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Die Wahlen zum deutschen König

Königswahl Lothar II. (Mittelreich)

 
855 in Frankfurt/Main

Königswahl Konrad I.

 
Dienstag, 10. November 911 in Forchheim.

Konrad wurde von den Wahlmännern der Franken, Sachsen, Bayern und Schwaben zum ersten deutschen König gewählt. Zuvor war der Sachsenherzog Otto, der Vater des kommenden Königs Heinrich, gewählt worden, der jedoch die Wahl abgelehnt hatte.

Königswahl Heinrich I.

 
Sonntag, 21. Mai 919 in Fritzlar.

Heinrich, Herzog der Sachsen aus dem Hause Liudolfs, war von Konrad als Nachfolger designiert worden. Seine Wahl in Fritzlar erfolgte durch die Franken und wurde durch sächsisch-fränkische Akklamation bestätigt. Binnen zwei Jahren erfolgte auch die Anerkennung durch die Bayern und Schwaben. Die Bayern hatten zunächst ihren Herzug Arnulf zum Gegenkönig gewählt.

Königswahl Otto I.

 
Dienstag, 7. August 936 in Aachen.

Die Wahl entsprach einer Huldigung. In der Säulenhalle vor dem Marienmünster folgten aufeinander Otto Inthronisierung auf einem dort aufgestellten Thronsessel, vorgenommen von den Herzögen und hervorragendsten Grafen, sowie den wichtigsten übrigen Gefolgsleuten, danach derer Handgang und Treuschwur samt einem Hilfsversprechen, womit Otto zum König erhoben war.

Königswahl Otto II.

 
Sonntag, 10. Mai 961 in Worms.

Königswahl Otto III.

 
Sonntag, 1. Juni 983 in Bern (= Verona)

Otto III. war der fünfte deutsche König. Er wurde durch deutschen und italienischen Adel gewählt.

Königswahl Heinrich II.

 
Montag, 7. Juni 1002 in Mainz.

Dies ist der Krönungstag, zuvor war die Wahl.

Königswahl Konrad II.

 
Samstag, 4. September 1024 in Kamba

Kamba lag am Rhein gegenüber von Oppenheim, also westlich von Darmstadt.

Königswahl Heinrich III.

 
Montag, 14. April 1028 in Aachen.

Der König wurde am selben Tag von Ebf. Pilgrim gekrönt.

Königswahl Heinrich IV.

 
Sonntag, 6. November 1053 in Tribur.

Das ist das heutige Trebur, südlich von Rüsselsheim.

Königswahl Heinrich V.

 
Sonntag, 15. Mai 1098 in Mainz.

Heinrich war der zehnte Deutsche König. Krönung war am 6. Januar in Aachen.

Königswahl Lothar II. (III.)

 
Sonntag, 30. August 1125 in Mainz.

Königswahl Konrad III.

 
Sonntag, 18. Dezember 1127 in Rothenburg/Tauber.

1. Wahl Konrads III. zum Gegenkönig.

Königswahl Konrad III. (2. Wahl)

 
Montag, 7. März 1138 in Koblenz.

2. Wahl Konrads III.

Königswahl Heinrich (VI.)

 
Sonntag, 9. März 1147 in Frankfurt/Main.

Der Sohn Konrads III. wurde auf einem Reichstag zum Mitkönig gewählt und am 30. März in Aachen gekrönt.

Königswahl Friedrich I. Barbarossa

 
Dienstag, 4. März 1152 in Frankfurt/Main.

Königswahl Heinrich VI.

 
Sonntag, 20. Juli 1169 in Bamberg

Königswahl Friedrich II.

 
Mittwoch, 25. Dezember 1196 in Frankfurt/Main.

15. Deutscher König. 1. Wahl

Königswahl Philipp von Schwaben

 
Freitag, 6. März 1198 in Mühlhausen/Thüringen.

1. Wahlakt Philipp wurde auch zweimal gekrönt.

Sonntag, 8. März 1198 in Ichtershausen.

2. Wahlakt.

Königswahl Otto IV.

 
Dienstag, 9. Juni 1198 in Köln.

17. Deutscher König. Wahl durch rheinische und sächsische Fürsten.

Dienstag, 11. November 1208in Frankfurt/Main

2. Wahl

Königswahl Friedrich II.

 
Mittwoch, 5. Dezember 1212 in Frankfurt/Main.

Zweite Wahl.

