Schlacht bei Tannenberg 1410

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  • Aufsatz vom 15. Juli 2010. Wurde teils aktualisiert nach dem neuesten Stand der Wissenschaft.
  • Ort: Tannenberg


Die Schlacht bei Tannenberg war im Preußenland am 15. Juli 1410.


Entwicklung

Endzeitliches Szenario

Heute, am 15. Juli vor 600 Jahren fand die Schlacht von Tannenberg bzw. Grunwald statt, eine der größten Schlachten der Reichsgeschichte und eine Schlacht, die tatsächlich die Weichen für Jahrhunderte stellte. Das Ergebnis dieser Schlacht wirkt sogar noch bis heute nach, es prägte die Geschichte Deutschlands, Polens, Europas, der Kirche und der ganzen Welt. Deshalb ist es durchaus angebracht, auch zum sechsten Jahrhundertgedenken sich der Schlacht noch einmal zu erinnern.

Die Schlacht bei Tannenberg am 15. Juli 1410 war eine Schlacht zwischen dem Heer des Deutschen Ordens unter Hochmeister Ulrich von Jungingen und einer gemeinsamen Streitmacht des Königreiches Polen unter König Ladislaus II. Jagello und des Großherzogtums Litauen unter Großfürst Vytautas. Der seit einem Jahrhundert andauernde Konflikt des Ritterordens mit dem Großfürstentum Litauen sowie die latente Rivalität zwischen Deutschem Orden und dem Königreich Polen erreichten in der Schlacht bei Tannenberg ihren Höhepunkt. Die Niederlage der Streitmacht des Deutschen Ordens in der Schlacht kennzeichnet den Beginn des Niedergangs der Ordensherrschaft im Baltikum.

Für mehr als ein Jahrhundert konnte sich der Orden noch halten, dann überführte ein verräterischer Hochmeister aus dem Hause Hohenzollern den Ordensstaat in ein Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit. Wiederum gut 100 Jahre später gelang es einem weiteren Hohenzollern, den Nachfolgestaat, inzwischen „Preußen“ genannt, aus der Botmäßigkiet Polens herauszulösen. Die Zeit war reif für das Königreich Preußen, einer Art endzeitlichem Königreich, von dem es im Buch der Offenbarung heißt:

„Die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die das Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie eine Zeit Macht empfangen mit dem Tier. Die haben eine Meinung und werden ihre Kraft und Macht geben dem Tier. Diese werden streiten mit dem Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der HERR aller Herren und der König aller Könige, und mit ihm die Berufenen und Auserwählten und Gläubigen.“

Eine Ahnung dieses endzeitlichen Geschehens lag bereits über der Schlacht von Tannenberg, denn anders ist das Verhalten der Akteure kaum zu erklären. Das Zögern vor der Schlacht, das Überreichen der beiden Schwerter und der Appell an das Konstanzer Konzil nach der Schlacht sprechen eine deutliche Sprache.

Auf dem Konzil hatten sich Orden und Polnischer König gegenseitig angeklagt. Für den Deutschen Orden war der Dominikaner Johannes Falkenberg aufgetreten. Er war Prior des Klosters von Warburg bei Kassel und ein leidenschaftlicher, streitbarer Redner, der die Polen unter anderem deshalb anklagte, weil sie heidnische Truppen gegen einen katholischen Orden zum Einsatz gebracht hatten. Falkenbergs wohl etwas überzogene Schrift unter dem Titel „Satyra“ war Grundlage wiederum polnischer Klagen, so daß Falkenberg das Konzil nur als päpstlicher Gefangener hatte verlassen können. Falkenberg hatte übrigens eine Zeit lang in Krakau gelebt.

Polnischerseits trat auf dem Konzil Pawel Wladimiri auf mit seiner Schrift "Tractatus de potestate Papae et Imperatoris respectu infidelium" auf. Hier vertrat er das Recht auch der Heiden auf souveränes Territorium und lehnte die Zwangstaufe ab. Die Argumentation war natürlich ausschließlich gegen den Orden gerichtet. Der König von Polen hatte niemals die geringsten Skrupel, mit Heiden und Ketzern gegen kathollische Heere zu kämpfen.

In der Fortentwicklung der kirchlichen Lehre vom bellum iustum spielte der Krieg zwischen Orden und Polen eine gewisse Rolle. Zur Sprache kam in Konstanz einerseits die Frage des Missionskrieges. Doch war diesbezüglich der Orden im Recht, da seine Kriege gar keine Missionskriege im eigentlichen Sinne gewesen sind. Sodann ging es um die Frage, ob christliche Herrscher Heidenkrieger im Krieg gegen Christen einsetzen dürfen. Dieses Argument richtete sich gegen Polen, konnte aber auch nicht durchdringen, da eine solche Praxis weitgehend üblich war und auch schon von Kaisern praktiziert worden war.

Letztlich war die Schlacht von Tannenberg Teil eines Verteidigungskrieges des Deutschen Ordnes, der auch die Regeln des ritterlichen Anstandes eingehalten hatte, und dies obwohl der polnische König mit mehr als harten Bandagen gekämpft hatte. Es ist ja auch offensichtlich, daß Polen den Krieg in das Preußenland hineingetragen hatte und nicht umgekehrt. Der polnische Krieg war also ein Angriffskrieg gegen ein mächtigen Konkurrenten in der Region, dessen Macht man gern gänzlich zerstört hätte.

