Die Herrscher Polens
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Die Zeit der Wahlkönige |
| 1574-1575 |
Heinrich Valois |
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Bereits die erste Wahl nach dem Ausgang
der Jagellonen zeigte mehr als bedenkliche Tendenzen und enthüllte
die Tatsache, daß der polnische Adel weder bereit war, das
Wohl der Nation zu erkennen, noch gar es über die eigenen Interessen
zu stellen. Obwohl der hochbegabte und -qualifizierte Erzherzog
Ernst, Sohn von Kaiser Maximilian II.
und der Infantin Maria zur Wahl stand, wurde auf leere französische
Versprechungen hin ein Bruder des französischen Königs
gewählt, der ignorant genug war, bereits nach wenigen Monaten
das Land wieder zu verlassen um als Nachfolger seines Bruders französischer
König (Heinrich III.) zu werden. Er wurde als polnischer König
abgesetzt.
Heinrich war der letzte Valois, er starb im Jahre 1589 durch Mörderhand. |
| 1576-1586 |
Stephan Báthory |
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Nunmehr stellen sich drei Habsburger
zur Wahl, Ernst, sein Onkel Ferdinand, sowie sein Vater, der Kaiser
Maximilian II.. Es kam zu einer Doppelwahl, in der der
Kaiser gewählt wurde, sowie der Siebenbürger Fürst
Stefan Báthory, der schließlich vorgezogen wurde, da
er die zehn Jahre ältere Jagellonin Anna, die Tochter Sigmunds
des Alten, ehelichte und auch zuerst in Krakau eintraf. Anna
war im Jahre 1576 53 Jahre alt.
König Stefan war ein erfolgreicher Politiker und Heerführer,
er konsolidierte den Staat und sicherte die Grenzen nach Osten. |
| 1587-1632 |
Sigmund III. Wasa
∞ Anna von Innerösterreich |
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In diesem Interregnum stellten sich sogar
vier Erzherzöge, die Brüder von Kaiser Rudolf
II. Ferdinand, Ernst, Maximillian und Matthias zur Wahl. Wieder
kam es zur Doppelwahl von Erzherzog Matthias und von Sigmund Wasa,
einem Enkel Sigmunds I. und Sohn des schwedischen Königs Johann
III.. Matthias konnte Krakau nicht einnehmen und so setzte sich
Sigmund durch, der später auch den schwedischen Thron erbte.
Im Jahre 1592 heiratete Sigmund die Erzherzogin Anna, Tochter Karls
II. von Innerösterreich und Enkelin von Kaiser
Ferdinand I.. Anna war eine fromme und kluge Frau. Neben vielen
Habsburgerinnen ist sie in der Kathedrale von Krakau bestattet. |
1592 |
Sigmund wurde auch König von Schweden.
Zwei Jahre später wird er gemeinsam mit Anna in Upsala gekrönt.
Trotzdem praktiziert er eine antischwedische Politik und verlor
schließlich die schwedische Krone an seinen Onkel Karl. |
1596 |
Sigmund verlegt die polnische Residenz
nach Warschau. |
1605 |
∞ Konstanze
von Innerösterreich |
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Sieben Jahre nach Annas Tod heiratete
Sigmund ihre jüngere Schwester Anna. Diese Entscheidung fand
nicht das Wohlwollen der Polen, die mit Unruhe reagierten. Konstanze
war eine tüchtige Frau, die ihrem Mann fünf Kinder schenkte.
Ihr Sohn Johann wurde im Jahre 1648 König von Polen in schwerster
Zeit. |
| 1632-1648 |
Ladislaus IV. Wasa
∞ Cäcilie Renate von Österreich |
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Der älteste Sohn Sigmunds war nominell
auch König von Schweden, wo sich jedoch sein Onkel Gustav Adolf
durchsetzte. Im Jahre 1610 war er bereits in Moskau zum Zaren gewählt
worden, trat jedoch dort die Herrschaft nicht an und verzichtet
später gegen Gebietsgewinne für Polen. Ladislaus schuf
eine orthodoxe Akademie in Kiew und schloß gleich seinem Vater ein
Bündnis mit Habsburg. Später orientierte er sich politisch stärker
an Frankreich. |
1637 |
Eheschließung mit der lebenslustigen
und intelligenten Erzherzogin Cäcilie Renate, seiner Cousine.