1230

 

Der Sachsenspiegel schließt Böhmen von der Wahl aus. Im Sachsenspiegel des Eike von Repgow aus dem Jahr 1230 heißt es: Bei des Kaisers Kur soll der erste sein der Bischof von Mainz, der zweite der von Trier, der dritte der von Köln. Dann folgen die drei weltlichen Fürsten, während dem König von Böhmen das Wahlrecht ausdrücklich abgesprochen wird, weil er "kein Deutscher Mann", da heißt kein Lehnsmann des Deutschen Königs ist.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde die Kerngruppe der Wähler um den Herzog von Sachsen und den Markgrafen von Brandenburg erweitert.

Königswahl Rudolf I.

 
Sonntag, 1. Oktober 1273 in Frankfurt/Main.

Königswahl Adolf von Nassau

 
Montag, 5. Mai 1292 in Frankfurt/Main.

Königswahl Albrecht I.

 
Dienstag, 24. Juni 1298 in Mainz.

Königswahl Heinrich VII.

 
Sonntag, 6. Januar 1309 in Frankfurt/Main.

Doppelwahl Friedrich der Schöne und Ludwig IV. der Bayer

 
Freitag, 19. Oktober 1314 Frankfurt/Main.

Bei dieser Doppelwahl zog Friedrich den Kürzeren.

Samstag, 20. Oktober 1314 Frankfurt/Main.

Wahl Ludwigs des Bayern. Er ließ sich später auch in Rom zum Kaiser durch das Volk von Rom ausrufen.

Königswahl Karl IV.

 
Montag, 11. Juli 1346 in Rhens.

Königswahl von Wenzel

 
Montag, 10. Juni 1376 in Frankfurt/Main.

Gewählt wurde Wenzel von Brandenburg. Diese war die erste Wahl nach Inkrafttreten der Goldenen Bulle, welche die Qualifikation der Kurfürsten und den Ablauf der Wahl genau festlegte und zur verfassungsmäßigen Grundlage für alle folgenden Wahlen wurde. Wenzel, Sohn Kaiser Karls IV. und Kurfürst von Brandenburg, wurde zum Rex Romanorum und damit Karls Erben gewählt. Er wurde zwei Jahre später, als Karl am 29. November 1378 starb, dessen Nachfolger als römisch-deutscher König und König von Böhmen.

Königswahl Friedrich von Braunschweig und Lüneburg

 
Donnerstag, 22. Mai 1400 in Frankfurt/Main.

Gewählt Friedrich von Braunschweig und Lüneburg. Die Kurfürsten waren mit Wenzels Amtsausübung als römisch-deutscher König unzufrieden und kamen zusammen, um
Alternativen zu beraten. Friedrich von Braunschweig und Lüneburg wurde gegen den amtierenden Wenzel gewählt.

Die drei geistlichen Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln sowie Wenzel selbst erkannten die Wahl nicht an. Sie war damit, da sie nur von einer Minderheit der Kurfürsten getragen wurde, rechtlich ungültig. Friedrich wurde zwei Wochen später, am 5. Juni 1400, ermordet.

Königswahl Ruprecht

 
Donnerstag, 21. August 1400 in Rhens.

Die drei geistlichen Kurfürsten und Ruprecht traten am 20. August 1400 erneut zusammen, um Wenzel seines Amtes zu entheben.

Am nächsten Tag wurde Ruprecht einstimmig zum neuen Römischen König gewählt. Die Kurfürsten von Sachsen (Rudolf III.), Brandenburg (Jobst) und Böhmen (Wenzel) waren allerdings nicht anwesend, und Wenzel erkannte die Gültigkeit seiner Absetzung und die Wahl Ruprechts nie an.

Königswahl Sigismund

 
Donnerstag, 20. September 1410.

Erste Wahl. Gewählt wurden Sigismund und Jobst von Mähren. Diese Wahl folgten auf den Tod Ruprechts am 18. Mai 1410. Am 20. September erklärten drei der Kurfürsten Sigismund,
den König von Ungarn und Sohn des verstorbenen Karl IV. zum König. Darunter war Friedrich I., Burggraf von Nürnberg, der im Namen Sigismunds handelte und behauptete, Kurbrandenburg zu vertreten, ohne aber vom amtierenden Markgrafen Jobst, dem Neffen des verstorbenen Kaisers, dazu befugt worden zu sein.