Wojtyla zu dem Krieg

Das schlechte Gewissen der Polen über diese Aggression dauert bis zum heutigen Tage an und nicht zuletzt der "polnische Papst" Johannes Paul II. wurde davon geplagt. Er schrieb:

"Dokumentiert ist ebenfalls das Auftreten der polnischen Delegation am Konstanzer Konzil. Mit ihren klugen und überzeugenden Voten sind vor allem der Gnesener Erzbischof Nikolaus Tramba als gelehrter Theologe und Dogmatiker und der Professor der Krakauer Universität Pawel Wlodkowitz als Ankläger gegen den Deutschen Ritterorden in die Geschichte des Konzils eingegangen.
Es gilt, zurückzukehren zur Weisheit des Altmeisters Pawel Wlodkowitz (Vladimiri), des Rektors der Jagellonenuniversität von Krakau und Kanzler des Jagello, und die Rechte der Nationen zu sichern: ihre Rechte auf Existenz, auf Freiheit, auf Unabhängigkeit, auf eine eigene Kultur und auf eine echte Entwicklung. Wlodkowitz schreibt:
"Wo die Macht stärker wirkt als die Liebe, sucht man die eigenen Interessen und nicht Jesus Christus; folglich entfernt man sich leicht von der Norm des göttlichen Gesetzes … Jede Art von Recht steht gegen den, der diejenigen bedroht, die in Frieden leben wollen; dagegen steht das staatliche … und das kanonische Recht … auch das Naturrecht nach dem Prinzip "Was du für dich selbst willst, das tu auch dem anderen".
Dagegen steht schließlich das göttliche Recht; denn … im Gebot ‚Du sollst nicht stehlen' wird jede Art von Raub verboten und im Gebot ‚Du sollst nicht töten' jegliche Gewalt". Niemals kann sich ein Volk auf Kosten eines anderen entwickeln, um den Preis seiner Eroberung und Versklavung, um den Preis seiner Ausbeutung und seines Todes. Das sind Gedanken Johannes XXIII. und Pauls VI. über den Frieden in der gegenwärtigen Welt. Diese Worte spricht ihr unwürdiger Nachfolger, aber sie spricht gleichzeitig der Sohn des Volkes, das in seiner ferneren und näheren Geschichte vielfältige Marter von anderen erlitten hat. Erlaubt mir jedoch, daß ich diese anderen nicht beim Namen nenne - erlaubt mir, daß ich sie nicht nenne."

Das ist natürlich reinste Heuchelei und das Problem ist nur, daß die Polen ihre Heuchelei außerordentlich ernst nehmen. Bezüglich Johannes Paul II. wird man sich fragen müssen, wie ein Mann mit einem so ideologisierten, den Tatsachen hohnsprechenden Geschichtsbild hat Akademiker, Bischof und "Papst" werden können. Man muß wohl Pole sein, um das begreifen zu können. Die verfolgte Unschuld ist die Lieblings-, ja die einzige Identität der Polen - die sich ja auch als "Christus unter den Völkern" fühlen.

Eine wahrheitsgemäße Beschäftigung mit der Schlacht von Tannenberg kann hier immerhin Hilfestellung leisten. Schauen wir uns die Geschichte dieser Schlacht also an:

Vorgeschichte

Schamaiten

Unmittelbaren Anlaß des Konfliktes bildete, neben dem seit 1309 zwischen Deutschem Orden und Polen strittigen Pomerellen, das seit 1303 in beiderseits erbittert geführten Feldzügen umkämpfte Schamaiten. Schamaiten wurde 1398 im Vertrag von Sallinwerder durch Wytautas dem Deutschen Orden zugesprochen, was 1404 vom Königreich Polen aufgrund diplomatischen Druckes des Papstes Innozenz VII. nochmals bestätigt wurde. Infolge der 1402 erfolgten Verpfändung der östlich der Oder gelegenen brandenburgischen Neumark an den Deutschen Orden, an deren Erwerb auch Polen Interesse zeigte, verschlechterte sich das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen dem Orden und dem Königreich Polen.

Der litauische Großfürst Wytautas unterstützte zudem aus machtpolitischen Interessen seit 1402 die mit der Herrschaft des Ordens unzufriedenen Schamaiten, so daß es 1409 zum offenen Aufstand gegen die Ordensherrschaft kam. Sowohl der Großfürst, als auch die Schamaiten, wurden dabei von Vytautas’ Verwandten, dem polnischen König Ladislaus II. Jagello, unterstützt. Die offene Parteinahme des polnischen Adels zugunsten der Aufrührer nahm der Hochmeister des Ordens zum Anlaß, am 6. August 1409 Polen - und gleich auch Litauen - die Fehde zu erklären.

Im Herbst dieses Jahres eroberten Söldner des Ordens das Dobriner Land, griffen leichtere Reiter in Kujawien an und belagerten Bromberg. Das Königreich Polen sowie Vytautas von Litauen waren vorerst aufgrund der relativ späten Jahreszeit nicht in der Lage, einen erfolgversprechenden Heerbann aufzubieten. Zudem nahte der Winter heran, was die Entscheidung des Hochmeisters begründete, seine Söldner aus Kujawien und von Bromberg abzuziehen.

