Heuss, Theodor

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Theodor Heuß war von 1949 bis 1959 der erste Bundespräsident der "Bundesrepublik Deutschland".


Leben

  • Heuss war seit dem 11. April 1908 mit Elly Heuss-Knapp verheiratet, mit der er einen Sohn – Ernst Ludwig – hatte. Die beiden wurden von Albert Schweitzer getraut, mit dem seine Frau gut befreundet war.
  • Sie gilt als Erfinderin des Jingle. Sie produzierte auch Radiowerbung für Nivea, wo Heuss in einem Spot einen „Gastauftritt“ hatte.
  • 1919 wurde Heuss Stadtverordneter in Berlin-Schöneberg.
  • Von 1924 bis 1928 und von 1930 bis 1933 war Heuss Abgeordneter des Deutschen Reichstags.
  • Heuss konnte während des gesamten NS-Zeit pubizieren.

Ermächtigungsgesetz

Am 23. März 1933 stimmte Heuss zusammen mit den vier anderen Abgeordneten seiner Partei – Hermann Dietrich, Heinrich Landahl, Ernst Lemmer und Reinhold Maier – bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz im Reichstag zu. Damit gehört er zu den schlimmsten Politkriminellen der deutschen Geschichte.

Heuss behauptete später, er hätte Heinrich Brüning konsultiert und dieser hätte ihm gesagt, daß auch die Zentrumsfraktion zustimmen würde.

Zur Klärung der verschiedenen Motive beim Abstimmungsverhalten zum Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 wurde im Frühjahr 1947 im württembergisch-badischen Landtag ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, den einige Landtagsabgeordnete beantragt hatten, die als Reichstagsabgeordnete dem Gesetz ebenfalls zugestimmt hatten.[23] Heuss, Reinhold Maier und Hermann Dietrich sagten vor dem Untersuchungsausschuss aus. Die Aussagen sind in den stenografischen Berichten des württembergisch-badischen Landtages zu finden.[24]

Nach dem durch ihn mitverschuldeten Ruin des Reiches

  • wurde 1945 (!!!!!) Lizenzträger der US-Militärregierung für eine der ersten Nachkriegszeitungen – die heute noch bestehende Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ).

Die amerikanische Militärregierung ernannte ihn am 24. September 1945 zum ersten Kultusminister Württemberg-Badens, in Württemberg-Baden verwendete man die Amtsbezeichnung „Kultminister“. Er trat in das Kabinett Maier I der Allparteienregierung (DVP, CDU, SPD, KPD) seines Parteifreundes Reinhold Maier ein. In den ersten Landtagswahlen im Spätherbst 1946 errangen die Liberalen 19 Prozent der Stimmen und konnten somit nur noch ein Regierungsmitglied stellen. Heuss, der für die von ihm mitgegründete Demokratische Volkspartei (DVP) in den Landtag gewählt worden war, verzichtete im Dezember zugunsten von Reinhold Maier auf das Amt des Kultministers, blieb aber wie seine Frau (die von 1946 bis 1949 Mitglied des Landtages von Württemberg-Baden war) zunächst für die Demokratische Volkspartei (DVP) und später für die Freie Demokratische Partei (FDP), die 1948 durch den Zusammenschluss nationalliberaler und linksliberaler Gruppen entstand, bis 1949 Abgeordneter im Landtag.

  • 1946 und 1947 lehrte Heuss als Professor an der TH Stuttgart Geschichte, 1948 wurde er zum Honorarprofessor an der TH Stuttgart berufen.
  • Am 17. März 1947 wurde er gemeinsam mit Wilhelm Külz zum Vorsitzenden der Demokratischen Partei Deutschlands gewählt, diese gesamtdeutsche liberale Vereinigung scheiterte jedoch innerhalb eines Jahres.