Königswahl Jobst von Mähren

 
Montag, 1. Oktober 1410

Die zweifelhafte Wahl Sigismunds im September wurde von den übrigen Kurfürsten nicht akzeptiert. Am 1. Oktober 1410
wählten sie Jobst von Mähren in Gegnerschaft zu seinem Cousin Sigismund, aber Jobst starb schon drei Monate später. Die Wahlen von 1410 waren die letzten, bei der ein König und ein Gegenkönig gewählt wurden.

Königswahl Sigismund

 
Sonntag, 21. Juli 1411.

Zweite Wahl. Nach dem Tod Jobsts am 18. Januar 1411 gab es kein Hindernis für die Kurfürsten mehr, Sigismund (nun rechtmäßiger Kurfürst von Brandenburg) als König anzuerkennen. Nach sechs Monaten wurde eine Wahl abgehalten. Indem er diese Wahl anerkannte, erkannte Sigismund gleichzeitig stillschweigend die Ungültigkeit seiner Wahl von 1410 an.

Königswahl Albrecht II.

 
Sonntag, 18. März 1438 in Frankfurt/Main.

Diese Wahl folgte auf den Tod Kaiser Sigismunds am 9. Dezember 1437. Albrecht II., der gewählte König, war zwar nominell durch seine Ehe mit Elisabeth von Luxemburg König von Böhmen, wurde aber erst nach seiner Wahl gekrönt. Da er zu der Zeit in Böhmen Krieg führte, war Albrecht bei seiner eigenen Wahl nicht anwesend.

Das Kurfürstentum Brandenburg war 1415 an das Haus Hohenzollern übergegangen, bei dem es bis zum Ende des Reiches blieb.

Königswahl Friedrich III.

 
Freitag, 17. Juni 1442 in Frankfurt/Main.

Das Amt des Königs von Böhmen war bei dieser Wahl vakant, da König Albrecht II. am 27. Oktober 1439 gestorben war. Er hinterließ seine schwangere Frau Elisabeth von Luxemburg. Ihr Kind Ladislaus Postumus wurde erst am 22. Februar 1440, einige Tage nach der Wahl, geboren. Gewählt Friedrich III., Herzog von Österreich (Habsburger), Römischer König.

Königswahl Maximilian I.

 
Dienstag, 16. Februar 1486 in Frankfurt/Main.

Maximilian I., Erzherzog von Österreich, wurde zum Römischen König gewählt und folgte seinem Vater, dem Kaiser Friedrich III., nach dessen Tod am 19. August 1493 auf dem Thron. Da Maximilian aufgrund einer Blockade der Republik Venedig nicht zur Kaiserkrönung nach Rom reisen konnte, verlieh ihm Papst Julius II. im Jahre 1508 den Titel "Electus Romanorum Imperator", "Erwählter Römischer Kaiser". Spätere Gewählte nannten sich ebenfalls auch ohne päpstliche Krönung Kaiser statt lediglich König.

Königswahl Karl V.

 
Samstag, 28. Juni 1519 in Frankfurt/Main.

Diese Wahl fand nach dem Tod Maximilians I. am 12. Januar 1519 statt und war eine der am heftigsten ausgestrittenen des Reiches. Es gab keinen deutschen Kandidaten; die beiden Hauptbewerber waren Karl V., ein Herzog von Burgund, der kurz zuvor König von Spanien geworden war, sowie Franz I., der König von Frankreich. Außerseiterkandidat war Heinrich VIII., König von England.

Obwohl Karl durch seine Vorfahren väterlicherseits Habsburger sowie der Enkel des verstorbenen Kaisers Maximilians I. war, sprach er Französisch, nicht Deutsch, und wurde als ebenso fremd wie Franz empfunden. Der Versuch, das Reich dem Monarchen einer fremden Macht (in diesem Fall Spaniens) zu überantworten, war noch nie unternommen worden. Allerdings war das Heilige Römische Reich auch mit Frankreich seit der Zeit der Karolinger nicht mehr durch ein gemeinsames Oberhaupt verbunden gewesen.

Karl und Franz versuchten, sich in ihren Bestechungssummen zu überbieten. Am Ende konnte Karl, auch dank der spanischen Silberminen in Amerika, auf die größeren Ressourcen zurückgreifen. Karl konnte auf die Stimme des Königs von Böhmen, seines Schwagers, zählen. Franz hatte den Erzbischof von Trier gekauft, die Kurfürsten von Mainz, Brandenburg und der Pfalz waren noch zu haben. Obwohl die Einzelheiten der Wahl nie öffentlich wurden, ist es möglich, daß die Kurfürsten ihrem Dilemma entkommen wollten, indem sie den Kurfürst von Sachsen wählten, der die Wahl aber ablehnte. Am Ende wurde Karl gegen Bedenken des Kurfürsten von Brandenburg einstimmig gewählt.