Am 8. Oktober wurde ein bis zum Johannistag befristeter Waffenstillstand geschlossen. Im Januar kam es zum letzten Versuch, einen Ausgleich zu erreichen: Der zur Schlichtung angerufene böhmische König Wenzel IV. sprach am 15. Februar 1410 dem Orden aufgrund des Kontraktes zu Salinwerder das Verfügungsrecht auf Schamaiten zu. Dieses Urteil wurde indes sowohl vom polnischen Adel als auch vom Großfürsten Litauens, Vytautas, nicht akzeptiert. So bereiteten sich die Kontrahenten intensiv auf eine militärische Entscheidung während der Sommermonate des Jahres 1410 vor. Dieser als "grosser streyth" bezeichnete Krieg gipfelte im Zusammentreffen der Heere unweit Tannenbergs.

Verlauf des Feldzuges im Sommer 1410

Beide Seiten waren fest entschlossen, durch einen Feldzug während des Sommers 1410 eine endgültige Entscheidung, möglichst in einer entscheidenden Feldschlacht, herbeizuführen. Im Winter 1409/10 fand in Brest-Litowsk eine polnisch-litauische Beratung statt, auf der ein Feldzugsplan entworfen wurde. Erstmals sollte es eine koordinierte Kriegsführung geben. Der Plan sah vor, mit vereinten Kräften gegen die Marienburg zu ziehen, das Haupthaus des Ordens zu erobern und somit den Orden entscheidend zu schwächen.

Ausgangslage im Frühsommer

Bereits im Frühjahr 1410 begannen die Kriegsgegner, ihre jeweiligen Aufgebote zu sammeln. Der Deutsche Orden mobilisierte die verfügbaren Streitkräfte sämtlicher Komtureien und befahl zeitgleich das Aufgebot der Städte sowie des ansässigen Landadels. Der livländische Landmeister Conrad von Vytinghove erteilte dem Hochmeister jedoch eine Absage und berief sich auf ein Waffenstillstandsabkommen mit Großfürst Vytautas. So erklärt sich die Abwesenheit des gesamten livländischen Ordenszweiges, was nachhaltige Folgen für das Kräfteverhältnis haben sollte. Aus Unkenntnis über die Absichten seiner Gegner vermutete Ulrich von Jungingen einen Angriff aus der Gegend von Bromberg beziehungsweise aus Litauen und wartete ab, bis der Gegner aktiv wurde.

Der König von Polen hielt sich im späten Frühjahr im Feldlager bei Wolborsch südöstlich von Laodsch auf, wohin er die Masse seiner zuziehenden Banner aus ganz Polen beordert hatte. Durch Gewährsleute im Ordensland war der König über die Handlungen seines Kontrahenten stets gut informiert. Am 26. Juni brach das polnische Hauptheer nach Norden auf. Ende Juni erschien Großfürst Vytautas vereinbarungsgemäß mit den litauischen Aufgeboten nebst verschiedenen tatarischen Truppenteilen sowie den weißrussischen Kontingenten. Gleichzeitig sammelte sich eine polnische Streitmacht unweit Brombergs unter dem Befehl des dortigen Starosten. Diese Abteilungen sollten in der Neumark offensiv werden.

Der Weg nach Tannenberg

Der Feldzug begann am 30. Juni mit dem Überschreiten der Weichsel durch das hier vereinigte polnisch-litauische Heer bei Tscherwinsk/Weichsel. Das Heer bezog unweit Bjesuns ein befestigtes Lager, befand sich nun unmittelbar an der Grenze des Deutschordensstaates. Infolge von hier abgesandter so genannter Entsagungsbriefe der Herzöge Semovit und Janusch von Masowien sowie weiterer Edelleute konnten der Hochmeister sowie seine Berater erstmals den Standort der polnisch-litauischen Hauptstreitmacht ohne Zweifel erkennen. Zudem kam es Ende Juni zu ersten Scharmützeln in der Neumark, was Ulrich von Jungingen veranlaßte, einen Teil seines Heeres unter dem bewährten Komtur Heinrich von Plauen bei Schwetz zu belassen. Das Heer des Ordens zog am 2. Juli auf Soldau, in dessen Nähe sich bereits eine vorgeschobene Abteilung unter dem Ordensmarschall Friedrich von Wallenrod befand. Hier verschanzte man sich bei Kauernick an den Ufern des Flußes Dwerenz. Das jetzt konzentriert ins Ordensland vorrückende Heer des polnischen Königs sowie die Streitmacht des Großfürsten Vytautas wichen einer für sie taktisch nachteiligen Konfrontation vor den befestigten Schanzen des Ordensheeres aus. Die Verbündeten versuchten ihrerseits, das Ordensheer östlich zu umgehen und stürmten am 8. Juli Soldau und Neidenburg.

Das Hauptheer des Ordens stand nur einige Kilometer westlich des Geschehens, als es am 13. Juli zur Erstürmung von Gilgenburg durch Litauer und Tataren kam. Vermutlich aufgrund der dortigen Geschehnisse und der Verwüstung Gilgenburgs befahl Ulrich von Jungingen den sofortigen Aufbruch des Heeres mit dem Ziel, den Gegner unverzüglich zu stellen. Nachdem in der darauffolgenden Nacht über dem Lager des Ordensheeres unweit von Frögenau und der gesamten Tannenberger Heidelandschaft ein schweres Gewitter niederging, standen sich die Heere seit dem Vormittag des 15. Juli zwischen den Dörfern Grünfelde und Tannenberg sowie Ludwigsdorf und Faulen gegenüber.

