Archiv Johann Sebastian Bach

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   Inhaltsverzeichnis Bach |     Geistliche Texte

Choralbearbeitungen Bachs

nach Hymnen von Johann Leon, Salomon Liskow, Valentin Ernst Löscher, Matthäus Apelles von Löwenstern, Phillip Melanchthon, Matthäus Meyfahrt, Martin Moller, Johannes Mühlmann, Heinrich Müller und Georg Mylius.

Johann Leon: Ich hab mein Sach Gott heimgestellt

Leon (1530 - 1597) war Thüringer aus Ohrdruf, demselben Ort, in welchem Bach fast zweihundert Jahre später seine Schulzeit verlebte. Sein Lied hat 18 Strophen und ist von einzigartiger sprachlicher und philosophischer Dichte. Es ist zu bedauern, daß das Lied im Bachschen Schaffen nicht stärker berücksichtigt ist. Hingewiesen sei auf die prominente Rolle des Liedes bei Schütz. Auch bei Telemann ist Leon vertreten. Leon verbrachte sein gesamtes Leben in der unmittelbaren Umgebung Ohrdruffs.

 

351

Ich hab mein Sach Gott heimgestellt

 

707

Ich hab mein Sach Gott heimgestellt. Dies ist eine größere Choralfantasie aus Kirnbergers Sammlung, etwa im Stile Scheidts. Über dieses Werk ist wenig bekannt.

 

708

Ich hab mein Sach Gott heimgestellt. Aus Kirnbergers (unzuverlässiger) Sammlung im geraden und im ungeraden Takt überliefert.

 

1113

Ich hab mein Sach Gott heimgestellt

Salomon Liskow: Also hat Gott die Welt geliebt

Liskow (1640 - 1689) stammt aus der dunklen Gegend zwischen Ober- und Niederlausitz. Er wirkte als Pfarrer in Wurzen. Von Liskow ist auch das schöne Lied „In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret“.

 

68.1

Also hat Gott die Welt geliebt. Die Kantate „Also hat Gott die Welt geliebt“ ist keine Choralkantate, jedoch beginnt sie mit dem ersten Vers des Liedes von Liskow.

Valentin Ernst Löscher

Valentin Ernst Löscher (1673 - 1749) war Pfarrer, Theologieprofessor an der Universität Wittenberg und später Pfarrer an der Dresdner Kreuzkirche und Konsistorialrat daselbst. Er nahm in der Hochzeit der Auseinandersetzungen zwischen Pietismus und Orthodoxie die orthodoxe Position ein. Bei ihm, wie bei Bach, können wir sehen, daß höchste Orthodoxie und tiefste Poesie kein Widerspruch sind, ja sich ergänzen und befruchten.

 

 

Kommt Seelen, dieser Tag

 

479

Kommt, Seelen, dieser Tag muß heilig sein besungen

 

 

Kommt wieder aus der finstern Gruft

 

480

Kommt wieder aus der finstern Gruft

Matthäus Apelles von Löwenstern

Der Name des Dichters und Komponisten (1594 - 1648) lautet ursprünglich Matthäus Apellt. Er stammte aus Neustadt im mittelschlesischen Fürstentum Ratibor bzw. Oppeln. Löwenstern gehört zu den bedeutendsten Komponisten und namentlich Dichtern seiner Zeit. Er wirkte in den schlesischen Residenzen Bernstadt (zw. Oels und Namslau) und Breslau.

Es ist höchst eigentümlich, daß Choralverse Löwensterns in den Kantaten und Passionen Bachs überhaupt nicht auftauchen, hingegen sieben Lieder bei den Choralgesängen stehen.

