Die „Monarchisten“ von 1815
Aus Reinhard Lauth „Die verstoßene Kirche“.
München 2003, S. 143
Der Fall liegt bei [den "papsttreuen" Tradiionalisten]
ganz analog wie bei den Monarchisten von 1815. Wenn nur die Form der
Monarchie bliebe, meinten sie, so konnte man auf das Wesen der Monarchie
verzichten. Diese Art von Monarchisten war zufrieden, daß die österreichisch-ungarische
Monarchie an die Stelle des Heiligen Römischen Reiches trat. Es gab
a noch immer einen Kaiser und ein Reich, so urteilten sie, also war
das Wesentliche gerettet. Daß mit dem Wiener Frieden die Idee des Reiches
aufgegeben worden war, das leugneten sie, ja, sie gaben dem Ganzen den
Schein des Gegenteils. Und es ist ihnen tatsächlich gelungen, ein Jahrhundert
lang mit diesem Schein zu betrügen. Man kann die Opfergesinnung, die
sich z.B. noch im Ersten Weltkrieg bei den Deutschen Soldaten gezeigt
hat, gar nicht verstehen, wenn man nicht sieht, daß sie gefühlsmäßig
immer noch für das Deutsche Reich als das Heilige Reich zu kämpfen glaubten.
In Wirklichkeit konnte ein Adel, der die Reichsidee verraten und dem
Untergang des Heiligen Römischen Reiches zugestimmt hatte, gar nicht
mehr Adel sein. Napoleon hatte voll und ganz recht, diese Adligen den
Revolutionären, die Karriere gemacht hatten, gleichzustellen. Und Ludwig
XVIII. blieb bei dieser Praxis.
Es gab und gibt seitdem keine schützende Macht der
Christenheit mehr, sondern nur noch ihre egoistischen Interessen gegeneinander
verfechtende Einzelstaaten, mochten sich deren Regenten auch hier und
da noch Kaiser oder Könige nennen. Es bleibt immer einer eindringlichen
Meditation wert, den Vorgang zu verstehen, mittels dessen ein Metternich
die Gleichung eingängig machen konnte, sei Franz II. = Franz I.