottesmordes beschuldigt, „und auf ihnen liege angeblich ein Fluch.“ Nach dem einzigen über diese Zusammenkunft vorliegenden Bericht, soll Bea angeblich beide Beschuldigungen zurückgewiesen haben. „Weil selbst in den Berichten der Evangelisten berichtet wird, daß lediglich die Anführer der Juden und eine kleine Gruppe ihrer Anhänger die Todesstrafe für Jesus gefordert hatten. Alle Nichtanwesenden und die nachfolgenden Generationen, könnten ohnehin nicht des Gottesmordes bezichtigt werden,“ erklärte Bea. Was den Fluch betreffe, könne er die an der Kreuzigung beteiligten Juden nicht treffen, argumentierte der Kardinal, weil die letzten Worte Jesu ein Gebet waren, mit dem Er für sie um Vergebung flehte.

Bea schloß seine Ausführungen gegenüber den Rabbinern mit der Feststellung, „es sei falsch, die Hauptursache für den Antisemitismus allein in religiösen Quellen zu suchen – in den Evangeliumsberichten, beispielsweise. Diese religiösen Vorwände, die beständig herangezogen werden, dienen häufig lediglich als Vorwand, als Schleier für völlig andere taktische Gründe. Worum es sich bei diesen anderen „taktischen Gründen“ konkret handelte, hat Kardinal Bea nie erklärt. Oder falls er es getan hat, wurde über seine Erklärung nie berichtet.

Als Ergebnis der Zusammenkunft mit Bea, stellten die jüdischen Organisationen zwei Lobbyisten dazu ab, den Fortschritt des „Juden-Schema“ im Konzil zu beobachten. Es waren Joseph Lichten von der Anti Defamation League [ADL] von B’nai B’rith und Zachariah Schuster vom American Jewish Committee [AJC]. Beide Männer hatten durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg Angehörige verloren. Und beide Männer waren dazu entschlossen, „die stärkstmögliche jüdische Deklaration“ aus Rom zurückzubringen, so daß ihre jeweiligen Organisationen den Erfolg für sich in Anspruch nehmen könnten.

Außer dem Einsatz von Lichten und Schuster zur Bearbeitung der Kirchenväter in Rom, trachteten die Juden auch danach, das Klima der öffentlichen Meinung durch andere Mittel zu ihren Gunsten zu verändern. Am 20. Februar 1963 hatte Rolf Hochhuths Theaterstück „Der Stellvertreter“ in Berlin Premiere. Hochhuth stellte Papst Pius XII. als kriminell nachlässig durch Schweigen gegenüber der Deportation der Juden durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg dar. Nachdem das Stück auch in London aufgeführt wurde, bezeichnete Giovanni Battista, Erzbischof von Mailand und bald darauf Papst Paul VI. das Stück als eine Verleumdung Papst Pius XII., dessen Sekretär er gewesen war. Dem Papst war zweifellos bekannt, daß Erwin Piscator, ein jüdischer Kommunist, zusammen mit den bereits genannten jüdischen Organisationen, hinter der Finanzierung des Stückes standen. Msgr. Oesterreicher, der jüdische Konvertit, der unter Kardinal Bea an dem Jüdischen Schema arbeitete, beschuldigte AJC und ADL wegen ihrer Finanzierung der Aufführungen der Brunnenvergiftung in bezug auf den interreligiösen Dialog. „Die jüdischen Organisationen zur Förderung der menschlichen Beziehungen,“ schrieb er im Jesuiten-Magazin „America,“ „müssen sich klar und unmißverständlich von „Der Stellvertreter“ distanzieren. Anderenfalls werden sie ihrem Zweck nicht gerecht.“

Selbstverständlich ignorierte die Presse die Warnung Osterreichers und konzentrierte ihre Bemühungen darauf, die Anschuldigungen Hochhuths, die für die Erörterungen der Judenfrage durch das Konzil von erheblicher Bedeutung waren, möglichst hochzuspielen. In diesem Zusammenhang war die Botschaft, die Hochhuth vermittelte, klar: Sollte der Papst - Johannes XXIII. lag im Sterben, und ein Unbekannter wartete auf die Nachfolge - nicht in die Geschichte als ein zweiter Pius XII. eingehen wollen, schuldig wegen seines Schweigens, wäre er gut beraten, das Schema über die Juden in deren Sinne zu verabschieden.

Wovor Oesterreicher gewarnt hatte, trat jetzt ein. Die Vorstellung von einer Juden orchestrierten Medienkampagne mußte zu einer Reaktion führen. Trotz der Versicherungen Beas, begann Amleto Kardinal Ciognani, ein machtvoller Konservativer der Kurie und ehemaliger Päpstlicher Delegat in den Vereinigten Staaten von Amerika, angesichts dieser unglaublichen Medienkampagne und der Aktivitäten der jüdischen Lobbyisten Befürchtungen dahingehend zu äußern, daß es nicht im besten Interesse der Kirche wäre, eine Erklärung zur Judenfrage abzugeben. Bea reagierte darauf mit der Feststellung, er hätte gegenüber den Juden bereits versichert, es würde eine entsprechende Erklärung geben, und sollte diese Versicherung nicht eingehalten werden, würde man es als Verlogenheit der Kirche auslegen.

Mit wachsendem Widerstand der Konservativen, behauptete Bea auch weiterhin, „ er hätte im Verlauf der vergangenen drei Jahre ein Klima der Erwartung geschaffen, und zwar in den Kreisen des Weltjudentums, als auch in den pluralistischen Gesellschaften Amerikas und Deutschlands Erwartungen geweckt, denen entsprochen werden muß, um die gehegten Wünsche zu erfüllen. [O’Connell, Die Jüdische Lobby und Vatikan II]. Die jüdische Vatikan-Lobby würde ein „Nein“ des Zweiten Vatikanischen Konzils als Antwort nicht akzeptieren und müsse zufriedengestellt werden.“

Die Kampagne gegen Pius XII. begann je doch nicht mit Hochhuths Theaterstück. Sie begann in Frankreich im Jahre 1951 mit Francois Mauriacs Angriff, für den er später den Literatur-Nobelpreis erhielt. Später würde Mauriac Elie Wiesels heftig antichristliche jiddische Memoiren „Un di Velt hat geschwigen“ bereinigen und daraus „La nuit“ machen, was wiederum Wiesel den Nobelpreis einbrachte. Im Jahre 1958 führte eine jüdische Kommunistin namens Francoise Cousteix-Drohocki die Beschuldigungen Mauriacs weiter aus: „Warum,“ fragte sie, „sollte Pius XII. als Papst des Friedens anstatt Papst des Krieges bezeichnet werden? Er hat Letzteren ebensowenig beendet, wie er Ersteren durchgesetzt hat... Das Pontifikat Pius XII. war völlig bankrott: Krieg, Folter, die Auslöschung des Individuums, die Grausamkeit in all ihren Formen hatte einen Ebene erreicht, die nie zuvor erreicht worden ist. Es ist eine Schande, daß Pius XII. sich niemals zur Exkommunizierung der Nazis in der Weise entschlossen hat, wie er die Kommunisten exkommunizierte. Wenn ihm nicht bekannt war, was sich in Nazi-Deutschland ereignete, waren alle Horchposten des Vatikan nutzlos. Wenn er es jedoch gewußt hat ...“ Fünf Jahre später wurden dieselben Beschuldigungen in Hochhuth’s Theaterstück übernommen.

Am 3. Juni 1963 starb Papst Johannes XXIII., und im nachfolgenden Konklave wurde Montini, der sich bereits vehement gegen „Der Stellvertreter“ ausgesprochen hatte, zu seinem Nachfolger gewählt. Paul VI. hatte die verzwickte Judenangelegenheit geerbt, die sein Vorgänger ins Leben gerufen hatte. Andererseits war sich Montini der Erwartungen bewußt, die Bea bei einer Gruppe von Leuten geweckt hatte, die dazu entschlossen waren sich ihre Vorteile mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu sichern. Andererseits kannte er aber auch die wachsende Ablehnung im konservativen Lager, zu der das jüdische Drängen und ihre Manipulation der Medien geschaffen hatte. Insbesondere, was die Verleumdung Pius XII. betraf. Es war seine Aufgabe, diese sich zunehmend feindseliger gegenüberstehenden Lager miteinander zu versöhnen.

Die zweite Sitzungsperiode des Konzils begann am 20. September 1963. Das Hauptanliegen dieser Sitzungen war das Schema „De Ecclesia.“ Nachdem er erfahren hatte, daß das Schema über die Juden in ein umfangreicheres Dokument über die Ökumene aufgenommen worden war, rief der Israelische Botschafter in Italien Papst Paul VI. Am 2. November an, um sich nach den „Chancen des Dokuments bezüglich der Judenfrage“ zu erkundigen. Da er spürte, „daß etwas unternommen werden mußte, um die Enttäuschung der Juden zu mildern, zumindest vorübergehend,“ entwickelten Paul VI. und seine Berater den Plan für einen Israelbesuch im Rahmen einer Reise in den Mittleren Osten. Durch die Anerkennung „der Existenz des Judenstaates“ hoffte Paul VI. „die Enttäuschung zu mildern.“ Aber die jüdische Lobby war nicht bereit, ein „Nein“ als Antwort zu akzeptieren. Gleichzeitig verstärkte sich der Widerstand der Bischöfe gegen das Dokument aus denselben Gründen. Der Besuch des Heiligen Landes war eine Möglichkeit zum Ausdruck zu bringen, daß die Spannungen größer waren, als normale Sterbliche abzubauen vermochten. Aus der jüdischen Perspektive war die zweite Sitzungsperiode des Konzils, die am 4. Dezember 1963 endete, ein totale Enttäuschung.