Auf dem Gründungsparteitag der Freien Demokratischen Partei (FDP), deren Ziel es war, die liberalen politischen Strömungen und Parteiverbände zumindest der westlichen Besatzungszonen zu bündeln, wurde Heuss dann am 12. Dezember 1948 zu deren Vorsitzendem gewählt. 1948 war er Mitglied des Parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ausarbeitete und beschloss.

Das bei der Bundestagswahl 1949 gerade erworbene Mandat im ersten Deutschen Bundestag legte Heuss nieder, als er am 12. September 1949 gegen Kurt Schumacher von der Bundesversammlung ins höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde und seinen vorläufigen Amtssitz auf der Viktorshöhe bezog.

Für Heuss war der 8. Mai 1945 „einer der furchtbarsten Tage der deutschen Geschichte“. Es ging ihm nach 1945 um eine „Entkrampfung der Deutschen“. Eine „Kollektivschuld“ wies er als „simple Vereinfachung“ zurück, bekannte sich aber zu einer „Kollektivscham“.



Elly Heuss-Knapp teilte Heuss’ politische Ziele zeit ihres Lebens, so arbeitete die studierte Lehrerin u. a. im sozial-politischen Kreis der Hilfe mit. Wie er selbst kandidierte sie auch für politische Ämter, zunächst in der Weimarer Republik ebenfalls (allerdings im Gegensatz zu Heuss erfolglos) bei der DDP, später erfolgreich für die DVP bzw. FDP im württemberg-badischen Landtag. Zu Heuss’ Übernahme des Amts des Bundespräsidenten legte sie schweren Herzens ihr eigenes Mandat in Württemberg-Baden ab, um seine Arbeit besser unterstützen zu können.[29] Noch 1950 gründete sie mit Antonie Nopitsch das Müttergenesungswerk, gerade zwei Jahre später jedoch, am 19. Juli 1952, starb sie und ließ Heuss als Witwer zurück.

Nach Ende seiner zweiten Amtszeit als Bundespräsident zog sich Heuss im September 1959 in seinen Altersruhesitz (heutiges Theodor-Heuss-Haus) auf dem Stuttgarter Killesberg zurück. Dort starb er am 12. Dezember 1963, nachdem er im August 1963 noch die Amputation seines linken Beins („Raucherbein“) überstanden hatte[30]. Der Trauergottesdienst fand im Rahmen eines Staatsbegräbnisses am 17. Dezember 1963 in der Stiftskirche (Stuttgart) statt.[31] Bestattet wurde Heuss neben dem Grab seiner Frau Elly Heuss-Knapp auf dem Waldfriedhof Stuttgart. Wirken als Bundespräsident

Am 6. Februar 1952 übernahm er das Protektorat über die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und brachte damit nicht nur als Staatsmann, sondern auch als Privatperson seine Verbundenheit mit dem Wald zum Ausdruck. Beim ersten deutschen „Tag des Baumes“ am 25. April 1952 pflanzte Heuss zusammen mit dem SDW-Präsidenten, Bundesinnenminister Robert Lehr, im Bonner Hofgarten einen Ahorn. 1953 gründete er die Deutsche Künstlerhilfe.

Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 1954 mit 88,2 Prozent Zustimmung im ersten Wahlgang wiedergewählt, blieb er bis zum 12. September 1959 im Amt. Eine dritte Amtszeit, die eine Änderung des Grundgesetzes erforderlich gemacht hätte, lehnte er 1959 ab.