 

 

Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeinde

 

275

Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeinde

 

 

Heut ist, o Mensch, ein großer Trauertag / Schaut, ihr Sünder, ihr macht mir große Pein

 

341/408

Heut ist, o Mensch, ein großer Trauertag / Schaut ihr Sünder! Ihr macht mir große Pein

 

 

Mein’Augen schließ ich jetzt

 

378

Mein’ Augen schließ ich jetzt

 

 

Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

 

391

Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

 

 

Singt dem Herrn ein neues Lied

 

411

Singt dem Herrn ein neues Lied

 

 

Wenn ich in Angst und Not

 

427

Wenn ich in Angst und Not

Phillip Melanchthon

Melanchthon (1497 - 1560), eigentlich Schwarzert, war Humanist und Philologe und geriet nur zufällig in das Fahrwasser Luthers, da er in Wittenberg als Professor für alte Sprachen wirkte. Er vertrat ein hybrides Gemisch aus irr- und rechtgläubigen Positionen und konnte sich in den Jahren nach Luthers Tod (1546 ff.) im Protestantismus nicht mehr durchsetzen. Man tut ihm kein Unrecht, wenn man feststellt, daß er den Kalvinismus begünstigte und wohl besser daran getan hätte, beim Glauben der Kirche zu verbleiben.

 

 

Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ

Dieses Lied stammt weitestgehend von Nikolaus Selnecker und ist durch die Dichtung des Melanchthon bestenfalls angeregt worden.

 

6.3

Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ. Ein wunderbarer Bittgesang des Solosopran begleitet vom Violoncello piccolo.

 

253

Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ. Dieser Choralsatz geht auf Stimmvorlagen von Seth Calvisius, Vorgänger Bachs im Amte des Thomaskantor zurück. Der Satz gestattet uns also einen Blick in die Choralsatzschule Bachs!

 

649

Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ. Dieser Orgelchoral aus der Schübler-Ausgabe enstpricht BWV 6.3.

 

2004

Wünschet Jerusalem Glück. Diese Kantate ist leider nur im Textdruck erhalten. Unser Lied wird als Abschlußsatz verwendet.

Matthäus Meyfart: O großer Gott von Macht

Meyfart (1590 - 1642) war Profesor und Pfarrer in Coburg und Erfurt und gewann durch seine eschatologischen Predigten hohes Ansehen. Das bekannteste Lied Meyfarts ist „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“, das bei Bach nicht vorkommt. Bei diesem Lied handelt es sich um eine Parallelschöpfung zu „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Philipp Nicolai - ein Grund mehr zum Bedauern, daß wir keine Vertonung von Bach besitzen. Als Professor am Coburger Casimirianum war Meyfart übrigens Lehrer von Goethens Vater.

Der orthodoxe Lutheraner Meyfart war nicht nur ein herausragender Theologe, er war auch ein mutiger Streiter gegen die barbarischen Methoden seiner Zeit bei der Verfolgung meist angeblicher Hexen und Zauberer. Man lese das an geeigneter Stelle nach. Hier sei nur gesagt, daß diese Barbarei keinesfalls christlich intendiert war und daß ein gerütteltes Maß Bosheit dazu gehört, die Hexenverfolgung und ihre tatsächlich grauenhaften Begleitumstände den Christen in die Schuhe zu schieben. Allein, die Intelligenz ist eine Magd des Willens, und dieser ist, wo er sich nicht in Gott gründet, wohl stets weitestgehend verdorben.

Da das sehr wertvolle Lied „O großer Gott von Macht“ heute nicht mehr in Gesangbüchern zu finden ist, bringen wir es hier vollständig. Es baut in tatsächlich einzigartiger Weise auf Genesis 18 auf. Hier besuchten drei Männer bzw. Engel Abraham um ihm zunächst die Vaterschaft und sodann Sodoms Untergang anzukündigen. Abraham fleht sie bzw. Gott um Gnade für Sodom an, so daß Gott/Jahwe schließlich verspricht, Sodom zu verschonen, wenn sich in ihr zehn Gerechte finden.

Meyfart überträgt die Fürsprache Abrahams in seine Zeit hinein und geht noch einen Schritt weiter als Abraham. Er bringt die unschuldigen Kindlein vor Gott und bitte um Gnade um ihretwillen. Schließlich verweist er gut lutherisch auf das Opfer Christi, das den Zorn Gottes stillen möge.

 

46.6

O großer Gott der Treu. Dem unbekannten Textdichter von Bachs Kantate „Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei“ war Meyfarts Lied zweifellos wohl bekannt, wenngleich in Strophe 9 nichts auf den Untergang Sodoms anspielt. Der schöne, von silberhellen Flöten durchpiepste Choralsatz setzt also eine sonst unausgesprochene Anspielung auf die Beziehung zwischen dem Untergang der Städte Sodom und Jersusalem!