Aber die Breitseiten der Medien wurden unablässig fortgesetzt. Schuster und Lichten wurden zu Experten darin, ihre Besorgnis in der New York Times zu veröffentlichen. Fritz Becker, der Lobbyist für den „World Jewish Congress,“ spezialisierte sich auf stumme Diplomatie. „Wir teilen nicht die amerikanische Ansicht,“ sagte er, wobei er sich auf seine Kollegen Lichten und Schuster bezog, „von der Bedeutung, alles in den Medien zu veröffentlichen.“

Kurz nach Beendigung der zweiten Sitzungsperiode hatte „Der Stellvertreter“ am 9. Dezember 1963 in Paris Premiere. Vier Tage später in Basel, Schweiz. Die jüdische Lobby hält den Druck mit drei weiteren Premieren des Anti-Papst-Stücks aufrecht: In Wien am 22. Januar 1964, in New York am 28. Februar, und in Tel Aviv am 20. Juni. Erbost darüber, daß die zweite Sitzungsperiode ohne eine Abstimmung über das jüdische Schema geendet hatte, forderten die Jüdische Lobby von den amerikanischen Kardinälen, auf den Pontifex dahingehend Druck auszuüben, daß er seine Zustimmung zu einer Deklaration über die Juden erteile. Aber niemals begab sich eine Delegation amerikanischer Kardinäle zum Papst, um auf der Diskussion über Religionsfreiheit und das Dokument über die Juden zu bestehen. „Auf den Heiligen Vater übt man keinen Druck aus,“ erklärte ein amerikanischer Kardinal lakonisch, als er mit einer solchen dringenden Forderung konfrontiert wurde.

Aber jetzt war der Zeitpunkt gekommen, wo das Verhalten der jüdischen Lobbyisten zu Reaktionen führte. Pamphlete über die Juden tauchten im Konzil auf. „Die Juden und das Konzil im Lichte der Heiligen Schriften“ von Bernardus bot die „höchst rationale Darstellung der Judenfrage vom Standpunkt des offiziellen Konservativismus der Kirche und des Antisemitismus. Seine Botschaft: Aus den Schriften ergibt sich über jeden Zweifel erhaben, daß die Juden aus freiem Willen zu Gottesmördern geworden sind. Diese Lehre werde von den Kirchenvätern unterstützt. Der hl. Thomas von Aquin schrieb in diesem Zusammenhang: „Die Haltung des Römischen Pontifex kann nur als Bestätigung gesehen werden, daß die Juden an einer weltweiten Verschwörung mit dem Ziel der Zerstörung der Kirche beteiligt sind. Folglich muß jeder gegenüber den Juden mißtrauisch sein, und nicht einen fundamentalen dogmatischen Standpunkt der Kirche preisgeben.“ Auf das Traktat von Bernardus folgte Complotto contra la Chiesa, von dem viertausend Exemplare unter den Kirchenvätern verteilt wurden.

Ausgestattet mit einem unerschöpflichen Spesenkonto der „New York Times,“ verwandelte Robert Blair Kaiser sein geräumiges römisches Appartement in einen „Versammlungsort für konziliar Progressive... für jene, die am härtesten daran arbeiteten, die Dinge stets auf dem aktuellsten Stand zu halten.“ Zu den regelmäßigen Sonntagabend-Soirees, wo die „Kräfte des Lichts“ über die Aktivitäten der vergangenen Woche reflektieren konnten, kamen jetzt noch fast tägliche Abendessen, bei denen Kirchenführer über ihre Hoffnungen für eine zukünftige Kirche mit Personen diskutieren konnten, die sie sonst niemals in ihrem Leben getroffen hätten.

So sah sich Bischof Mendez von Cuernavaca in Mexiko, eines Abends in Kaisers Appartement dem Hollywood-Regisseur Otto Preminger gegenüber. Zu ihnen gesellten sich Kaiser und Gregoire LeMercier, Prior des Benediktinerklosters in Cuernavaca, der Kaisers Gästen erklärte, wie vorteilhaft sich bei ihm eine Psychoanalyse ausgewirkt hatte. Im Ergebnis hatte er seine Mönche davon überzeugt, seinem Beispiel zu folgen. Jetzt erläuterte er gegenüber Preminger, wie die Psychoanalyse nach Freud sie alle zu besseren Benediktinern gewandelt hatte. Preminger, der wie auch Kardinal Ottaviani und Bischof Sheen der Ansicht waren, daß sich Katholizismus und Freudianismus wie Öl und Wasser zueinander verhielten, fragte LeMercier, wo er einen katholischen Psychiater gefunden hätte.

Es ergab sich, daß LeMercier keinen katholischen Psychiater finden konnte, und so hatte er die Dienste eines Atheisten und Juden für sich und seine Mönche in Anspruch genommen. Dieser wiederum, brachte eine weibliche Assistentin mit, der es gelang, viele Mönche davon zu überzeugen, sie seien allein aus Furcht vor der Sexualität ins Kloster eingetreten. Nachdem sie diese Botschaft verstanden hatten, traten viele Mönche aus dem Orden aus. LeMercier, man sollte sich daran erinnern, hatte behauptet, die Psychoanalyse hätte das Klosterleben gestärkt. Eine Behauptung, die Otto Preminger zu ungläubigem Kopfschütteln veranlaßte. Jetzt wandte sich Kaiser an Bischof Mendez und bat um dessen Ansicht über die Inanspruchnahme eines Psychiaters durch den Abt mit der Folge, daß sich ein unter seiner Jurisdiktion stehendes Kloster praktisch auflöste. „Mit Gregorios Hilfe,“ antwortete der Bischof, „bereite ich eine Eingabe für das Konzil vor. Ich denke, es ist an der Zeit, daß wir Freud taufen.“

Man kann sich fragen, wie Kardinal Ottaviani die Frage Kaisers beantwortet hätte, aber Ottaviani wurde in dieses Appartement nicht eingeladen. Einer der Konzilsväter, der regelmäßig dort auftauchte, war ein irischer Jesuit namens Malachi Martin. Martin, wie auch Bea, waren mit dem Biblicum verbunden, und auch Martin arbeitete hinter den Kulissen am Jüdischen Schema. Kaiser, der durch sich durch seine bei den Jesuiten genossene Ausbildung dem Orden noch immer Verbunden fühlte, war der Meinung, Martin sei „einer von den Guten,“ der „in seinen maßgeschneiderten Anzügen als Priester eine gute Figur machte.“ Malachi Martin, so hatte Kaiser gehört, war „zur Rettung des Biblicums vor den Konservativen, die es auflösen wollten,“ nach Rom gesandt worden.

Das Gefühl der Bewunderung beruhte auf Gegenseitigkeit, oder zumindest scien es anfangs so zu sein. Nach einem ihrer gemeinsam verbrachten Sonntagabende, ging Martin auf Kaier zu und „flüsterte ihm verschwörerisch“ ins Ohr,, „wie wichtig diese Zusammenkünfte für den Fortschritt des Konzils geworden waren... Jeder Kleriker, den ich getroffen habe, spricht über diese Partys. Sie sagen, dies sei der Ort, wo Ideen Gestalt annehmen, Freundschaften geschlossen und Pläne für die kommende Woche geschmiedet werden“ . Es war diese Art von Schmeichelei, die Kaiser hören wollte, denn irgend wann hatte er entschieden, daß er auch nach Rom gesandt worden war, um die Dinge zu beeinflussen, über die er berichten sollte. Martins Zugang zu Schlüsselfiguren hatte ihn nicht nur zu einer wertvollen Quelle für Insider-Informationen werden lassen, sondern gab ihm auch das Empfinden, daß er auf den Ausgang des Konzils einen positiven Einfluß ausüben könnte.

Es sollte nicht lange dauern, bis Kaiser an beiden Aspekten Zweifel hegte. Zunächst schwand sein Vertrauen in Martin als verläßliche Quelle. Zwar hatte Martin ihm unendlich viele Insider-Informationen geliefert, aber wenn Kaisers Berichte ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten, war Martin nicht bereit, seine zuvor gelieferten Informationen öffentlich zu bestätigen. Andere sollten dieselben Erfahrungen machen. Nachdem Pater Gus Weigel in der „New York Times“ mit der Erklärung zitiert wurde, das Juden-Schema befände sich in ernsten Schwierigkeiten, wurde er von Kardinal Bea ermahnt und gescholten, er verbreite die Unwahrheit und wurde auf die Schwarze Liste gesetzt. Kaiser wußte, daß Weigels Quelle Malachi Martin gewesen war, weil dieser versucht hatte, ihm dieselbe Geschichte zur Veröffentlichung im Time Magazine zu verkaufen. Martin blieb sehr zur Verblüffung Weigels dabei, daß die Geschichte trotz der Dementis von Bea und Willebrands wahr sei. Es war der Zeitpunkt, wo Kaiser aufhörte, Martin als Quelle zu benutzen, aber er war noch immer nicht in der Lage, die dahinter stehende Taktik und das Ziel zu erkennen.

Da Martin der Assistent Beas war, galt seine Hauptsorge damals dem „Jüdischen Schema.“ Martin lieferte Kaiser einen beständigen Strom von Informationen, aus denen sich ergab, wie Martin die reaktionären Kräfte in der Kurie bekämpfte, die sich – so Martin – mit Prälaten aus arabischen Staaten verbündet hatten und entschlossen waren, „die katholisch-jüdischen Beziehungen zu sabotieren, indem sie das „Jüdische Schema“ inhaltlich verwässern und verfälschen wollten. Um dies zu erreichen, scheuten „sie“ auch nicht davor zurück, von Beas Büro gefälschte Telegramme an das American Jewish Committee in New York zu senden, oder gefälschte Briefe auf Beas Briefkopf an den Zentralrat des Konzils zu verschicken.

Nach dem Weigel-Vorfall war Kaiser davon überzeugt, daß Martin falsche Geschichten über das „Juden-Schema“ verbreitete. Nachdem er sich einmal die Finger verbrannt hatte, nachdem er von Martin erhaltene Informationen in seinen Berichten für „Time Magazine“ verwendet hatte, erkannte er sehrschnell, daß Martin ihn zu seinem eigenen Vorteil manipulierte. Worum es sich bei diesen Vorteilen handelte, wurde an einem Sonntagabend deutlich, als Malachi Martin mit „zwei wichtigen amerikanischen Juden, Vertretern des American Jewish Committee,“ in Kaisers Appartement auftauchte.

