Dwinger, Edwin Erich

Aus Monarchieliga
(Weitergeleitet von Edwin Erich Dwinger)
Wechseln zu: Navigation, Suche


Edwin Erich Dwinger war ein deutscher Schriftsteller. Er publizierte in der Weimarer Republik, in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland. Seine Werke wurden in über zwölf Sprachen übersetzt und erreichten eine Gesamtauflage von zwei Millionen Exemplaren.

Leben

Dwingers Vater Johann Heinrich August Dwinger war Offizier der Kaiserlichen Marine. Dwingers Mutter war Deutschbaltin, die 1868 nach Deutschland eingewandert war. Sie brachte ihrem Sohn die russische Sprache bei und starb 1914 kurz vor Kriegsausbruch.

Erster Weltkrieg

Im Sommer 1915 wurde Dwinger an der Ostfront in Kurland verwundet und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Im Offizierslager Daurija im Transbaikal-Gebiet erlebte er die Oktoberrevolution und floh aus dem Lager. 1919 trat er der weißen Armee bei, kämpfte auf deren Seite gegen die Rote Armee und wurde abermals gefangengenommen. Während der Gefangenschaft war Dwinger an Theaterbühnen deutscher, österreichischer und türkischer Kriegsgefangener tätig. 1921 gelang ihm die Flucht nach Deutschland.

Weimar

1929 erschien sein Buch „Die Armee hinter Stacheldraht“, welches ihn über Nacht berühmt machte. 1930 erschien „Zwischen Weiß und Rot“, die Fortsetzung des ersten Buches, welches die Zeit des russischen Bürgerkrieges in Sibirien beschreibt. Das Werk wurde erneut über die verschiedenen politischen Lager hinweg positiv aufgenommen und in viele Sprachen, einschließlich Russisch, übersetzt. Dwinger wurde in die Sowjetunion eingeladen, um den Aufbau des Landes zu besichtigen. 1931 heiratete er und kaufte ein größeres Gut in der Nähe von Seeg im Allgäu.

1932 erschien mit „Wir rufen Deutschland“ ein dritter Band seiner Trilogie, welcher die Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft beschreibt. Darin kommt die Ablehnung der als korrupt und dekadent betrachteten Weimarer Republik durch die ehemaligen Frontsoldaten zum Ausdruck.

NS-Zeit

Obwohl 1933 Dwingers pazifistisches Schauspiel „Die Gefangenen“ von der Gestapo wegen Defätismus Aufführungsverbot erhielt, hatte er bald mit regimekonformen Romanen wieder große Erfolge, insbesondere mit dem Roman „Die letzten Reiter“ über das fiktive Freikorps Mansfeld im Baltikum. Im Gegensatz zu seinen früheren Werken griff Dwinger jetzt nicht mehr auf selbst Erlebtes zurück, sondern bearbeitete die Stoffe in den Klischees der Zeit. 1935 erhielt er den Dietrich-Eckart-Preis und wurde zum Reichskultursenator in der Reichskulturkammer ernannt.

Zweiter Weltkrieg

Ende 1941 wurde Dwinger an die Ostfront geschickt. Himmler erhoffte sich damals, Dwinger würde es einmal gelingen, eine Art Nationalepos über den Feldzug und die Ostbesiedlung zu schreiben. 1942 erschien Wiedersehen mit Sowjetrussland über Dwingers Reise.

Ab 1942 und in steigendem Maße nach der Schlacht von Stalingrad kritisierte Dwinger öffentlich die Ostpolitik. Im Frühjahr 1943 publizierte er in Wille und Macht, dem Organ der Hitlerjugend, den Essay Der Russische Mensch. Er bestritt eine rassische Minderwertigkeit der Russen, welche, erst vom Bolschewismus befreit, in die europäische Völkerfamilie zurückkehren würden. Ein Sieg Deutschlands sei nur möglich durch gute Behandlung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Dwinger engagierte sich für die Aufstellung von russischen Kampfverbänden unter General Wlassow, um die Bolschewisten zu entmachten. Zu den Befürwortern solcher Ideen gehörten neben ranghohen Militärs auch Mitglieder des späteren Widerstandes wie Henning von Tresckow oder Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Durch seine Aktivitäten und ständigen Denkschriften machte sich Dwinger bei der Parteispitze unbeliebt und verlor auch die Gunst Himmlers. Dwinger bekam ab Herbst 1943 Schreibverbot, wurde unter Hausarrest gestellt und vom SD überwacht.