Stärke und Aufstellung der beiden Heere

Die überlieferten Angaben über die Stärke beider Heere weichen beträchtlich voneinander ab. Sie reichen für das polnisch-litauische Heer von 26.000 bis 39.000 Kämpfer, für das Ordensheer von 11.000 bis 27.000. Jan Dlugosch, der spätere Chronist der Schlacht, dessen Vater an ihr teilgenommen hatte, nennt zwar keine Zahlen, doch ist es möglich, anhand seiner Auflistung der beteiligten Banner, für das Ordensheer sowie den polnischen Adel eine Schätzung abzugeben: So standen inklusive von Kriegsaufgeboten der preußischen Stände um die 20.000 Mann unter der Fahne des Ordens, während das Königreich Polen 15.000 mehr oder weniger gut gerüstete Kämpfer ins Feld führte. Unberücksichtigt bleibt bei diesen Schätzungen die Anzahl der Litauer, Tataren, Ruthenen und Weißrussen unter dem Kommando Vytautas’. Der britische Militärhistoriker Stephen Turnbull schätzt, daß das Heer des Deutschen Ordens 27.000 Mann stark war, das ihrer Gegner insgesamt 39.000 Mann umfasste. Diese Streitmacht war dem Ordensheer also zahlenmäßig überlegen, doch waren die Kämpfer des Ordensheeres besonders gegenüber den litauischen Kräften besser bewaffnet und ausgebildet.

Die eigentlichen Ordensritter bildeten im Heer eine Minderheit. Da jede Komturei mit Ausnahme der Haupthäuser Marienburg und Königsberg nur fünf bis sieben Ordensritter stellte, befanden sich höchstens vierhundert ritterliche Ordensbrüder auf dem Schlachtfeld. Von großer psychologischer Bedeutung ist jedoch der "sakrale Nimbus" des Ordens zu bewerten, der sich auf den besonderen Schutz seiner Patronin, der Jungfrau Maria, berief. Der Deutsche Orden stand im Ruf, aufgrund dieses hohen Patronats unbesiegbar zu sein. Dieser Aspekt besaß im tief religiösen Spätmittelalter hohe Bedeutung. Er erklärt unter Umständen auch das spätere Zögern des polnischen Königs, den Befehl zur Attacke auf das Ordensheer zu geben. Auf polnischer Seite wurden bereits im Vorfeld des Treffens vielfältige Prophezeiungen, unter anderem der Heiligen Birgitta, verbreitet, um diesen psychologischen Vorteil des Ordens auszugleichen. Bei den litauischen Truppen hatten sich das sakrale Regularium des Christentums noch nicht maßgeblich durchgesetzt, daher fiel dieser Aspekt kaum ins Gewicht.

König Ladislaus II. ordnete sein Heer in drei Linien. Am rechten Flügel standen die von Großfürst Vytautas befehligten, leichter bewaffneten und gerüsteten Litauer, Ruthenen und Lipka-Tataren, am linken die Polen unter dem Kommando von Jan Zyndram von Maschkowitz und Zbigniew Kazimierz von Gobliniz. Die Frontlinie war fast drei Kilometer lang. Das Ordensheer stand ursprünglich gleichfalls in drei Linien. Als Hochmeister Ulrich von Jungingen die lange Front des gegnerischen Heeres erkannte, gruppierte er sie in zwei Linien um und verbreiterte damit die Aufstellung seines Heeres, um nicht vom Gegner umgangen zu werden. Auf dem rechten Flügel des Ordensheeres stand der Großteil ordensfremder Ritter, zusammengefaßt unter der Fahne des Heiligen Georg. Auf beiden Seiten waren die Ritter in Banner gegliedert. Bei den Litauern gliederten sich die Krieger in Stammesverbände unter dem Kommando eines Bojaren, Teile des Fußvolks blieben zum Schutz der Heerlager zurück.

Vor den Bannern der Ordensritter standen Armbrustschützen. Auf einer Anhöhe links des Ordensheeres bezogen Steinbüchsen Stellung. Weil das Ordensheer auf Befehl des Hochmeisters willkürlich vorgerückt war, befand es sich nun in taktisch nachteiliger Position, da sich die Masse des polnisch-litauischen Heeres auf bewaldetem Areal befand, so daß ein Angriff der schwer gerüsteten Ritter ausgeschlossen war. Laut mittelalterlicher Kampftaktik legte man Wert darauf, die Initiative durch einen frontalen Reiterangriff auf einen frei im Gelände befindlichen Gegner zu gewinnen. Diese Option blieb dem Ordensheer aufgrund der Umstände verwehrt. Es mußte also defensiv bleiben und den Angriff des polnisch-litauischen Heeres erwarten, was sich unter den sommerlichen Bedingungen des 15. Juli nachteilig auswirkte.

Schlachtverlauf

Die eigentliche Schlacht begann um die Mittagszeit. Zuvor hatte Hochmeister Ulrich von Jungingen auf Anraten des Ordensmarschalls Wallenrod dem König Ladislaus sowie Vytautas jeweils ein blankes Schwert überbringen lassen und somit zum unverzüglichen Kampf aufgefordert. Der Chronist Jan Dlugosch gibt den Wortlaut wieder:

"Es ist Brauch kriegerischer Streiter, wenn ein Kriegsheer zum Kampfe bereit des andern wartet, so sendet es diesem ein Schwert zu, um es zum gerechten Streit auf dem Kampfplatz zu fordern. Sehet, so reichen auch wir euch jetzt zwei Schwerter entgegen, das eine für Euch, den König, das andere für Euch, Herzog Witold, im Namen des Meisters, des Marschalls und der Ritter des Ordens, auf daß ihr den Kampfplatz erwählet, wo ihr ihn wollt. Nehmet sie euch zur Hilfe, diese Schwerter, zum Beginne des Streites. Aber zaudert nicht ferner und versäumet nicht die Zeit. Wozu versteckt ihr euch in Wäldern und verberget Euch, um dem Kampfe zu entfliehen, dem ihr für wahr doch nicht mehr entgehen könnt?"

