Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

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Die Herrscher Polens

         

Polen empfing im Verbund mit dem „Imperium Romanum“ das Christentum. Herrschaftsform und -raum bildete Polen in engster Zusammenarbeit mit dem Sacrum Imperium heraus.

Die „piastischen Herrscher“

960-992

Mieszko I. ∞ (2. Gattin) Dubrawa
3. Gattin Oda

 

Die frühen polnischen Herrscher gehen auf einen bäuerlichen Patriarchen namens Piast zurück, der die polnische Herrschaft erstmals zusammenfaßte. Seine Herrschaft entfaltete er von Kruschwitz (Kruszwica) am von der Netze durchflossenen Goplo-See aus.
Mieszko (lat. Misaca, Mesico) verfügte bereits über eine ausgeprägte und leistungsfähige Herrschaft, die er nach Westen über die Oder und im Süden nach Schlesien erweiterte.
Seine Gattin Dubrawa war die Tochter von Boleslaw I. von Böhmen. Von Böhmen empfing Polen auch die Taufe unter Mieszko. Doch nicht nur aus Böhmen, sondern aus vielen Teilen Europas strömte der Klerus zusammen, um den katholischen Glauben in Polen zu verbreiten. Mieszko gliederte seine Herrschaft von Anbeginn in das christliche Imperium Romanum ein und wurde von Kaiser Otto I. auf dem Quedlinburger Hoftag von 973 als „amicus imperatoris“ ausgezeichnet. Im Jahre 986 huldigte Mieszko dem sechsjährigen Otto III. wiederum in Quedlinburg.
Die zweite Gattin Mieszkos war Oda, die Tochter des Markgrafen Dietrich von der Nordmark. Im Jahre 991 nahm Mieszko am Kampf Ottos um die Brandenburg teil.

992-1025

Boleslaw I. Chrobry (der Tapfere) ∞ (3. Gattin) Emnilda
4. Gattin Oda

 

Boleslaw, der Sohn Dubrawas, förderte die Preußenmission und ermöglichte Adalbert von Prag seine Missionsreise von der Burg Danzig aus. Nach dessen Märtyrertod wurde der freigekaufte Leichnam in Gnesen beigesetzt, Gnesen wurde zur polnischen Erzdiözese mit den Suffraganen Krakau, Kolberg, Breslau und Posen erhoben. Dies, sowie die Rangherhöhung vom „Tributarius“ zum „Dominus der Sclavinia“, die Kaiser Otto III. Boleslaw gewährte, begünstigte die Tendenz zur Herauslösung Polens aus dem deutschen Herrschaftsbereich.
Mit dem Nachfolger, Kaiser Heinrich I. „dem Heiligen“ kam es zur offenen Auseinandersetzung, als Boleslaw in Rom nach der Krone Böhmens strebte. Doch verblieb Boleslaw im Imperium, auch als Reichsfürst der Mark Meißen.
Boleslaws vierte Gattin Oda war die Schwester seines Schwiergersohns Hermann von Meißen, der mit seiner Tochter Reglinde verheiratet war. Boleslaw wurde am Weihnachstage des Jahres 1025 mit Zustimmung des Papstes Johannes XIX. in Gnesen zum König gekrönt. Damit war Polen die Mission als Träger des katholischen Glaubens im Osten des Imperium übertragen.

1025-1031

Mieszko II. Lambert sl. Richeza von Lothringen

Mieszko (Mieczislaw) war der Zweitgeborene seines Vaters und wurde von diesem unter Umgehung der Rechte seines älteren Bruders Bezprym zum Herrscher bestimmt. Seine Gattin war Richeza, eine Enkelin Kaiser Ottos III. In Kämpfen mit dem deutschen König Konrad II. verlor er die Lausitz und wurde nach Böhmen verdrängt, so daß sein älterer Bruder1 die Regierung übernehmen konnte. Mieszko vollendete die von seinem Vater begonnene Verwaltungsorganisation Polens mittels königlicher Kastellanburgen. Die königliche Politik wurde von einem Pfalzgrafen, dem Wojewoden geleitet.

1031-1032

Bezprym

 

Bezprym konnte während einer Schwächeperiode seines jüngeren Bruder Mieszko die Herrschaft übernehmen. Er war zu engerer Kooperation mit dem Kaiser bereit, wurde jedoch ermordet.

1032-1034

Mieszko II. Lambert

 

Nach dem Tod seines Bruders konnte Mieszko aus dem böhmischen Exil zurückkehren. Er mußte allerdings auf Geheiß des Kaisers Konrad auf die Königswürde verzichten und einer Dreiteilung Polens zustimmen. Neben ihm wurden sein jüngerer Bruder Otto und ein Vetter namens Dietrich als Regenten der Teilfürstentümer eingesetzt. Mieszko erhielt als Tetrarch die Oberaufsicht zugewiesen. Zwar setzte er sich 1033 wieder in ganz Polen durch, starb jedoch kurz darauf.