Plötzlich wurde Martins Grund für die Verbreitung von falschen Informationen, die Weigels Ruf ruiniert hatten, offenkundig. Martin, so vermutete Kaiser jetzt, war ihr Lobbyist. Diese Juden benutzten ihn und bezahlten gut für seine Hilfe, von der sie glaubten, sie zu benötigen, weil sie alle diese Geschichten in der „New York Times“ gelesen hatten. Martin hatte diese Geschichten verbreitet und behauptet, das Juden-Schema sei gefährdet. Auf diese Weise konnte er bei den Juden den Eindruck erwecken, daß seine Bemühungen zur Rettung des Dokuments, das in keiner Weise gefährdet war, unverzichtbar seien. Die Juden waren auf Martins Trick hereingefallen und sie entlohnten ihn großzügig für sein Eintreten für ihre Interessen. Im Verlauf des Sommers, zwischen der zweiten und dritten Sitzungsperiode des Konzils, hatte Kaiser „bemerkt, daß Malachi Martins Brieftasche stets mit Hundertdollarscheinen prall gefüllt war. Jetzt wußte Kaiser, woher das Geld stammte.“

Nachdem Kaiser herausgefunden hatte, für wen Malachi Martin arbeitete, informierte er seine Ehefrau darüber, war aber von ihrer Antwort völlig überrascht. „Na, und, was ist damit?“ fragte sie. „Nun,“ stammelte Kaiser, „wenn er ein bezahlter Lobbyist ist, dann sollte er sich wenigstens als solcher registrieren lassen, damit die Leute wissen, aus welchem Lager er kommt.“ Nachdem er seine Fassung wiedergewonnen hatte, ging Kaiser wieder zur Offensive über. „Hast Du Dich jemals gefragt, warum er so häufig mit Zachariah Schuster zusammen ist? Er hat von mir Geld erhalten. Ich bezahle ihn nicht mehr. Ich vermute, er wird jetzt vom American Jewish Committee bezahlt ... Ich glaube, er hält den Zopf am Kochen, um sich für die Juden unentbehrlich zu machen“.

Geblendet durch seine Ansichten, die er für progressiv hielt, erkannte Kaiser nicht, daß das Konzil für alle traditionellen Feinde der Katholischen Kirche offen war. Er war völlig überrascht, als ihm zugetragen wurde, die Kirche überlege, ihre Lehre zur Geburtenkontrolle zu überdenken. Aber wie voraussehbar, hielt er es für eine gute Sache, „wenn die eingefrorene katholische Haltung gegenüber der Geburtenkontrolle unter der großen reformierenden Hitze des Konzils schmelzen würde, denn „dann würde das Konzil für die amerikanischen Katholiken endlich etwas Sinnvolles hervorbringen.“

Kaiser bekam ein Memorandum von Donald B. Straus, Vorsitzender der „Planned Parenthood Federation of America“ in die Hände, in dem er die Eindrücke seiner Romreise vom Februar 1963 beschrieb. Straus hatte sich mit Msgr. Cardinale getroffen, der ihm versicherte, „daß die Kirche keinerlei Probleme mit Planned Parenthood über deren Ziele hätte, sondern lediglich die Versicherung wollte, daß sich die Organisation nicht für jede Form der Empfängnisverhütung einsetzen werde, ohne zuvor die moralische Bedeutung zu bedenken ...“

Straus war „von den liberalen Ansichten beeindruckt, wie sie von Msgr. Cardinale formuliert worden waren,“ und ob „man nicht die Nachricht verbreiten könnte, daß Verhandlungen mit Vertretern von Planned Parenthood nicht zu einem Pakt mit dem Teufel führen würden.“ Zwei Jahre später, im Sommer 1965, arrangierte Rev. Theodore Hesburgh, CSC, Dekan der Universität von Notre Dame, ein Treffen zwischen John D. Rockefeller III. Und Papst Paul VI., in dessen Verlauf Rockefeller dem Papst anbot, die Enzyklika zur Geburtenkontrolle für ihn zu schreiben. Diese „Offenheit gegenüber der modernen Welt“ führte zur Einrichtung der Kommission über die Frage der Geburtenkontrolle, gegen die Paul VI. jedoch sein Veto einlegte als er im Jahre 1968 Humanae Vita veröffentlichte.

Sehr bald bemerkte Kaiser, daß Malachi Martin sein eigenes Buch unter dem Pseudonym Michael Serafian über das Konzil schrieb. Kaiser war über diese Information erstaunt, aber kaum in der Lage, dagegen Einwände vorzubringen, da die meisten Kapitel seines eigenen Buches über das Konzil ebenfalls aus der Feder Malachi Martins stammten. Am 12. Juni 1964 berichtete The New York Times, daß die Leugnung der jüdischen Verantwortung für den Gottesmord aus dem letzten Entwurf des Juden-Schemas gestrichen worden sei. Da Kardinal Beas Büro diese Behauptung sehr schnell dementierte, wurde davon ausgegangen, Malachi Martin sei die Quelle dieses Gerüchts gewesen. Die Juden waren jedoch aufgebracht über das, was sie gelesen hatten.

Ungefähr zur selben Zeit, als dieser Bericht in der Times erschien, arrangierte Richard Kardinal Cushing eine persönliche Zusammenkunft zwischen Rabbi Heschel und Papst Paul VI. Heschel, der zu dieser Audienz mit Zachariah Schuster erschien, verlor keine Zeit damit, um den heißen Brei herumzureden. Er forderte kategorisch von Papst und Konzil das Verbot jeglichen Versuchs zur Bekehrung von Juden zum Christentum, was im direkten Widerspruch zu den Evangelien und der zweitausendjährigen Lehre der Katholischen Kirche stand. Da Schuster erkannte, daß Heschels Dreistigkeit den Papst beleidigt hatte, wechselte Schuster mitten im Gespräch zur französischen Sprache, wodurch er Heschel wirksam von der weiteren Diskussion ausschloß.

Das konservative Lager des Konzils war über die Dreistigkeit der Juden weitaus erboster als es der Papst gewesen war. Der AJC, Schusters Beispiel folgend, versuchte, sich von Heschels Äußerungen zu distanzieren, aber im Konzil waren die Konservativen in der Lage, diesen Vorfall zur Diskreditierung ihrer Gegner m allgemeinen, und der amerikanischen Bischöfe im besonderen zu verwenden, die jetzt für jüdische Lakaien gehalten wurden. Als sei er entschlossen, zu beweisen, daß die konservative anti-amerikanische Fraktion von Anbeginn an recht gehabt hatte, verlangte Cushing, daß die Leugnung des Gottesmordes wieder in das entsprechende Dokument aufgenommen werde, und Bischof Steven Leven von San Antonio wiederholte Heschels Verlangen mit der Forderung nach einem Bann bezüglich der Bekehrung von Juden.

Schließlich schlugen die plumpen jüdischen Lobby-Taktiken ins Gegenteil um. Heschel blieb zwar dabei, daß seine Dreistigkeit zu etwas Gutem geführt hatte, aber es bildete sich der Konsensus heraus, daß das jüdische Vorgehen der eigenen Sache geschadet hatte. Selbst ein ergebener Förderer der Juden, wie Kardinal Cushing, war zu der Schlußfolgerung gezwungen, „die einzigen Personen, von denen die Juden-Deklaration zunichte gemacht werden könnte, wären die Juden selbst.“

Die dritte Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde im Herbst 1964 eröffnet. Am 19. November 1964 verabschiedete das Konzil ein Dokument über die Juden, das so schwer durch die jüdische Lobby beeinflußt worden war, daß es von vielen als Aufgabe der traditionellen katholischen Lehre empfunden wurde. Die Juden jubelten über das Abstimmungsergebnis, aber ihre Freude war nur kurz. Papst Paul VI. griff persönlich ein und lehnte es ab, das Dokument zu promulgieren. Die Tatsache, daß so viele Bischöfe für dieses mangelhafte Dokument gestimmt hatten, ließ die Konservativen die von den jüdischen Lobbyisten ausgehende Gefahr noch deutlicher erkennen. Jetzt begannen sie mit ihrer eigenen Kampagne, um auf die Denkweise der Konzilsväter Einfluß zu nehmen, wobei das größte Problem, mit dem sie sich auseinanderzusetzen hatten, lautete: Waren die Juden das „Volk des Alten Testaments“ oder waren sie die Quelle des Star-Kults von Hollywood, des Pansexualismus und der Freudianischen Psychoanalyse, und im Ergebnis eine Gefahr für die katholischen Moralgrundsätze? Nach Poncins „hatten die meisten Konzilsväter eine völlig falsche Vorstellung von dem, was die Essenz des Judentums ausmacht“, als sie im November 1964 für das Schema stimmten, wobei sie die traditionelle Lehre der Kirche ignorierten und lediglich den humanitären Aspekt des Problems gesehen hatten, das von einem Sprecher des Weltjudentums gekonnt vorgetragen, und von einer überwiegend den jüdischen Interessen freundlich gesonnenen Presse unterstützt worden war.“

Nachdem das Dokument vom November 1964 zurückgezogen und von Paul VI. der Konzilskommission für die Vorbereitung der Schemata wieder zugeleitet worden war, wurde es nochmals gründlich überarbeitet. Nach Poncins „war der dem Konzil zur Abstimmung vorgelegte neue Text entschieden weniger günstig für die jüdischen Forderungen und für das konservative Lager weitaus annehmbarer. Aber dennoch enthielt es noch immer einige Doppeldeutigkeiten, die als das Versprechen einer sorgfältigen Revision gedeutet werden konnten. Allerdings einer Revision der Haltung der Katholischen Kirche gegenüber dem Judentum, die über 15 Jahrhunderte unverändert gewesen ist.“

Poncins behauptet, „die konservative Mehrheit sei mit dem Dokument vom November 1964 völlig überrumpelt worden.“ Wenn es so war, hatten die konservativen Kräfte jetzt Gelegenheit, sich wieder zu sammeln, „nachdem sie Zeit hatten, die Situation neu zu bewerten.“ Mit einem „besseren Verständnis für die außerordentliche Bedeutung dieser Abstimmung für die Kirche“ war die konservative Fraktion jetzt in der Lage, die jüdisch-katholische Koalition, die beinahe die gesamte Presse hinter sich hatte ... energisch zu bekämpfen.“ Unter der Führung von Msgr. De Proenca Sigaud, Erzbischof von Diamantina in Brasilien, Msgr. Lefebvre, Generaloberer der Heiliggeistväter, Msgr. Carli, Bischof von Segni in Italien, begannen die konservativen Kräfte damit, ihren Einfluß bei den Konzilsvätern geltend zu machen. Im Februar 1965 verfaßte Msgr. Carli einen Bericht für seine Diözesanzeitung, in dem er die Juden zur Zeit Christi ebenso, wie ihre Nachfolger bis zur Gegenwart, für den Tod Christi verantwortlich hielt.