Dieses der ritterlichen Tradition entsprechende Vorgehen erschien dem Hochmeister erforderlich, da sich Ladislaus II. nicht zu einem Angriff entschließen konnte. Über die Beweggründe des Königs läßt sich aus heutiger Sicht nur noch spekulieren, doch ist es durchaus nachvollziehbar, daß dieser nicht als Aggressor gegen ein christliches Heer unter dem Patronat der Heiligen Jungfrau gelten wollte. Litauische Quellen bezeichnen den König dagegen als ängstlich - der Großfürst habe den König sogar persönlich aufgefordert, seine Andacht zu beenden und endlich den Angriff zu befehlen. Denkbar ist allerdings auch, daß der König auf Anraten seiner erfahrenen Unterführer das in der Mittagshitze in Schlachtordnung aufgestellte Ordensheer schon im Vorfeld des unvermeidlichen Treffens durch physische Ermüdung der schwer gerüsteten Kämpfer sowie derer Streitrosse schwächen wollte.

Angriff und Gegenattacke auf dem linken Flügel des Ordensheeres

Unabhängig von seiner Aufforderung an Ladislaus ließ Großfürst Vytautas seine leichte Reiterei am rechten Flügel des vereinigten Heeres angreifen und eröffnete um die Mittagsstunde die Schlacht. Dieser Angriff veranlaßte das vorzeitige Abfeuern der Geschütze des Ordensheeres. Der Einsatz der kosten- sowie logistikintensiven "Feuerrohre" in einer Feldschlacht erwies sich in der Folge als taktischer Fehlschlag. Durch den ungestümen Angriff der eigenen Truppen auf dem linken Flügel wurden die jeweiligen Stückmeister ihres Schußfeldes beraubt und zudem war die neuartige Waffe mit technischen Problemen behaftet: Das vom Gewitterregen der vorangegangenen Nacht feuchte Schwarzpulver zeigte sich zu großen Teilen als unbrauchbar. Auch erwies sich die Zielgenauigkeit der damaligen auf Steinbüchsen beruhenden Feldartillerie schon auf 150 Meter als sehr unpräzise, was sich gerade bei der Abwehr von schnellen Reiterattacken nachhaltig auswirkte. Die Artillerie zeitigte demnach nur geringe Wirkung.

Der Gegenattacke der schweren Kavallerie auf dem linken Flügels der Ordensstreitmacht unter dem Kommando des Ordensmarschalls Friedrich von Wallenrod zeigte sich die leicht ausgerüstete litauische Reiterei unterlegen. Die schwer gepanzerten Ritter des Ordensheeres drängten die Angreifer zurück, doch statt eine geschlossene Formation zu halten, verfolgten sie den zurückweichenden Gegner. Damit aber löste sich die Schlachtordnung in diesem Sektor auf.

Angriff gefolgt von Rückzug, Neugruppierung und Gegenangriff gehörte seinerzeit aber zur üblichen Kampfweise der leichten Reiterei der Steppenvölker (Tataren, Bessarabier, Walachen), so daß die sie verfolgende schwere Reiterei vom Schlachtfeld abgezogen und von der Truppe abgeschnitten wurde. Ob es sich bei diesem scheinbaren Rückzug von Großteilen des litauischen Kontingents nun um eine Kriegslist oder mehr oder weniger um einen gut genutzten Zufall handelte, ist eine bis heute strittige Frage.

Drei weißrussische Banner, die laut Schlachtplan den Anschluß an die polnischen Kontingente halten sollten, schlossen sich nicht dem allgemeinen Rückzug auf dem litauischen Flügel an. Die Weißrussen versuchten hingegen, sich geordnet in Richtung Zentrum zurückzuziehen, um hier Anschluß an die polnischen Banner zu finden. Diese Abteilungen wurden mit Ausnahme des Smolensker Banners vollständig vernichtet.

Kampf auf dem rechten Flügel

Ein wenig später erfolgender Angriff der polnischen Ritterschaft gegen den rechten Flügel des Ordensheeres unter dem Großkomtur Kuno von Lichtenstein wurde durch die fünfzehn Banner der preußischen Komtureien sowie durch ritterliche Gäste des Ordens aufgehalten. Das Gefecht unter weitgehend gleich Gerüsteten blieb hier vorerst ohne Entscheidung. Allerdings fiel das polnische Reichspanier kurzzeitig in die Hände des Ordens. Die Polen eroberten es in einem überraschenden Gegenstoß unter Führung des Ritters Zawischa Schwarz umgehend zurück, der Legende nach, weil die Ordensritter infolge des triumphalen Absingens des Chorals Christ ist erstanden vom Schlachtgeschehen abgelenkt waren.

Nach mittelalterlichem Verständnis bedeutete der Fall des gegnerischen Hauptbanners den Tod oder die Gefangennahme des feindlichen Heerführers, was viele Krieger des Ordensheeres aufgrund der räumlichen Distanz zum unmittelbaren Geschehen vermuteten und unter Anbetracht des scheinbar zur Flucht ausartenden litauischen Rückzugs als endgültigen Sieg deuteten. Diese Tatsache erklärt das in den Quellen belegte Anstimmen des Siegeschorals.