1034-1058

(Herzog) Kasimir I. Odnowiciel (der Erneuerer) ∞ Dobronega Maria (Kiewer Prinzessin)

 

Der Tod Mieszkos löste schwerste Unruhen in Polen aus. Kriege und heidnische Revolten störten den friedlichen Dienst am Imperium. Die Reliquien des hl. Adalberts wurden nach Prag verschleppt, Gnesen niedergebrannt und der Thronfolger mußte bei seinen Großeltern im Rheinland Schutz suchen. Mit Waffenhilfe des Kaisers gelangte er wieder auf den polnischen Thron, dessen Residenz er von Gnesen nach Krakau verlegte. Sein Onkel, der Kölner Erzbischof Hermann, unterstützte Kasimir beim Neuaufbau der Kirchenorganisation. Benediktiner aus Brauweiler bei Köln reformierten die polnischen Klöster nach den clunyazensichen Maßstäben.
Das zeitweilig verlorengegangene Schlesien eroberte Kasimir zurück. Auf dem Quedlinburger Hoftag am 22. 6. 1054 gelang es Kasimir, seine Erfolge reichsrechtlich bestätigen zu lassen.

1058-1081

Boleslaw II. Smialy Szczodry (der Kühne)

 

Während im benachbarten Brandenburg die Schwächung der imperialen Macht unter König Heinrich zu einem Aufstand heidnischer Reaktionäre und zum Martyrium von Eppo und Gottschalk führte, konnte der Sohn Kasimirs I. Boleslaw die Unabhängigkeit seiner Machtstellung ausbauen und sogar die Lausitz und Meißen zurückgewinnen. Boleslaw erschlug den Bischof von Krakau, den 1253 heiliggesprochenen Stanislaus, in der Michaelskirche vor den Toren der Stadt, weil dieser ihn exkommuniziert hatte. Die Gründe für diesen Gewaltakt liegen im Dunkeln.
Boleslaw intervenierte auch in Ungarn und verhalf seinem später heiliggesprochenen Vetter Ladislaus (hl. Ladislaus bzw. László = König László I. von Ungarn) zur Herrschaft.

1081-1102

Ladislaus I. Hermann ∞ Judith, Schwester Wratislaws von Böhmen
∞ Judith, Schwester Kaiser Heinrichs III.

 

Sein Bruder Ladislaus wurde wegen seiner reichstreuen Politik von den Großen seiner Herrschaft oft ungerecht angefeindet. Sie erzwangen eine von ihm nicht gewünschte Aufteilung der Regierungsgewalt unter seine Söhne aus erster und zweiter Ehe Zbigniew und Boleslaw.

1102-1107

Zbigniew und Boleslaw III. Krzywousty (Schiefmund)

 

Die kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Ladislaus Söhnen entschied der jüngere Boleslaw für sich. Er wurde von der „Druschina“, der polnischen Reichsritterschaft, die etwas zu gleichen Teilen aus angestammten und aus dem Imperium her assimilierten Rittern bestand, aufs Schild gehoben, weil er von wilderem Temperament war.

1107-1138

Boleslaw III. Krzywousty (Schiefmund) ∞ Zbislawa, Tochter des Kiewer Großfürsten
2. Ehe ∞ Salomea, Tochter des schwäbischen Grafen Heinrich von Berg

 

Auch nachdem sich Boleslaw durchgesetzt und Zbigniew mit Masowien abgefunden wurde, kam das Land nicht zur Ruhe. Zbigniew verbündete sich mit dem Kaiser, der gegen Schlesien zog, jedoch nicht obsiegte. Der nach Polen zurückgelockte Zbigniew wurde von seinem Bruder zur Strafe geblendet. Trotz der Schwächung des Kaisers verblieb Polen jedoch im Verbunde des Imperiums. Die Kirchenorganisation wurde vorangetrieben. Kaiser Lothar von Supplinburg unterstütze die Aktivitäten des Bischofs Norbert von Magdeburg (d.i. der hl. Norbert von Xanten) zur Unterstellung der polnischen Kirchenorganisation unter die Hoheit Magdeburgs, die im Jahre 1133 von Papst Innozenz II. in der Bulle Sacrosancta angeordnet wurde. Diese Tendenz konnte sich jedoch keinesfalls durchsetzen, ganz im Gegensatz zu der politischen Anbindung an das Imperium, da Boleslaw auf dem Reichstag von Merseburg im August 1135 wiederum als Reichsfürst erschien und von der Jurisdiktion des Kaisers bestätigt wurde.
Vor seinem Tode teilte Boleslaw das Königreich zwischen seine vier Söhne auf. Sie erhielten Schlesien, Masowien und Kujawien, Großpolen, sowie Kleinpolen mit Sandomier. Zwar wollte Boleslaw damit das polnische Reich nicht auflösen, doch wurde diese Tendenz durch die Erbteilung leider erheblich begünstigt.

         

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