Der vernichtendste aller Schläge kam jedoch am Passions-Sonntag, dem 4. April 1965, als der Papst in seiner Predigt erklärte, er halte die Juden für die Kreuzigung Christi verantwortlich. „Es ist eine außerordentlich feierliche und traurige Seite, die uns über die Zusammenkunft Jesu mit dem Volk der Juden berichtet,“ sagte der Papst. „Dieses Volk war dazu auserwählt, den Messias zu empfangen, es hatte tausende von Jahren auf Seine Ankunft gewartet und war von dieser Hoffnung völlig erfüllt. Aber dann, als Christus kam und sprach und Sich zu erkennen gab, haben sie Ihn nicht nur nicht erkannt, sondern Ihn bekämpft, verleumdet, mißhandelt und schließlich getötet.“

Die Juden waren zunächst sprachlos, und dann empört. Noch am selben Tag schickten der Hauptrabbiner von Rom, Elio Toaff und Dr. Sergio Piperno, Präsident der Union der Jüdischen Gemeinden Italiens, ein Telegramm an den Vatikan, das in „Il Messagero de Roma“ am 8. April 1965 veröffentlicht wurde, in dem:

„Die italienischen Juden mit größter Sorge ihr Erstaunen über die Beschuldigung des Hebräischen Volkes, zum Ausdruck bringen, die der Papst in seiner Predigt artikuliert hat, und die, wie auch die offizielle Vatikanpresse bestätigt, erneut den Vorwurf des Gottesmordes enthält, was sich im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte als eine Quelle tragischer Ungerechtigkeit gegenüber den Juden erwiesen hat, und im übrigen dem widerspricht, was nach vorliegenden Bestätigungen durch das Vatikanische Konzil für alle Zeiten im Sinne der Juden geregelt werden soll.“

Das Juden-Schema bewirkte eine bis dahin nicht gekannte Spaltung in der Kirche. Die Juden beschuldigten den Papst jetzt, von dem Abkommen zurückgetreten zu sein, daß sie mit Kardinal Bea getroffen hatten. Die Konservativen reagierten darauf, indem sie Bea der „Simonie“ beschuldigten. Mit anderen Worten: Mit religiösen Angelegenheiten Handel zu treiben. Bea wurde beschuldigt, „jüdisches Kapital angenommen zu haben, damit sich sein Sekretariat für die Einheit einsetzt.“ Außerdem beschuldigte man Bea, „er hätte leichtfertig ein Versprechen gegeben, nämlich eine Erklärung, die, soweit es die Kirche betraf, zum Epilog des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses werden würde: Nämlich, daß die Kirche bei den Juden um Vergebung für alle Verfolgungen bitten müsse, die durch die christliche Lehre über Jahrhunderte heraufbeschworen worden waren [die Juden als Gottesmörder, die Juden als von Gott verfluchtes Volk usw.]“.

Die Konservativen waren bereit, die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um die Kirche vor einer solche Demütigung zu schützen, „indem sie an die Konzilsväter appellierten, die sich dem jüdischen Druck noch nicht gebeugt hatten, oder sich noch nicht vom jüdischen Gold hatten kaufen lassen ... diese perfide Deklaration zurückzuweisen ....“ Papst Paul VI. sah sich vor die unangenehme Aufgabe gestellt, auf dem Konzil beide Lager, die Juden und die Konservativen, bekämpfen zu müssen. Wenn er beabsichtigte, das Juden-Schema zu retten, mußte er jetzt auch Kardinal Bea vor den „schweren Anschuldigungen“ schützen, die gegen ihn erhoben worden waren, die – wie zu vermuten war – auf die Machenschaften von Pater Malachi Martin zurückzuführen waren.

Am 25. April 1965 erschien ein weiterer Bericht in der „New York Times,“ in dem erneut behauptet wurde, das Juden-Schema sei in Schwierigkeiten. Robert C. Doty nannte als Quelle „ein autorisiertes Leck im Vatikan.“ Inzwischen war diese Formulierung zu einem Kodewort für Malachi Martin geworden. In einem neun Monate später veröffentlichten Artikel wurde Malachi Martin im „Look-Magazin“ als der Doppelagent identifiziert, der für „ähnliche Veröffentlichungen in der „New York Times verantwortlich,“ wo über Ereignisse berichtet wurde, die noch in der Zukunft lagen.“

Das Look-Magazin identifizierte den Priester auch noch unter einem anderen Pseudonym: „Timothy Fitzharris O’Boyle, S.J.,“ was ihn als einen irischen Jesuiten auswies. Weiter wurde in dem Bericht darauf hingewiesen, daß er Bücher unter dem Namen Michael Serafian veröffentlicht, und Artikel für den Monatsbericht des American Jewish Committee unter dem Namen „F. E. Cartus“ geschrieben, und der Presse vertrauliche Memoranden mit Insider-Informationen unter dem Namen „Pushkin“ zugespielt hatte. „Pushkin“ war der Insider-Tip für beide, für „Time-Magazin“ und „The New York Times,“ wie auch der Autor großer Teile des Buches von Kaiser über das Zweite Vatikanische Konzil.

Mit anderen Worten: Malachi Martin war „Pushkin,“ „Michael Serafian,“ was Buchveröffentlichungen betraf, „F. E. Cartus“ für die Magazine und Übersetzer für das „Sekretariat für die Christliche Einheit,“ während er gleichzeitig freundschaftliche Beziehungen zum AJC unterhielt. Damals lebte Pushin-Serafian-Cartus im Bibelinstitut, wo er seit seiner Priesterweihe im Jahre 1954 gut bekannt war. Schließlich wurde Martin von Joseph Roddy als „Doppelagent“ enttarnt, indem er seinen Lesern berichtete, für wen Martin arbeitete. Bei seiner Tätigkeit im Sekretariat von Kardinal Bea wurde de „für den AJC als äußerst nützlich“ empfunden und wird heute noch von vielen in Rom als echter Retter in der Diaspora empfunden. Ohne wäre die Juden-Deklaration wahrscheinlich schon sehr früh untergegangen...

Bei den New Yorker Juden galt Malachi Martin als echter Retter. In dieser Eigenschaft zitierte man ihn im Times-Bericht als Kritiker von Bischof Segni, den er als Antisemit bezeichnete, und des Papstes, der über die Juden gesagt hatte, sie seien für die Kreuzigung Christi verantwortlich, „weil er sich entsprechend vor gewöhnlichem Volk und nicht vor einer Gelehrtenversammlung geäußert hat.“ Nachdem er Martins eigennützigen, aber anonymen Bericht in der „Times“ gelesen hatte, fühlte sich Morris B. Abram vom AJC wieder bestärkt. Wenn dem so war, war er durch die Doppelzüngigkeit Malachi Martins genauso getäuscht worden, wie jeder andere. Das Juden-Schema steckte in der Tat in einer kritischen Phase. Martin hatte in dieser Sache in der „New York Times“ so oft Alarm geschlagen, daß niemand mehr in der Lage war zu erkennen, daß das, was er behauptete, den Tatsachen entsprach.

Im Oktober 1965 erschien Poncins mit tausenden von Exemplaren eines Pamphlets mit dem Titel „Le Probleme Juif face au Concile“ im Konzil, das „eine kurzen Überblick über die Rolle des Jules Isaak bei der Vorbereitung des konziliaren Schema zur Judenfrage und eine Zusammenfassung seiner Thesen enthielt. In einem Artikel, der am 14. Oktober 1965 im „Le Figaro“ erschien, bezeichnete René Laurentin, der später zu einem der größten Befürworter der falschen Erscheinungen von Medjugorje werden sollte, das Traktat Leon de Poncins als „ein außerordentlich antisemitisches Dokument,“ das „den Konzilsvätern in großer Stückzahl zur Verfügung gestellt wurde.“ Die Botschaft der Angriffs Laurentins war offenkundig. Poncins drückte es so aus: „Diese ‚Antisemiten’‚ die sich einer hervorragenden Waffe bedienen, nämlich der Texte der jüdischen Autoren, müssen um jeden Preis zum Schweigen gebracht werden.“ Graf de Poncins war empört darüber, als Antisemit bezeichnet zu werden. „Jules Isaak kann die Evangelisten als Lügner bezeichnen, aber wenn ich die Texte von Jules Isaak, Joshua Jehouda und anderen jüdischen Autoren zitiere, werde ich als verabscheuungswürdiger Antisemit gebrandmarkt.“

Poncins trat im Oktober 1965 im Konzil mit der Absicht auf, den wirklichen Jules Isaak gegenüber den Konzilsvätern darzustellen. Aus diesem Grund hatte er die schriftlichen Äußerungen von Juden wie Isaak, Jehouda, Memmi und anderen über den Katholischen Glauben nachdrucken lassen, weil er davon überzeugt war, daß die Konzilsväter, die im November 1964 über das Juden-Schema abgestimmt hatten, deren Schriften nie gelesen hatten. Ebenso war sich Poncins sicher, daß Jules Isaak und seine Verbündeten, als sie nach Rom kamen, vorsichtig genug waren, diese Passagen ihrer eigenen Schriften nicht zu erwähnen. Stattdessen sprachen sie von christlicher Nächstenliebe, ökumenischer Einheit, gemeinsamer biblischer Wurzeln, von der jüdisch-christlichen Freundschaft, dem Kampf gegen den Rassismus, vom Martyrium des Jüdischen Volkes und ihren von Erfolg gekrönten Bemühungen, da 1651 Bischöfe, Kardinäle, Erzbischöfe und Konzilsväter dafür gestimmt hatten, die Katholische Lehre in Übereinstimmung mit den Wünschen von Jules Isaak, B’nai B’rith und dem Jüdischen Weltkongreß zu reformieren.