Da König Ladislaus entgegen der Tradition nicht in unmittelbarer Nähe des verlorenen Hauptbanners weilte, sondern gemeinsam mit Jan Sindram von Maschkowitz die Schlacht aus einiger Entfernung beobachtete, blieb der Fall des Banners eine Episode. Kurzfristig wurden einige Reservebanner unter Zawischa Schwarz in dieser für Polen kritischen Schlachtphase eingesetzt, um durch temporär zahlenmäßiges Übergewicht das als optischen Fixpunkt überaus wichtige Reichspanier den Ordensrittern wieder zu entreißen.

Attacke des Rennbanners sowie der Kulmer Ritterschaft unter Ulrich von Jungingen

Der Hochmeister versuchte daraufhin persönlich, mit seinen 15 Reservebannern, darunter dem hochmeisterlichen Rennbanner, einer Elite der Ordensritterschaft, ein Umgehungsmanöver des durch den Rückzug der Litauer entblößten polnischen rechten Flügels, um somit dem Feind in die Flanke zu fallen und eine Entscheidung zu seinen Gunsten herbeizuführen. Dabei verweigerte ihm jedoch die seit 1397 im Eidechsenbund zusammengeschlossene Kulmer Ritterschaft den Gehorsam. Aus diesem Grunde und infolge der entschlossenen Abwehr der Polen mißlang die Attacke. An vorderster Front kämpfend, ging Ulrich von Jungingen das gleiche Risiko ein wie die von ihm geführten Kämpfer; das missglückte Manöver und seinen Wagemut bezahlte er mit dem Leben.

Der Hochmeister erwies sich hier zwar den Idealen des Rittertums ergeben, was sich aber später als verhängnisvoll erwies. Jungingen zeigte sich der Nachwelt als tapferer Krieger, jedoch nicht als weitblickender Feldherr, der selbst im Falle eines verlorenen Treffens hinhaltenden Widerstand zu organisieren vermochte. Der Hochmeister schien eine kritische Phase in der Schlacht oder ein generell verlorenes Treffen grundsätzlich ausgeschlossen zu haben. So erklärt sich der einhergehende Verlust jeglicher koordinierter Führung mit dem Tod des Heerführers. Hinzu kam die Verteilung der Großgebietiger, das heißt der potentiellen Stellvertreter, auf die einzelnen Flügel, was eine einheitliche Führung unmöglich machte. So war der Ordensmarschall Friedrich von Wallenrod, Befehlshaber des weit vorgepreschten linken Flügels, zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits gefallen, während Großkomtur Kuno von Lichtenstein isoliert auf dem rechten Flügel des Ordensheeres das Gelände zu behaupten suchte.

Der Kessel von Tannenberg

Nach dem Fall des Hochmeisterbanners begann sich am späten Nachmittag die Ordnung des Ordensheeres aufzulösen. Ohne Führung vermochte das Ordensheer keinen geordneten Widerstand zu leisten, die Schlacht verzettelte sich in erbitterte Gefechte zwischen den einzelnen Bannern und sogar vom Hauptheer isolierten Rittern. Das Festhalten des Großkomturs auf bestehenden Positionen erleichterte die Umfassung dieses Heeresteils durch die polnische Reiterei. Dagegen wurde auf polnischer Seite durch den König und dessen Berater Jan Zyndram von Maschkowitz nun böhmisches Fußvolk in die Schlacht geführt, was die ohnehin ausgedünnten Reihen des Ordensheeres ins Wanken brachte. Auf das Schlachtfeld zurückkehrende litauische Kräfte verschoben das Kräfteverhältnis nochmals zu ungunsten des Ordens, dessen restliches Heer nun an den Flanken umfasst wurde. Einzelne Einheiten entgingen der Vernichtung durch Flucht. Unter ihnen befanden sich der einzig überlebende Großgebietiger, der Großspittler des Deutschen Ordens und gleichzeitig Komtur von Elbing, Werner von Tettlingen sowie der Komtur von Danzig, Johann von Schönfels.

Sich zurückziehende Kräfte versuchten beim Heerlager des Ordensheeres nahe Frögenau eine letzte Verteidigung, wurden jedoch von dem polnisch-litauischen Heer sowie Teilen des eigenen Trosses, der in Anbetracht der Lage abrupt die Fronten wechselte, endgültig besiegt. Das Lager wurde gestürmt und geplündert. Der Chronist schreibt:

"Die feindlichen Lager mit großen Vorräten und Reichtümern, die Wagen und der gesamte Troß des Hochmeisters und der preußischen Ritterschaft fielen in die Hände der polnischen Soldaten. Man fand im Lager der Kreuzritter einige Wagen, die nur mit Ketten und Banden beladen waren. Ihres Sieges gewiß und nicht Gott um diesen bittend, mehr mit dem künftigen Triumph als mit der Schlacht beschäftigt, hatten sie diese für die Fesselung der Polen vorbereitet. Es gab auch andere Wagen voll mit Kienholz, auch mit Talg und Pech getränktem Werg, mit dem sie die geschlagenen und fliehenden Polen vor sich her jagen wollten.
Zu früh freuten sie sich ihres Sieges, stolz auf sich selbst vertrauend und nicht bedenkend, daß der Sieg in Gottes Hand lag. So hat Gott ihren Hochmut gerecht bestraft, denn die Polen banden sie mit eben diesen Eisen und Fesseln. Diese Ketten und Bande, die die Kreuzritter für sich selbst geschmiedet hatten, waren ein erschütterndes Beispiel für die Unbeständigkeit der menschlichen Dinge, ebenso die Wagen und das feindliche Lager mit ihren großen Reichtümern, die von den polnischen Rittern innerhalb einer Viertelstunde verwüstet wurden, so daß nicht die geringste Spur von ihnen blieb."

