Friedrich, Jörg

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Jörg Friedrich ist ein deutscher Publizist und Verfasser von Sachbüchern über historische Themen.

Leben

Friedrich wurde in Kitzbühel geboren, wuchs in Essen auf und wurde nach dem Abitur zunächst Schauspieler. Außerdem war er Drehbuchautor und Regieassistent bei Helmut Käutner. Später arbeitete er vor allem für den Rundfunk.

Trotzkist

Politisch engagierte sich Friedrich während der APO-Zeit in der trotzkistischen Gruppe Internationale Marxisten, deren Organisation in Westberlin er auch leitete. Ende der 1990er Jahre war Friedrich einer der Kritiker der Wehrmachtsausstellung zu den Verbrechen der Wehrmacht.

Werke

Freispruch für die Nazi-Justiz

Erstmals bekannt wurde Jörg Friedrich mit den Büchern „Freispruch für die Nazi-Justiz“ und „Die Kalte Amnestie“, die die „Entnazifizierung“ der juristischen Eliten in Deutschland beleuchteten und die strafrechtliche Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen in der Bundesrepublik, etwa im Majdanek-Prozeß, als mangelhaft kritisierten. Zuvor hatte er im Verlag Olle & Wolter an der deutschen Erstausgabe von Raul Hilbergs „Die Vernichtung der europäischen Juden“ mitgearbeitet und mehrere Rundfunksendungen über und mit Hilberg gemacht.

Das Gesetz des Krieges

1993 erschien Friedrichs Buch „Das Gesetz des Krieges“, in dem er sich anhand der Prozeßakten des Verfahrens gegen das OKW mit der Verantwortung der deutschen Wehrmacht während des Sowjetisch-Deutschen Kriegs auseinandersetzt. Das Werk wurde in Rezensionen für inhaltliche Ungenauigkeiten, methodische Schwächen sowie sprachliche und gedankliche Eigenheiten kritisiert. Für dieses Buch erhielt Friedrich das Ehrendoktorat an der Universität Amsterdam sowie den Jahrespreis 1995 der Genozid-Stiftung PIOOM an der Universität Leiden zur Erforschung des Völkermordes.

„Der Brand“ und „Brandstätten“

Das Buch „Der Brand - Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945“, erschienen 2002 im Münchener Propyläen Verlag. Es thematisierte den alliierten Bombenterror gegen Deutschland. Nach Friedrichs Meinung waren die Bombenangriffe auf deutsche Städte ohne militärischen Sinn. Sie seien in erster Linie einer menschenverachtenden Militärdoktrin gefolgt. Im Oktober 2003 erschien von ihm der Bildband „Brandstätten - Der Anblick des Bombenkriegs“.

Der britische Luftkriegshistoriker Richard Overy meinte in einem Interview, daß „wenn man als Maßstab die Thesen zum Holocaust anlegt, die diesen Völkermord unter dem Gesichtspunkt der Moderne sehen, also die Abstraktion des Tötens betonen, die Bürokratisierung der Vernichtung, das verwaltungstechnische Planen und Durchführen der Morde, das Beamtenverhalten der Täter hinter ihren Büroschreibtischen, also die Distanz zwischen Täter und Opfer, so findet man all das auch als Charakteristikum des Bombenkrieges“.

Das Buch verfügt über ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis, über ein Ortsregister und ein Personenregister. Über das Quellenverzeichnis sind die Informationen leicht zu verifizieren.

Friedrich selbst sieht sich, wie er gegenüber dem Guardian im Oktober 2003 festhielt, als Geschichtsrevisionist.

Yalu. An den Ufern des dritten Weltkrieges

Das Werk Friedrichs aus dem Jahre 2007 widmet sich in der ihm ganz eigenen Art der Geschichtsbehandlung der Bedeutung des Koreakrieges (1950–1953) als Schwelle zum 3. Weltkrieg.

Nordkorea kann nach Friedrichs Bewertung als vorgeschobenes Schlachtfeld für einen im eigentlichen Sinne „China-Amerika-Krieg“ verstanden werden. Die United States Air Force verfügte Anfang der 1950er Jahre bereits über eine Flotte vom kernwaffentragenden Flugzeugen. Um einen Erfolg im Koreakrieg zu erreichen, war die US-Regierung bereit, eine Vielzahl von Zielen an der Küstenlinie der Volksrepublik China atomar zu vernichten. Die Sowjetunion besaß zu diesem Zeitpunkt bereits eine Kernwaffe, verfügte aber noch nicht über umfassende Trägersysteme für einen Gegenschlag und Direktangriff auf Nordamerika.

Die Chancen, einen Bodenkrieg der Vereinten Nationen, die unter der Leitung der Vereinigten Staaten standen, gegen eine ca. 500.000 Mann starke chinesische Armee zu gewinnen, waren im Koreakrieg aussichtslos. Um die Sowjetunion und die VR China zu Zugeständnissen zu zwingen, wurde Nordkorea in einem jahrelangen Luftkrieg von der US Air Force nahezu völlig verwüstet, wobei angeblich 10% der Einwohner ums Leben kamen. Die konkret ausgearbeiteten Pläne für die flächendeckende Bombardierung Chinas mit atomaren Waffen unter der Regie von US-General Douglas MacArthur wurden durch die massive diplomatische Intervention der Europäer aus Angst vor einem militärischen Gegenschlag Josef Stalins vereitelt.

14/18. Der Weg nach Versailles

Zum Gedenkjahr an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges reiht sich Jörg Friedrich mit diesem Werk in die Liste von Historikern, die eine kontroverse neue Sicht auf Kriegsschuld, Kriegszweck und Kriegsausgang erörtern.

Auszeichnungen

  • 2010: Historikerpreis der Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung

Schriften

  • Freispruch für die Nazi-Justiz. Die Urteile gegen NS-Richter seit 1948. Eine Dokumentation. Rowohlt, Reinbek 1983
    • überarbeitete und ergänzte Ausgabe: Ullstein, Berlin 1998
  • Die kalte Amnestie. NS-Täter in der Bundesrepublik. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1984
  • Das Gesetz des Krieges. Das deutsche Heer in Rußland 1941 bis 1945. Der Prozeß gegen das Oberkommando der Wehrmacht. Piper, München/Zürich 1993
  • Der Brand - Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. Propyläen, München 2002
  • Brandstätten. Der Anblick des Bombenkriegs. Propyläen, München
  • Yalu. An den Ufern des dritten Weltkriegs. Propyläen, Berlin 2007
  • 14/18. Der Weg nach Versailles. Propyläen, Berlin 2014

Verweise