Archiv Johann Sebastian Bach

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   Inhaltsverzeichnis Bach |     Geistliche Texte
 

Choralbearbeitungen Bachs

nach Hymnen von Martin Jahnus, Justus Jonas, D. A. Keßler, Christian Keymann, Samuel Kinner, Christoph Knoll, Tobias Klausnitzer, Christian Jacob Koitsch, Johann Kolrose, Elisabeth Kreutziger und A. Kritzelmann.

Martin Jahn: Jesu, meiner Seelen Wonne

Martin Jahn (1620 -1682) stammte aus Merseburg und hat bereits als Student in Königsberg auf kirchenmusikalischem Gebiet Herausragendes geleistet. Durch die Gegenreformation wurde er viel in Schlesien herum getrieben und konnte so in Sorau, Sagan, Eckersdorf und Ohlau wirken. Sein Lied „Jesu, meiner Seelen Wonne“ gehört dank der Vertonung Bachs zu den berühmtesten Liedern aller Zeiten - obwohl niemand seinen Titel kennt!

 

147.6

Wohl mir, daß ich Jesum habe. Dies ist wohl der populärste Bach-Choral überhaupt, ungleich populärer als die Kantate, der er entstammt.

 

147.10

Jesus bleibet meine Freude. Identischer Satz.

 

154.3

Jesu, mein Hort und Erretter. Strophe 2 aus dem Liede Jahns.

 

359

Jesu, meiner Seelen Wonne. Die Choralsätze BWV 359 und 360 sind mit dem Liede Jahns verbunden. Bach verwendet allerdings in allen Fällen die Weise Werde munter mein Gemüte, mit der das Lied in Leipzig verbunden gewesen ist.

 

360

Jesu, meiner Seelen Wonne

Justus Jonas (Jodokus/Jobst Koch): Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält

Wie Luther (Wär’ Gott nicht mit uns diese Zeit) hat auch Jonas (1493 - 1555) eine Psalmhymne zu Psalm 124 geschaffen. Beide Lieder gehören zum reformatorischen Kernbestand, beiden Liedern hat Bach eine Choralkantate gewidmet.

Jonas stammte aus Nordhausen am Unterharz, der schönen Mitgift für die Kaiserin Theophanou. Nach seiner Kollaboration mit Luther in Wittenberg war er Pfarrer in Eisfeld an der Werra.

 

178

Wo Gott der Herr nicht bei uns hält. Kern dieser Choralkantate ist eine Arie, deren Text hier mitgeteilt sei:

Schweig nur, taumelnde Vernunft!
Sprich nicht: Die Frommen sind verlorn,
das Kreuz hat sie nur neu geborn.
Denn denen, die auf Jesum hoffen,
steht stets die Tür der Gnaden offen,
und wenn sie Kreuz und Trübsal drückt,
so werden sie mit Trost erquickt!

Bach stellt sich mit seiner großartigen Komposition in den Kampf gegen den autonomen Vernunftbegriff der Aufklärung, einen gerechten Kampf, der auch heute noch nicht zu Ende geführt ist. Leider versuchen unsaubere Bach-Exegeten wie „Professor“ Wolff in Harvard, usa, Bach für die gottwidrige Pseudo-Aufklärung in Anspruch zu nehmen. Dies sei hiermit in aller Form ausdrücklich zurückgewiesen!

 

247.3 und 247.26

Sie stellen uns wie Ketzern nach; Was Menschen Kraft und Witz anfäßt. In der Markuspassion (Geh, Jesu, geh zu deiner Pein) von Bach waren zwei Strophen der Jonas-Hymne. Da die Musik dieser Passion verloren gegangen ist, kann man über die Vertonung der Choralstrophen nur mutmaßen. Folgende Choralsätze von Bach kommen ggf. als geeignet in Frage:

 

256, 257, 258

Wo Gott der HErr nicht bei uns hält

D. A. Kessler: Keinen hat Gott verlassen

Für das Lied Kesslers aus der Markuspassion gilt das oben gesagte.

 

247.40

Keinen hat Gott verlassen

 

369

Keinen hat Gott verlassen

Christian Keymann

Der Deutschböhme Keymann (1607 - 1662) stammt aus Pankratz bei Zittau. Als Lutheraner studierte er gemeinsam mit Paul Gerhardt in Wittenberg. Da böhmischen Landeskindern der Besuch dieser Universität nicht gestattet war, wich Keymann nach Zittau aus, wo er zeitlebens als Lehrer, Rektor und gekrönter Dichter wirkte.