Folgen der Niederlage des Ritterordens

Unmittelbare Folgen der Schlacht

Auf beiden Seiten wurde der Ausgang der Schlacht als Gottesurteil gewertet. Die Schlacht hatte viele Opfer gekostet. Verläßliche Zahlen existieren nicht. Zeitgenössische Quellen sprechen von 50.000 bis 100.000 Toten, Verwundeten und Gefangenen, aber solche Angaben sind wohl Übertreibungen. Neben dem Hochmeister kam bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Führungsschicht des Ordens um.

Die zumeist vollständig ausgeplünderten Gefallenen wurden in der Folge in Massengräbern beigesetzt, während man einzig die Leiche des Hochmeisters auf Weisung des Königs würdig zur Marienburg überführte. Die Gefangenen, unter ihnen Herzog Konrad V. von Öls und Kasimir, jüngerer Sohn des Herzogs Swantibor III. von Pommern-Stettin, sollten zu einem späteren Zeitpunkt gegen Lösegeld ausgelöst werden, was zum Teil die immense Summe an Entschädigung im später in Thorn ausgehandelten Friedensvertrag erklärt. In erster Linie handelte es sich bei den ritterlichen Gefangenen um so genannte Gäste des Ordens, da die meisten Ordensritter gefallen waren. Laut mittelalterlicher Quellen blieben 202 ritterliche Ordensbrüder auf dem Schlachtfeld. Der gefangene Komtur der [ost]preußischen Brandenburg, Markward von Salzbach, und der Vogt des Samlandes, Heinrich Schaumburg, wurden durch Vytautas aufgrund früherer Differenzen noch auf dem Schlachtfeld hingerichtet.

Nach dem Sieg lagerte das polnisch-litauische Heer drei weitere Tage nahe dem Schlachtfeld. Man berief sich auf einen alten Brauch, tatsächlich sollte den Kriegern Gelegenheit gegeben werden, sich zu erholen und die Gefallenen zu plündern. Am 19. Juli setzte sich das Heer mit Ziel des Haupthauses des Ordens, der Ordensburg Marienburg, in Bewegung. Man benötigte elf Tage, denn es mußten noch einige sich ergebende Burgen übernommen werden. Die Verteidigung der vom Schlachtfeld bei Tannenberg ungefähr siebzig Straßenkilometer entfernten Marienburg wurde indes durch Heinrich von Plauen, dem Komtur von Schwetz, improvisiert. Hier fanden auch versprengte Reste des Ordensheeres Zuflucht.

Die jetzt folgende Belagerung der Marienburg mußte am 19. September aufgrund des hartnäckigen Widerstands sowie aus mangelnder Versorgung des Belagerungsheeres erfolglos abgebrochen werden. Zudem rückte seit Ende August eine Streitmacht aus Livland heran. Eine Typhus-Epidemie unter den Litauern und Tataren und nicht zuletzt ein Angriff des ungarischen Königs Sigismund, einem erklärten Verbündeten des Ordens, auf Südpolen waren weitere Beweggründe für den polnischen König, die Belagerung abzubrechen. Die erbeuteten 51 Banner des Deutschen Ordens wurden im Spätherbst in feierlicher Prozession in die Krakauer Wawelkathedrale gebracht und dort als Siegessymbol über die "Krzyzacy" gezeigt. Zuletzt wurden sie Anfang des 17. Jahrhunderts erwähnt, doch existierten um 1800 immer noch einige von ihnen. Ihr Verbleib nach dieser Zeit ist allerdings ungeklärt.

Die verbliebenen Ordensbrüder wählten in der Folge den Komtur Heinrich von Plauen zum neuen Hochmeister. Dieser führte danach eine Reihe von Prozessen gegen Ritter, die angeblich in der Schlacht bei Tannenberg versagt, sowie Burgvögte, die ihre festen Häuser voreilig dem Feind ausgeliefert hatten. Prominentestes Opfer war der Führer des Eidechsenbundes und dessen Bannerträger in der Schlacht bei Tannenberg, Nicolaus von Renys. Er wurde nach weiteren ordensfeindlichen Aktivitäten wegen Hochverrats 1411 in Graudenz hingerichtet.

Langfristige Auswirkungen

Langfristig bedeutete die Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg die wirtschaftlich vorteilhafte Anbindung Preußens an Polens Ressourcen und folglich für den Deutschen Orden den Anfang vom Ende seiner auf mittelalterlichen Rechtsbedingungen begründeten Territorialherrschaft in Preußen. Der Mythos von der Unbesiegbarkeit des Ordensheeres wurde bei Tannenberg endgültig gebrochen. Es gelang zwar noch, die Marienburg gegen den Angriff der Polen und Litauer zu verteidigen, aber im Ersten Frieden von Thorn, am 1. Februar 1411, mußte der Ordensstaat einige strittige Gebiete an Polen abtreten und 100.000 Schock böhmische Groschen Entschädigung zahlen.

