Narratio de electione Lotharii

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Die Wahl Lothars von Supplinburg


Nach dem Bericht der Narratio de electione Lotharii. Übersetzung aus: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Band 1: Frühes und hohes Mittelalter 750 - 1250, hg. von Wilfried Hartmann (1995) Nr. 78 S. 340 ff.)

Hierauf schlugen die Fürsten zunächst je zehn umsichtige Fürsten aus den Landschaften Baiern, Schwaben, Franken und Sachsen vor. Diese sollten die Vorwahl vornehmen, deren Ergebnis alle übrigen beizustimmen versprachen. Sie nannten der Versammlung von allen Fürsten drei durch Reichtum und Tüchtigkeit ausgezeichnete Männer: den Herzog Friedrich, den Markgrafen Leopold und den Herzog Lothar; wer von diesen dreien allen genehm sei, der solle zum König erkoren werden. Herzog Friedrich war nicht zugegen, die beiden anderen erklärten voll Demut unter Tränen und kniend, sie würden die angebotene Würde nicht annehmen.

Der durch Ehrgeiz verblendete Herzog Friedrich hoffte, das von jenen zwei demütig Ausgeschlagene sei ihm nun sicher aufbewahrt und zugeteilt. Er ging jetzt ohne Geleit in die Stadt Mainz, die er vorher mit Gefolge zu betreten sich angeblich gescheut hatte, gesellte sich der Versammlung der Fürsten bei und stand da, bereit sich zum König küren zu lassen. Da erhob sich aber der Erzbischof von Mainz und fragte die drei genannten Fürsten voll Bedacht, ob jeder von ihnen ohne Widerspruch, ohne Zögern und Mißgunst dem dritten gehorchen wolle, den die Fürsten gemeinsam erwählten. Sofort bat daraufhin Herzog Lothar demütig wie vorher, von seiner Wahl abzusehen, und versprach, jedem Gewählten als seinem Herrn und römischen Kaiser zu gehorchen.

Dasselbe versicherte Markgraf Leopold für seine Person ganz öffentlich und war bereit, durch einen Eid allem Ehrgeiz nach der Königswürde und aller Eifersucht gegen den künftigen abzusagen. Nun wurde auch an Herzog Friedrich die Frage gestellt, ob er zur Ehre der Kirche und des Reiches sowie zu einem Beispiel für spätere freie Wahl wie jene tun wolle. Da erklärte er, ohne den Rat der Seinen, die er im Lager zurückgelassen habe, wolle und könne er nicht antworten. Und da er überhaupt merkte, die Fürsten seien nicht einmütig gesonnen, ihn zu wählen, entzog er von da ab der Versammlung seinen Rat und sein Antlitz.

Da die Fürsten aus all dem den großen Ehrgeiz des Herzogs und sein gewaltsames Machtbegehren erkannten, als käme ihm das Reich zu, weigerten sie sich einstimmig, einen zum Herrn zu wählen, der sich schon vor seiner Erhöhung so stolz und herrschsüchtig zeigte. Am nächsten Tag versammelten sich die Fürsten zur Wahl, nur der Herzog Friedrich und mit ihm der Bayernherzog hielten sich ihr ferne.

Hierauf wurden die Fürsten ermahnt, im gemeinsamen Rat sorglich den Mann zu suchen, den sie mit Gott und zur Ehre der Kirche dem Reiche als Oberhaupt geben könnten. Da riefen plötzlich viele Laien: "Lothar sei König!“ Sie ergriffen den Lothar, hoben ihn auf ihre Schultern und in die Höhe. Der aber wehrte sich gegen den Königsruf und widersprach. Viele Fürsten, zumal die Bischöfe aus Baiern, zürnten, daß man das große Werk ratlos und im Getümmel vornehme. Die, welche sich Lothars so stürmisch bemächtigt hatten, erklärten sich bereit, gebührende Genugtuung zu leisten. Nachdem auf das Verlangen der baierischen Bischöfe noch der Herzog von Baiern herbeigeholt worden war, einte die Gnade des Heiligen Geistes aller Sinn auf ein und denselben Willen. König Lothar, der Gott so wohlgefällige, ward durch allgemeine Übereinstimmung und die Bitten der Fürsten zur Königswürde erhoben.


Verweise