Ihre Vater, Kaiser Ferdinand
II., war der Bruder der Mutter von Ladislaus. Die gemeinsamen
Kinder von Ladislaus und Cäcilie starben im Kindesalter. |
| 1648-1668 |
Johann II. Kasimir Wasa |
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Die Herrschaft Johann Kasimirs war durch
Abwehrkämpfe gegen die Kosaken, so den Chmielnicki-Aufstand
und durch den 1. Nordischen Krieg, dem Krieg der blutigen Sintflut
geprägt. Karl X. Gustav von Schweden brach den bestehenden
Waffenstillstand und brachte unermeßliches Leid über
die ganze Region.
Am Ende der Herrschaft Johann Kasimirs war Polens Position erheblich
geschmälert. |
1655 |
Die Verteidigung des Paulinerklosters
von Tschenstochau gelang durch das Eingreifen der Muttergottes. |
| 1656 |
Proklamation der Muttergottes
als Königin Polens in Lemberg. |
| 1660 |
Friedensvertrag von Oliva: Polen muß
Brandenburg die Souveränität über das „Herzogliche
Preußen“ gewähren. Damit ist der Kurfürst
von Brandenburg kein Lehnsmann des Polnischen Königs mehr.
Das Haus Hohenzollern entwickelte sich zur Bedrohung Polens und
der ganzen Region. |
| 1669-1673 |
Michael Korybut Wisniowiecki
∞ Eleonore Maria Josefa von Österreich |
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Nachdem die proösterreichische Partei
Philipp Wilhelm von Neuburg präsentiert hatte und die französische
Partei den Prinz Louis, wurde der „Piast“ Michael Korybut
Wisniowiecki, Magnat aus der Ukraine und Schwager Kaiser Leopolds
I. gewählt. Seine Gattin war eine Tochter von Kaiser
Ferdinand III..
Michaels Herrschaft war von wenig erfolgreichen Abwehrkämpfen
gegen die Pforte und von Krankheit geprägt. Nach nur vier Jahren
starb er. Seine zu diesem Zeitpunkt erst zwanzigjährige Gattin
kehrte nach Wien zurück und heiratete später Herzog Karl
V. von Lothringen, dem sie fünf Kinder gebahr. Ihr Enkel Franz
Stephan wurde Kaiser und Begründer des Hauses Habsburg-Lothringen. |
| 1674-1696 |
Jan III. Sobieski |
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Jan Sobieski sah sich einem bedrohlichen
französisch-brandenburgisch-türkischen Offensivbündnis
gegenübergestellt. Er verbündete sich mit Kaiser Leopold
I., dem Bruder der Königinwitwe Eleonore. Als die Türken,
von Frankreich angestachelt und finanziert, Wien bedrohten, führte
er das Entsatzheer aus Polen heran und rettete Wien am 12. September
1863.
Sobieskis vorsichtige Versuche der Etablierung einer Dynastie wurden
durch die kurzsichtige Schlachta vereitelt, die mehr und mehr zu
einer reinen Obstruktionspolitik überging. An der Schlachta
scheiterten somit auch die in Sobieskis Regierungszeit noch unmittelbar
greifbare Wiederherstellung der Großmachtposition Polens. |
| 1697-1706 |
August II. der Starke |
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In der dritten Doppelwahl wurde auch
der französische Prinz Louis de Conti gewählt. August
erschien indes zuerst in Krakau und wurde am 15. 9. 1697 in Krakau
gekrönt. Die Krönung Augusts stachelte den Brandenburger
Kurfürsten Friedrich
zu seiner Königsberger Krönung im „Herzoglichen
Preußen“ an. August akzeptierte als polnischer König
diese Krönung, der polnische Reichstag verweigerte jedoch seine
Anerkennung.