Seine wirtschaftliche und finanzielle Situation spitzte sich in der Folge dramatisch zu. Der Seehandel ging mit dem schleichenden Niedergang der Hanse zurück und es brachen latente Widersprüche, wie die Forderung der Ständebeteiligung an der Landesherrschaft und Fragen bei der Steuererbringung, innerhalb der preußischen Gesellschaft offen auf. Die in Thorn ausgehandelten Kontributionen belasteten den Orden und die preußischen Stände finanziell außerordentlich und führte letztlich im Jahre 1454 zum Aufstand der 1440 in Elbing zum "Preußischen Bund" zusammengeschlossenen Landstände gegen die feudale Zwangsherrschaft der Ordensritter.

Auch war der Ruf des Ordens infolge der Niederlage nachhaltig geschädigt, denn auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418) wurden Polen und Litauen nicht, wie der Orden es anstrebte, als Aggressor gegen Christen verurteilt. Die Heidenmission in Litauen verlor hier endgültig ihre Legitimation. Von Papst und Kaiser wurden alle Ansprüche des Ordens auf vorgeblich heidnisches Land im Großfürstentum Litauen abgesprochen. Die Idee der Zwangsbekehrung mußte endgültig aufgegeben werden, was das Existenzrecht des Ordensstaates im Baltikum in Frage stellte.

Der 1454 ausbrechende Dreizehnjährige Krieg zwischen dem Deutschen Ritterorden und dem Königreich Polen und den mit dessen König verbündeten preußischen Städten endete mit einer schweren Niederlage des Ordens und führte 1466 zur Teilung Preußens im Zweiten Frieden von Thorn. Aufgrund dieses Vertrages kam der westliche Teil des Ordensstaates unter die Oberhoheit des polnischen Königs, der Hochmeister verpflichtete sich vertraglich, dem polnischen König den Lehnseid zu leisten. Damit verlor der bisher als Landesfürst auftretende Hochmeister immens an Reputation und mußte den untergeordneten Rang eines Vasallen der polnischen Krone akzeptieren. Auf diese Weise konnte sich der Aufstieg Polen-Litauens zu einer neuen Großmacht in Europa fortsetzen.

Legenden

In der Nacht vor dem entscheidenden Treffen soll sich vor dem über dem Feld stehenden Vollmond ein mysteriöses Himmelsschauspiel zugetragen haben: Der Schatten eines Königs und eines Mönches hätten sich erbittert bekämpft, bis der Mönch, ein Symbol der sakralen Ritterschaft des Deutschen Ordens, schließlich unterlegen sei. Dieses Geschehen wurde im Nachhinein als günstiges Omen für einen polnischen Sieg gedeutet.

Während der Schlacht soll sich der Heilige Stanislaus von Krakau über dem polnischen Heer gezeigt und so den himmlischen Beistand der polnischen Sache unterstrichen haben. Die diffuse Gestalt schwebte angeblich von einer Aureole aus Licht umgeben einige Zeit über den Kämpfenden und segnete die in die Schlacht ziehenden Scharen.

Die aus taktischer Überlegung dem polnischen König und litauischen Großfürsten dargebrachten beiden Schwerter galten schon Zeitgenossen und der Nachwelt als Symbol "teutonischen Hochmuts", den Gott umgehend strafte. In Polen wurde bis in die neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts dieser legendären Schwerter in Form der militärischen Auszeichnung mit dem so genannten Grunwaldkreuz in drei Klassen (Gold, Silber und Bronze) gedacht.

Die zunächst mündliche, später auch schriftliche Verbreitung dieser Gegebenheiten erfolgte mit propagandistischer Absicht unter dem Aspekt des sich in der Mitte des 15. Jahrhunderts verschärfenden Widerspruchs zwischen dem Königreich Polen und den preußischen Ständen auf der einen, und dem Deutschen Orden auf der anderen Seite. Dieser Konflikt mündete schließlich in den Dreizehnjährigen Krieg. Es sollten unter Berufung auf religiös interpretierte Phänomene die Ansprüche Polens legitimiert und der Orden ideologisch geschädigt werden. Ähnliche Intentionen gelten für die im 19. Jahrhundert erfolgende polnische Rezeption der Schlacht unter den Bedingungen der polnischen Teilung, wobei die Teilungsmächte die Rolle des Ordens einnehmen.

Benennung und Lokalität

Die Schlacht wurde zwischen den Dörfern Grünfelde, Tannenberg und Ludwigsdorf in Ostpreußen geschlagen. Die nächstgelegene Stadt ist Gilgenburg. Der polnische König nannte 1410 in einem lateinischen Brief "Grunenvelt" als Ort der Schlacht. In der Jahrzehnte später abgefaßten Chronik des polnischen Chronisten Johannes Longinus ist von "Grunvald" die Rede, in der polnischen Geschichtsschreibung wird seither Schlacht bei Grunwald verwendet, für die litauische Geschichtsschreibung wurde der vermeintliche "Grünwald" entsprechend übersetzt, zu Schlacht bei Schalgiris. Als 1945 Ostpreußen polnisch besetzt wurde, wurde Grünfelde entsprechend in Grunwald umbenannt. Im deutschen Sprachgebrauch ist im Allgemeinen von der Schlacht bei Tannenberg die Rede, nur im Vokabular des Bildungssystems der DDR wurde die Schlacht dem polnischem Vorbild folgend nach Grunwald benannt.

Verweise