Der vierte Koalitionskrieg
Heute vor 200 Jahren geschah die Katastrophe von Jena und Auerstedt
Als
„Koalitionskriege“ werden die Kriege bezeichnet, die das freie
Europa gegen den Friedensbrecher und Freiheitsbedroher Frankreich in den
Jahren 1792 bis 1809 führen mußte.
Diese Kriege sind Europa durch das revolutionäre französische
Verbrechertum aufgezwungen worden, kein einziger europäischer Herrscher,
keine europäische Nation wollte diese Kriege, - leider, muß
man sagen, denn entschlossener Wille hätte das revolutionäre
Frankreich leicht in die Knie zwingen, das Terrorregime beseitigen und
die Revolutionsverbrecher vernichten können.
Heute denken wir an die Schlacht von Jena und Auerstedt, die prominenteste
Schlacht des bereits vierten Koalitionskrieges. Der Dritte Koalitionskrieg
war erst am 26. Dezember 1805 durch den Frieden von Preßburg
(„Bratislawa“) beendet worden. Damals mußte Österreich
Venetien an das Königreich Italien und Tyrol, Vorarlberg, Eichstätt,
Passau, Burgau, Brixen, Trient, Augsburg an Bayern abtreten. Das herrliche
Erzstift Salzburg kam an Österreich, Bayern und Württemberg
wurden „Königreiche“. Bald darauf wurde der „Rheinbund“
begründet, es schlug die Todesstunde für das Heilige Römische
Reich Deutscher Nation.
Der preußische König Friedrich Wilhelm III. hatte sich
angesichts des Verrats so vieler Reichsglieder widerwillig zu einem Frieden
mit Napoleon hergegeben. Doch Frankreichs Durchzug durch Ansbach und viele
andere Friedensstörungen des Korsen bewogen Friedrich zu der mutigen
Kriegserklärung vom 9. Oktober 1806. Leider war er zum Kriege gegen
einen so fanatischen Feind nicht ausreichend gerüstet. Napoleon setzte
seine gewaltige Heermacht durch die Täler von Main und Thüringer
Saale hindurch in Gang und bereits am 10. Oktober kam es zum ersten Gefecht
bei Saalfeld, bei dem unglückseliger Weise der Preußenprinz
Louis Ferdinand, ein hochbegabter Schriftsteller und Komponist, dessen
Werke noch heute häufig aufgeführt werden, fiel. Ferdinand war
ein Cousin des verstorbenen Königs Friedrich Wilhelm II. und somit
ein allerdings gleichaltriger Onkel 2. Grades des regierenden Königs.
Am 14. Oktober 1806 entbrannte dann die Doppelschlacht von Jena und Auerstedt,
deren Schlachtfelder noch heute von Denkmalen übersät sind.1
Friedrich Wilhelm erlitt eine vernichtende Niederlage,
deren Gründe vielfach analisiert wurden. (Literatur: Lettow-Vorbeck,
O. von: Der Krieg von 1806/07. 4 Bd. 1896; Goltz, C. Frhr. von der: Kriegsgeschichte
Deutschlands im 19. Jahrhundert. 1910)
Bereits am 27. Oktober zog Napoleon in Berlin ein, am 28. Oktober ergaben
sich die Reste des preußischen Heeres bei Prenzlau in der Uckermark.
Der Berliner Gouverneur Schulenburg gab die Parole aus „Der König
hat eine Bataille verloren. Nun ist Ruhe die erste Bürgerpflicht!“,
ein seither geflügeltes Wort. Fliehende preußische Soldaten
irrten im ganzen Lande umher, der König selbst floh mit seiner Gattin
Luise von Mecklenburg nach Ostpreußen.
Unmittelbar
nach Jena brach in Posen ein von Napoleon finanzierter Aufstand
aus. Am 6. November zog eine links-nationalistische „polnische
Legion“ in die Stadt ein und die preußische Herrschaft
brach in allen Teilungsgebieten mit Ausnahme von Westpreußen
zusammen. Hier tat sich der durch die polnische Nationalhymne verewigte
Dambrowski hervor. Leider kämpften die Polen auf der falschen
Seite, dies war jedoch durch die falsche Polenpolitik der Hohenzollern
fast zwangsläufig.
Der Krieg wurde mit dem Frieden von Tilsit erst am 9. Juli 1807 beendet.
Es sei erwähnt, daß die Festungen Kolberg und Graudenz sich
nicht ergaben und bis zum Friedensschluß in der Hand des Königs
blieben.
Der Friedensvertrag von Tilsit ist in vielerlei Hinsicht interessant.
Wir werden im kommenden Jahr darauf zurückkommen. Es sei lediglich
die erhebliche Verkleinerung Preußens genannt und die Tatsache,
daß mit diesem Friedenschluß das System der polnischen Teilungen
endgültig sein Ende fand. Danzig wurde bereits damals zum Freistaat,
- eine Neuauflage sollte 100 Jahre später erfolgen.
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