1944 und 1945 war Dwinger im Auftrag von Außen- und Propagandaministerium wiederholt im Ausland.

Bundesrepublik Deutschland

Nach Kriegsende wurde Dwinger in Ludwigsburg für ein halbes Jahr inhaftiert. Bei seinem Entnazifizierungsprozess, der erst 1948 zu Beginn des Kalten Krieges stattfand, wurde er lediglich als Mitläufer eingestuft und zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Verteidigung versuchte sogar, ihn in Verbindung zum Widerstand zu bringen.

Auf dem Hedwigshof bei Seeg lebend, verfaßte er nationalistische und antikommunistische Bücher, die immer noch ein Publikum fanden. „Wenn die Dämme brechen“ (1950) behandelt den Einmarsch der Roten Armee in Ostpreußen. „Die zwölf Gespräche“ (1966) und „General Wlassow“ (1951) tragen autobiographische Züge. Im utopischen Kriegsroman Es geschah im Jahre 1965 von 1950 wird ein atomarer Weltkrieg beschrieben. 1981 starb Edwin Erich Dwinger in Gmund am Tegernsee.

Trivia

1931 heiratete er Waltraud Wien, die Tochter des Physikers Wilhelm Wien. Gemeinsam hatten sie zwei Söhne und eine Tochter. Die Ehe wurde 1945 geschieden. Seine zweite Frau hieß Ellen und war zuvor mit Giselher Wirsing verheiratet.

Der Bundesnachrichtendienst übergab Akten zu Dwinger an das Bundesarchiv Koblenz, welche seit 2017 digital einsehbar sind, darunter ein Text „Was muß im Augenblick geschehen, um Stalins System zu stürzen?“

Werke

  • Das große Grab. Sibirischer Roman. 1920
  • Korsakoff. Die Geschichte eines Heimatlosen. 1926
  • Das letzte Opfer. Roman, 1928
  • Die Armee hinter Stacheldraht. Das Sibirische Tagebuch. 1929
  • Zwischen Weiß und Rot. Die russische Tragödie 1919–1920. 1930; NA: Stocker, Graz / Stuttgart 2001
  • Die zwölf Räuber. Roman, 1931
  • Wir rufen Deutschland. Heimkehr und Vermächtnis. 1921–1924. 1932
  • Die Gefangenen. Schauspiel, 1933
  • Der letzte Traum. Eine deutsche Tragödie. 1934
  • Wo ist Deutschland? Schauspiel, 1934
  • Die letzten Reiter. 1935
  • Und Gott schweigt. 1936
  • Das namenlose Heer. Erlebnisse in russischer Kriegsgefangenschaft, 1936 (Deutsche Reihe Band 35)
  • Spanische Silhouetten. Tagebuch einer Frontreise. 1937
  • Ein Erbhof im Allgäu. Verlag F. Bruckmann AG, München, 1937
  • Auf halbem Wege. Roman, 1939
  • Der Tod in Polen. Die volksdeutsche Passion. 1940
  • Panzerführer. Tagebuchblätter vom Frankreichfeldzug. 1941
  • Wiedersehen mit Sowjetrussland. Tagebuch vom Ostfeldzug. 1942
  • Dichter unter den Waffen. Ein Kriegsalmanach deutscher Dichtung. Hrsg. v. Werbe- u. Beratungsamt für das Deutsche Schrifttum beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Porträtphotographien mit Kurzbibliographien, Kurzbiographien und Schaffensproben der bekanntesten Dichter der Zeit: Dwinger u. a.), 1941
  • Wenn die Dämme brechen ... Untergang Ostpreußens. 1950
  • General Wlassow. Eine Tragödie unserer Zeit. 1951
  • Sie suchten die Freiheit ... Schicksalsweg eines Reitervolkes. 1952
  • Hanka. Roman eines Jägers. 1953
  • Das Glück der Erde. Reiterbrevier für Pferdefreunde. 1957
  • Es geschah im Jahre 1965. 1957
  • Die zwölf Gespräche, 1933–1945. 1966

Verweise