 

 

Freuet euch, ihr Christen alle.

Das Weihnachtslied „Freuet euch, ihr Christen alle“ war das beliebteste Weihnachtslied des 17. Jh., beliebter als die Lieder Gerhardts, deren Zeit erst viel später gekommen war. Im opus Bachs ist es nur einmal vertreten, in einem allerdings wunderbar weihnachtlichem Satz.

 

40.8

Jesu, nimm dich Deiner Glieder

 

 

Meinen Jesum laß ich nicht

„Ein schön Lied auf das kurfürstlich sächsiche Symbolum“. Diese Überschrift bezieht sich auf dire eltzten Worte des sächsichen Kurfürsten JOhann Georg, der im 30jährigen Krieg teils mit teils gegen den Kaiser gefochten hat. Leider gelang es ihm in diesem Zusammenhange die schöne Lausitz aus dr Habsburger Länderkrone herauszureißen. Eine Entscheidung, die schnellstens rückgänigg gemacht werden sollte!

Nach dem Lied von Keimann enstanden noch mehr als zehn Lieder gleichen Anfangs, die leicht verwechselt werden kännen. Das Lied von Keimann hatte jedoch als einziges Bestand

Die Anfangsworte der Strophe 1 - 5 ergeben die Überschrift:

1. Meinen Jesum laß ich nicht
2. Jesum laß ich nimmer nicht
3. Laß vergehen das Gesicht
4. Ich werd ihn auch lassen nicht
5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht

Die Anfangsbuchstaben der sechsten Strophe verraten den Adressaten des Liedes:

6. Jesum laß ich nicht von mir,
Geh ihm ewig an der Seiten.
Christus läßt mich für und für
zu dem Lebensbächlein leiten.
Selig, wer mit mir so spricht:
Meinen Jesum laß ich nicht.

Johann
Georg
Churfürst
Zu
Sachsen-
Merseburg

 

70.11

Nicht nach Welt nach Himmel nicht

 

124

Meinen Jesum laß ich nicht. Choralkantate

 

154.8

Meinen Jesum laß ich nicht, geh ihm ewig an der Seiten. Erste Zeile durch LIedanfang ersetzt!

 

157.5

Meinen Jesum laß ich nicht, geh ihm ewig an der SeitenErste Zeile durch LIedanfang ersetzt!

 

380

Meinen Jesum laß ich nicht

 

 

Meinen Jesum laß ich nicht, Jesus wird mich auch nicht lassen

Nicht zu verwechseln mit zuvorigem stehendem Lied. Auch die Weise ist eine andere! Sie steht bei Zahn als 3448a.

 

379

Meinen Jesum laß ich nicht

 

 

Sei gegrüßet, Jesu gütig

Dieses hervorragende Passionslied ist bei Bach mit je einem Choral, Lied und Orgelpartita bedacht.

 

410

Sei gegrüßet, Jesu gütig

 

499

Sei gegrüßet, Jesu gütig

 

768

Partite diverse sopra „Sei gegrüßet, Jesu gütig“

Samuel Kinner: Herr Jesu Christ, du hast bereit

Kinner (1603 - 1668) war Arzt in der Residenzstadt Brieg an der Oder. Sein eucharisticher Gesang weist ihn als wahren Seelenarzt aus, der die heilsame Wirkung des Altarsakramentes betont.

 

333

HErr Jesu Christ, du hast bereit

Tobias Klausnitzer

Klausnitzer (1618 - 1684) war ein echter Erzgebirgler aus der Nähe von Chemnitz. Als echter Lutheraner wußte er: „Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis verhüllet.“

 

 

Liebster Jesu, wir sind hier

 

373

Liebster Jesu, wir sind hier

 

633

Liebster Jesu, wir sind hier. distinctus

 

706

Liebster Jesu, wir sind hier

 

730

Liebster Jesu, wir sind hier

 

731

Liebster Jesu, wir sind hier

 

754

Liebster Jesu, wir sind hier

 

 

Wir glauben all an einen Gott, Vater

Klausnitzers Lied über das Nizenum sei hier mitgetilt, vor allem auch, weil es wohl das einzige Lied ist, in welchem das filioque genannt wird!

1. Wir glauben all’ an einen Gott,
Vater, Sohn und Heilgen Geist,
der uns hilft aus aller Not,
den die Schar der Engel preist,
der durch seine große Kraft,
alles wirket, tut und schafft.

