Vor 350 Jahren - Die Schlacht von Warschau
Wir
kennen in der Neuzeit eine Reihe von sogenannten „Nordischen Kriegen“.
Es handelt sich stets um Kriege, in denen Schweden ohne rechtliche Grundlage
versuchte, seinen Herrschaftsbereich über die Ostsee in die südlichen
Anrainerstaaten hinein zu erweitern und sogar bis in den Nordseeraum auszugreifen.
Der erste große „Nordische Krieg“ war der heimtückische
Angriff Schwedens aufs Reichsgebiet im Jahre 1630, als der dritte Abschnitt
des 30jährigen Kriegs mit der Landung des Reichsfeindes Gustav Adolf
auf Usedom begann. Nachdem Schweden Nord- und Mitteldeutschland fast 20
Jahre lang in ungeheuer grausamer Weise terrorisiert und gequält
hatte, gelang es ihm, im Westfälischen Frieden Vorpommern samt Stettin
und dem Kreise Randow für sich zu ergattern. Das Haus Wasa wurde
somit Reichsstand.
Schweden wollte sich mit der Devastierung Norddeutschlands nicht zufrieden
geben. Bereits sieben Jahre nach dem Friedensschluß brach Schweden
den Frieden und landete aufs Neue am Ostseestrand, diesmal im polnischen
Westpreußen, unweit der polnischen Stadt Danzig. Der auch tatsächlich
so genannte „Erste Nordische Krieg“ hatte begonnen.
Herrscher Schwedens war inzwischen der Neffe Gustav Adolfs, Karl X. aus
dem Hause Pfalz-Zweibrücken, d.h. ein Wittelsbacher. Gustav Adolf
war ohne Erben verschieden, die Linie seiner Schwester, die in die Pfalz
geheiratet hatte, kam zum Zuge. Karl X. setzte die Aggressionspolitik
seines Onkel fort. Er wollte seine Herrschaft im Ostseeraum auf Kosten
Brandenburgs, des hl. Imperiums, Hollands und Polens erweitern. Der preußische
Herzog Friedrich Wilhelm war gezwungen, gegen den Willen der preußischen
Stände Truppen auszuheben und Kriegssteuern einzuziehen. Doch konnte
er gegen den Schweden zunächst nicht ankommen. Er mußte die
schwedische Lehnshoheit für (Ost)-Preußen annehmen und in ein
Bündnis mit dem schwedischen König treten.
Dieses Bündnis führte ihn in den Gegensatz zu seinem Lehnsherrn,
dem König Jan II. von Polen. Dieser wurde unterstützt vom Kaiser,
vom Reich und vom Zaren, der seit dem Ende des 30jährigen Krieges
zu Schwedens erbittertem Gegner geworden war. Am 28. Juli 1656, vor 350 Jahren
kam es östlich von Warschau zur Schlacht, in der die schwedisch-preußische
Allianz nach dreitägigem Ringen einen beachtlichen Sieg errang.
Dem Kurfürsten war es sowohl gelungen, die Finanzierung des Krieges
auch durch die Stände Brandenburgs und Kleves absichern zu lassen,
als auch mit Genehmigung dieser Stände Truppen in den Kampf zu führen.
Die borussische Gesichtsklitterung vermeldet stets stolz, daß in
dem ersten gemeinsamen Kampf der Hohenzollern-Truppen 27.000 Soldaten
und 4.000 Mann Besatzungen kämpften. Auch wird vermerkt, daß
es dem Kurfürsten in der Folgewirkung des Sieges von Warschau gelang,
die polnische Lehnshoheit für das „herzogliche Preußen“
abzuschütteln.
Doch weder für das Hohenzollerngeschlecht, noch für Preußen,
noch für den Rest Deutschlands und Polens, hat diese Ablösung
in den Verträgen von Labiau, Wehlau und Oliva irgend einen Segen
gebracht. Im Gegenteil, die Aufrichtung der preußischen Krone störte
Ruhe, Frieden und wohl verstandenes Gleichgewicht in Europa und führte
Deutschland in einen Gegensatz zu Polen hinein, in dem es in 700 Jahren
nie gestanden hatte.
Es muß klar betont werden: An dem noch heute virulenten deutsch-polnischen
Gegensatz ist wo nicht der Große Kurfürst, so doch aber das
Hohenzollerngeschlecht mit seinem unseligen Borussismus schuld. In der
Schlacht von Warschau wurde die Grundlage für eine unheilvolle Entwicklung
gelegt. |