Translatio Imperii

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Translatio Imperii ist eine politische Theorie, der zufolge Reiche einander ablösen.


Translation in der Bibel

Die Idee der Translation basiert auf der aus dem Buch Daniel[1] stammenden Vier-Reiche-Lehre. In seinem Kommentar zum Buch Daniel ordnete der Kirchenvater Hieronymus der Textstelle bestimmte Reiche zu: Babylon, Persien, Griechenland und Rom. Nach Ende des letzten Reiches wird das Weltende folgen.

Das Vier-Reiche-Schema wurde im eschatologischen Sinne weitergeführt. Nach der Lehre wurde das Römische Imperium auf die Franken übertragen, von dort dann auf die Deutschen. Konsequenter Weise wurde das Deutsche Reich als „Heiliges Römisches Reich deutscher Nation“ (HRRDN) bezeichnet. Die Lehre der Kirche sagt auch klar aus, daß nur der Papst eine Übertragung vornehmen kann. Auf der Grundlage der Translatio Imperii ist es konsequent, Römisches Recht fortzuführen. Otto von Freising ist einer der bedeutendsten Vertrete der Translationstheorie.

Weitere (falsche) Translationslehren

  • 476 erlosch das römische Kaisertum im Westen, während im Osten das oströmisch/byzantinische Reich weiterbestand. Die Sultane sahen sich nach der osmanischen Eroberung von Konstantinopel/Istanbul in der Kontinuität des damit endgültig eroberten Oströmischen Reichs. Sultan Mehmed II. „der Eroberer“ brachte das durch die Übernahme des Kaisertitels zum Ausdruck. Im Mittelalter wurde im Westen nach der Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom durch Papst Leo III. am 25. Dezember 800 die Idee eines erneuerten Römerreichs vertreten, womit das vierte Reich Daniels nicht untergegangen war.
  • In der Neuzeit setzten sich die aufstrebenden Großmächte Spanien (16. Jahrhundert), Frankreich (17. Jahrhundert) und England (17. Jahrhundert) in die Tradition der translatio imperii, teils im Glauben, als fünftes Reich das Königreich Gottes zu verwirklichen, teils ohne den apokalyptischen Bezug.
  • Vertreter des Gedankens eines fünften Reichs in Amerika waren z. B. George Berkeley (möglicherweise identisch mit George Berkeley) und Josiah Strong.

Zitate

  • Daß das Römische Reich, gedeutet seit Hippolytus und Hieronymus als die letzte der vier großen Weltmonarchien, die man aus Daniels Traum in Daniel, Kapitel 7 als den Ablauf der Weltgeschichte ansah, bestehen werde bis zum Ende der Welt, war für den Christen eine unumstößliche, von Gott selbst geoffenbarte Gewißheit.[2]

Verweise



Einzelnachweise

  1. Dan 2, 21
  2. Robert Holtzmann: Kaiser Otto der Große. Berlin 1936, S. 99