Martin Moller

Moller (1547 - 1606) stammte aus dem damals wie heute im Kreise „Lutherstadt“ Wittenberg gelegenen Kropstädt. Er wirkte allerdings lebenslang in Schlesien und der Oberlausitz, so 25 Jahre lang in Sprottau und sodann bis zu seinem Ende in Görlitz. Er wurde als bedeutender theologischer Autor vom universitäts-orthodoxen Luthertum massiv verfolgt und denunziert, was um so betrüblicher ist, als es gar keine deutlich zu definierende Grenze zwischen Luthertum und Kalvinismus gibt.

Moller hatte einen schmerzen- und leidenreichen Lebensabend und er deutete seine Initialen als memento mori. Seine Dichtungen und Schriften sind von hoher Qualität und es ist nur angemessen, daß Bach zwei seiner Lieder als Choralkantaten komponierte.

 

 

Ach Gott, wie manches Herzeleid

 

3

Ach Gott, wie manches Herzeleid. Choralkantate

 

44.4

Ach Gott, wie manches Herzeleid

 

58.1

Ach Gott, wie manches Herzeleid / Nur Geduld, mein Herze. Kopfsatz der Kantate 58.

 

153.9

Drum will ich, weil ich lebe noch

 

 

Nimm von uns, Herr, du treuer Gott

 

90.5

Leit uns mit deiner rechten Hand. Einer der „extremsten“ unter den Chorälen Bachs. Bach greift ähnlich wie biem Confiteor der h-moll-Messe zu „verbotenen“ Fortschreitungen um den Tod, d.i. die Verwandlung zu charakterisieren. Ludiwg Finscher schrieb: „Der Schlußchoral ist ein einfach beginnender, dann harmonisch immer reicher werdender Kantionalsatz, der in einer der erstaunlichsten harmonischen Wendungen Bachs (Rückung von d-moll nach Des-Dur!! bei „Stündelein“) kulminiert und schließlich im endlich festgehaltenen D-Dur ausklingt.“

 

101

Nimm von uns, Herr, du treuer Gott. Choralkantate.

Johannes Mühlmann: Dank sei Gott in der Höhe

Mühlmann (1573 - 1613) stammt aus dem späterhin von Bach einzigfartig besungenen Wiederau (Angenehmes Wiederau, freue dich in deinen Auen! Das Gedeihen legt itzund einen neuen, festen Grund, wie ein Eden dich zu bauen.) Er wirkte als Pfarrer und Professor in Leipzig.

 

287

Dank sei Gott in der Höhe. Schönes, noch heute gesungenes Morgenlied.

Heinrich Müller

Heinrich Müller (1631 - 1675) war lutherischer Theologieprofessor an der Universität Rostock. Er hatte in Greifswald und Rostock studiert und war ein erfolgreicher theologischer und Erbaungsschriftsteller. Bach besaß Bücher mit Passionspredigten und weitere Werke Müllers in seiner Bibliothek. Die Passionspredigten Müllers bildeten eine textliche Vorlage für die von Picander gedichteten Teile der Matthäuspassion Bachs. Von Müller ist lediglich eine (!!) schlicht vertonte Strophe in Bachs Werk eingedrungen.

 

 

Selig ist die Seele

 

87.7

Muß ich sein betrübet

Georg Mylius: Herr, ich denk an jene Zeit

Georg Mylius (1613 - 1640) war Ostpreuße aus Königsberg. Er war der Sohn eines Professors der Albertina. Nach Theologiestudium in Königsberg und Wittenberg wurde er Pfarrer in Brandenburg am Frischen Haff in Natangen. Diese Stadt liegt zwischen zwischen Heiligenbeil und Königsberg und dürfte heute, da im s.g. "Oblast Kaliningrad", weitgehend verschwunden sein. Mylius starb allerdings kurz nachdem er dort die Pfarrstelle übernommen hatte.

 

329

Herr, ich denk an jene Zeit

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