Vor 800 Jahren: Königsmord in Bamberg

König Philipp von Schwaben |
Heute vor 800 Jahren am 21. Juni 1208 wurde der Deutsche König
Philipp, genannt „Philipp von Schwaben“ vom bayrischen
Pfalzgraf Otto von Wittelsbach in Bamberg ermordet.
Philipp war der fünfte aus der Reihe der Stauferkönige
und der jüngste Sohn seines Vaters Friedrich Barbarossa.
Obwohl es ihm nicht mehr gelang, die Kaiserwürde zu erwerben,
wird er wegen des römischen Kaisers Philipp aus dem 2. Jahrhundert
gelegentlich als Philipp II. gezählt.
Philipp hatte ein schweres Erbe angetreten, denn sein älterer
Bruder und Amtsvorgänger Heinrich V. (bzw. als König
Heinrich VI.) war in Sizilien in Schwierigkeiten geraten und konnte
sein Amt in Deutschland nicht mehr ausüben. Der Sohn Heinrichs,
Friedrich, der spätere Kaiser Friedrich II., war im Jahre
1196 in Frankfurt zum Deutschen König gewählt worden.
Er sollte von seinem Onkel Philipp nach Deutschland geholt werden.
Dieser wurde jedoch durch Aufstände in Oberitalien blockiert
und mußte unverrichteter Dinge wieder nach Deutschland zurückkehren.
Damit die staufische Herrschaft gesichert werde, beschlossen die
Deutschen Fürsten nun Philipp zu wählen. Heinrich V.
starb 1197 erst zweiunddreißigjährig.
Philipp war, typisch für einen nachgeborenen deutschen Fürstensohn
zunächst für die geistliche Laufbahn bestimmt worden
und hatte 1198 die Probststelle am Aachener Marienstift erlangt.
Im Jahr darauf wurde er zum Bischof von Würzburg gewählt,
ließ sich jedoch überraschen wieder laisieren. Als
die Königswahl anstand, erwuchs ihm in Welf Otto ein Gegenkandidat,
der ebenfalls gewählt und gekrönt wurde. Die Herrschaftszeit
Philipps (1198 – 1208) war durch die Auseinandersetzung
mit Otto geprägt, der sich auch nach dem Todes Philipps durchsetzen
und zum Kaiser krönen lassen konnte. Höhepunkt der Auseinandersetzungen
war die Schlacht bei Wassenberg am 27. Juli 1206. Es
gelang Philipp die Burg zu erobern und den welfisch gesonnenen
Kölner Erzbischof gefangenzunehmen. Der Papst hingegen entschied
sich aus verständlichen Gründen für Otto. Dies
gab langfristig den Ausschlag zugunsten Ottos.
Neben anderen Faktoren hatte sich der Anfall des Königreichs
Sizilien negativ auf die Regierungstätigkeit der Stauferkönige
ausgewirkt. Hier hat aber zweifellos auch der Papst erhebliche
Fehler gemacht, denn er stellte sein weltliches Amt als Fürst
des Kirchenstaates teils über seinen geistlichen Auftrag,
die Christenheit zu weiden und den Frieden des Imperiums zu fördern.
Es war klar, daß dieser Zwiespalt zu massiven Verwerfungen
in der Reichspolitik hat führen müssen. Das Ansehen
des Papstes in Deutschland wurde beschädigt, noch Jahrhunderte
später nutzten diesen Umstand die „Reformatoren“
gnadenlos für ihre dunklen Zwecke aus.
Daß Deutschland durch jeden inneren Zwiespalt geschwächt
wurde, leuchtet von vornherein ein. Besonders bedenklich ist,
daß die Machtposition des Deutschen Königs Schaden
genommen hat. Auch dies wirkte sich noch über Jahrhunderte
bis in unsere Gegenwart hineinen sehr negativ aus.
Eines der wichtigsten Ereignisse der Herrschaft König Philipps
war die Verleihung der erblichen böhmischen Königswürde
an Ottokar Przemysl. Dies bewirkte die Herauslösung Böhmens
aus der Lehnsherrschaft des Deutschen Königs und die Etablierung
eines weitgehend unabhängigen Königreiches in Böhmen,
Mähren und Schlesien. Ohne diesen Rechtsaktes wären
Böhmen, Mähren und Schlesien auch heute noch Teile Deutschlands.
Die Ermordung Philipps war zweifellos eines der abscheulichsten
Verbrechen der Reichsgeschichte. Über die Gründe dieser
ungeheuerlichen Bluttat wird bis zum heutigen Tage gerätselt,
am wahrscheinlichsten ist der, daß Philipp Otto nicht verabredungsgemäß
zum Schwiegersohn bestimmt hatte.