Augusts Versuche zur Begründung einer Personalunion von Polen
und Sachsen mißlangen. August wurde am 14. Februar 1704
von der Generalföderation von Warschau abgesetzt, da seine
leichtsinnige Politik zu Niederlagen im Rahmen des beginnenden Zweiten
Nordischen Krieges (1700 - 1721) geführt hatten. |
| 1704-1709 |
Stanislaus I. Leszczynski |
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Der Posener Wojewode Stanislaus Leszczynski
wurde als Nachfolger des abgesetzten Augusts vom siegreichen Schweden
gestützt. Er mußte nach der schwedischen Niederlage beim
ukrainischen Poltawa (1709) aus Polen weichen und zog sich über
Barth nach der pfälzischen Grafschaft Zweibrücken zurück. |
| 1709-1733 |
August II. der Starke |
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Die zweite Regierungszeit Augusts war
durch die Erhebung der Schwarzen Madonna von Tschenstochau zur Königin
der Krone Polens geprägt. |
| 1733-1734 |
Stanislaus Leszczynski |
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Nach dem überraschenden Tod des
in Polen außerordentlich beliebten Augusts, der noch heute
in Liedern und Legenden gepriesen wird, setzte sich eine große
Mehrheit wiederum für Stanislaus, inzwischen Schwiegervater
des französischen Königs Ludwigs XV., ein. |
| 1734-1763 |
August III. |
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Rußland, mit der Wahl von Stanislaus
nicht einverstanden, setzte nun die Wahl des Sohns Augusts des Starken
durch. Es entspann sich ein Thronfolgekrieg, der mit der Niederlage
des in Danzig belagerten Stanislaus endete. Er mußte Polen
wiederum verlassen und wurde mit Lothringen (ohne Erbrecht) entschädigt.
In seiner Kantate Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen
beschrieb Johann Sebastian Bach die Ereignisse mit den Worten:
Was hat dich sonst, Sarmatien, bewogen,
daß du für deinen Königsthron den sächsischen Piast,
des großen Augusts würdgen Sohn, hast allen andern fürgezogen?
Nicht nur der Glanz durchlauchter Ahnen, nicht seiner Länder Macht,
Nein! sondern seiner Tugend Pracht riß aller deiner Untertanen
und so verschied’ner Völker Sinn mehr ihn allein
als seines Stammes Glanz und angeerbten Schein
fußfällig anzubeten hin.
Zwar Neid und Eifersucht, die leider! oft das Gold der Kronen
noch weniger als Blei und Eisen schonen,
sind noch ergrimmt auf dich, o großer König!
und haben deinem Wohl geflucht.
Jedoch ihr Fluch verwandelt sich in Segen
und ihre Wut ist wahrlich viel zum wenig,
ein Glücke, das auf Felsen ruht, im mindsten zu bewegen.
August III. wurde am 17. Januar 1734 in Krakau gekrönt. Seine
Herrschaft wird am besten durch Bachs Worte gekennzeichnet:
Sein allzeit starker Arm stützt teils Sarmatien, teils
auch der Sachsen Wohlergehn.
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1764-1795 |
Stanislaus II. August Poniatowski |
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Nach dem Ende von August III. wurde
wieder ein von Rußland gestützter Kandidat gewählt.
Ausländische Kandidaten standen nicht zur Wahl. Preußen
gab seine Zustimmung zur Wahl unter der Bedingung, daß Polen
keine Verfassungsreformen durchführt.
Die Regierungszeit des letzten polnischen Königs war durch
grauenhafte Bürgerkriege geprägt. Die eigentliche Macht
übten die russischen Beauftragten in Warschau aus. Vielfältige
Reformversuche im Zeichen der Aufklärung konnten das Ende des
Königreiches nicht mehr aufhalten. |
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