2. Wir glauben auch an Jesum Christ,
Gottes und Marien Sohn,
der vom Himmel kommen ist,
und uns führt ins Himmels Thron,
der uns durch sein Blut und Tod
hat erlöst aus aller Not.

3. Wir glauben an den Heil’gen Geist,
der von beiden gehet aus,
der uns Trost und Beistand leist
wider alle Furcht und Graus.
Heilige Dreifaltigkeit,
sei gepreist zu aller Zeit!

 

740

Wir glauben all an einen Gott, Vater, Sohn und Heilgen Geist. Die einzigartige Komposition con pedale doppio stammt von dem Bach-Schüler Krebs aus Altenburg in Thüringen.

Christoph Knoll: Herzlich tut mich verlangen nach einem selgen End

Der Niederschlesier Chrisoph Knoll (1563 - 1621) schuf das ernste und gedankenreiche Abschiedslied, das die Furcht vor dem Tode nicht ausblendet. Dier Erhabenheit des Liedes motivierte Bach zu zwei seiner schönsten Kompositionen.

 

161

Komm, du süße Todesstunde. Diese Kantate galt unter Kennern schon seit langem als besonderes Juwel. Der i.A. recht nüchterne Alfred Dürr schrieb: „Bachs Komposition ist von unbeschreiblichem Reiz.“ Die Weise des Schlußchorals wird in der überirdisch schönen Eingangs Alt-Arie bereits instrumental zitiert „Herzlich tut mich verlangen nach einem selgen End!“ Der Text der Schlußstrophe wurde in neueren Gesangbüchern als anstößig zensiert. Er sei deshalb hier mitgeteilt:

Der Leib zwar in der Erden
von Würmen wird verzehrt,
doch auferweckt soll werden,
durch Christum schön verklärt,
wird leuchten als die Sonne
und leben ohne Not
In himml’scher Freud und Wonne.
Was schadt mir denn der Tod?

 

727

Herzlich tut mich verlangen nach einem selgen End. Dies ist der wohl bedeutendste Orgelchoral Bachs außerhalb der Sammlungen. Keller schreibt: „Man möchte in dieser unsterblichen Bearbeitung der herrlichen Melodie geradezu den Idealtyp des Orgelbüchleins sehen und es ist uns nicht verständlich, warum sie keine Aufnahme darin gefunden hat, ja, warum Bach unter den 164 Chorälen, für die er eine Bearbeitung vorgesehen hat, nicht einmal die Melodie vornotiert hat ... “

Christian Jacob Koitsch: Liebes Herz, bedenke doch

Koitsch (1671 - 1734) stammt aus dem Umkreis des Hallenser Pietismus und unterrichtete auch am dortigen Waisenhaus. Sein weiteres Leben vollendete er im schönen Elbing in Westpreußen, nahe der Weichselmündung.

 

482

Liebes Herz bedenke doch

Johann Kolros

Kolros (auch Johannes Kolrose, 1485 - 1550) war Zeitgenosse Luthers und wirkte in Basel. Es wäre lohnend, seine Theaterstücke ausfindig zu machen und wieder aufzuführen.

 

 

Ich dank dir, lieber Herre

 

37.6

Den Glauben mir verleihe

 

147a.6

Dein Wort laß mich bekennen

 

347

Ich dank dir, lieber HErre

 

348

Ich dank dir, lieber HErre

 

 

Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst

 

438

Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst

 

1123

Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst

Elisabeth Kreutziger: Herr Christ, der einge Gottes Sohn

Elisabeth Kreuziger stammte aus Pommern und wurde in Wittenberg von Luther getraut. Ihre Tochter heiratete Lutherns Sohn. Ihr Lied gehört zu den evangelischen Kernliedern und ist von erlesener Güte.

 

22.5

Ertöt uns durch dein Güte

 

96

Herr Christ, der einge Gottes Sohn. Choralkantate

 

132.6

Ertöt uns durch dein Güte

 

164.6

Ertöt uns durch dein Güte

 

601

Herr Christ, der einge Gottes Sohn

 

698

Fughetta „Herr Christ, der einge Gottes Sohn“

Andreas Kritzelmann: Betrübtes Herz, sei wohlgemut

Kritzelmann (geb. 1606) stammte aus Chemnitz am Erzgebirge

 

247.13

Betrübtes Herz, sei wohlgemut

 

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