Königswahl Ferdinand I.

 
Montag, 5. Januar 1531 in Köln.

Karl V. hatte erkannt, dass ein einzelner Mann nicht alle Besitztümer der Habsburger beherrschen konnte. Über die ursprünglichen Habsburger Besitzungen herrschte sein Bruder Ferdinand I., der 1526 auch König von Böhmen und Ungarn wurde. Karl V. hätte die Kaiserkrone gerne seinem Sohn Philipp II. vermacht.

Die deutschen Fürsten aber wußten, was es bedeutete, wenn ein Kaiser kaum im Reich war, zumal in Zeiten innerer religiöser Spannungen und äußerer Bedrohung durch die Osmanen, und setzten sich für Ferdinand ein. Als Kompromiß fügte sich Karl in die Wahl Ferdinands zum Römischen König und damit seinem Nachfolger, unter der Bedingung, dass Philipp Ferdinands Nachfolger würde (wozu es nie kam). Obwohl er schon 1531 gewählt wurde, mußte Ferdinand noch über ein Vierteljahrhundert bis zur Abdankung Karls im Jahre 1558 warten, bis er Kaiser wurde.

Die Wahl fand mitten in der Zeit der Reformation statt, und erste Spaltungen zwischen katholischen und protestantischen Kurfürsten wurden sichtbar. Die Kurfürsten von Mainz und Brandenburg waren streng pro-katholisch, wogegen der Kurfürst von Sachsen Lutheraner war. Der Kurfürst von Köln zeigte, obwohl er katholischer Erzbischof war, reformatorische Neigungen und wurde schließlich im Jahre 1546 seines Bischofsamtes enthoben. Zur Zeit der Wahl war es jedoch keineswegs ausgeschlossen, dass es einen Ausgleich zwischen Katholiken und Lutheranern geben könnte.

Königswahl Maximilian II.

 
Mittwoch, 28. November 1562 in Regensburg.

Diese Wahl fand zu Lebzeiten Kaiser Ferdinands I. statt. Maximilian wurde zum Römischen König gewählt und wurde knapp zwei Jahre später nach dem Tod Ferdinands am 25. Juli 1564 Kaiser. An dieser Wahl nahm zum ersten Mal ein Mitglied der Albertiner als Kurfürst von Sachsen teil. Die Albertiner hatten die älteren Ernestiner 1547 von der Kurwürde verdrängt.

Im Jahre 1562 ging die Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten durchs ganze Reich. Die geistlichen Kurfürsten und der König von Böhmen blieben katholisch. Der Pfalzgraf bei Rhein war seit 1561 Kalvinist, der Kurfürst von Sachsen war Lutheraner, seit 1555 auch der Kurfürst von Brandenburg.

Königswahl Rudolf II.

 
Montag, 27. Oktober 1575 in Regensburg.

Rudolf II. wurde zu Lebzeiten seines Vaters Maximilian II. zum Römischen König gewählt. Als Maximilian am 12. Oktober 1576 starb, wurde Rudolf Kaiser. Die religiöse Aufteilung unter den Kurfürsten war wie bei der letzten Wahl.

Königswahl Matthias

 
Mittwoch, 13. Juni 1612 in Frankfurt/Main

Die Wahl fand nach dem Tod Kaiser Rudolfs II. am 20. Januar 1612 statt. Ferdinand von Bayern, der Kurfürst von Köln, warb für die Wahl seines Bruders Maximilian I., des Herzogs von Bayern. Maximilian lehnte den Thron aber ab. Stattdessen wurde Rudolfs Bruder Matthias, der schon die Herrschaft über Böhmen und Ungarn übernommen hatte, gewählt. Die religiöse Aufteilung unter den Kurfürsten war wie bei der letzten Wahl.

Königswahl Ferdinand II.

 
Mittwoch, 28. August 1619 in Frankfurt/Main

Diese Wahl, die auf den Tod Kaiser Matthias' am 20. März 1619 folgte, fiel mit den Anfängen des Dreißigjährigen Krieges
zusammen. Zwei Tage vor der Wahl hatten die böhmischen Stände Ferdinand abgesetzt und Friedrich V., den Kurfürsten von der Pfalz, zum König von Böhmen gewählt.