Nicht in die Diskussion eingebracht wurden Passagen, wie die nachfolgende Hetze gegen den Katholizismus von Memmi: „Eure Religion ist eine Blasphemie und eine Subversion in den Augen der Juden. Euer Gott ist für uns der Teufel, was nichts anderes bedeutet, als das Symbol und die Essenz alles Bösen auf Erden.“

Isaak ist kaum zimperlicher, wenn er sich über die Evangelien äußert. Nachdem er eine Reihe von unbewiesenen Behauptungen aufgestellt hatte – „Nein, Pilatus hat seine Hände nicht gemäß dem jüdischen Brauch gewaschen ... Nein, Pilatus hat seine Unschuld nicht bekundet ... Nein, das jüdische Volk hat nicht ausgerufen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder ...“ – besitzt Isaak die Dreistigkeit, die Evangelien als „offenkundig tendenziös“ zu bezeichnen. Nachdem er Behauptungen über die Evangelien bereitet, die sich allein auf seine persönliche Ansicht stützen, scheut er sich nicht, seiner Nicht-Schlußfolgerung das Wort „darum“ anzufügen:

„Darum ist die Behauptung der Verantwortung des gesamten Jüdischen Volkes, der gesamten Jüdischen Nation und Israels für das Todesurteil Jesu lediglich ein legendärer Glaube, und stützt sich nicht auf ein solides historisches Fundament... Um auf dem gegenteiligen Standpunkt zu beharren, muß man unbelehrbar und von Vorurteilen erfüllt sein, oder einer Tradition blind folgen, die, wie wir wissen, nicht „normal“ ist, und folglich selbst für die harmlosesten Söhne der Kirche nicht als normative Regel gelten dürfen – eine Tradition, die darüber hinaus noch unendlich vergiftend und mörderisch ist, und die, wie ich ausgeführt habe und es nochmals wiederhole, nach Auschwitz führt – nach Auschwitz und vergleichbaren Orten. Ungefähr Sechs Millionen Juden wurden allein darum umgebracht, weil sie Juden waren, und damit kam die Schande nicht nur über das Deutsche Volk, sondern über die gesamte Christenheit, weil ohne die jahrhundertelange Christliche Lehre die Lehre Hitlers und seine Propaganda mit ihren Folgen nicht möglich gewesen wäre“.

Vierzig Jahre nach der Promulgierung des Juden-Schemas, das von Isaak inspiriert wurde, wiederholen Rabbiner anläßlich von „Nostra Aetate-Feierlichkeiten weltweit die Beschuldigungen Isaaks fast wörtlich. Im herbst 2005 schrieb Israels Hauptrabbiner Yona Metzger im Jesuiten-Magazin „America“:

„Nicht nur ignorante Bauern und Mönche, sondern auch eminente Theologen und andere Religionslehrer hatten die Juden als „Christusmörder“ angegriffen, als ein von Gott verlassenes Volk bezeichnet, als eine Rasse, die ihr erworbenes Vermögen nicht verdient, sondern Rache für Verschwörungen und gegen unschuldige Christen begangene Greueltaten... Nicht nur waren die Juden Roms gezwungen gewesen, solange in einem Ghetto zu leben, bis der Papst nicht mehr über die Stadt herrschte... sondern praktisch überall in Europa wurden die Juden wegen ihrer vermeintlichen Bosheit abgelehnt. Ein langer Weg schändlichen Predigens zog sich durch die Jahrhunderte und endete bei den Todeslagern der Nazis. Aber letztendlich war nicht das Judentum, sondern das Christentum diskreditiert.“.

Isaak verhielt sich gegenüber den Kirchenvätern ähnlich. „Sie alle waren Judenverfolger, erfüllt von antisemitischem Haß, die unvermeidlichen Vorgänger von Streicher und anderen, moralisch verantwortlich für Auschwitz und sechs Millionen unschuldiger jüdischer Opfer.“

Poncins blieb bei seiner Ansicht, daß das Schema vom November 1964 wegen der Ignoranz der Bischöfe verabschiedet worden war. Sie waren ignorant gegenüber den wahren Gefühlen Isaaks gegenüber dem Christentum, aber auf einer breiteren Ebene, verstanden sie den Unterschied zwischen der Thora und dem Talmud nicht. Die Thora ist das Wort Gottes, der Talmud ist seine Antithese. Der Talmud, worauf Poncins hinwies, „war ein nachchristliches Machwerk, das dazu bestimmt war, die Juden von der Bekehrung zum Christentum abzuhalten. In der Zeit nach der Zerstörung des Tempels, „ersetzte der Talmud die Thora als die Grundlage aller Weisheit und als Leitfaden für jeden Schritt des täglichen Lebens“. Der Zweck des Talmud war es, „den Bruch mit dem Judentum zum Zwecke der Bekehrung zum triumphierenden Christentum zu verhindern“. Und aus diesem Grund „ist die Erzwingung der Durchsetzung der Ideale des Talmud gegenüber dem neuen Zweig des Judaismus die Kalamität des Jüdischen Volkes bis in die Gegenwart“.

Wegen ihrer Ignoranz gegenüber den grundsätzlichen Dingen, waren die Konzilsväter nicht in der Lage, die Stoßrichtung der jüdischen Strategie zu erkennen, indem sie das Juden-Schema zunächst vorschlugen und dann durch die ganze zweite Sitzungsperiode begleiteten. Im Ergebnis war den Bischöfen nicht bewußt, daß die Juden ein grundsätzlich anderes Verständnis von dem hatten, was sich im Konzil ereignete, als sie selbst. Was die Bischöfe für eine Geste der Versöhnung - allerdings auf der Grundlage von Ignoranz - hielten, war für die Juden eine „Waffe, die dazu bestimmt war, den traditionellen Katholizismus zu stürzen, den sie für ihren Hauptfeind halten.“

Der Text vom November 1964 war gefährlich, weil „er die Kirche in die Position des Beschuldigten brachte, schuldig des immerwährenden, ungerechtfertigten und unverzeihlichen Verbrechens des Antisemitismus über einen Zeitraum von zweitausend Jahren.“ Außerdem wurde „der gute Glaube und die Wahrhaftigkeit der Evangelisten, insbesondere des hl. Johannes und des hl. Matthäus, bezweifelt, die Lehre der Kirchenväter und der Päpste wurde diskreditiert, indem das Papsttum in den dunkelsten Farben dargestellt wurde. Kurz gesagt: Es bestand die Gefahr der völligen Demontage der Bastion der Katholischen Lehre.“

Angesichts der Schwere der Anschuldigungen, die Poncins den Juden zu Füßen legte, war nicht überraschend, daß der Papst den Text von 1964 zurückzog. Der Text von 1964 war überwiegend ein jüdisches, und kein katholisches Dokument. Poncins zitiert Malachi Martins glücklosen Vertrauten Gus Weigel, der erklärt hatte, „die Deklaration zur Verurteilung des Antisemitismus, wie sie von Kardinal Bea 1964 akzeptiert worden war, beruhte auf einem von Zacharias Schuster, Präsident des American Jewish Committee, ausgearbeiteten Konzept.

Nach der Darstellung des wahren Jules Isaak und der Machenschaften der jüdischen Organisationen, die auf Kardinal Bea eingewirkt hatten, fuhr Poncins damit fort, die Vorstellung, es handele sich bei den Juden um das „Volk des Alten Testaments“ dadurch zu korrigieren, indem er darstellte, daß ihr wirkliches Wirken nicht das Streben nach dem Messias sei, sondern vielmehr die „Errichtung einer irdischen Herrschaft, in der sie das soziale, politische und wirtschaftliche Leben aller Nationen kontrollieren... Das Judentum strebt danach, sich selbst als einzigen Maßstab zu sehen, und die Welt auf die jüdischen Werte zu reduzieren ... .“ Nach George Batault sind die Juden

„Instinktiv gegenüber allem aufgeschlossen, das geeignet ist, traditionelle Gesellschaften, Nationen und Länder zu zerschlagen und aufzulösen... Die Juden haben ein Gespür und eine Vorliebe für Humanität, das als Aggregat von Individuen, abstrakt und ein einander so ähnlich wie möglich verstanden wird, entlassen aus der „Routine“ der Tradition und befreit von den „Ketten“ der Vergangenheit, um nackt und entwurzelt übergeben zu werden, als Menschenmaterial für die Unternehmungen des Großen Architekten der Zukunft, der letztendlich auf dem Grundsatz der Vernunft und Gerechtigkeit die messianische Stadt errichtet, über die Israel herrschen wird“.

Trunken vom Zeitgeist, einen Geist, den sie in vollen Zügen genossen, hatten die Konzilsväter die Rolle vergessen, die die Juden bei den revolutionären Aufständen nach dem Ersten Weltkrieg gespielt hatten – bis Poncins ihr Erinnerungsvermögen dadurch belebte, indem er ihnen umfangreiche französische Literatur über die Beziehung von Juden und Bolschewismus in seinem Pamphlet vorlegte. In den 1920er Jahren gab es einen allgemeinen Konsensus zwischen Juden und Katholiken, daß es sich beim Bolschewismus um ein jüdisches Phänomen handelte. Die Katholiken bedauerten diese Tatsache, die Juden applaudierten, aber niemand bestritt diese Tatsache. Poncins brachte diese jetzt unterdrückte Tatsache vor die Konzilsväter, um ihre Denkweise über das Juden-Schema auf eine faktische Grundlage zu stellen.