Heuss prägte das Amt durch seine überparteiliche Amtsführung. Als Repräsentant der demokratisch-liberalen und kulturellen Traditionen Deutschlands vermochte er im In- und Ausland Vertrauen für die Nachkriegsrepublik zu gewinnen. Die Weltgemeinschaft hielt sich mit Kontakten zurück und lud auch den Bundespräsidenten nicht ein. Dies änderte sich mit einem Vorstoß Griechenlands: Ernst August von Hannover überbrachte Heuss die Einladung des griechischen Königs Paul, seines Schwagers. Der Staatsbesuch wurde ein großer Erfolg, tausende Athener gingen, um das Staatsoberhaupt zu begrüßen, zum Bahnhof, wo das Begrüßungszeremoniell stattfand. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland bezeichnete Heuss die Reise als „Rückwanderung in die eigene geistige Heimat.“[32] Der Außenminister Heinrich von Brentano nahm die euphorische Stimmung zum Anlass, bilaterale Abkommen im Bereich Kultur und Erziehung abzuschließen. Ausländische Botschafter blieben dem offiziellen Empfang demonstrativ fern, es folgte jedoch eine Einladung der Türkei, der sich Heuss wie zu Griechenland persönlich verbunden fühlte.

Heuss liebte es, seine Reden selbst zu schreiben; er beschäftigte keinen Redenschreiber.[33] Im eigenen Lande wurde Heuss entsprechend authentisch empfunden und im Volksmund liebevoll Papa Heuss genannt.[34]

Die Londoner Times schrieb anläßlich des Todes von Theodor Heuss’ Nachfolger Heinrich Lübke:

  „Professor Heuss war außergewöhnlich erfolgreich als Bundespräsident und verkörperte bis zur Perfektion das Konzept des gebildeten Ehrenmanns (‚Scholar and Gentleman‘) unter den extrem schwierigen Umständen, in denen sich Deutschland selbst fand, nachdem Hitlers Aggressionskrieg verloren war. Er tat als formelles Staatsoberhaupt, was er konnte, um das Image des Landes als eins der Dichter, Philosophen und Musiker wiederherzustellen.“

– The Times, 7. April 1972, Seite 16. Aus dem Englischen übersetzt. Ordensstiftungen

1951 stiftete Heuss den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland mit seinen Stufen. 1952 erneuerte er den Orden Pour le Mérite und wurde sein Protektor. Heuss und die Nationalhymne

Als neu gewählter Bundespräsident wollte Heuss eine neue Nationalhymne für die Bundesrepublik durchsetzen, was jedoch von Adenauer verhindert wurde. Das alte Deutschlandlied, argumentierte Heuss, sei infolge des Mißbrauchs durch die Nazis für die neue Demokratie nicht mehr tragbar. Die erste Strophe passe nicht mehr in die geschichtliche Landschaft. Die zweite Strophe („Deutsche Frauen, deutsche Treue …“) sei schon „immer trivial gewesen, die dritte allein für sich zu wenig“. Doch gerade die dritte Strophe setzte Adenauer wieder als Nationalhymne durch – diesmal mit Zustimmung seines großen Widersachers, des SPD-Oppositionsführers Kurt Schumacher. Heuss stimmte schließlich zu, verzichtete aber darauf, die Hymne durch eine präsidiale Proklamation zu verkünden.[35] Staatsbesuche Jahr Monat Staat 1956 14.–22. Mai Griechenland (siehe oben) 1957 5.–13. Mai Türkei 18.–28. November Italien, mit Empfang im Vatikan 1958 28. Mai – 3. Juni Kanada 4. Juni – 23. Juni USA 20.–23. Oktober Großbritannien Ehrungen und Auszeichnungen (Auszug) Festakt zum 100. Geburtstag von Heuss im Bundestag am 31. Januar 1984.

  1949: Ehrendoktorwürde der neu gegründeten Freien Universität Berlin
  1951: Ehrendoktorwürde der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen
  1952: Sonderstufe des Großkreuzes der Bundesrepublik Deutschland
  1954: Ehrenbürgerschaft der Stadt Stuttgart
  1954: Ehrenbürgerschaft der Stadt Bonn
  1955: Falkenorden
  1956: Justus-Möser-Medaille der Stadt Osnabrück
  1956: Ehrenbürgerschaft der Stadt Olympia in Griechenland
  1956: Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich[36]
  1957: Orden vom Goldenen Sporn[37]
  1958: Ehrendoktorwürde der Universität Laval
  1958: Ehrendoktorwürde des Dartmouth College
  1959: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
  1959: Ehrenbürgerschaft der Stadt Frankfurt am Main
  1959: Ehrensenator der Universität Bonn
  1959: Ehrenmitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  1959: Harnack-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft
  1960: Ehrenbürgerschaft der Stadt Düsseldorf und Verleihung der Heinrich-Heine-Medaille
  1960: Ehrenmitglied der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg[38]
  1963: Großkreuz mit Großer Ordenskette des Verdienstordens der Italienischen Republik
  1963: Wolfgang-Döring-Medaille

