Archiv der Monarchieliga

zuletzt aktualisiert: 1 Adventus 2010

 

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Die Unheilsgeschichte Mexikos

Kirchenverfolgung seit 1820

Zum eigentlichen Auslöser der Katastrophe Mexikos wurde die Erklärung der Unabhängigkeit von Spanien im Jahre 1810. Diese zog einen langen Krieg nach sich, der 1821 zur endgültigen Loslösung vom Mutterland führte. Erstes "Staatsoberhaupt" des zuvorigen Neuspaniens war Agustín de Iturbide, der das Land ab 1822 als Pseudo-Kaiser regierte. Iturbide war ein Verräter und von Verat und Meineid ist das Land seither gezeichnet. Bereits 1823 mußte er nach einem Militäraufstand abdanken und Mexiko wurde zur "Republik", näherhin einer Freimaurerrepublik. Im gleichen Jahr, 1823, verlor das zuvorige Neuspanien das Gebiet von Guatemala, woraus sich die späteren unabhängigen "Staaten" Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica, und Honduras bildeten.

1835 versuchten die Vereinigten Staaten von Amerika vergeblich, Mexiko die Gebiete um Texas und Kalifornien abzukaufen. 1836 riefen die in Texas lebenden Amerikaner die unabhängige Republik von Texas aus. 1845 wurde Texas von den USA annektiert und weitere mexikanische Gebiete um Texas, bis hin zum Rio Grande, beansprucht. Der Streit um die Rio Grande-Grenze führt dann 1846 zur US-Invasion, dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg. Nach der Niederlage Mexikos im Jahre 1848 trat mit Unterzeichnung des Vertrags von Guadalupe Hidalgo Mexiko seine nördlichen Gebiete, darunter die späteren US-Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico, Arizona, Nevada und Colorado ab.

Seit dem Ausgang Iturbides war die Geschichte des Landes von Wirren, Terror und Bürgerkriegen geprägt. Allein bis zur Erschießung des Habsburgers Maximilian als Kaiser von Mexiko 1867 erlebte der mittelamerikanische Staat 36 Verfassungen und 72 Staatsoberhäupter. In den 1860ern stand das Land unter der Besetzung durch Frankreich, das in dieser Zeit den Kaiser Maximilian I. (Habsburg) einsetzte. Präsident Benito Juárez, der mit Hilfe der USA die Franzosen aus dem Land vertrieb, beendete endgültig die Ära des mexikanischen Kaiserreiches durch die Hinrichtung Maximilians im Jahre 1867.

Die lange Diktatur Porfirio Díaz’ führte 1910 zur (wiederum masonistischen) Mexikanischen Revolution und 1911 zu seinem Rücktritt. Die revolutionären Kräfte besiegten die Armee, verloren sich aber in internen Streitereien, die das Land 20 Jahre lang in ständiger Unruhe hielten. Am Ende der Revolution kontrollierte die Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) das Land.

Die Partei der Institutionalisierten Revolution kontrollierte das Land Mexiko bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Während der Regierungszeit der PRI bestand lange Zeit keine klare Trennung zwischen den Institutionen des Staates und jenen der „offiziellen Partei“, das heißt der PRI. So unterstand etwa auch die Organisation von Wahlen der PRI. Dies führte zu zahlreichen Berichten über Unregelmäßigkeiten bei der Wahl wie beispielsweise Fälschung von Wahllisten, mehrfacher Stimmabgabe, Stimmenkauf, Kontrollen der Stimmabgabe, Wahlurnenraub und unkorrekter Stimmenauszählung.

Obgleich im Kampf für die Unabhängigkeit gegen Spanien auch Geistliche wie der Kreole Miguel Hidalgo (erschossen 1811) und der Mestize J. M. Morelos (erschossen 1815) ihr Leben ließen, setzten sich liberale, antikirchliche freimaurerische Politiker durch. Bereits 1822 wurde das kirchliche Eigentum der Indianermissionen verstaatlicht, 1833 der Klerus von den öffentlichen Schulen ausgeschlossen. Seit 1857 kann man von Verfolgung und versuchter Vernichtung der Kirche sprechen: Das Kirchengut wurde beschlagnahmt, Kirchen und Klöster geplündert. 1874 wurden die kirchlichen Feiertage abgeschafft, geistliche Kleidung und religiöse Feiern außerhalb der Kirche waren verboten. Die Situation in Mexiko entsprach also bereits in dieser Zeit dem späteren Bolschewismus in der Sowjetunion.

Unter Präsident Porfirio Diaz erholte sich die Kirche bis 1911 wenigstens etwas, weil einige Orden zurückkehren durften und sich der Klerus erholte. Unter Francisco Madero (1911-1913) konnten sogar eine katholische Nationalpartei und verschiedene katholische Verbände gegründet werden, ehe in den folgenden Jahren mit neuem Bürgerkrieg das Land an den Rand des Untergangs kam.

Als sich durch Unterstützung des amerikanischen Präsidenten Wilson 1915 Venustiano Carranza als Präsident durchsetzte, verbot dieser in der „Verfassung von Queretaro“ das Studium in geistlichen Anstalten, ebenso den Zölibat und das Ordensleben sowie alle gottesdienstlichen Handlungen außerhalb der Kirche. Alle Priester wurden von ihren staatsbürgerlichen und politischen Rechten ausgeschlossen. Die einzelnen Bundesstaaten hatten das Recht, die Zahl der Priester zu bestimmen.