Einerseits zitierte Poncins den Juden Bernard Lazare, der Karl Marx für seinen „klaren talmudischen Verstand lobte, und der sich von den Schwierigkeiten der Gegebenheiten nicht entmutigen ließ.“ Ignorierend, was Karl Marx in seinem Traktat zur Judenfrage zu sagen hatte, behauptete Lazare, Marx sei „von dem alten hebräischen Materialismus inspiriert gewesen, der die Hoffnung auf ein Eden nach dem Tode zwar als zu entfernt und zweifelhaft ablehnte, jedoch niemals aufhörte, von einem auf Erden realisierten Paradies zu träumen... Mit Marx wurde der Sozialismus zu einer säkularen Version des jüdischen Messianismus. Die Idee wurde in Palästina geboren und hat jetzt in Moskau und Peking Fuß gefaßt.“

Andererseits berief sich Poncins auf Charles Sarolea, der behauptete:

„Die Juden hätten bei den bolschewistischen Aufständen eine führende Rolle gespielt, und würden diese Rolle jetzt auch in der Bolschewistischen Regierung weiterspielen. Ein Faktum, das niemand bestreiten wird, der die Mühe des Studiums der russischen Angelegenheiten auf sich genommen hat... Ihre Diktatur kam nicht nur über Rußland, sondern über jedes Land in Zentraleuropa, als der Bolschewismus versuchte, durch eine blutige Terrorherrschaft überall Fuß zu fassen: Unter Bela Kuhn und Szamuelly in Budapest, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin, und Kurt Eisner und Marx Levin in München... Leider haben Männer der jüdischen Rasse nicht nur zu Beginn und bei der Entwicklung der Bolschewistischen Revolution eine entscheidende Rolle gespielt, sondern sie waren auch Hauptbeteiligte an einigen der schwersten Verbrechen dieser Revolution.“

Nachdem er den Konzilsvätern die Beziehung zwischen den Juden und der Revolution dargestellt hatte, ließ er Poncins keinen Zweifel daran, daß der Ökumenismus die letzte Hauptkampflinie im Kampf gegen die Kirche sei. Er zitierte Abschnitt für Abschnitt aus den Schriften von Joshua Jehouda, der, zusammen mit Jules Isaak, B’nai B’rith und dem Jüdischen Weltkongreß, „eine sorgfältig geplante und konzertierte Kampagne durchführte, die zu dem kürzlichen Abstimmungsergebnis des Konzils geführt hat ... unter der Tarnung der ökumenischen Einheit, religiösen Versöhnung und anderer plausibler Vorwände.“ Unbeschadet dessen, was beide, die Konzilsväter und die Juden, in der Öffentlichkeit sagten, stelle die wahre Absicht des Juden-Schema auf die „Demontage der Bastion des traditionellen Katholizismus ab, der von Joshua Jehouda als „die altersschwache Festung des christlichen Obskurantismus“ bezeichnet worden war.

Aus der jüdischen Perspektive war das Vatikanische Konzil lediglich eine weitere Gelegenheit in der Geschichte der jüdischen Versuche das Christentum zu korrigieren, wozu nach Jehudas Ansicht, „die Renaissance, die Reformation und die Revolution von 1789“ zählten. Wie Louis Israel Newman, unterstützt auch Jehouda alle historischen Revolutionsbewegungen seit der Reformation, die mit Reuchlin begann, der „das christliche Bewußtsein dadurch erschütterte, indem er bereits 1494 erklärte, es gebe nichts Höheres als die hebräische Weisheit.“ Unter Berufung auf die Kabbala, setzte sich Reuchlin für die Rückkehr zu den Jüdischen Quellen ein, was sich zum Zündfunken des „neuen Geistes entwickelte, der das gesamte Europa revolutionieren sollte“ und seinen Ausdruck in den Revolutionen in Rußland und Frankreich fand.

Die Französische Revolution, so Jehouda, „setzt sich durch den Einfluß des russischen Kommunismus fort, um einen machtvollen Beitrag zur Entchristianisierung der christlichen Welt zu leisten.“ Für Juden wie Jehouda, ist Geschichte ein Synonym für Revolution: „Die tiefste Bedeutung der Geschichte, die in jedem Zeitalter unverändert bleibt, ist die verdeckte oder offene Auseinandersetzung zwischen den Kräften, die sich für den Fortschritt der Menschheit einsetzen, d. h. die Juden, und jenen, die sich an verklumpte Interessen klammern und beharrlich entschlossen sind, sie zum Schaden dessen, was kommen wird, beizubehalten, d. h. die Katholische Kirche.“

Alle diese Beweise führten Poncins zu der Schlußfolgerung, daß es sich bei dem Juden-Schema um einen verdeckten Angriff auf die Katholische Kirche handelte, und daß das Vatikanische Konzil einen weiteren kommenden Angriff unter dem Banner des Ökumenismus zugelassen hatte.“ Indem man den Juden ein uneingeschränktes Mitspracherecht bei der Formulierung des Schema eingeräumte, hatte es die Kirche ermöglicht, daß die Juden ihren revolutionären „Krieg“... direkt in das Innere der Kirche tragen konnten.“

Während sie ihren Angriff vortrugen, bedienten sich die Juden der Taktik von Zuckerbrot und Peitsche. Um bei den Katholiken Zugeständnisse zu erreichen, versprachen die Juden finanzielle Unterstützung. In einem Bericht, der am 19. November 1963 in le Monde veröffentlicht wurde, wurde Label Katz, Präsident des Internationalen Rates von B’nai B’rith, mit der Aussage zitiert. „sollte diese Deklaration vom Konzil akzeptiert werden, werden die Jüdischen Gemeinschaften Mittel und Wege finden, um mit den Autoritäten der Kirche zu kooperieren, um die Realisierung des Zwecks und der Projekte der Deklaration zu realisieren.“ Andererseits blieb den Juden nicht anderes übrig, als sich martialischer Bilder zu bedienen. Ein jüdischer Schreiber bezog sich auf Jules Isaaks Buch „Jesus et Israel“ als „die besondere Waffe im Kampf gegen eine ausgesprochen schädliche Christliche Lehre.“

Letztendlich hatten die Konzilsväter begriffen, worum es ging, und vor allem, was vor sich ging. Poncins Pamphlet hatte sie überzeugt und dafür gesorgt, daß die allgemeine Strömung sich gegen das Schema vom November 1964 wandte. „Zweifellos,“ schrieb Poncins in einem Buch, das zwei Jahre nach Beendigung des Konzils veröffentlicht wurde, „war die Offenlegung dieser tödlichen Texte für die progressiven jüdischen Manöver äußerst nachteilig, und hätten sie früher veröffentlicht werden können, wären die Auswirkungen noch drastischer gewesen“.

Der Endabstimmung über das Juden-Schema am 14. Oktober 1965 gingen seitens der Juden noch hastige, unkoordinierte Versuche der Einflußnahme voraus. Gemäß dem „Nachruf“, der in der Januarausgabe des „Look“-Magazin des Jahres 1966 veröffentlicht wurde, „hielt sich Malachi Martin immer dann in Rom auf, wenn die Deklaration der Unterstützung bedurfte. Aber bei der vierten und letzten Sitzungsperiode des Konzils war keinerlei Hilfe in Sicht.“ Überall wurden Reden gehalten, die die Höhen und Tiefen der Juden-Deklaration zum Gegenstand hatten. Viele Beteiligte bereiteten sich bereits auf die endgültige Niederlage vor. Lichtens Vizepräsident Rabbi Jay Kaufman, hatte Zuhörern von seiner eigenen Verblüffung berichtet... „Er fühle sich als Jude wie ein Spatz, der sich in einem klerikalen Tennisspiel gefangen hatte.“ Die jüdischen Hardliner forderten entweder den totalen Sieg oder gar keine Deklaration, aber Msgr. Higgins überzeugte sie davon, daß ein halbes Brot besser sei, als gar kein Brot. Lichten und Schuster, die Zugang zu den Abänderungsvorschlägen der Bischöfe hatten, wußten, daß sich das Blatt gegen sie gewendet hatte. Auch Higgins wußte es. Lichten dachte daran, 25 sympathisierenden, zumeist amerikanischen Bischöfen Telegramme zu senden, aber Higgins riet ihm davon ab.

„Sieh, mal, Joe,“ sagte Higgins zu Lichten. „Ich verstehe Deine Enttäuschung. Auch ich bin enttäuscht.“ Als Higgins Schuster und Lichten gemeinsam in seinem Büro hatte, führte er weiter aus, was er Lichten zunächst allein gesagt hatte. „Wenn ihr beide in New York den Eindruck erweckt, es sei Euch möglich, einen besseren Text zu erreichen, seid ihr verrückt,“ sagte er. „Legt alle Eure Karten offen auf den Tisch. Es ist einfach Wahnsinn anzunehmen, daß Ihr durch einigen Druck hier oder durch Zeitungsberichte dort in New York hier im Konzil ein Wunder wirken könnt. Es wird nicht funktionieren, und sie werden denken, Ihr hättet versagt.“ Letztendlich ließ sich Lichten von der Higgins Logik überzeugen, „obwohl ich mir den Kopf darüber zerbrach, was noch zu tun sei, ich durchlebte eine Krise, aber Higgins hatte mich überzeugt.“

In letzter Minute brachte René Laurentin noch einen Gewissensappell ein. Er wies darauf hin, daß der Gedanke von der Schuld der Juden am Tod Christi von der Kirche aufgegeben werden sollte, denn im Falle eines weiteren Holocaust würde man sonst möglicherweise der Kirche die Schuld zuweisen. Seine Bemühungen waren vergeblich. Das Juden-Schema wurde in ein umfangreicheres Dokument mit dem Titel „Deklaration über die Beziehung der Kirche zu nichtchristlichen Religionen“ aufgenommen, das fortan allgemein unter der Bezeichnung „Nostra Aetate“ bekannt, und am 25. Oktober 1965 vom Konzil promulgiert wurde. Anschließend flog Papst Paul VI. nach New York, um vor den Vereinten Nationen seine „Nie wieder Krieg“-Rede zu halten. Die Juden hingegen, versuchten aus dem Dokument das Beste zu machen, obwohl es ihren Erwartungen nicht entsprach.