Die anderen Kurfürsten weigerten sich trotzdem, eine Abordnung der böhmischen Stände anzuhören, und erkannten Ferdinand gegen den Protest der Delegation von Kurpfalz als Inhaber der böhmischen Kurwürde an. Der Pfalzgraf bei Rhein stimmte zunächst für Maximilian I., Herzog von Bayern, zog die Stimme aber zurück und stimmte ebenfalls für Ferdinand.

Da diese Wahl nur sieben Jahre nach der vorherigen stattfand, hatten außer dem König von Böhmen dieselben Personen wie 1612 die Ämter inne, und auch die religiöse Aufteilung unter den Kurfürsten war wie bei der letzten Wahl.

Königswahl Ferdinand III.

 
Montag, 22. Dezember 1636 in Regensburg

Diese Wahl fand während des Dreißigjährigen Krieges und während der Herrschaft des Kaisers Ferdinands II. statt. Sein
Sohn Ferdinand III., der schon 1627 König von Böhmen geworden war, wurde zum Römischen König gewählt, und wurde
beim Tod seines Vaters weniger als drei Monate später am 15. Februar 1637 auch Kaiser.

Im Jahre 1621 war Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz, seiner Kurwürde und seiner Besitztümer enthoben worden. Die
Kurstimme und das Amt des Pfalzgrafen waren auf einen entfernten Verwandten, den Herzog von Bayern, übergegangen. Da der Bayer Katholik war, bestand das Kollegium der Kurfürsten nun aus fünf Katholiken und zwei Lutheranern.

Königswahl Ferdinand IV.

 
Samstag, 31. Mai 1653 in Augsburg

Mit der Wahl Ferdinands zum Römischen König sollte für eine automatische Nachfolge für Kaiser Ferdinand III. gesorgt
werden. Ferdinand starb aber schon ein Jahr nach seiner Wahl am 9. Juli 1654 an den Pocken.

Diese Wahl war die erste nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Durch den Westfälischen Frieden hatte der Pfalzgraf bei Rhein eine neue Kurwürde erhalten. Der Herzog von Bayern behielt jedoch die alte pfälzische Kurwürde, die er seit 1623 innehatte, unter dem Titel "Kurfürst von Bayern". Es gab daher nun acht Kurfürsten. Um die Möglichkeit von Gleichständen auszuschließen, stimmte der König von Böhmen (der jetzt ohnehin die besten Chancen hatte, künftige Wahlen zu gewinnen) zu, sich bei der Wahl seiner Stimme zu enthalten, behielt jedoch seine Kurwürde. Der böhmische Kurfürst wird ab hier in Klammern aufgeführt.

Das Kollegium der Kurfürsten bestand nun aus fünf Katholiken (ohne Böhmen vier), zwei Lutheranern (Brandenburg und
Sachsen) und einem Calvinisten (die Pfalz). Nach dem Dreißigjährigen Krieg spielten religiöse Unterschiede aber eine
kleinere Rolle in der Politik des Reiches.

Königswahl Leopold I.

 
Donnerstag, 18. Juli 1658 in Frankfurt/Main.

Diese Wahl fand nach dem Tod Kaiser Ferdinands III. am 2. April 1657 statt, dem das längste Interregnum seit dem 13. Jahrhundert folgte.

Königswahl Joseph I.

 
Montag, 23. Januar 1690 in Augsburg

Diese Wahl fand zu Lebzeiten Leopolds I. und während des Pfälzischen Erbfolgekrieges statt. Leopolds Sohn und Erbe Joseph wurde zum Römischen König gekrönt, musste sich aber fünfzehn Jahre lang mit diesem niedrigeren Titel begnügen, bis er mit dem Tod seines Vaters am 5. Mai 1705 Kaiser wurde.

Im Jahre 1685 hatte Philipp Wilhelm aus der katholischen Linie Pfalz-Neuburg die Pfalz geerbt, wodurch im
Kurfürstenkollegium nun sechs katholische Stimmen zwei lutheranischen gegenüberstanden.

Königswahl Karl VI.

 
Montag, 12. Oktober 1711

Diese Wahl fand nach dem Tod des Kaisers Joseph I. während des Spanischen Erbfolgekrieges statt. Da die Kurfürsten von Sachsen und der Pfalz nun katholisch waren, waren die Kurfürsten von Hannover und Brandenburg die einzigen Protestanten in dem Gremium.