1919 setzte zwar Carranza diese Bestimmungen als „unzeitgemäßen Fanatismus“ außer Kraft, aber nach seinem Tode 1920 flammte der Kulturkampf wieder auf, um unter Präsident Plutarco Elias Calles (1924-1928) wieder zur brutalen Verfolgung zu werden. Als 1928 die mexikanischen Bischöfe einen Hirtenbrief gegen diese Verfolgung erließen, verschärfte Calles noch alle Maßnahmen. Allein im Jahre 1926 wurden mehr als hundert Priester getötet. Gegen den Willen der Bischöfe kam es in manchen Landesteilen zu Aufständen der Bevölkerung gegen die Regierung, was zu noch mehr Repressalien führte.

Die Zahl der mexikanischen Märtyrer ist groß. Unter den mehr als fünftausend Opfern sind dreitausend Priester. Ihr Zeugnis ist heute vergessen. Einige seien genannt. Als Opfer des Beichtgeheimnisses wurde am 29. Januar 1927 der Priester Mateo Correa in Durango erschossen, im Februar des selben Jahres Pfarrer Miguel Dias in Autlan erhängt. In Michoacan tötete man den Priester Miguel Guizir wegen Spendung der Krankensalbung. Seminaristen wurden gefoltert, gehängt, erschossen, zu Tode gemartert, Priester erstochen und verbrannt, Sakristane hingerichtet, weil sie die Verstecke der Priester nicht verrieten.

Der Modus vivendi von 1929 ermöglichte die Rückkehr der Bischöfe und Zulassung von Priestern, so daß in beschränktem Maße wieder Gottesdienste möglich waren. Aber schon 1931 begann die Regierung von neuem mit Übergriffen und 1934 mit weiterer Ausweisung aller Bischöfe.

„Die Kirchenverfolgung in Mexiko nach bolschewistischen Grundsätzen und Methoden vollzog sich unter Mitwirken des Kommunismus, der Freimaurerei, der protestantischen Sekten Mexikos, vor allem aber unter dem Schutz des Totschweigens beziehungsweise der Verleumdung seitens der liberalen Weltpresse und zivilisierten Welt“, mußte dazu die Kirche feststellen.

Durch den Roman „Die Kraft und die Herrlichkeit“ von Graham Greene ist nach dem Zweiten Weltkrieg diese Verfolgung noch im Bewußtsein Europas gewesen. Auch in seinen autobiographischen Skizzen mit dem Titel „Fluchtwege“ und dem Buch „Gesetzlose Straßen“ schildert Greene persönliche Eindrücke „von einem kleinen Teil Mexikos zu einer bestimmten Zeit, dem Frühjahr 1938, kurz nachdem das Land durch Präsident Calles - im Namen der Revolution - die wütendsten Glaubensverfolgungen erlitten hatte, die es in der Welt seit der Regierungszeit Elisabeth I. gegeben hatte.

In Tabasco und Chiapas schwebten die Verfolgungen noch weiter“. Wie der Autor feststellt, ahnte er „auch nach meiner Heimkehr ... noch nicht, daß aus meinen Erfahrungen ein Roman, "Die Kraft und die Herrlichkeit", hervorgehen würde“. Das Material für seinen Roman sammelte sich in Begegnungen jener Reise an, „nicht ohne Erschöpfung, Schmerzen oder sogar Furcht“. Greene erlebte, daß in Tabasco alle Kirchen zerstört waren. In Las Casas standen sie noch, aber es war „keinem Priester erlaubt, sie zu betreten, und da es in der Karwoche war, zelebrierten die Indianer aus den Bergen seltsame Gottesdienste. Sie suchten sich an das zu erinnern, was man sie gelehrt hatte - Brocken seltsam ausgesprochenen Lateins und merkwürdige, unkanonische Gebärden“. Der Autor hatte „mit eigenen Augen gesehen, mit welcher Inbrunst die Bauern in den priesterlosen Kirchen beteten, ich hatte an Meßopfern in Dachräumen teilgenommen, bei denen man aus Angst vor der Polizei die Sanctusglocke nicht zu läuten wagte“.

Obgleich das Buch seinen Verfasser mehr befriedigte als jedes andere - und Graham Greene hat viele Bücher geschrieben - mußte es zehn Jahre auf seinen Erfolg warten. Dieser kam erst mit der französischen Ausgabe, für die François Mauriac eine Einleitung schrieb. Allerdings wurde das Buch auch von ängstlichen Katholiken angefeindet und zweimal versuchten französische Bischöfe, es in Rom auf den Index der verbotenen Bücher zu setzen.

So verurteilte das Heilige Offizium unter Kardinal Pissardo das Buch. Sein Inhalt ist auch durch eine Hollywood-Verfilmung bekannt: Das Schicksal des letzten katholischen Priesters in einem der mexikanischen Bundesstaaten, sein langjähriges Versteckspiel vor der Polizei, sein Alkoholismus und seine menschlichen Schwächen. Sein Gegenspieler ist ein fanatischer Polizeileutnant, der ihn schließlich hinrichten läßt.

Gertrud von le Fort lobte das Buch, weil es uns die Unzerstörbarkeit der priesterlichen Weihe vor Augen hält und weil den Priester seine „eigene Unzulänglichkeit und Heruntergekommenheit erbarmender macht, aber freilich auch hellhöriger und verletzbarer gegenüber jenen falschen Tönen, denen sich gerade die so genannten Frommen schuldig machen“.

 

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