Nachleben Stiftungen und andere Organisationen 2009

1964 wurde die nach ihm benannte Theodor-Heuss-Stiftung gegründet. Sie vergibt jährlich den Theodor-Heuss-Preis und die Theodor-Heuss-Medaille für bürgerschaftliche Initiative und Zivilcourage.

Die bundesunmittelbare Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus wurde zur Förderung politischer Bildung und zeitgeschichtlicher Forschung ins Leben gerufen.

Das Theodor-Heuss-Kolleg ist ein Förderprogramm der Robert Bosch Stiftung für junge Menschen.

Die 1967 eröffnete Bildungsstätte der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach heißt Theodor-Heuss-Akademie. Sie wurde mit Wissen von Heuss seit 1963 geplant und nach ihm benannt. Das dort angebaute Archiv des Liberalismus verfügt u. a. auch über Briefe und Dokumente von Heuss. Museen

Heuss’ ehemaliges Wohnhaus auf dem Stuttgarter Killesberg am Rande der Feuerbacher Heide ist seit dem 7. März 2002 als Theodor-Heuss-Haus der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus ein der Öffentlichkeit zugängliches Museum. In seinem Geburtsort Brackenheim gibt es ein Theodor-Heuss-Museum. Sonstiges Kopf von Theodor Heuss, mittig in einem Wimperg der Katharinenkirche Oppenheim

Nach Heuss sind der Seenotrettungskreuzer Theodor Heuss, das erste Fährschiff der Vogelfluglinie, ein VIP-Airbus der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung, eine Kaserne der Bundeswehr in Stuttgart sowie zahlreiche Straßen, Plätze und Schulen in ganz Deutschland benannt.

Als in den 1950er Jahren die Kopfskulptur eines Obergaden-Wimpergs der gotischen Katharinenkirche in Oppenheim (Südseite) erneuert werden mußte, gab man ihr die Gesichtszüge des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss.[39]

Bis zur Einführung des Euro am 1. Januar 2002 war sein Abbild auf einer Prägeausgabe des Zweimarkstücks zu sehen. Außerdem gab es zwei deutsche Briefmarkenserien: Bundespräsident Theodor Heuss (1954–1957) und Heuss Medaillon (1959). Anlässlich des 125. Geburtstages erschien 2009 eine 145-Eurocent-Briefmarke der Deutschen Post AG mit einem Fotoporträt von Heuss. Werke Kapp-Lüttwitz. Das Verbrechen gegen die Nation, 1920 Hitlers Weg, Exponat des Theodor-Heuss-Museums Niederländische und italienische Ausgabe von Theodor Heuss’ Buch Hitlers Weg von 1932


Ehrungen

  • 1959 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
  • Ehrenbürger Berlin, Bonn, Brackenheim, Darmstadt, Frankfurt/Main, Heilbronn, Kiel, Köln, Recklinghausen, Soest, Stuttgart und Trier.

Zitate

  • „Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Kapitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muß sie als Einheit sehen.“
  • „Nun siegt mal schön!“ - Heuss zu Soldaten der Bundeswehr, als er sich im September 1958 von seinem Besuch eines Manövers in Urmitz am Rhein von ihnen verabschiedete.


Verweise



Einzelnachweise

  1. im Kraichgau nördlich von Stuttgart