Die Konservativen waren überwiegend zufrieden, die Juden enttäuscht. Aber die Ergebnisse im Lichte des Dokuments waren gemischt. Einerseits waren die Juden enttäuscht darüber, daß die Beschuldigung des Gottesmordes nicht aufgegeben worden war. Andererseits waren die Konservativen enttäuscht, daß der Text von 1965 bezüglich des Gottesmordes nicht alle Juden erfaßte. In einer sehr klugen Formulierung schrieben die Konzilsväter: „Obwohl die jüdischen Autoritäten und jene, die ihnen mit der Forderung des Todesurteils gegen Christus folgten, können weder die damaligen Juden in ihrer Gesamtheit, noch die heutigen Juden ausnahmslos der Verbrechen beschuldigt werden, die anläßlich der Passion Christi begangen worden sind.“ Nach den Grundsätzen der Logik kann diese Erklärung so verstanden werden, daß einige Juden für den Tod Christi verantwortlich waren. Wenn wir aus dieser Gruppe die hl. Jungfrau, die Jünger und alle anderen Juden, die Christus als den Messias anerkannt hatten, herausnehmen, haben wir eine Erklärung, die weitestgehend mit der Wahrheit der Evangelien übereinstimmt.

Obwohl man sich in dem Dokument letztendlich für die Evangelien-Wahrheit entschied, war die Kirche darüber dennoch gespalten. Das Juden-Schema, so Bischof Carli aus Segni, unterwarf die Kirche einer „unwürdigen Pressekampagne,“ von nie gekannter Intensität. Es kam zu „politischen und diplomatischen Komplikationen, und im Osten lieferte es leider für einige den Vorwand, den Katholizismus aufzugeben und sich der Orthodoxen Kirche anzuschließen.“ Aber vor allem hing über der Kirche jetzt der Schleier des Verdachts. Der Umstand, daß die Kirche alles tat, um den Juden entgegenzukommen, förderte im öffentlichen Forum die Auffassung, sie hätte etwas zu verbergen, und die von den Juden gegen die Kirche erhobenen Beschuldigungen müßten in gewisser Weise fundiert sein. Im Ergebnis gehörten beide Seiten der Katholiken, konservative wie progressive, zu den Verlieren: „Den Konzilsvätern, die das Juden-Schema unterstützten, wird der Vorwurf gemacht, sie hätten sich an das internationale Judentum verkauft. Wohingegen jene, die diese Deklaration als unangebracht erachten, oder sie zumindest modifiziert sehen wollen, als Antisemiten und Mitverantwortliche an den Todeslagern der Nazis verleumdet werden.“

Auf jeden Fall legt das Dokument Zeugnis über die Fähigkeit der Juden ab, ihre Feinde gegeneinander aufzubringen. In jedem Fall profitierten die Juden von der Spaltung, zu der dieses Dokument geführt hatte. Schließlich profitierten sie auch, indem sie die Diskussion über ihre Beteiligung an revolutionären Bewegungen, wie Bolschewismus und Freudianismus auf andere Bereiche verlagerten. Weit davon entfernt, das „Volk des Alten Testaments“ zu sein, hatten sich die Juden nach Bischof Carli, durch ihre Zurückweisung Christi, selbst „in eine globale, offizielle und offenkundige Opposition zu Christus und Seiner Lehre gestellt, und zwar trotz des großen „Zeichens“ der Auferstehung des Messias.“

Die Zurückweisung des göttlichen Plans bedeutete, daß die Beziehung zwischen Christentum und Judentum entschieden schlechter ist, als die Beziehung zwischen Christentum und den anderen Religionen. Denn lediglich Israel war auserwählt worden und hatte einen Ruf empfangen, und seine Geschichte unterschied sich erheblich von der Geschichte aller anderen Religionen. Israel war uneingeschränkt „relativ gegenüber Christus und dem Christentum.“ Da es durch eigenes Verschulden versäumt hatte, eine so bedeutsame „Relativität“ zu erlangen, hatte sich Israel selbst in den Zustand einer objektiven „Ablehnung“ versetzt. Dieser Zustand wird solange anhalten, wie die Jüdische Religion weltweit die Anerkennung Christi verweigert.

Da „Nostra Aetate“ den Vorwurf des Gottesmordes aufrecht hielt, und spezifizierte, wer und wer nicht dafür verantwortlich war, sorgte der Freispruch der gegenwärtigen Juden Probleme aus sich selbst heraus, da die Fortdauer und Identität des Jüdischen Volkes infrage gestellt wurde. Ihre Unterscheidung zwischen den Juden zur Zeit Christi und den Juden der Gegenwart, machte den Doppelstandard deutlich, dessen sich die Juden selbst immer dann bedienten, wenn es um die Frage der kollektiven Verantwortlichkeit ging.

Einerseits konnten die Juden das Deutsche Volk für Hitlers Verbrechen gegen die Juden verantwortlich halten und jeden deutschen Steuerzahler über Generationen zu Reparationszahlungen an jüdische Organisationen und den Staat Israel zwingen. Andererseits leugnen die Juden jede Verantwortung für den Tod Christi, obwohl die Evangelien darüber eindeutig Zeugnis ablegen. Dieser Zwiespalt führt zu der Frage der jüdischen Existenz als Volk. Wenn die Juden für den Tod Christi nicht verantwortlich waren, warum sind dann die Deutschen, selbst jene, die damals noch nicht geboren waren und auch weiterhin Reparationszahlungen leisten, für den Holocaust verantwortlich?

Das Juden-Schema des Konzils versucht, beides möglich zu machen, indem es die Behauptung Jules Isaaks zurückweist, allein die Römer seien für den Tod Christi verantwortlich gewesen, indem es die Schuld auf die jüdischen Führer beschränkt. Wie es Poncins am Beispiel Deutschlands im 20. Jahrhundert ausgeführt hat: „Das gesamte Volk wird verantwortlich gemacht und folglich für die von seinen Führern begangenen Fehlern bestraft, obwohl diese Verbrechen der Mehrheit des Deutschen Volkes nicht einmal bekannt gewesen sind“, wohingegen sich aus den Evangelienberichten eindeutig ergibt, daß das Jüdische Volk nicht nur sehr wohl Kenntnis von dem hatte, was seine Führer taten, sondern deren Taten noch unterstützten.

Alle Juden, die sich für die Abstimmung über ihre Version des Juden-Schema eingesetzt hatten, waren enttäuscht, als Nostra Aetate promulgiert wurde. Aber Rabbi Heschels Reaktion war die heftigste. Heschel bezeichnete die Nichtverurteilung der Beschuldigung des jüdischen Gottesmordes durch das Konzil als „einen Akt der Huldigung Satans,“ ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, inwieweit seine eigenen Bemerkungen gegenüber Papst Paul VI. zum Endergebnis beigetragen haben könnten.

Am Ende des Konzils war der gute Wille gegenüber den Juden, der durch die Zusammenkunft Johannes XXIII. mit Jules Isaak zum Ausdruck kam, überwiegend nicht mehr vorhanden und war durch ein allgemeines Gefühl der Ablehnung seitens der Bischöfe ersetzt worden. Die Bischöfe „haben den jüdischen Druck in Rom empfunden, und sich dagegen aufgelehnt.“ Es war nicht das erste Mal in der Geschichte, daß die Juden ihr Blatt überreizt hatten. Die Angelegenheit über das Maß hinaus zu forcieren, das die Vernunft diktierte, ist als die jüdische Tugend Chuzpe bekannt, und eben dieses Chuzpe hatte bei den Konzilsbemühungen der jüdischen Lobbyisten eine große Rolle gespielt.

Zu Beginn des Konzils würde jeder, der behauptet hätte, „Kardinal Bea beabsichtige, die Kirche an die Juden zu übergeben,“ sofort als unbelehrbarer Antisemit bezeichnet worden sein. Nach Beendigung des Konzils wurde dieselbe Anschuldigung in den philo-semitischen Berichten über das Konzil, die im „Look“-Magazin veröffentlicht wurden, durchaus ernst genommen. Wie in solchen Situationen üblich, sollten sich die kühleren Köpfe nicht durchsetzen. Nahum Goldman vom WJC hatte die Juden bereits sehr früh davor gewarnt, „die Angelegenheit mit nicht zu großem Nachdruck zu betreiben.“ Nachdem offenkundig geworden war, daß die überzogenen Forderungen der Juden ihrem Anliegen abträglich gewesen waren, traf sich Fritz Becker vom WJC mit Kardinal Bea, um die Angelegenheit aus der Rückschau zu diskutieren.

Trotz Poncins allgemein nüchterner Interpretation des Schlußdokuments, wurden bestimmte Abänderungen vorgenommen, die auf lange Sicht einen verwässernden Effekt haben würden. Wie Pater Brian Harrison ausführte, forderte das Dokument vom November 1964 trotz aller Mängel, die Bekehrung der Juden mit folgender Aussage: „Es ist bedeutsam daran zu erinnern, daß die Integration des Jüdischen Volkes in die Kirche ein Teil der christlichen Hoffnung darstellt. Denn, nach der Lehre der Apostel erwartet die Kirche mit unerschütterlichem Glauben und tiefer Sehnsucht den Eintritt dieses Volkes in die Fülle des Gottesvolkes, das durch Christus wiederbegründet worden ist.“. Im hier zitierten Bibelvers spricht der Heilige Geist durch den Apostel Paulus von der temporären „Blindheit“ der ungläubigen Juden und prophezeit im nächsten Vers die Erlösung Israel als Nation, nachdem die „Fülle der Ungläubigen“ sich der Kirche angeschlossen hat.