Königswahl Karl VII.

 
Mittwoch, 24. Januar 1742 in Frankfurt/Main

Diese Wahl fand während des Österreichischen Erbfolgekrieges statt. Zum ersten Mal seit über dreihundert Jahren wurde kein Habsburger zum Kaiser gewählt. Die Kurfürsten von Bayern und Köln hatten ihre Kurwürde nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1714 zurückerhalten, sodass es nun neun Kurfürsten gab. Nach dem Tode Kaiser Karls VI. am 20. Oktober 1740 war der Kurfürst von Bayern in Böhmen einmarschiert und hatte sich zum König krönen lassen, wodurch er sich zwei Kurstimmen sicherte und Maria Theresia, die Königin von Ungarn, von der Wahl ausschloss. Maria Theresia erkannte die Wahl bis nach dem Tod des Kaisers nicht an.

Königswahl Franz I.

 
Montag, 13. September 1745 in Frankfurt/Main.

Auch diese Wahl fand während des Österreichischen Erbfolgekrieges statt. Kaiser Karl VII. war am 20. Januar 1745
gestorben. Die Kaiserkrone kam wieder in Habsburger Hände; der Pfalzgraf bei Rhein und der Kurfürst von Brandenburg, die im Krieg Österreichs Gegner waren, nahmen nicht an der Wahl teil.

Königswahl Joseph II.

 
Dienstag, 27. März 1764 in Frankfurt/Main

Die Wahl von 1764 fand statt, als Franz I. noch lebte, um dessen Nachfolge zu regeln. Der Gewählte sollte bis zum Tod des Kaisers den Titel Römischer König tragen und würde dann ohne weitere Wahl automatisch Kaiser. Tatsächlich starb Franz I. bereits im folgenden Jahr, am 18. August 1765.

Königswahl Leopold II.

 
Donnerstag, 30. September 1790 in Frankfurt/Main

Diese Wahl fand nach dem Tod des Kaisers Joseph II. am 20. Februar 1790 statt. Josephs Bruder Leopold wurde gewählt, als die Französische Revolution zwar schon begonnen hatte, aber immer noch in ihrer Verfassungsphase war und keine Bedrohung der Institutionen Europas zu sein schien.

Leopold war während der Herrschaft seines Bruders Großherzog der Toskana gewesen und hatte sich als Reformer hervorgetan. Durch seine Wahl bestand die Möglichkeit, daß seine Reformen in alle österreichischen und ungarischen Gebiete und eventuell ins ganze Heilige Römische Reich getragen würden. Die Entwicklung der Lage in Frankreich und Leopolds früher Tod vereitelten diese Möglichkeit.

Karl Theodor, Pfalzgraf bei Rhein, wurde am 30. Dezember 1777 Herzog und Kurfürst von Bayern. Nach den schon früher
festgelegten Regeln für den Zusammenfall von Herrschaften wurde die Kurstimme der Pfalz zugunsten der bayerischen
unterdrückt.

Königswahl Franz II.

 
Donnerstag, 5. Juli 1792 in Frankfurt/Main

Letzte deutsche Königswahl. Leopold starb am 1. März 1792. Weniger als zwei Monate später erklärte Frankreich Franz II. den Krieg, nicht als Kaiser (da er noch nicht gewählt worden war), sondern als "König von Ungarn". Die Kurfürsten traten zusammen unter dem Eindruck der revolutionären Situation in Frankreich. Es herrschte aber allgemein die Ansicht, daß eine einige Koalition die Revolutionäre leicht besiegen könnte, und niemand sah voraus, daß die Französische Revolution zu einem Krieg führen würde, der das gesamte Reich hinwegfegen würde.

Unter der Regierung Franz II. wurden die Kuren von Köln, Trier und der Pfalz aufgehoben. Die Mainzer Kur ging auf das
Fürstentum Regensburg über, neue Kuren wurden für das Herzogtum Salzburg, das Herzogtum Württemberg, die
Markgrafschaft Baden und die Landgrafschaft Hessen-Kassel geschaffen (1803), Franz nahm außer seinem römischen auch
den Titel eines Kaisers von Österreich an, und das Heilige Römische Reich hörte 1806 auf zu bestehen. Die neu
geschaffenen Kurfürsten trafen daher nie zu einer Königswahl zusammen.

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