Designation Konrads

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Die Königswahl nach Robert Holtzmann[1]

König Konrad hat bei seinen Zeitgenossen manches günstige Urteil erfahren. Selbst der Sachse Widukind nennt ihn einen "tapferen und fähigen Mann, vortrefflich im Krieg und Frieden, durch Freigebigkeit berühmt, in den Zierden aller Tugenden ausgezeichnet". Am Erfolge gemessen, kann man freilich nur sagen: er ist gescheitert. Begünstigt von der Geistlichkeit, aber sonst fast nur auf die Kräfte des heimischen Rheinfrankens gestützt, hat er auf allen Punkten Niederlagen erlitten.

Thüringen blieb mit Sachsen vereinigt, in Schwaben hat sich die Bildung des Herzogtums eben während seiner Regierung vollendet, in Bayern brachten die Säkularisationen dem Herzog eine neue große Stärkung, die Kirchen in Sachsen, Schwaben und Bayern standen in der Gewalt der Herzöge, Lothringen hatte nicht zurückgewonnen werden können und auch mit dem Schutz des Reiches vor den Einfallen der Ungarn war es um nichts besser geworden. Diesen allgemeinen Mißerfolg und seinen Grund, die Schwäche des fränkischen Herzogtums, hat Konrad selbst erkannt. Darum designierte er vor seinem Tod den Sachsenherzog Heinrich zu seinem Nachfolger. Die Designation ist nach damaliger, bis in die Zeit der Staufer lebendiger Anschauung eine rechtsgültige Handlung, durch die der Herrscher den Anspruch auf die Nachfolge auf eine bestimmte Person festlegen kann.

Im Deutschen Reich galt bis ins 13. Jahrhundert ein Wahlrecht der Fürsten, das sich im allgemeinen, wenn keine ganz besondere Veranlassung zu anderer Entscheidung vorlag, nach dem Geblütsrecht, d. h. nach dem Erbanspruch des herrschenden Geschlechtes (ohne Bevorzugung der Erstgeburt) richten sollte. Durch die Designation konnte der König diesen Anspruch auf ein bestimmtes Mitglied seines Geschlechtes beschränken oder auch den Fall für ein Abgehen von der Erblichkeit gegeben erklären und dabei ebenfalls einen geeigneten Anwärter nennen. Die Wahl hatte dann diese Designation zu bekräftigen, wenn nicht etwa wieder besondere Gründe anderes erforderten.

Man hat, wie schon hieraus ersichtlich, bei diesem deutsch-rechtlichen Brauchtum eines gebundenen oder allenfalls freien Wahlrechts von vielen modernen Begriffen abzusehen. Auch die Anschauung, daß jede Wahl einstimmig sein mußte, entsprach dem deutschen Recht; die Wähler handelten unter göttlichem Beistand, Gott wählte durch menschliche Stimmen. Schon deshalb konnte es nur einstimmige Wahlen geben.

Eine Minderheit hatte sich entweder zu fügen oder sie nahm ihrerseits an einem anderen Orte eine ebenso einstimmige Wahl vor. Dann bestand ein Gegenkönigtum, und die beiden Erkorenen mochten sehen, wie sie sich auseinandersetzten. Wie es dabei hergehen konnte, darüber wird uns sogleich der erste Fall dieser Art in der deutschen Geschichte belehren. Konrad hatte keine Kinder, aber einen Bruder, Eberhard, der auch in der Tat sein Nachfolger als Herzog von Franken geworden ist. Die Nachfolge im Königtum dagegen wandte Konrad durch die Designation dem Herzog Heinrich von Sachsen zu.

Über den Hergang bei der Designation erzählt uns Widukind einiges, eine längere Rede des sterbenden Konrad an Eberhard mit der Aufforderung, die Reichsinsignien (Krone, Szepter, Stab, Schwert und Mantel mit goldenen Spangen) an Heinrich zu überbringen, und daß Eberhard unter Tränen seine Einwilligung dazu gab. Hier mag manches ausgemalt sein, und der Wortlaut der Rede ist gewiß ein Werk des Historikers. Aber die Tatsache der Designation ist auch anderweit genügend verbürgt. Sie ist ein hoher Ruhmestitel für den unglücklichen König Konrad.

Denn daß ein Herzog den Stammesgedanken derartig hinter den Reichsgedanken zurückstellte, ist ein in der deutschen Geschichte des Mittelalters einzigartiger Fall, während die Beispiele vom Gegenteil nicht zu zählen sind. So schied der erste deutsche König mit einer vorbildlichen, großen, wahrhaft königlichen Handlung aus dieser Welt.

Verweise


Einzelnachweise

  1. S. 66 f.