In der Schlußfassung wurde dieser Abschnitt jedoch gestrichen, wie es Kardinal Bea in seinen relatio erläutert. „Viele Konzilsväter hatten verlangt, daß bei der Rede über diese „Hoffnung,“ da es sich um ein Mysterium handelt, jeder Anschein des Proselytismus vermieden werden sollte. Andere haben gefordert, daß diese christliche Hoffnung, die sich auf alle Völker erstreckt, irgendwie zum Ausdruck kommen muß, In der vorliegenden Fassung dieses Paragraphen haben wir versucht, alle diese Forderungen zu berücksichtigen.“ Durch die Fortlassung jeden Bezugs auf die Bekehrung der Juden, hat Kardinal Bea die zukünftige Bekehrung der Juden zum ätherischen Status eines „Mysteriums“ erhoben, womit zum Ausdruck gebracht werden sollte, daß es sich irgendwann ereignen wird. Eines Tages spontan ohne das Bedürfnis der Mitwirkung irgendeiner menschlichen Missionstätigkeit seitens der Katholiken. Bea selbst, war damals natürlich der Hauptrepräsentant der Beziehungen zum Judaismus. Und es erscheint mehr als wahrscheinlich, obwohl er es im Konzil nicht so zur Sprache brachte, er mit diesem Abänderungsvorschlag danach trachtete, seine jüdischen Gesprächspartner ebenso zufriedenzustellen, wie „vielen“ [ungenannten] katholischen Bischöfe, von denen entsprechende Änderungen gefordert worden waren.

Nach vierzig Jahren in der Retorte der öffentlichen Meinung, hat sich die Überzeugung herauskristallisiert, daß diese Auslassung eine Verwässerung des Evangeliums durch Prälaten wie Kardinal Keeler und Walter Kardinal Kasper gewesen ist, die vor einem amerikanischen Publikum im Boston College verkündeten, die Juden müßten sich nicht zu Christus bekennen, um gerettet zu werden. „Dies bedeutet keineswegs, daß Juden, um gerettet zu werden, sich zum Christentum bekehren müssen,“ verkündete Kardinal Kasper am 6. November 2002 in einer Ansprache im Zentrum für „Christlich-Jüdisches Verständnis.“ „Wenn sie ihrem eigenen Gewissen und Glauben an die göttlichen Versprechen, wie sie von ihnen durch ihre religiöse Tradition verstanden werden, sind sie in Gottes Plan eingebunden, der für uns durch Jesus Christus seine historische Erfüllung gefunden hat.“ [Origins, 19. Dezember 2002, Bd. 32. Nr. 28, Seite 464].

Aber wie jeder, der sich in der jüdischen Hermeneutik auskennt, voraussagen konnte, war die Thora von „Nostra Aetate“ in vielerlei Hinsicht völlig irrelevant für die talmudische Interpretation dieser Thora, die folgen würde. In dieser Hinsicht erwies sich Dr. William Wexler von der Weltkonferenz Jüdischer Organisationen als weitsichtigster Kommentator des Juden-Schema. Er stellte ferst: „Die wahre Bedeutung dieser Erklärung [über die Juden] des Ökumenischen Konzils, wird von den praktischen Auswirkungen auf jene bestimmt sein, an die sie gerichtet ist.“

Was diese „praktischen Effekte“ betraf, wurde „Nostra Aetate“ schon sehr bald zur wirksamsten Waffe gegen die Kirche, was - wie Poncins behauptet - Sinn und Zweck von Anbeginn gewesen war. Die Katholische Kirche verlor praktisch sofort die Kontrolle über dieses Dokument, weil sie die Kontrolle über seine Auslegung verloren hatte, die im Verlauf der kommenden Jahrzehnte in den jüdisch kontrollierten Medien verfälscht worden ist. Aber das Dokument enthielt Abschnitte, die es den Feinden der Kirche ermöglichten, die Auslegung für sich zu beanspruchen. Einer dieser entscheidenden Passagen ist die Aussage der Konzilsväter, „daß die Kirche.... jede Form von Haß, Verfolgung, gegen die Juden gerichteten Antisemitismus mißbilligt.“ Zachariah Schuster mißbilligte die Verwendung des Begriffs „Mißbilligung“ als einen zu schwachen Begriff, aber vom semantischen Standpunkt lautete der wirklich signifikante Begriff in diesem Abschnitt „Antisemtismus.“ Die Kirche hatte den Antisemitismus verurteilt, ohne den Begriff zu definieren. Ein Versäumnis von wahrhaft katastrophalen Proportionen, weil – wie Poncins damals ausführte:

„Nach jüdischer Auffassung ist jede Maßnahme zur Verteidigung und des Schutzes gegen das Eindringen jüdischer Ideen und Konzepte, gegen antichristliche jüdische Häresien, gegen die jüdische Kontrolle der nationalen Wirtschaft, und im allgemeinen jede Maßnahme zur Verteidigung der nationalen christlichen Traditionen eine Manifestation des Antisemitismus. Außerdem erachten viele Juden die allein Tatsache der Existenz einer Judenfrage, als ein Bekenntnis zum Antisemitismus“ [Seite 149].

Poncins fuhr fort, die Katholiken daran zu erinnern, daß

„Jules Isaak die Kirchenväter des Antisemitismus beschuldigt ... Er beschuldigt sie, das Untier von der Kette gelassen zu haben und jene zu sein, die für den deutschen Antisemitismus und die Gaskammern von Auschwitz verantwortlich sind. Er hält sie für schlimmer und schuldiger als Hitler und Streicher und andere, denn ihr System führte zur Folterung und Verfolgung der Juden mit unendlichem Leid... Wird sich die Kirche der These Isaaks anschließen und sich schuldig bekennen?“

Die Antwort auf diese Frage wurde dreißig Jahre später gegeben, als Papst Johannes Paul II. sich bei den Juden entschuldigte. Sein Nachfolger Benedikt XVI. versuchte klarzustellen, daß sich die Kirche nicht für den Holocaust entschuldige, weil das Nazi-Regime eine „heidnische Ideologie“ gewesen sei, für die die Kirche nicht die Verantwortung übernehme. Aber wie das Verhalten von Rabbi Paul Spiegel in der Kölner Synagoge anläßlich des dortigen Papstbesuchs vom August 2005 deutlich machte, haben die Juden nicht zugehört. Wenn es zutrifft, was Isaak und seinesgleichen über die unveränderte Bosheit der Katholischen Kirche behaupten, dann wäre der einzige Akt der Wiedergutmachung der von ihr begangenen Verbrechen ihre Selbstauflösung.

Wiederum war es Bischof Carli, der sowohl auf die in den jüdischen Anschuldigung gegen die Kirche inhärente Logik, wie auch auf den innewohnenden Widerspruch hinwies. Wenn die Behauptungen Isaaks zutreffend sind, muß die Katholische Kirche die übelste Versammlung von Bösewichten sein, die jemals auf der Erde existierte. Dann folgt der Widerspruch, gekoppelt mit dem Doppelstandard der kollektiven Verantwortung: „Heute wollen die Juden nicht mehr dafür verantwortlich gehalten werden, was ihre Vorfahren Jesus Christus angetan haben, und denen sie auch heute noch zugute halten, im guten Glauben gehandelt zu haben: Aber von der heutigen Katholischen Kirche verlangen sie, daß sie die Verantwortung übernimmt und sich schuldig bekennt zu allem, was die Juden – nach ihren eigenen Angaben – im Verlauf der vergangenen zweitausend Jahre erlitten haben.“

Die Ansicht Poncins und der Verschwörungstheoretiker erwies ich am 25. Januar 1966 als richtig, als das „Look“-Magazin einen Artikel veröffentlichte, mit dem erläutert wurde, „Wie die Juden die Katholische Lehre verändert haben.“ Man zitierte dort nicht nur Poncins Material über Jules Isaak, sondern substantiierte auch seine zentrale Behauptung, daß die jüdische Lobby hinter der Bühne die katholische Lehre verfälsche.

Auch auf andere Weise wurde Poncins bestätigt. Seine Beschreibung von Nostra Aetate, trotz der vorgenommenen Änderungen, als „Waffe, die dazu bestimmt ist, den Katholizismus zu stürzen“ erwies sich als zutreffend. Mit genau diesem Ziel wurde „Nostra Aetate“ im Verlauf der folgenden vierzig Jahre angewendet. Ein Jahr nach der Promulgierung des Textes wurde „Nostra Aetate“ als Waffe gegen die Oberammergauer Passionsspiele eingesetzt, was ein eindeutiger Hinweis darauf war, wie die Juden grundsätzlich mit diesem Dokument zu verfahren gedachten. Die kaum verhüllte Aggression hinter dem jüdischen Enthusiasmus für Konzilsdokumente wird deutlich, wenn James Schapiro behauptet, „erst nachdem Oberammergau zwischen den Amboß des Vatikanischen Konzils und den Hammer der Kritik der jüdischen Organisationen geriet, kam es zu ernsthaften Veränderungen.“

Worauf Schapiro hinweist, ist die Tatsache, daß die Bayern unter den Hammer gerieten, was ohne „Nostra Aetate“ nicht möglich gewesen wäre. Ohne dieses Dokument hätten sie die jüdischen Schläge leicht abwehren können. Mit dem Dokument, war es den Juden jetzt möglich, den Bischof gegen seine Herde auszuspielen, um die Aufführung der Spiele von allen Evangeliumsberichten zu reinigen, denen die Juden ablehnend gegenüber standen. Es waren solche Vorgehensweisen, die einen Beobachter zu der Schlußfolgerung gelangen ließ: „Nostra Aetate war der Eckstein der mißbrauchten Beziehung, die der Katholischen Kirche im Verlauf der vergangenen vierzig Jahre unermeßlich geschadet hat.“

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